Leichter Nebel in Form von verbranntem Zweitaktgemisch lag über dem Lagh Doss und stimulierte Nase und Auge. Ein absolut perfekter Tag in einer sehr idyllischen Gegend nahm seinen Lauf. Ein plötzliches Knattern erhellte die Toten-Stille. Ein-, Zwei- und Drei-Zylinder Motoren begannen mit ihrer Arbeit und schoben die Motorschlitten mit ihren Fahrern, über den Schnee, um den kleinen See.
Die ältesten Fahrzeuge wurden in den frühen 60er Jahren gebaut und hatten gerade mal vier PS. Aber sie hatten überhaupt keine Mühe mit dem Schnee und fuhren zielgerichtet dahin, wohin der Fahrer sie mit den beiden Skiern lenkte. Früher noch mit Blattfedern bestückt, kamen erst viel später auch Stossdämpfer zum Einsatz. Der rechte Daumen gibt noch heute Gas und gebremst wird nach wie vor wie bei einem Fahrrad.
Gilles Villeneuve, der grosse Gejagte
Da man seit Menschengedenken mit allem was sich bewegt auch Rennen veranstaltet, so natürlich auch mit den Snowmobilen. In den 70`er Jahren gab es ein kleiner Kanadier der damit alles und jeden in Grund und Boden fuhr. Er holte Weltmeistertitel nach Hause wie ein anderer Brot aus der Bäckerei. Er wurde später weltbekannt und seine Fangemeinschaft hat bis zum heutigen Tag Bestand. Er startete gleichzeitig eine zweite Karriere als Autorennfahrer und kam wie ein Donnerschlag sehr schnell in die Formel 1 und bereits nach nur einem einzigen Rennen bei McLaren auch schon zu Ferrari. Sein Name Gilles Villeneuve, furchtlos und tierisch schnell mit allem was sich irgendwie bewegte. Gemeinsam mit seinem Bruder Jacques (nicht zu verwechseln mit seinem gleichnamigen Sohn, der 1997 den F1-WM-Titel nach Kanada holte), wurden die Schlitten damals vorbereitet, modifiziert und auch revolutioniert. Sogar komplette Eigenkonstruktionen wurden verwirklicht, so glich der von der Firma Alouette mit Sachs Mittelmotoren gebaute Schlitten mehr einem Formelrennwagen als einem Snowmobil. In Amerika und Kanada wurden die Rennen, wie dort üblich in einem Oval nach dem ko-System ausgetragen. Auch diverse andere F1-Fahrer fanden ab und an schon ihren Gefallen an den rasanten Gefährten auf Schnee, allen voran natürlich die Finnen die damit aufgewachsen sind, aber selbst der Kolumbianer Juan Pablo Montoya und der Brasilianer Rubens Barrichello wollten kaum mehr vom Schlitten steigen und der für Schweizer unsterbliche Jo Siffert war sogar Importeur der Yamaha Snowmobile.
Snowmobil-Rennen in der Schweiz
Die Geschichte der europäischen Motorschlitten-Rennen begann in der Schweiz 1969 am San Bernardino. Peter Schmidlin ein Hotelier in San Bernardino (Hotel Bellevue) schrieb das erste Rennen in Europa aus um damit das Januarloch in seiner Region zu überbrücken. Die Fahrer kamen aus ganz Europa, vor allem mit "Ski-doo" Motorschlitten. Schon drei Wochen später wurde diese Idee in Österreich, in St. Ulrichen am Pillersee, kopiert und so fanden in Oesterreich, Italien, Frankreich und Deutschland regelmässig Rennen mit Privat- und Werksfahrer aus ganz Europa statt. Erst nach und nach rückten "Skiroule", "Polaris", "Kawasaki", "Skicondor" und andere Marken nach und wollten im Sport unter Beweis stellen, wer den besten Schlitten baut und damit bekam der Winter eine komplett neue Rennszene.
Die Renndauer in Europa betrug damals 20 Minuten plus eine Runde. Ausser bei Bergrennen wurde gegeneinander gefahren. Waren zu viele Teilnehmer für einen Massenstart, so entschied die Trainingszeit über die Startenden.
1970 wurde der Motorschlitten Club San Bernardino gegründet und diese vergessene Welt hat die Organisation von Alpenknattern derart begeistert, dass sie 2017 ein Revival an selber Stätte organisierten.
«Your classic car, our reliable values.»
