Für einmal hatte der liebe Gott sein Wetter vom April auf das erste August-Wochenende verlegt. Und dies ausgerechnet zur Feier des 100. Jubiläums der Schauinsland-Bergrennens. Nicht weniger als 148 Teams kämpften sich vom 1. bis 3. August 2025 zwei Tage lang durch die Regengischt – ein neuer Teilnehmerrekord.
Die Siegestrophy holten sich Helmut Nigst und Reinhard Moll mit ihrem Jaguar E-Type FHC (1965) vor der Paarung Jörg und Fabiola Pöhlemann mit ihrem spektakulären Lancia Beta Montecarlo 037 (1978) und den drittplatzierten Knut und Markus Henneke mit einem Porsche 964 Targa (1990).
Leidtragende waren die Vorkriegsautos, die entweder kein Dach oder nur ein marginal schützendes Tuch über der offenen Carrosserie hatten. Aber auch hier gilt: Ein echter Indianer kennt eben keinen Schmerz.
Abwechslungsreiche Strecke
ADAC und der Freiburger Motorsportclub liessen sich für die 18. Auflage der Schauinsland Klassik etwas einfallen – es waren ja gleichzeitig 100 Jahre Schauinsland-Bergrennen zu feiern. Gegenüber der üblichen 100 Equipen wurden dieses Jahr deren 148 ins Tableau aufgenommen – «etwas, das uns an die Grenzen des Organisatorischen führte», wie Matthias Wolber aus dem Organisationskomitee meinte.
Seinem Vater Karl Wolber gelang zum wiederholten Mal eine geradezu sensationelle Streckenwahl. Abwechslungsweise führte das Roadbook über Seitenstrassen, Nebenstrassen, Güterwege und ab und zu auch einmal durch Rebberge – alles sorgfältig ausgesucht und zusammenkombiniert.
Von A wie Alfa bis V wie VW
Nicht weniger als 24 Automarken von Alfa Romeo bis VW waren an der Schauinsland über das erste August-Wochenende vertreten und boten den Zuschauern einen Querschnitt durch den Automobilbau, von den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bis ins Jahr 1993.
Die Stars der Vorkriegsautos waren ein Mercedes-Benz 710 SSKL aus dem Jahre 1930 von Thomas Kern und Katharina Maiwald, gefolgt von einem Alfa Romeo 6C 1750 Zagato, ebenfalls aus dem Jahr 1930, dessen Besitzer Beat Lüthi erklärte, dass der ganze Lebenslauf des Modells bekannt sei. Er fieberte zusammen mit Stephan Lüthi seinem ersten Einsatz bei einer Oldtimer-Prüfung entgegen.
Regnerischer Freitag
Auf der Freitagstour ging es für die Teams im Minutentakt ab der Messe Freiburg in südlicher Richtung auf die rund 270 km lange Runde, die bis nach Bad-Säckingen (und zur Schweizer Grenze) führte. Gespickt war die Strecke mit Sonderprüfungen: Jede Hundertstel-Sekunde Abweichung zur Sollzeit wurde mit einem Strafpunkt pönalisiert.
Höhepunkte waren die Schauinsland-Rennstrecke und Abschnitte auf der Eggberg-Bergrennstrecke. Die zahlreichen Zuschauer, die sich trotz des schlechten Wetters am Freitagabend um 19.30 Uhr die Zielankunft auf dem Freiburger Münsterplatz nicht nehmen lassen wollten, sorgten für gute Stimmung: Sie begrüssten die Ankommenden trotz Regen mit viel Applaus.
Samstags durch den Wald
Der zweite Tag führte über 260 Kilometer in den östlichen und nördlichen Teil des unendlich weitläufigen Schwarzwaldes. Gleich nach dem Start aus den Messehallen gings über die legendäre Schauinsland-Strecke bis tief in den Schwarzwald. Höhepunkt dieser Tagesetappe war die Route selbst, die über Strassen und Strässchen, abseits von Hauptverkehrsachsen von Freiburg wieder zurück nach Freiburg führte.
Selbstverständlich stand der namensgebende Schauinsland erneut auf dem Programm, der diesmal in beiden Richtungen befahren wurde. Und genau das macht den Charme der Schauinsland Klassik aus! Nach 270 km war gegen den frühen Samstagabend bereits wieder Schluss. Den krönenden Abschluss bildete die feierliche Siegerehrung, die in der Halle 4 des Messegeländes im Rahmen eines kleinen Bankettes stattfand.
Freiburg und die Kirchen-Tradition
Freiburger Bekannte des Chronisten erzählten im Vorfeld der Jubiläums-Schauinsland Klassik, dass es geradezu ausserordentlich sei, dass der Tross durch die Altstadt bis auf den Münsterplatz fahren dürfe. Dies könne man aufgrund der Links-dominierten Stadt-Regierung nicht genug estimieren… Am Freitagabend war es dann wie immer: Der Kirchentradition und der heiligen Messe im Freiburger Münster war es geschuldet, dass das erste Auto der Oldtimer-Rallye erst um 19.31 Uhr auf dem Münsterplatz vorfahren konnte – dann war nämlich die Abendmesse vorüber und die Motoren stellten keine Konkurrenz mehr dar für das gesprochene Wort in der Kirche.
