Kandidat für “Germany's next Top-Goodwood" sind mit Sicherheit die Classic Days auf Schloss Dyck. Jährlich werden eine Unmenge historischer Vehikel aller Art in die Gegend von Mönchengladbach gekarrt, von hochkarätigen Rennwagen vom Schlage eines Porsche 917 bis hin zum Kabinenroller à la BMW Isetta.
Vom einfachen Sachs-Moped bis zum Benz Dreirad gab es auch bei der 2019-er Ausgabe so ziemlich alles zu sehen, was die Technik während den letzten 125 Jahren auf die Strassen gebracht hat.
Engmaschiges und vielfältiges Programm
Die Zeit wird schnell knapp, will man alles sehen. Auf der Strecke tobt das Programm von morgens bis abends ununterbrochen, während gleichzeitig im Park der Concours d`Elégance oder Fahrzeugvorstellungen wie "Charme & Style" oder "Lovely Heroes" präsentiert werden.
Ganz klar ist, ein Tag reicht nicht, um das volle Programm wirklich in den Griff zu kriegen. Aber die Reise in die Nähe zum Ruhrgebiet und zwischen Braunkohle-Abbaugebiete und Atomkraftwerke lohnt sich allemal.
Was Marcus Herfort mit seiner Frau Simone und den rund 100 immer gutgelaunten und sehr freundlichen ehrenamtlichen Helfern hier jährlich auf die Beine stellen, ist absolut erste Sahne. Selbst wenn nicht immer die persönlichen Lieblingsautos vor Ort stehen oder fahren, so gibt es so viel weniger Bekanntes zu sehen und hören, dass es einfach eine grosse Freude ist, mit dabei zu sein.
Klar haben die grossen Hersteller, wie auch die "schweren" Sponsoren, ohne die es nicht möglich wäre einen derartigen Anlass durchzuziehen, ein wenig überhand genommen und zwischendurch auch für etwas Kopfschütteln gesorgt. So wurden zum Beispiel eine beträchtliche Anzahl historische Autos von einer Uhrenmarke angemietet und an Leute verteilt, die noch nie in einem derartigen Auto sassen. So brauchte tatsächlich eine Lenkerin Hilfe von Aussenstehenden, da sie nicht in der Lage war, mit “ihrem” Auto auch nur einen Meter rückwärts zu fahren und so in ihrer kompletten Verzweiflung bereits einen massiven Stau im Schlosspark produziert hatte.
Und vielleicht wurden auch nicht mehr alle Fahrzeuge penibelst auf ihre Echtheit geprüft, wie das noch vor Jahren der Fall war.
Aber auch ein "Pur-gatti" oder ein "nur" 400’000 Euro teurer 250 GTO erweckt in vielen weniger geschulten Augen ein Glänzen und Bewunderung.
Gross Begeisterung
Bereits auf dem Weg zum Grossanlass, der sich am 2. bis 4. August 2019 zum 14. Mal jährte, liess sich erkennen, dass die Classic Days möglichst alle Autoenthusiasten ansprechen möchten.
Rund 30’000 zum Grossteil modisch gekleidete Besucher stürmten, mit und ohne historischem Fahrzeug, den Schlosspark und zeigten ihre grosse Begeisterung.
Auto-Raritäten am Concours
Im nun wieder in die Classic Days integrierten Concours d’Elégance “Masterpieces” gab es einige sicherlich aussergewöhnliche Fahrzeuge zu bewundern:
Der Mercedes Benz Wendler 320 W142, mit sechs Zylindern und und 3200 ccm aus dem Jahr 1936 wurde 1950 von der Firma Wendler aus Reutlingen als Einzelstück mit einer Wendler-Karosserie versehen und anlässlich der Reutlinger Motorschau ausgestellt.
Die aussergewöhnliche Pontonkarosserie hat zwei separate Türen für je ein Reserverad. Ebenso ist ein zu seiner Zeit begehrtes Maybach-Getriebe mit einem vierten Schnellgang und ein dritter Autobahnscheinwerfer verbaut.
Der Rolls-Royce Silver Ghost Springfield aus dem Jahre 1922 mit 7428 ccm und 6 Zylindern mit amerikanischer Brewster-Karosserie wurde 1925 an einen Bankier nach London ausgeliefert. Er ist seit 1974 in Deutschland und seit 1997 beim gleichen Besitzer.
Der Kaiser von Japan bekam 1922 einen identischen Silver Ghost. Der Zar von Russland besass ebenfalls einen und Lenin sogar deren zwei, davon war einer mit Schneekufen ausgestattet.
Das Graham-Paige 827 Opera Coupé vom US-amerikanischen Automobilhersteller aus dem Jahr 1929 leistet stattliche 120 PS aus dem 5,3l Achtzylinder. 1927 kauften die Brüder Joseph B., Robert C. und Ray A. Graham die Paige-Detroit Motor Car Company. Ab 1930 wurden die Fahrzeuge unter dem Markennamen Graham verkauft. Graham-Paige baute 5 Modelle auf Basis des 827-Chassis, aber kein Opera-Coupé.
Das auf Schloss Dyck gezeigte Fahrzeug ist das einzige vom Karosseriebauer Briggs gefertigte Opera Coupé Le Baron. Lackierung und Interieur sind original. Mit der grossen Motorleistung und dem 4-Gang- Getriebe konnte der Wagen mit Marken wie Cadillac, Packard und Pierce Arrow mithalten.
