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Bild (1/5): Citroën DS 21 Pallas Break (1968) - aus dieser Perspektive muss man schon genau schauen, um zu erkennen, dass hier ein Kombi steht (© Daniel Reinhard, 2016)
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    Citroën DS 21 Break - göttlicher Kombi

    25. August 2016
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (35)
    Bruno von Rotz 
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    Geboren worden war sie als elegante Oberklassen-Limousine, gesegnet mit der fortschrittlichen Hydropneumatik und Frontantrieb. Doch die Pariser Entwickler stellten der Citroën DS neben einer günstigeren Einstiegsvariante auch einen äusserst vielseitigen Kombi zur Seite, der noch über Jahrzehnte ein Massstab für wirklich praktische und vielseitige Konkurrenzfabrikate sein sollte.

    Citroën DS 21 Pallas Break (1968) - fahren wie Gott in Frankreich? Mehr Transportkapazität jedenfalls hatte kaum jemand
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Es begann 1955

    In den Sechziger- und Siebzigerjahren kannte jedes Kind die Citroën DS. Man nannte sie “Göttin”, denn dafür kann die Abkürzung DS (für “déesse”, also französisch Göttin) auch genommen werden. Am Pariser Autosalon von 1955 sorgte die windschlüpfige Limousine für riesige Menschentrauben und rund 80’000 Bestellungen.

    Citroën DS 19 (1955) - die moderne Karosserieform wird nicht von allen akzeptiert
    © Zwischengas Archiv

    Mit ihren Schwenkscheinwerfern (ab 1967) war sie der Star von spektakulären Werbefilmen. Und sie war mit insgesamt fast 1,5 Millionen verkauften Exemplaren auch ein kommerzieller Erfolg und ein Symbol für französische Innovationskraft.

    Citroën DS 21 (1968) - die eleganten Schwenkscheinwerfer
    © Zwischengas Archiv

    Von einem anderen Stern

    Die “Déesse” stellte sich 1955 gegen den Strom der Fahrzeuge, die mit der sogenannten Standardbauweise - Motor vorne, angetriebene Räder an Starrachse hinten - aufwarteten. Der Citroën-Motor trieb die Vorderräder an, der an der Oberklasse kratzende Wagen wies den immensen Radstand von 312,5 cm auf, selbst die aktuelle Mercedes S-Klasse bietet in der Normalausführung heute weniger.

    Die Federung operierte hydropneumatisch, die Wagenhöhe wurde über ein Öldrucksystem konstant gehalten. Die vorderen Scheibenbremsen (!) waren innenliegend und servounterstützt. Eine Lenkhilfe war genauso serienmässig wie das halbautomatische Getriebe. Die Karosserie mit ungewöhnlich kurzen Überhängen wies mit einem cw-Wert von 0.38 eine hervorragende Aerodynamik auf.

    Citroën DS 19 (1956) - elegant präsentiert
    © Zwischengas Archiv

    Mit diesen Voraussetzungen liessen sich hohe Reisedurchschnitte bei geringer Ermüdung der Passagiere und niedrigem Verbrauch erreichen.
    Auch die Karosserie war anders konstruiert als bei der Konkurrenz. Ein Plattformrahmen bildete zusammen mit einem Karosserieskelett die tragende Struktur, die übrigen Teile - Türen, Hauben, Dach, Kotflügel, etc. - wurden angeschraubt respektive angenietet. Die Fenster waren rahmenlos. Die hinteren Blinker waren oben am Dach in langen “Tüten” untergebracht und damit von weit her besser sichtbar.

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    Erweiterung der Modellpalette

    Bereits zwei Jahre nach der Vorstellung der DS doppelte Citroën mit dem ID 19 im Mai 1957 nach. Einfacher ausgestattet, mit etwas weniger Motorleistung und vor allem herkömmlicher Bedienungselemente, sprich Verzicht auf Servolenkung, halbautomatische Schaltung und knopfbetätigte Bremsanlage, sprach der deutlich preisgünstigere ID 19 auch Leute an, die weniger Geld und mehr Vorbehalte gegenüber den Technik-Innovationen der Göttin hatten.

