Mit dem Porsche 996 zu Spiel, Satz und Sieg

Erstellt am 25. Mai 2016
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Porsche AG (Archiv) 
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Archiv Porsche AG 
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Courtesy Galerie Fischer Auktionen AG 
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Als Porsche 1997 auf der IAA den komplett erneuerten Porsche 911, intern 996 bezeichnet, präsentierte, war dies für viele traditionsbewusste Porsche-Fahrer ein Schock. Zwar sass der Motor noch im Heck, aber er war nun wassergekühlt und die Form des Wagens erinnerte nur noch in den Konturen an die frühen Modelle. Viele liessen sich trotzdem vom Neuen überzeugen, denn er war fast in allen Punkten besser als die Vorgänger.


Porsche 996 (1997) - Einsteigen nach dem Tennisspiel
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Zeit gehorchend

Die Entwickler der Porsche hatte kaum eine andere Chance. Die Zeiten der Luftkühlung waren vorbei, Lärmgrenzwerte liessen sich nur noch mit einem Wassermantel erreichen, auch wegen der geforderten Abgasgrenzwerte musste eine Neuentwicklung her. So entstand ein komplett neuer Motor, wobei man bei der Sechszylinder-Boxeranordnung und dem Heckmotorprinzip blieb.


Porsche 996 (1998) - der wassergekühlte Boxermotor mit 300 PS
Copyright / Fotograf: Porsche AG (Archiv)

Mit Vierventilköpfen, vier über Ketten angesteuerte Nockenwellen, Schaltsaugrohr und integrierter Trockensumpfschmierung schaffte man die Voraussetzungen für hohe Leistungsausbeute. 3,4 Liter Hubraum, 300 PS bei 6800 Umdrehungen und ein maximales Drehmoment von 350 Nm bei 4600 Umdrehungen waren das Ergebnis.

Grösser und leichter

Die grösste Änderung neben der Technik, auch das SechsgangGetriebe und die Vorderradaufhängung (vom Boxster übernommen) waren neu, betrafen aber die Optik und die Abmessungen. Um 18,5 Zentimeter war der 996 in der Länge gewachsen, in der Breite legte er um drei Zentimeter zu. Nur in der Höhe war er um wenige Millimeter geschrumpft. Trotz der grösseren Dimensionen und dem damit gewachsenen Innenraum gelang den Porsche-Entwicklern das Kunststück, das Leergewicht um einige Kilogramm zu senken. Chapeau!


Porsche 996 (2003) - fünf Generationen 911 in vierzig Jahren
Copyright / Fotograf: Porsche AG (Archiv)

Beim Design musste Harm Lagaay allerdings Kompromisse eingehen. Teile des Bugs, Scheinwerfer, aber auch die Türen mussten genauso vom Boxster übernommen werden wie Teile der Innenausstattung. Dies schränkte natürlich die gestalterische Freiheit ein und mancher Porsche-Kunde war über die Verwechselbarkeit von vorne gar nicht glücklich, zumal der 996 mit Preisen ab rund DM 135’000 kein Sonderangebot war. Und da waren Klimaanlage oder der Heckscheibenwischer noch nicht einmal inbegriffen.

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Besser als der Vorgänger

So wehte dem neuen 911-er durchaus Gegenwind entgegen, an dem auch der von 0.34 auf 0.30 reduzierte Luftwiderstand nichts ändern konnte, zumal die Querschnittsfläche ja angewachsen war. Hilfreicher waren da schon eher die positiven Kommentare der Autotester, die dem Neuen viele Vorzüge gegenüber seinen Vorgängern bezeugten.


Porsche 996 4S (2004) - der Heckflügel zeigt sich erst bei höheren Geschwindigkeiten
Copyright / Fotograf: Porsche AG (Archiv)

Wolfgang König von Auto Motor und Sport schaffte es sogar, den 996 in 4,9 Sekunden von 0 bis 100 km/h und bis zu einer Spitze von 280 km/h zu beschleunigen. Der offenbar gut im Futter stehende Sportwagen lief damit auch seinem Vorgänger davon und verbrauchte zudem mit 13,4 Litern pro 100 km auch weniger als der 993. Allerdings musste er sich auch mit einem kleineren Tank von nurmehr 64 anstatt 74 Litern begnügen, was die Reichweite etwas einschränkte.

Für das Fahrverhalten gab es nur Lob von den erfahrenen Testern, es hatte gegenüber früher deutlich an Gutmütigkeit gewonnen, ohne spürbar an Sportlichkeit verloren zu haben.

Die gute Fahrdynamik halfen dem 996 auch in einem Vergleichstest gegen das BMW Z3 M Coupé und den Ferrari F355 im Jahr 1998, die Karosserie- und die Kostenwertung konnte aber der BMW für sich entscheiden, so dass der Porsche nur Zweiter wurde.

