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Die Tausender-Generation der Sechzigerjahre - Anti-Käfer unterschiedlichster Ausprägungen

Erstellt am 23. August 2013
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Volkswagen Presse 
3
GM Corporation 
1
Archiv BMW AG 
1
Fiat Press 
1
Archiv 
118

Das vorherrschende Auto auf den Strassen Deutschlands, Österreich und der Schweiz in den frühen Sechzigerjahren war der Volkswagen Käfer. Über Jahre hatten die Wolfsburger ihn perfektioniert und Schritt um Schritt besser und zuverlässiger gemacht.

VW Käfer (1962) - aus deutscher Produktion
Copyright / Fotograf: Volkswagen Presse

Der Käfer bot vier (bis fünf) Personen und etwas Gepäck Platz und brachte sie mit rund 100-115 km/h auch über längere Strecken ans Ziel. Er war aber weder ein Musterbeispiel an Raum- noch an Verbrauchsökonomie. Und billig war er auch nicht. Kein Wunder also baute sich rings um den Käfer eine Konkurrenz auf, die wir hier einmal die “Tausender-Generation” nennen wollen.

Viele von uns sind irgendwann in einem dieser “Tausender” gesessen, haben vielleicht sogar einmal einen besessen. Zu sehen sind sie heute aber mit Ausnahme des Minis und des Käfers kaum mehr im heutigen Strassenverkehr und jüngere Generationen können diese Fahrzeuge kaum noch erkennen oder benennen.

Anders und individueller

Sie kamen höchst unterschiedlich daher, die Käfer-Konkurrenten. Zwar war die vorherrschende Bauweise die Standard-Bauweise, d.h. der Motor sass vorne, der Antrieb hinten, doch auch die Heckmotor-Konstruktion und die Frontmotor-Bauweise waren gut vertreten. Die Käfer-Widersacher vertrauten zum Grossteil bereits der fortschrittlichen selbsttragenden Bauweise und sie boten je nach Anbieter mehr Platz, mehr Komfort oder günstigere Preise. Auf jeden Fall boten sie eine Alternative.

Der geräumige Opel Kadett

Opel Kadett (1963) - das Familien- und Freizeitfahrzeug
Archiv Automobil Revue

General Motors hatte bereits 1957 dem deutschen Opel-Werk den Auftrag gegeben, eine bessere Alternative zum Käfer zu entwickeln. Zusammen mit Hans Mersheimer und Werner K. Strobel entwickelte Opel-Chefkonstrukteur Karl Stief den Opel Kadett A, der den Käfer bezüglich Geräumigkeit und Komfort übertraf.

Der 40 PS starke Einliter-Motor war wassergekühlt und vorne eingebaut. Der Antrieb erfolgte über die Hinterachse. Die kantige Karosserie wirkte modern, sorgte aber vor allem mit den grossen Fensterflächen für gute Übersichtlichkeit und eine helle Atmosphäre im Innern.

Mit zwischen 1962 und 1965 fast 650’000 produzierten Exemplaren war der kleine Opel erfolgreich und er bot auch die technische Basis für den Nachfolger Kadett B.

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Die englischen Quermotor-Brüder

Morris Mini 850 (1963) - der Mini bildete die Basis für den Morris 1100
Archiv Automobil Revue

Mit dem Mini hatte Alec Issigonis einen Geniestreich gelandet. Niemand zuvor hatte es geschafft, auf sowenig Fläche so viel zu verpacken. Mit querstehendem Frontmotor und einem darunter montierten Getriebe war es gelungen, den Platzbedarf des Mechanik zu minimieren und den grössten Teil der nur 3,05 Meter langen Karosserie den Passagieren und dem Gepäck zu widmen.

Ein richtiger Tausender war der Mini damit aber nicht. Erst mit der Cooper-Variante mit 998 cm3 Hubraum und 56 PS wurde er zum Kraftzwerg.