1935 beauftragte Alfa-Chefingenieur Vittorio Jano die Brüder Gino und Oscar Jankovits mit dem Bau eines Mittelmotor-Sportwagens auf Basis des 6C 2300. Das einzigartige Auto, der Aerospider, sollte die deutsche Vormachtstellung im GP-Rennsport herausfordern. Zunächst mit einem 6-Zylindermotor ausgestattet, sollte dem weltweit ersten Auto mit Mittelmotor, später ein V12 eingebaut werden. 1937 wurde Nano bei Alfa Romeo entlassen und die weltpolitische Lage führte dazu, dass der Wagen in der Garage der Jankovits versteckt blieb.
Die Todesstrafe, wegen Unterstützung der Nazis, vor Augen, floh Gino mit dem Spider von Jugoslawien nach Italien und verunglückte dabei mit hoher Geschwindigkeit unter einem Schlagbaum. Reifen und Karosserie wurden auch noch durch Gewehrkugeln beschädigt. Nach dem 2. Weltkrieg galt er für lange zeit als verschollen bis er dann in einer kroatischen Scheune wiedergefunden wurde.
Siegreich im Concours waren allerdings andere Modelle. Als “Best of Show” wurde ein Bentley 4 1/2 Litre von 1928 erkoren.
Das Mercedes-Benz 170 V Sindelfingen Cabriolet A von 1938 erhielt die Gunst des Publikums. Der Ferrari 330 America von 1963 wurde als “Worlds Most Pristine Masterpiece” geehrte, der Fiat 2300 S als Coupé Michelotti von 1966 als “Most Significant Car Postwar” ausgezeichnet.
Als Beste ihrer Klasse wurden folgende Autos gewertet:
- Bentley 4 1/2 Litre von 1928 (The Masterclass in Racing & Style)
- Alfa Romeo Aerospider von 1937 (Extraordinary Cars of the Golden Years)
- Rolls-Royce Phantom I Sedanca de Ville Thrupp & Maberly von 1927 (Around the World - The Grand Tour)
- Porsche 356 von 1951 mit geteilter Frontscheibe (The New Era - Elegance & Innovation)
- Maserati 3500 GT von 1958 (Early Postwar Internationality)
- Facel Vega 6 HC Cabriolet von 1957 (Grace & Pace - Power & Beauty)
- Lancia Flaminia Zagato von 1966/1967 (Coupes of Class & Rarity)
- Dino 246 GT von 1972 (Italian Coachbuilding - Gran Turismo Class)
- Ferrari 365 GTB/4 von 1968 (The next Generation - Pure Shape)
Fast im Renntempo
Während die Besucher in der Orangerie des Schlossparks die eleganten und schönen Fahrzeuge im Concours bestaunten, bretterten gleichzeitig legendäre orange-lackierte Jägermeister Fahrzeuge vom F2 bis zum M1, heute gehätschelt durch den Sammler Eckhard Schimpf, über die extra eingerichteten Rundstrecke.
Alfa-Romeo brachte, neben einem Alfa 6 Safety-Car, auch den erfolgreichen 33 TT12 mit Arturo Merzario am Steuer ins Ruhrgebiet.
Ein Bild für Götter und all seine Fans waren natürlich die beiden Porsche 917 Kurzheck, die zusammen mit Alfa Romeo Tipo 33TT12 und einem Abarth 2000 durch die Schlossallee heranbrausten. Wunderschöne Autos in toller Landschaft.
50 Jahre Ford Capri
Neben der Rundstrecke fanden sich wie immer diverse Markenclubs, allen voran war diesmal Ford mit dem 50-jährigen Jubiläum des Capri.
Auch zahlreiche Privatbesitzer brachten auf Einladung von Ford ihre Coupés mit, von der ersten Generation 1969 bis hin zum Facelift der zweiten Generation, die erst 1986 auslief.
Und natürlich die Camping-Freunde
Zum Schluss wollen wir zur Freude der Camper auch die super restaurierten und sauber gepflegten historischen Wohnwagen und -mobile nicht vergessen.
Es scheint auch, dass diese Gruppe jährlich immer grösser wird. Mit viel Liebe zum Detail werden all die unzähligen Dekors jener Zeit der betreffenden Fahrzeuge angepasst.
Weitere EIndrücke von den Classic Days auf Schloss Dyck gibt es auch noch in der unterhaltsamen Bildergeschichte zum Anlass.













































































































































































































































































































































































































































-an-den-Classic-Days-2014.jpg)

































































Kommentare