In den Siebzigerjahren sollte die Karriere des Porsche 911 eigentlich enden, so zumindest dachten die Verantwortlichen bei Porsche. Es wurde nicht mehr investiert, der Fokus lag auf den Frontmotor-Modellen 924 und 928. Nur einige wenige Ingenieure setzten sich weiterhin für den eigentlich überholten luftgekühlten Heckmotor ein. Und es sollte sich zeigen, dass gerade der 911 schliesslich die Rettung für Porsche war.
Zwischen 1973 und 1989 verliess das sogenannte G-Modell die Fabrikhallen von Zuffenhausen, ab den Achtzigerjahren mit zunehmendem Interessen bei den Kunden. Und heute gehören diese G-Modelle zu den beliebtesten Porsche-Klassikern.
Grund genug, darüber spezifisch ein Buch zu schreiben und offenbar auch Grund genug, dieses Buch nach drei Jahren nochmals zu überarbeiten und neu zu lancieren.
Neuauflage
Tatsächlich haben Gabriel, Hering und Kindermann bereits im Jahr 2017 ein Buch über die luftgekühlten Modelljahre 1974 bis 1989 veröffentlicht. Jetzt wurde das Buch sozusagen einem Facelift unterworfen und es hat sich mehr geändert als nur das Startdatum der Auflage.
Leichtbau
Als man bei Porsche wieder an den 911 glaubte, da entstanden auch wieder einige besondere Modelle, eines davon war der Carrera 3.2 Clubsport für die Modelljahre 1988 und 1989.
11 Seiten werden dieser 911-Variante gewidmet, die eigentlich ihren Reiz nur aus dem Weglassen zog. 190 Stück (oder waren es 339, wie im Text erwähnt) des Clubsport-Coupés wurden gebaut und sie beschleunigten etwas besser und waren etwas lauter innen. Billiger waren sie allerdings nicht, was der Nachfrage sicherlich förderlich waren. Dafür sind sie heute selten und damit deutlich wertvoller. Gemäss Classic Data kostet ein Clubsport im Zustand 2 EUR 138’000, wie im Preisguide auf Seite 285 steht.
Aber, funktioniert die Kunst des Weglassens auch bei einem Buch, ist man versucht zu fragen, schliesslich umfasst die zweite Edition nur noch 368 Seiten, während die Ausgabe von 2017 noch auf 425 Seiten kam. Dämmmaterial kann man bei einem Buch ja nicht weglassen, wenn man einmal von “nicht-tragenden” halbtransparenten Seiten absieht. Was ist also auf der Strecke geblieben?
Nun, zum einen wurde die Abhandlung über die Änderungen von Modelljahr zu Modelljahr etwas kompakter gefasst, zum anderen gibt es das Interview mit Helmuth Bott nicht mehr. Im Buch drin geblieben ist das hochinteressante Interview mit 911-Retter Friedrich Bezner.
Ein paar Bilder mögen auch fehlen. Das Buch wirkt aber nachwievor “rund” und beim Lesen vermisst man eigentlich nichts Wesentliches. Und der etwa kompaktere Umfang an Seiten erhöht gemäss Herausgeber die Dauerhaftigkeit der Bindung, was gut ist, denn man blättert ja gerne und oft im schönen 911-er Buch.
Die Entstehung des Pascha-Stoffs
Bekannt wurde das Paschamuster ja mit dem Porsche 928, aber auch in anderen Modellen konnte man den fast schon psychedelisch wirkendende Stoff schliesslich haben. Zu verdanken ist er Vlasta Hatter, die eine Idee von Chefdesigner Lapine, der eine Art Start-/Zielflagge als Polsterstoff haben wollte, in ein dynamisches Muster umsetzte.
Diese Hintergründe werden in einem neuen Interviews, das es in der Erstausgabe des Buchs noch nicht gab, enthüllt. Spannend!
Praxisorientierter Inhalt
Den Hauptteil des Buchs umfasst die Charakterisierung der verschiedenen 911-Modelle, angefangen beim Baujahr 1974 und endend mit dem Modelljahr 1989. Beschrieben sind alle Normalmodelle, aber auch die Turbo-Varianten, und natürlich Coupé-, Targa-, Cabriolet- und Speedster-Versionen.
Zu allen wichtigen Varianten gibt es jeweils eine zweiseitige Zusammenstellung der technischen Daten und auch die Produktionszahlen fehlen nicht.
