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Bild (1/1): Hanomag 2/10 PS 'Kommissbrot' (1928) - die Karosserie sollte Platz für zwei Personen liefern, nicht mehr (© Bonhams, 2018)
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    Hanomag 2/10 PS ‘Kommissbrot’ - der Zeit zu weit voraus

    15. Dezember 2018
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (1)
    Bonhams 
    (16)
    Bruno von Rotz 
    (7)
    Emanuel Zifreund 
    (1)
     
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    Karl Benz soll um 1920 herum gesagt haben: “Das Auto ist fertig entwickelt. Was kann noch kommen?” Aus heutiger Sicht (Stichworte: autonomes Fahren, Elektroautos, Brennstoffzellenantrieb, Navigationssysteme, etc.) mag die damalige Aussage ziemlich daneben gegriffen sein, allerdings hätte man sie nur wenige Jahre später zurecht auf ein Fahrzeug anwenden können, das seiner Zeit in vielem Voraus war, dem Hanomag 2/10 PS, im Volksmund wegen seines Aussehens “Kommissbrot” genannt.

    Hanomag 2/10 PS 'Kommissbrot' (1928) - rechts gab es keine Türe
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Heute ist dieser automobile Meilenstein fast vergessen, vor 50 Jahren noch kannte das Auto fast jedes Kind. Ein kommerzieller Erfolg wurde der Wagen trotz seiner Fortschrittlichkeit allerdings nicht.

    Entwickelt worden war der kastenförmige Kleinwagen durch Fidelis Böhler zusammen mit Karl Pollich, die 1923 zusammen mit Hellmuth Butenuth die Butenuth-Fahrzeugwerke AG (Bufag) gegündet hatten, um einen neuartigen Kleinwagen zu entwickeln. Das Ergebnis ihrer Arbeiten zeigten sie im selben Jahr noch auf der Berliner Automobilausstellung. Dort stiess das innovative Fahrzeug auf das Interesse der Firma Hanomag.

    Im März 1924 übernahm Hanomag die Bufag, ein Jahr später im März 1925 stand der überarbeitete Wagen als Hanomag 2/10 PS bereits auf der Berliner Automobilausstellung.

    Ponton-Pioniertat

    Der Hanomag 2/10 PS war das erste Auto mit Pontonkarosserie, also ohne die sonst üblichen ausladenden Kotflügel, die die Räder bedeckten.

    Für den Konstrukteur Böhler entstand sie aus komplett pragmatischen Gründen:

    “Wissen Sie, ich nahm einfach zwei alte Sessel, worin man anständig sitzen konnte, schnitt ihnen die Beine ab und stellte sie nebeneinander. Dann malte ich drumherum mir Kreide die Grundform und übertrug sie maßgerecht auf Zeichenpapier. Sonst hat man das anders gemacht und die Sitze dorthin gepfercht, wo beim Konstruieren noch ein bißchen Platz geblieben war. Manche Leute haben einfach keinen Sinn dafür, daß der Mensch dadurch, daß er einen Kleinwagen fährt, nicht auch kleiner wird.”

    Hanomag 2/10 PS 'Kommissbrot' (1928) - fast symmetrischer Aufbau
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Um den Fahrgastraum und die Technik herum gestaltete Böhler eine Karosserie, die möglichst materialarm und kompakt gebaut werden konnte.
    Nur gerade 275 cm lang und 114 cm breit war das Auto. Als Limousine mass der Hanomag 144 cm in der Höhe. Je nach Karosserieform wog er 320 bis 420 kg, das Fahrgestell alleine brachte 250 kg auf die Wage. Als Gesamtgewicht wurden damals 650 kg angegeben.

    Neben den fehlenden Kotflügeln und den absolut gerade verlaufenden Flanken fielen auch die fast symmetrisch gezeichnete Front- und Heckpartie auf, sowie der zentrale Frontscheinwerfer, der den Hanomag zum Einauge machte.