    Citroën ID 19 Break (1965) - die Kombiausführung Break mit mehr Stauraum
    © Zwischengas Archiv

    Im September 1958 kam dann der Kombi dazu und dies gleich in vier Ausführungen. Die Automobil Revue schrieb damals:

    “Unter den Neuerungen, welche die Marke Citroën für das Modelljahr 1959 vorbereitet hat, ist das Modell ID 19 in der Ausführung als Station Wagon wohl die wichtigste. Der ID Station Wagon erscheint in vier Varianten, die sich auf die Innenausstattung beziehen. Gemeinsames Merkmal aller Typen ist der bis zum Heck verlängerte Passagierraum und die Hecktüre, welche nach oben aufgeklappt werden kann, sowie der zusätzliche Laderaum hinter der Fondsitzbank. Diese ist beim Modell Break und Commerciale umklappbar. Beim Break können zudem noch zwei Notsitze eingebaut werden. Beim Familiale ist die hintere Sitzbank fest eingebaut.

    Ferner wird der ID auch als Ambulance für den Einbau einer zwei Meter langen Tragbahre eingerichtet. In technischer Hinsicht sind die neuen Station Wagons der speziellen Beanspruchung genau angepasst. Das Gesamtgewicht beträgt 1900 kg, die Nutzlast 500 kg plus 3 Personen. Die oleopneumatische Federung wurde verstärkt, die Hinterachsuntersetzung auf 4,43:1 (7 X 31) verlangsamt (Fahrgeschwindigkeit im 4. Gang bei 1000 U/min 32,7 km/h statt 37,3 km/h), und an allen vier Rädern werden nunmehr Reifen der gleichen Dimension (165 X 400) montiert. Die Höhenregulierung bleibt ohne Rücksicht auf die Belastung konstant gehalten. Die Höhe der Ladefläche beträgt 52 cm über Boden.”

    Voll von cleveren Ideen

    Der Kombi wies zudem eine zweitürige Hecktüre auf, dessen obere Hälfte weit vorne angeschlagen war, um weniger hoch aufzuragen. Die untere Hälfte konnte separat nach unten geklappt werden und sogar zwecks Verlängerung der Ladefläche während der Fahrt geöffnet bleiben. Und die Nutzlast war enorm.

    Citroën ID 19 Break (1964) - auch die Verschalung unten lässt sich samt Nummernschild nach unten klappen - Genfer Automobilsalon 1964
    © Archiv Automobil Revue

    Die beiden Sitze im Kofferraum des Break liessen sich komplett versenken, womit ein flacher Laderaum zurückblieb. Jahrzehnte später gab es dies auch beim Opel Zafira.

    Der Gepäckträger auf dem Dach war serienmässig und auch nötig, denn erst damit konnte dem Wagen die nötige Stabilität verliehen werden. Und natürlich wies auch der Kombi all die revolutionären Fähigkeiten der Limousine auf, die beispielsweise - das Fahren auf drei Rädern - dem französischen Präsidenten das Leben gerettet haben sollen.

    Citroën DS 21 (1968) - Break hiess dieser Kombi - Illustration aus dem Verkaufsprospekt
    © Zwischengas Archiv

    Gegenüber der Limousine war der Kombi mit 4,99 Metern um rund 15 Zentimeter in der Länge gewachsen, während die Breite unverändert blieb. Das Gewicht erhöhte sich um weniger als 100 kg. 

    Preislich betrug der Aufschlag für die Break Version rund zehn Prozent (CHF 18’980 statt 17’350 für Variante DS 21 im Jahr 1968).

    Einfacher oder luxuriöser

    Citroën verkaufte den Kombi in den verschiedensten Varianten und für die unterschiedlichsten Ansprüche. Wer es einfach mochte, wählte die Variante Commerciale auf ID-Basis, für den anspruchsvollen Kunden aber gab es auch eine DS als Break. Und diese konnte noch zusätzlich mit Luxusattributen ausgerüstet werden wie zum Beispiel einer Klimaanlage oder einer Standheizung.

    Genau diese Zubehöre wählte beispielsweise die Firma Rossignol aus, die gleich eine ganze Anzahl von DS 21 Break Modellen in die Flotte aufnahm, um die Skier zu den Skirennen zu befördern und die Rennfahrer zu unterstützen.

    Idealer Kamerawagen

    Nicht nur als Skitransportwagen tat der französische Kombi gute Dienste, Filmemacher nutzten den komfortabel gefederten Wagen auch gerne als Kamerafahrzeug mit montiertem Aufnahme-Equipment. Auch als Krankenwagen waren die sicheren Fahreigenschaften und die weiche Federung von Vorteil, überhaupt gab es sicherlich viele unorthodoxe Arten und Weisen einen Citroën DS/ID Break/Commerciale/Familiale zu nutzen, vom Schlafzimmerersatz auf Reisen bis zum Grosstransport.