Fünf Kaufberatungen zu den Modelljahren 1974-1977, zum 911 SC, zum Carrera 3,2 und zu den beiden Turbo-Versionen 3.0 und 3.3 runden die Beschreibung des G-Modells ab.
Damit man weiss, für wieviel Porsche das Budget reicht, werden die Bewertungswerte von Classic Data publiziert, die für das neue Buch auf den Stand 2020 nachgeführt wurden.
Chronologisch aufgebaut
Das Buch ist entlang der Zeitachse aufgebaut, die beiden grossen Interviews sind eingestreut. Zur Navigation dient ein einseitiges Inhaltsverzeichnis, das aus unserer Sicht etwas knapp gehalten ist. Damit ist jedenfalls eine schnelle Suche nach besonderen Modellen nicht gut unterstützt, denn es gibt weder einen zusätzlichen Schlagwortindex, noch sind spezifische Autos im Inhaltsverzeichnis erkennbar. Als Beispiel sollen hier die Sondermodelle, von denen es im Buch deren elf gibt.
Es sind ja gerade diese Sondermodelle, über die oftmals wenig bekannt ist, umso schöner ist es, dass gerade sie detailliert (inkl. Stückzahlen) und mit rarem Bildmaterial dargestellt sind, ein echter Pluspunkt für dieses Buch.
Und für alle diejenigen, die spezifische Informationen zu genau diesen Sondermodellen suchen, seien sie hier mit der Seitenzahl aufgeführt:
- Porsche Carrera RS 3.0 (1974) - Seite 88
- Porsche 911 “25 Jahre” (1975) - Seite 92
- Porsche 911 “Signature” /1976) - Seite 100
- Porsche 911 Turbo 3.0 RS “Von Karajan” /1975) - Seite 150
- Porsche 911 SC “Weissach Edition” (1980) - Seite 204
- Porsche 911 SC “50 Jahre Porsche (1982) - Seite 212
- Porsche 911 SC/RS (1984) - Seite 288
- Porsche 911 Carrera Club SportTarga (1988) - Seite 294
- Porsche 911 Carrera “250.000” (Kat) (1988) - Seite 308
- Porsche 911 Carrera 3.2 “25 Jahre 911” (Kat( 1989) - Seite 314
- Porsche 911 Turbo S 3.3 “Sonauto” (1989) - Seite 358
Das Buch ist konsequent zweisprachig gestaltet, zur schnellen Orientierung sind deutsche Texte schwarz, englische Beschreibungen blau gedruckt. Das ist praktisch, tröstet aber nicht ganz darüber hinweg, dass man natürlich einen Teil der Nutzlast des Buchs redundant, also in zwei Sprachen, erhält.
Limitiert
Auf 1989 Exemplare (die erste Auflage wurde 2018 mal gedruckt) ist die Neuauflage limitiert, der Preis liegt mit EUR 99.80 auf demselben Niveau wie im Jahr 2017.
Für Besitzer der ersten Auflage dürfte der Kauf der zweiten Version nicht notwendig sein, auch wenn sich der Inhalt nicht ganz deckt. Wer bei der Ausgabe von 2017 nicht zuschlug, der findet aber in der Version 2020 viel Wissenswertes und darüber hinaus auch spannende und selten gesehene Bilder, die den Kauf sicherlich lohnen, zumal das Buch schön gestaltet und nobel präsentiert wird.
Bibliografische Angaben
- Titel: Porsche 911 G-Model - The Book 1974-1989
- Autoren: Andreas Gabriel, Manfred Hering und Tobias Kindermann
- Sprachen: Deutsch und Englisch
- Verlag: Berlin Motor Books
- Auflage: 2. verbesserte Auflage, 20. November 2020, limitiert auf 1989 Exemplare
- Format: Gebunden mit Schuber, 27,1 x 32,1 cm
- Umfang: 368 Seiten, über 200 Bilder, 2,98 kg
- ISBN: 978-3-9814592-3-4
- Preis: EUR 99.80
- Kaufen/bestellen: Online beim Verlag , aktuell auf amazon.de nicht erhältlich






















































































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