    Einfache, aber fortschrittliche Technik

    Unter der Zweckform verbarg sich eine einfache und wartungsarme Technik. Als Motor diente ein Einzylinder-Aggregat mit 499 cm3, der betont langhubig ausgelegt war. 10 PS entwickelte der quer im Heck zwischen den Rädern eingebaute Viertraktmotor mit Thermosyphon-Wasserkühlung bei 2500 Umdrehungen, zum Anfahren genügten wenige hundert Umdrehungen. Ein Steigflussvergaser sorgte für das nötige Gemisch im Einzylinder mit hängenden Ventilen, die Verdichtung von 6:1 erlaubte auch den Betrieb mit minderwertigen Treibstoffen.
    Geschaltet wurde mit einem Dreiganggetriebe, das mit einer Kulissenschaltung rechts vom Lenkrad bedient wurde.

    Hanomag 2/10 PS 'Kommissbrot' (1928) - der wassergekühlte Einzylinder
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Der Antrieb vom Getriebe auf die Achse erfolgte über eine Kette, die in einem Ölbad lief. Ein Differential gab es nicht, was bei der schmalen Spur von 104 cm verkraftbar war, aber zu erhöhtem Reifenverschleiss an der Hinterachse führte.

    Die Vorderräder waren einzeln aufgehängt und wurden über Querblattfedern mitgeführt. Hinten gab es eine Starrachse auf Längsschwingen, die auf Schraubenfedern abgestützt waren. Hand- und Fussbremse betätigten eine einzige Trommelbremse an der Hinterachse, gelenkt wurde mit Schnecke und Rolle.

    Das Fahrgestell bestand aus einem Rahmen mit Längsträgern und Plattformplatten, auf die eine einfache Karosserie in gemischter Bauweise (Holz/Stahl) aufgesetzt wurde.

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    Bonhams

    Sparmassnahmen

    Der Hanomag 2/10 PS wurde am Fliessband gebaut, um möglichst tiefe Stückkosten zu erreichen. Ebenfalls aus Kostengründen begnügte sich der Kleinwagen mit nur einer Türe (auf der Passagierseite) und auch sonst gab es wenig Luxus an Bord.

    Hanomag 2/10 PS 'Kommissbrot' (1928) - Blick ins Interieur
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Die Automobil Revue bewertete diese Sparmassnahmen jedoch nicht als Nachteil, sondern als Charakterzug des “Volksautomobils”.

    “Der kleine «Hanomag» verkörpert so recht den Typ eines Volksautomobils. Er ist keine Verkleinerung eines grösseren, normalen Wagens, sondern nur aus dem Begriff «Volksautomobil» heraus entstanden. Alles, was nicht absolut an einem Motorwagen nötig ist, ist bei ihm weggelassen. Dennoch ist seine Bedienung eine vollkommen normale, weil deren Organe die gleichen sind, wie bei einem normalen Automobil. Gleiche Kupplungs- und Bremspedale und dieselben Handhebel zum Schalten und Bremsen. Nur der elektrische Anlasser ist durch einen mechanischen ersetzt, was das Mitnehmen und die Behandlung einer schweren und empfindlichen Starterbatterie erspart.”

    Immerhin gab es zwei Hupen an Bord, nämlich ein Elektrohorn und eine handbetätigte Ballhupe. Der Scheibenwischer wurde von Hand in Bewegung gesetzt, eine Heizung war nicht vorgesehen.

    Auch eine Sportversion

    Neben der Strassenvariante gab es den Hanomag 2/10 PS auch als Sportversion. Sie fand unter anderem beim Klausenrennen ein Einsatzgebiet und beeindruckte die Eidgenossen durchaus. Die Automobil Revue schrieb damals:

    “Die kleinen Hanomagwagen halben sich bei ihrem Erstauftreten anlässlich des klassischen Klausenrennens gleich vorzüglich bei uns eingeführt. Von ganz ungewöhnlicherer Form, ein wenig an das offene Rumpler-Tropfenauto erinnernd, haben sie den Klausenpass genommen, als wenn es richtige moderne Rennwagen gewesen wären. Nicht alle Zuschauer wussten, dass diese kleinen, flinken Fahrzeuge nur einen Einzylindermotor hatten, der mit seinem halben Liter Zylinderinhalt eigentlich in die Klasse der 500 cm3-Motorräder fiel.”