In diesem Jahr wurde die Oldtimer-Rallye erstmals klimaneutral organisiert. Um die CO₂-Emissionen der Rallye auszugleichen, war im Nenngeld jedes Oldtimers der Beitrag für eine Baumpflanzung enthalten. «Die ersten Setzlinge für den ADAC Schauinsland Klassik Wald wachsen bereits bei Hofstetten im Kinzigtal», ergänzt Heinrich Lauck. Weitere Pflanzungen sollen im Herbst 2025 folgen.
100 Jahre ADAC-Bergpreis Schauinsland
Aufgrund der politischen Zusammensetzung der Stadtregierung war es wohl illusorisch, an Demofahrten mit Rennwagen auf der originalen Bergrennstrecke oder auch nur an einen Corso durch die Innenstadt zu denken. Auf der klassischen Bergrennstrecke zeugen nur noch die doppelten Leitschienen von der rennsportlichen Vergangenheit. Die Holzschlägermatte, früher von (zehn-)tausenden begeisterter Zuschauer gesäumt, kommt seit Jahrzehnten nur noch ihrem eigentlichen Zweck als Matte nach…
Die Organisatoren gaben sich aber grosse Mühe und trugen für die Sonderausstellung in den Messehallen eine ansehnliche Anzahl von Exponaten zusammen. Auf einer Ehrentafel, die prominent an der Wand thronte, konnte als Teilnehmer an der Schauinsland-Klassik in den 30er Jahren ein halbes Grand-Prix-Feld an Piloten ausgemacht werden. Alfred Neubauer (ja, der nachmalige Mercedes-Rennleiter versuchte sich auch mal als Fahrer), Bernd Rosemeyer, Hans Stuck, Giuseppe Farina, Hermann Lang, Manfred von Brauchitsch, Rudolf Carcacciola, Achille Varzi, Tazio Nuvolari, Richard Seaman und viele andere mehr waren auf der Breisgauer Bergrennstrecke am Start. Und auch aus der neueren Zeit säumen viele Namen die Tafel: Jo Siffert, Hubert Hahne, Lodovico Scarfiotti, Peter Schetty, Peter Monteverdi, Karl Foitek, Jochen Mass, Dieter Quester, Hans-Joachim Stuck, Fredy Amweg, Christian Danner – und dann eben der ewige Rekordhalter Mario Ketterer. Die Aufzählung könnte munter weiter gehen. Der Schauinsland zählt sicher zu denjenigen Bergrennstrecken mit einem der illustresten Teilnehmer-Felder überhaupt.
Sonderausstellung
Im wahrsten Sinne des Wortes gehört der Freiburger Mario Ketterer zum Inventar der Schauinsland Klassik. Für einmal war er aber nicht als Teilnehmer unterwegs, sondern er unterstützte tatkräftig das OK der Sonderausstellung «100 Jahre ADAC-Bergrekord Schauinsland». Zusammen mit dem Oldtimer-Experten Martin Waltz hat er massgeblich dazu beigetragen, dass diese Vielfalt an historischen Raritäten ihren Weg in die Ausstellung fanden. «Die Beschaffung der Fahrzeuge und der Kontakt zu den Menschen, denen die Autos gehören, war für mich eine grosse Freude und Herzenssache», berichtet Ketterer.
Am Sonntag war er vielgefragt, pausenlos musste er Autogramme schreiben. Angst, dass sein Streckenrekord am Schauinsland gebrochen werden könnte, muss er dafür keine mehr haben.
Abgerundet wurde die Ausstellung durch moderierte Gesprächsrunden mit ehemaligen Rennfahrern, darunter Mario Ketterer, Dr. Helmut Mander sowie einer Nachfahrin des britischen Motorradrennfahrers Tom Bullus. Sie gaben Einblicke in ihre Zeit auf der Bergrennstrecke und teilten persönliche Erinnerungen mit dem Publikum. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten sich berührt von den Geschichten aus einer Ära, die Jahr für Jahr Zehntausende Motorsportfans an den Freiburger Hausberg lockte.
Prinz Leopold von Bayern
Jahrzehnte nach einem Start im «regulären» Schauinsland-Bergrennen war seine königliche Hoheit Prinz Leopold von Bayern mit einem BMW 328 an der Schauinsland Klassik 2025 wieder am Start. Dass seine Rennfahrer-Gene immer noch funktionieren und er nicht einfach so an den Start rollte, davon zeugt sein Resultat: In der Vorkriegsklasse holte der den zweiten Platz zusammen mit seiner Beifahrerin Sarah Büchner. Leicht durchfeuchtet vom schlechten Wetter meinte er im Ziel: «Spass hat's trotzdem gemacht!»
Über die Schauinsland Klassik
Die Freiburg Schauinsland Klassik zählt zu den größten Oldtimer-Rallyes im Südwesten und genießt hohes Ansehen unter Oldtimer-Liebhabern. Sie ist aus dem legendären ADAC Bergrennen am Schauinsland hervorgegangen. Die nächste Schauinsland Klassik findet vom 31. Juli bis am 1. August 2026 statt.






















































































































































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