    Citroen DS Break (1969) - die Kombiausführung war beliebt
    © Zwischengas Archiv

    Trotz der grossen Qualitäten blieb die Kombi-Version vergleichsweise rar, nur rund 80’000 Exemplare wurden zwischen 1958 und 1977 gebaut, die meisten von Handwerken zerschunden. Heute sind sie selten und gesucht.

    Das Langzeitautomobil

    Der für diesen Bericht fotografierte Citroën DS 21 Break Pallas gehört Jürg Leu. Schon seit Kindesbeinen bewunderte er die mobile Göttin. So kam es nicht von ungefähr, dass er sich 1980, also vor bald 40 Jahren einen Citroën Kombi kaufte, während seine Kollegen wohl Alfasud, Polo oder Kadett fuhren. Oder vielleicht zu einem günstigen englischen oder italienischen Sportwagen griffen.

    Leu aber übernahm einen bereits 200’000 km im Dienste der Skifirma Rossignol gelaufenen Gebrauchtwagen, der besonders reichhaltig ausgerüstet war. Allerdings benötigte der Kombi zunächst erstmals Zuwendung, denn die hohe Laufleistung war nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Also überholte Leu den Citroën komplett, gönnte ihm eine neue Lackierung und eine Motorrevision. Das Dach liess er weiss statt grau streichen, aber sonst blieb der Break weitgehend original.

    Citroën DS 21 Pallas Break (1968) - die Heckklappe öffnet zweiteilig nach oben und unten
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Leu nutzte den DS im Alltag, fuhr als Architekt damit von Baustelle zu Baustelle, transportierte schwerstes Gut und profitierte mehr als einmal von den einmaligen Fähigkeiten des Wagens. So beendete ein Reifenplatzer in Zürich die Heimfahrt nicht verfrüht, auf drei Rädern ging es noch locker bis ins Basellandschaftliche.

    700’000 km kamen bis heute so zusammen, Sommer und Winter, über Stock und Stein. Mit also ingesamt 900’000 km dürfte der DS 21 Break sicherlich zu den meistgefahrenen Wagen dieses Typs gehören. Und der erste Motorblock ist immer noch drin.

    Citroën DS 21 Pallas Break (1968) - Interieur mit Stoff und bereits den späteren runden Armaturen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Natürlich verlangte der Kombi ab und zu mal Zuwendung. Rückblickend meint Jürg Leu, dass ihn der Wagen im Unterhalt wohl ähnlich viel gekostet haben dürfte, wie wenn er jedes fünfte Jahr auf einen neuen Wagen gewechselt hätte. Aber dies wollte er halt nicht, denn er liebte seinen Kombi und so tat es seine Familie, die von den grosszügigen Platzverhältnissen, der enormen Zuladung (bis 800 kg) und den zwei praktischen Zusatzsitzen im Kofferraum profitierte. Auch die serienmässige Anhängerkupplung (der Verzicht darauf hätte beim Neuwagen Aufpreis gekostet) wurde ab und zu genutzt.

    Citroën DS 21 Pallas Break (1968) - der Motor sitzt weit hinten, vorne ist das Reserverad untergebracht
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Und so ist der praktische Stationswagen, der kaum anders zu fahren ist als seine Limousinenbrüder, in Würde gealtert und wird eigentlich seit fast 50 Jahren kontinuierlich genutzt, ist also immer noch “in period”, um in FIVA-Ausdrücken zu sprechen.

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    mf******:
    03.09.2016 (16:31)
    Erwähnenswert wären auch die Motor- und Getriebevarianten von 1911 - 2347ccm. 4 oder 5 Gang Handschaltung und die raren Halbautomaten. Zwischen 68-70 wurden ca 5000 Breaks mit Halbautomatischem Getriebe gebaut. Vom ID21FH mit 2175ccm ganze 800 Stk. Ich habe einen davon, welcher zum Verkauf stehen wird.
    sp******:
    30.08.2016 (17:12)
    Der S123 von Mercedes-Benz hatte 1978 auch eine 3. (Klapp)Sitzbank, welche sich auch komplett flach versenken liess. Der S124 hatte das in den 80ern dann auch. Man musste also nicht bis 1999 auf den Zafira warten. ;-)
    Antwort von ol******
    31.08.2016 (17:25)
    Beim Benz saß man aber gegen die Fahrtrichtung. Bei Citroen (DS und CX Familiale) und div. Peugeot in Fahrtrichtung! Da wurde deutlich weniger Leute schlecht.
    Obige DS hat 2 kleine Klappsitze quer zur Fahrtrichtung.
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