Englische Roadster hätten den Zenit ihrer Beliebtheit als Oldtimer überschritten, heisst es immer wieder. Und vielleicht stimmt das sogar, da ihre Anzahl auf markenoffenen Treffen zwar langsam, aber doch stetig abnimmt. Umso schöner ist es daher, dass auch im Jahr 2024 noch neue Veranstaltungen debütieren, die sich einer der vielen verschwundenen Marken aus dem Vereinigten Königreich widmen. So wie den "Swiss Triumph Day" auf dem Erlebnisflugplatz Zihlschlacht-Sittersdorf, der am 15. September erstmals stattgefunden hat.
Wer aus Zürich oder dem Aargau kam, war bei wolkenlosem Himmel losgefahren und fand sich vor Ort unter einer geschlossenen, stahlrauen Wolkendecke. Entsprechend viele Cabrioverdecke waren bei der Ankunft geschlossen – und blieben es vorsichtshalber auch erstmal. Aber wie das immer so ist: Wenn man einmal an den Regenschirm denkt, bleibt's trocken. Das sprichwörtliche "englische Wetter" blieb aus, und mit der Zahl der Autos nahm auch der Sonnenschein zu.
Perlen vor die Leute
Dem Spitfire-Club Schweiz ist es sicherlich zu verdanken, dass der kleine Bruder der TR-Reihe sowie sein sechszylindriger Coupé-Zwilling GT6 das Teilnehmerfeld dominierten. Die grossen Roadster (und das eine Coupé) waren vom TR2 bis zum TR8 natürlich vollständig und zahlreich vertreten. Dennoch bot sich hier dem aufmerksamen Betrachter ein kurioses Zerrbild der Geschichte. Obwohl der TR4 A IRS rund zehnmal so oft gebaut worden ist wie der TR5 PI, schien das Verhältnis in Zihlschlacht-Sittersdorf genau umgekehrt: Nur ein einziger Vierzylinder mit Schräglenker-Hinterachse fand sich in den Reihen, während "Fünfer" in fast allen Farben und Erhaltungszuständen präsent waren.
Natürlich bedeutet "Triumph" nicht ausschliesslich "Roadster". Überraschend viele der grossen Sechszylinder-Limousinen – in allen Leistungsklassen vom 2000 bis zum 2.5 PI – waren zum Treffen erschienen. Dazu kamen einige Stag (wie viele weitere auf dem Weg liegengeblieben sind, ist nicht bekannt), Dolomite, Herald und Vitesse. Sogar einer der fast vergessenen Triumph 1300 hatte sich von seinen Vorderrädern zum Flugplatz ziehen lassen.
Das "Perlenfeld" war besonders schönen oder besonderen Autos vorbehalten. Dort fand sich auch der heimliche Star des Treffens: ein 1937er Triumph Continental mit Cabriolet-Karosserie von Graber. Als einziges Vorkriegsfahrzeug der Veranstaltung grenzte er sich mit einer gewissen Erhabenheit von den TR-Radaubrüdern ab. Dem skurril-schrulligen Triumph Mayflower gelang das in Sachen Eleganz nicht ganz so gut, obwohl er ebenfalls ein Einzelstück auf dem Platz war.
Auch der Italia 2000 zeigt deutlich grazilere Linien als die technische Basis. Unter der Vignale-Karosserie verrichtet der Antrieb des Triumph TR3 seinen drehmomentstarken Dienst. Gleich zwei Exemplare des seltenen Coupés fanden sich im "Perlenfeld". Ebenfalls ein Michelotti-Entwurf, stilistisch aber sicher umstrittener war der TR5 Ginevra, der 1968 als Verlegenheitslösung für den Genfer Salon gebaut worden ist.
Wurst und Irrtümer
Ein reges Kommen und Gehen, Umparkieren und Rangieren machte eine genaue Zählung schwierig; es dürften aber insgesamt gut über 100 Autos gewesen sein, die den Erlebnisflugplatz zugeparkt haben – und das zudem bemerkenswert sortenrein. Einzig ein Aston Martin DB4 und ein Morris Minor 1000 Tourer hatten sich als Fremdfabrikate aufs Gelände geschlichen. Während man den Morris mit zwei zugedrückten Augen irgendwo noch gelten lassen kann – schliesslich waren Morris und Triumph ab 1968 in der BLMC vereint –, wirkte der DB4 ein bisschen wie Abendgarderobe auf einem Grillfest.
Apropos Grillfest: Erfreulich viele junge Familien hatten sich am 15. September auf dem Flugplatz eingefunden – und das sicher nicht nur, um eine Bratwurst zu essen. Die hätte es sicher auch anderswo ohne Motorengeräusch und Abgasgeruch gegeben. Es sei denn, man will den Nachwuchs schon früh für Oldtimer begeistern. Ein Knirps auf dem Schoss seiner Mutter hatte jedenfalls sichtlich Spass im TR3-Cockpit, obwohl er noch nicht einmal über das Lenkrad schauen konnte. Vielleicht haben englische Roadster das Beliebtheitstal ja bald durchschritten.













































































































































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