Morris 1100 (1962) - mit den Vorzügen des Mini, aber viel mehr Platz
Archiv Automobil Revue

Die erfolgreiche technische Basis nutzend, schaffte es dann der viertürige Morris 1100 noch besser, die Bedürfnisse der Tausender-Generation umzusetzen. Auch hier konnte ein Grossteil der Wagenlänge von 373 cm dem Passagierraum gewidmet werden. Mit 50 PS aus 1098 cm3 war der Morris auch üppig motorisiert, hatte allerdings auch mit 830 kg mehr Gewicht zu bewegen als der kleine Mini Cooper (634 kg) oder der Opel Kadett (700 kg).

Eine Innovation war die Federungskonstruktion mit Gummielementen und Flüssigkeitsverdrängern, das sogenannte ’Hydrolastic’’-System. Pininfarina zeichnete die Karosserie von ADO16 und kombinierte Eleganz mit Raumökonomie. Bis 1974 wurde der am Schluss Austin 1100/1300 heissende Wagen gebaut, sein Nachfolger Allegro konnte ihn nicht wirklich ersetzen.

Zweitakt-Kraft aus Ingolstadt

DKW F12 (1963) - Stufenheck und moderne Formgebung
Archiv Automobil Revue

Ihren eigenen Weg gingen die DKW-Leute. Als Nachfolger des DKW Junior präsentierten sie 1963 den wiederum zweitürigen DKW F 12. In vielen Punkten waren Verbesserungen eingeflossen, so hatte die Heinzug einen Wärmetauscher, das Getriebe einen Freilauf und der Zweitakt-Motor verfügte über eine Frischölautomatik, so dass man Benzin und Öl getrennt einfüllen konnte.

Mit 40 PS aus 889 cm3 war der F 12 ein flottes Automobil, denn trotz der Länge von fast 4 Metern wog er nur 735 kg. Der Antrieb erfolgte auf die Vorderräder, damit war auch die Traktion kein Problem. Trotzdem blieb der Dreizylinder-DKW mit seiner Ölfahne und dem “Däng-de-de-Däng”-Motorengeräusch ein Exote.

Grösse aus Frankreich

Panhard PL 17 (1961) - am Brunnen vor dem Tore
Archiv Automobil Revue

Den grössten Tausender bot die Firma Panhard mit dem PL17 an. 4,58 Meter Länge war schon eine Ansage, trotzdem wog der Viertürer nur 850 kg. Dies war nicht zuletzt der Luftkühlung für den Zweizylinder-Boxermotor zu verdanken, denn so konnte auf den Wasserkreislauf verzichtet werden. Der Motorlauf allerdings klang entsprechend rauh und erinnerte an den 2 CV.

Dank hervorragender Aerodynamik erreichte der optisch sehr individuelle Panhard 130 km/h als Limousine. Preislich war er aber vor allem im Vergleich zum Hubraum sehr teuer.

Konventionelles von Ford England

Ford Anglia (1962) - die verkehrt herum geneigte Heckscheibe war das Besondere
Archiv Automobil Revue

Der zweitürige Ford Anglia war der einzige Ford in der Tausender-Klasse, Ford Deutschland bot ausschliesslich grössere Fahrzeuge an (z.B. 12M, 17M). Der Anglia war konserativ ausgelegt, sein moderner wassergekühlter OHV-Vierzylindermotor sass vorne, die hinteren Räder waren angetrieben.

Mit 741 kg war er weder leicht noch schwer, mit 3,9 Meter länge bewegte er sich ebenfalls im Mittelfeld seiner Klasse. Optisch wirkte der Ford ein wenig hausbacken, seine Besonderheit war die ungewöhnliche C-Säule mit einem überhängenden Heckfenster. In den deutschsprachigen Ländern spielte der Anglia aber keine grosse Rolle.

Zwei Franzosen von ähnlicher Auslegung

Renault R8 (1962) - Werbeillustration
Archiv Automobil Revue

Renault und Simca orientierten sich stärker am Käfer, als es die anderen Anbieter taten. Sowohl der Renault 8 (ab 1962) als auch der Simca 1000 (ab 1961) wiesen Heckmotor und -antrieb auf. Allerdings kühlten beide ihren Reihenvierzylinder mit Wasser. Dank kastenförmiger Gestaltung wies insbesondere der R8 mehr Kofferraum auf als der Käfer.