    Es gab sogar eine Rennausführung, die praktisch ohne Karosserie auf den Nürburgring beim Eröffnungsrennen mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 60 km/h für Aufsehen sorgten.

    Artcurial

    Zu modern für die Zeit

    Trotz attraktivem Preis (2175 Reichsmark für die offene, 2575 Reichsmark für die Limousine) und geringen Unterhalts-/Betriebskosten (5,4 Liter Super reichten für 100 km, dazu kamen noch 0,5 Liter Öl pro 100 km) sprachen die Käufer dem Kleinwagen nicht so stark zu wie erwartet. Zu ungewöhnlich war das Aussehen, mutmasste man.

    Hanomag 2/10 PS von 1925 - aus der ersten Serie, noch ohne die angedeuteten Kotflügel
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    So korrigierte man das Äusserte schon nach einem Jahr und legte mit einer zweiten Serie mit angedeuteten Kotflügeln nach, um den Wagen der Konkurrenz, z.B. BMW Dixi, anzupassen. Alleine, der Erfolg wollte sich nicht einstellen und nach drei Jahren ging man bei Hanomag zu konventionelleren Automobilen über.

    Nur gerade knapp 16’000 Kommissbrot waren hergestellt worden.

    Anleitung mit 63 Seiten Umfang

    Um den Käufern alle nötigen Informationen mitzugeben, lieferte Hanomag zum Auto eine 63-seitige Bedienungsanleitung mit, die allerdings nicht nur die Grundlagen zum Fahren lieferte, sondern etwa auch auf einfache Weise erklärte, wie man die Hinterachse austauschen konnte.

    Hinter dem Lenkrad

    Weil uns grad’ kein passendes Exemplar zur Verfügung stand, hören wir zwecks Instruktion Erich Boyer von der Zeitschrift ‘hobby’ zu, der das Fahrerlebnis eindrücklich beschrieb:

    “Ich schloß also die Starterklappe, ergriff mit der linken Hand – von wegen Rechtssteuerung! – den zwischen den Sitzen befindlichen Starthebel und 'saugte drei- bis viermal Gemisch an'. Nun hatte ich nur noch 'den Kolben über die Kompression wegzuziehen'. Aber der Kolben wollte anscheinend nicht, er schlug mir den Starthebel aus den Fingern. Auch für diesen Fall war vorgesorgt. 'Die Hilfsanlaßvorrichtung besteht aus einem Druckknopf, der den Batteriestrom einem Summer zuführt und einen Dauerfunken erzeugt.' Ich drücke auf den Knopf, es summte pflichtgemäß, ich zog den Kolben ein zweites  Mal  über die Kompression.

    Zuerst geschah gar nichts, dann machte es blumm und noch einmal blumm und dann in immer kürzeren Abständen blumm. Da war kein Zweifel mehr: der Motor lief.

    Die Kulissenschaltung rechts innen an der Bordwand geht fast ebenso schwer wie das eine oder andere moderne Lenkrad-Rührwerk, nur eben präziser, aber ich kriegte sie hin, beinahe auf Anhieb. Wir setzten uns in Bewegung — und schon passierte etwas Unerwartetes. Blumm — — blumm – –, sagte der Motor, und dann blumm – blumm – blu – blu – blublublublu, und aus Kellertiefen des Unterbewußtseins kam sofort meine Antwort. Mensch, sagte ich – wahrhaftig, ich sagte Mensch –, du beschleunigst ja heute noch fast besser als dein damals sensationeller Bruder, in dem ich als junger Hüpfer neben meinem stolzen Vater erste Autofreuden genossen habe. Unser 'Damaliger' dürfte allerdings schon vor 30 Jahren sanft entschlafen sein, aber der Autosinn überbrückt solche Zeitspannen wie nichts. Als wäre es gestern gewesen! Wir waren uns im Handumdrehen wieder einig: das gute alte 'Kommißbrot' und ich.