Acht Jahre Evolution

Praktisch von Anfang an gab es den 996 als Zwei- oder Vierradantriebsvariante, der Turbo kam im für das Baujahr 2000 dazu, die besonders sportliche GT3-Version ein Jahr früher.


Porsche 996 GT3 (2002) - als besonders scharfe Version
Copyright / Fotograf: Porsche AG (Archiv)

Mit dem GT2 wurde 2001 respektive 2004 mit 462 respektive 483 PS das Leistungsmaximum erreicht. Auch die Leistung des normalen Carrera stieg im Jahr 2002 von 300 auf 320 PS. Über 175’000 Exemplare des 996 wurden bis 2006 gebaut, kommerziell war der Wagen für Porsche ein grosser Erfolg. 

Ein frühes Modell als Preisgeld

Kaum war der Wagen präsentiert worden, stand er als rotes Coupé-Modell mit Vollausstattung auch am 12. Oktober 1997 bereits als Siegerpreis am WTA Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart/Filderstadt. Und dort gewann dann die Schweizer Weltklasse-Spielerin Martina Hingis den Final gegen Lisa Raymond mit 6:4 und 6:2. Allerdings war sie da erst 17 Jahre alt und hatte entsprechend noch gar keinen Führerschein. Daher wurde der Wagen im Februar 1998 dann in der Schweiz auf Hingis’ Mutter Melanie Molitor zugelassen.


Martina Hingis gewann den Posche 996 im Oktober 1997, als sie noch nicht einmal einen Führerschein hatte
Copyright / Fotograf: Courtesy Galerie Fischer Auktionen AG

Der mit allen erhältlichen Schikanen ausgerüstete indischrote Porsche 996 mit Tiptronic-Automatik wechselte dann bereits 1999 wieder den Besitzer und noch ein halbes Dutzend danach bis heute. Wie oft ihn Martina Hingis selber fuhr, ist nicht überliefert, aber offenbar wurde der Wagen über die letzten fast 20 Jahre immer gut gewartet. 


Porsche 996 (1997) - viele Cockpitelemente aus dem Boxster
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Ein modernes Auto

Wer sich in einen Porsche 996 setzt, würde kaum vermuten, dass dieser Sportwagen schon bald seinen 20. Geburtstag feiern kann (2017). Das Interieur wirkt modern, die Sitze bequem. Die Bedienung gibt Anlass für wenige Fragezeichen. Und dass das Zündschloss links von der Lenksäule liegt, erstaunt nur Nicht-Porsche-Fahrer.

Den Motor vernimmt man, nicht zuletzt auch wegen der geräuschdämpfenden Wirkung der Automatik, fast zu wenig. Das “offene Boxer-Sägen zwischen 5000 und 7300 Umdrehungen”, das Wolfgang König in seinem Test 1997 so eindrücklich beschrieb, kann man bei legalen Geschwindigkeiten nur nach manuellem Eingriff in die Schaltgasse oder beherztem “Kickdown” geniessen. Leider.


Porsche 996 (1997) - das Design entstand unter Harm Lagaay
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Als Klassiker hat der 996 noch Aufholbedarf, preislich liegt er deutlich hinter seinen Vorgängern zurück. Ob sich dies in der nächsten Zeit ändern wird, bleibt zu beobachten. Noch sieht man die 996-Modelle häufig im Alltagsverkehr und auch im Gebrauchtwagenhandel, doch die rareren Versionen ziehen wertmässig bereits an.

Der rote Porsche 996 von Martina Hingis wird am 28. Mai 2016 im Rahmen der Versteigerung der Galerie Fischer anlässlich der Swiss Classic World in Luzern unter den Hammer kommen.

Weitere Informationen

  • Auto Motor und Sport Heft 23/1997, ab Seite 18: Test Porsche 996
  • Auto Motor und Sport Heft 18/1998, ab Seite 16: Vergleich Porsche 996, Ferrari 355 F1 und BMW Z3 M Coupé

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von sa******
16.03.2017 (18:57)
Antworten
ich war der erste Besitzer des roten 996 nach Martina Hinggis. Das Auto war einige Jahre ein Engadiner. Rudolf Fopp
von to******
03.06.2016 (23:19)
Antworten
Da habt Ihr mich aber missverstanden.
Zusammengeschrieben ist obenliegend ein Begriff wie "overhead" und gilt daher für jede Einbaulage.
Erst (auf Neudeutsch) getrennt geschrieben, was Sie zu meiner Freude nicht taten, kann es widersprüchlich sein.
Zum Glück ist dieses Neudeutsch weitgehend wieder verschwunden.
Beispiel: Ein allein stehender Mann sass mit Kollegen am Stammtisch.
Da musste man ja auf das englische "single" ausweichen, als "alleinstehend" falsch war.
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