Simca 1000 (1962) - der kleine Hecktriebler als Filmstar
Archiv Automobil Revue

Der Renault war mit fast vier Metern Länge und 755 kg deutlich grösser als der Simca mit 3,8 Metern bei 730 kg. Beide kamen aber nicht an die Raumöknomie eines Morris 1100 heran. Dafür boten sie beide kräftige rennsportlich orientierte Sprösslinge in Form des R8 Gordini und der Rallye 1 bis 3 Modelle beim Simca.

Der italienische Spätzünder

Fiat 850 (1965) - Werbefotografie von Fiat
Archiv Automobil Revue

Spät ins Rennen ging Fiat im Sommer 1964 mit dem preisgünstigen Fiat 850. Ähnlich ausgelegt wie der Renault R8 und der  Simca 1000 trieb der 850 die Hinterräder mit einem Heckmotor an, der die Zylinder in Reihe trug und mit Wasser gekühlt wurde. Mit 670 kg war er im Vergleich ein Leichtgewicht, allerdings war er mit 3,76 Metern auch etwas kürzer als seine französischen Konkurrenten. Er wurde vor allem in Italien zum grossen Erfolg und seine Abkömmlinge Fiat 850 Coupé und Spider erfreuten die sportlich orientierte Jugend.

Die Tausender-Klasse im Vergleich

Die folgende Tabelle vergleicht die grundsätzlichen Charakteristiken der Tausender-Generation. Die technischen Daten können durch Klick auf die Jahrzahl in der Spalte "T.Daten" betrachtet werden. Die Tabelle ist durch Klick auf die Spaltenüberschrift sortiertbar.

Marke Typ cm3 PS Motor 2T/4T Kühlung Antrieb Länge Gew. kg
Kommentar Preis CHF T.Daten
Austin Cooper 1000 998 56 Front 4-Takt Wasser Front 305 634 querstehender Frontmotor 6750 1966
DKW F12 889 40 Front 2-Takt Wasser Front 397 735 mit Frischöl- automatik 7300 1963
Fiat 850 843 34 Heck 4-Takt Wasser Heck 375.5 670 später auch als Coupé und Spider erhältlich 5975 1966
Ford Anglia 997 41 Front 4-Takt Wasser Heck 390 741 auch als Super mit 1198 cm3 und 53 PS erhältlich 6150 1963
Morris 1100 1098 50 Front 4-Takt Wasser Front 373 830 baute auf dem Mini auf, bot mehr Platz 7350 1963
Opel Kadett 993 40 Front 4-Takt Wasser Heck 392 700 auch als Caravan erhältlich 6800 1963
Panhard PL 17 848 42 Front 4-Takt Luft Front 458 850 auch als Cabriolet erhältlich 7980 1963
Renault R8 956 41 Heck 4-Takt Wasser Heck 399.5 755 auch als leistungsgesteigerte Gordini-Variante erhältlich 6790 1966
Simca 1000 944 50 Heck 4-Takt Wasser Heck 380 730 sorgte später als Rallye I-III für Furore 6590 1963
VW 1200 De Luxe 1192 34 Heck 4-Takt Luft Heck 407 760 in Deutschland "Export" genannt, auch noch als einfachere Variante erhältlich 6675 1964

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Volker aus Ratingen
10.04.2020 (21:08)
Antworten
Zahlendreher beim Gewicht des Simca; soo leicht war er cuh wieder nicht. In der Vergleichstabelle ist es richtig.
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
11.04.2020 (06:53)
Stimmt natürlich, der Simca war 730 und nicht 370 kg schwer. Wir haben das korrigiert. Danke für den Hinweis!
von op******
11.03.2018 (17:57)
Antworten
Nach meiner Meinung gehört auch der Ford Taunus 12M P4 in diese Kategorie.
Er ist zwar kein Tausender, aber das ist der VW Käfer selbst ja auch nicht.
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