    Unverkennbar und einzigartig dieses Blumm-blumm, wie man es sonst nur noch von ehrwürdigen Schiffsmaschinen hört, ein motorischer Urlaut ohne Rasseln und Röcheln und Blasgeheul, nur die Antriebskette rumort manchmal in ihrem Kasten, wenn es Gas gibt — oder das Gegenteil. Beim Schalten hat man es gleich wieder in den Fingern: ein leichtes Kribbeln, wenn Zahn auf Zahn kommt, ein Druck, ein Klack, ein leichter Stoß ins Kreuz, und — ich bin schon drin, meldet das Getriebe.

    Blublublu-blumm-blumm, und dann auch gleich wieder blublublublu. Bei alledem macht das Kommißbrot diese weltbekannten Verbeugungen, die ihm einst den Beinamen 'das höflichste Auto der Welt' eintrugen. Als alter Hanomagfahrer weiß man aber nicht nur, man fühlt es auch gleich wieder im Gesäß, daß das eine Veranstaltung nur für die Außenstehenden, die Entgegenkommenden, die immer freundlich Winkenden und Lächelnden ist. Man sitzt ja selbst haargenau auf dem Drehpunkt dieses vollsymmetrischen Automobils, und was da auf- und niedergeht, ist nur die Windschutzscheibe und das bißchen Bauch davor, und nicht der eigene Korpus. Immerhin, die Heutigen könnte es stören: nicht alle allerdings, vor allem jene nicht, die auch auf allerletzten Kreationen immer noch nickend daherkommen und dabei nicht einmal auf der Stampfachse sitzen.”

    Gegen 60 km/h lief der Hanomag 2/10 PS, in der Nacht waren aus Vorsicht tiefere Geschwindigkeiten angebracht. Das “Nicken” war dem extrem kurzen Radstand von nur 1,92 Meter und natürlich auch der Achskonstruktion geschuldet.

    Noch bis in die Nachkriegsjahre konnte man die genügsamen Kleinwagen ab und zu im Strassenverkehr beobachten, zu einer Zeit also. als der “nächste” Volkwagen bereits erfunden war.

    Heute ist das ‘Kommissbrot’  ein reines Sammlerfahrzeug und vor allem in Museen zu sehen. Fahrzeugkonstrukteur Fidelis Böhler starb bereits 1954 im Alter von 67 Jahren.

    Hanomag 2/10 PS 'Kommissbrot' (1928) - nur links gab es eine Einstiegstüre
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Der abgebildete hellblaue Hanomag 2/10 PS wird von Bonhams am 7. Februar 2019 im Rahmen der Rétromobile-Woche im Grand Palais in Paris versteigert . Als Schätzwert werden EUR 15’000 bis 20’000 genannt.

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    Reiffan:
    18.12.2018 (19:46)
    "Ein bisschen Blech - ein bisschen Lack und fertig ist der Hanomag" hat man noch bis in die 70er Jahre gespottet.
    ne******:
    18.12.2018 (11:04)
    Erfreulich an diesem Artikel sind die Zitate aus Automobil Revue und Hobby aus der aktuellen Zeit. HIer macht sich der digitalisierte Bestand von Zwischengas sehr positiv bemerkbar.
    Auch den Hinweis auf die beim Nürburgring Eröffnungsrennen eingesetzten Kommissbrote entspricht - ob man es glaubt oder nicht - den Tatsachen. Das Foto sende ich Ihnen separat zu.

    Martin Schröder
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