8855 Wangen SZ, Schweiz
- Automobil-Historiker
- Sachverständiger & Gutachter
Der Ford-T als Vorläufer
Schon der Ford-T wurde 1920 im Winter zum Motorschlitten umfunktioniert. Dazu wurden an der lenkbaren Vorderachse anstelle der Räder, Kufen montiert. Die Antriebsräder wurden mit Ketten bestückt um möglichst hohe Traktion zu bekommen. Dass man damit tatsächlich im Schnee fahren konnte wurde am Lagh Doss bewiesen, einzig bei Steigungen wurde menschliche Muskelkraft dringend nötig um die etwas schwache Motorleistung zu unterstützen.
Wie alles begann
Der effektive Start vom Motorschlitten begann 1959 als der kanadische Erfinder und Unternehmer Joseph-Armand Bombardier, der Gründer des weltbekannten Konzerns Bombardier Inc., den ersten Ski-Doo der Weltpresse vorstellte. Das Ski-Doo Schneemobil wurde ursprünglich „Ski-Dog" genannt, weil Bombardier es als praktisches Fahrzeug für Jäger und Trapper als Ersatz für Hundeschlitten ausgab. Durch eine Fehlinterpretation eines Grafikers, der den Namen "Ski-Doo" auf den ersten Prototypen malte bekam das Fahrzeug dann seinen heutigen Namen. Die Öffentlichkeit entdeckte bald, dass schnelle Fahrzeuge, die über den Schnee fliegen konnten, viel Spaß machten. Plötzlich wurde in Quebec ein neuer Wintersport geboren. Von der kleinen Ski-Doo 900-Dollar-Maschine verkaufte Bombardier im ersten Jahr 225 Fahrzeuge; und nur vier Jahre später bereits 8.210 Stück. Aber Armand zögerte, sich hauptsächlich auf den Ski-Doo zu konzentrieren und dafür Ressourcen von seinen Geländewagen wegzunehmen.
Der traurige Verlust seines Sohnes führte zum Snowmobil
Sein Interesse an Schneefahrzeugen kam nicht von ungefähr. Joseph-Armands Sohn Yvon stirbt im Winter 1934 im Alter von nur zwei Jahren an einer Bauchfellentzündung, da die Familie ihn im Schneetreiben nicht rechtzeitig ins Krankenhaus zur Behandlung bringen konnte. Joseph-Armand wird durch den Schmerz seines Verlustes ermutigt, ein Fahrzeug zu entwickeln das "auf Schnee schweben“ konnte. Er experimentierte mit einem Gummi überzogenen Zahnrad, um die Spur zu ziehen. Der Antrieb erfolegt über zwei Gummibänder, die durch Stahlquerverbindungen verbunden waren. Dieses revolutionäre Kettenrad-Schienensystem war endlich die Lösung für Schneefahrten. 1936 ließ er seine Erfindung, mit einem PKW ähnlichen Fahrzeug mit Kufen an der Front und dem Kettenrad am Heck patentieren und bereits ein Jahr später entwarf und produzierte er in einer kleinen Reparaturwerkstatt in Valcourt (Quebec) sein erstes Schneemobil.
Am 10. Juli 1942 gründete er das Unternehmen L’Auto-Neige Bombardier Limitée, das seine Landfahrzeuge vor allem an die kanadischen Streitkräfte verkaufte. Zwischen 1945 und 1951 verkaufte L’Auto-Neige Bombardier 2596 Fahrzeuge. Sein großes Schneemobilmodell C18 mit 25 Sitzplätzen erzielte gute Absätze. 1959 erfolgte die Serienproduktion des Baumusters Ski-dog.
In den vierziger und fünfziger Jahren wurden Motorschlitten als Nutzfahrzeuge eingesetzt. Landärzte, Taxi- und Busbetreiber waren die ersten Kunden. In den strengen kanadischen Wintern dieser Zeit, war der Motorschlitten das einzige Fortbewegungsmittel, um Personen zu bewegen und vor allem Kranke in Spitäler zu bringen. Heute ist das Fahren mit Ski-Doo Motorschlitten in Kanada und Finnland zu einer attraktiven Winter-Freizeitbeschäftigung geworden.
Der erste Ski-Doo
Armand und sein ältester Sohn Germain entwickelten mehrere Prototypen des leichten Schneemobils und schließlich kam 1959 der erste kleine Bombardier-Motorschlitten zum Verkauf.
Als er 1963 auf der Suche nach einem luftgekühlten 2-Takt Motor zum Antrieb der leichtgewichtigen Ski-Doo Schneemobile suchte, wurde er in Österreich fündig. Mit dem Rotax Motor Type 165 konnte die Geschwindigkeit der Bombardier Schneeschlitten spontan um 30% gesteigert werden. Im Jahr 1970 hat Bombardier die Rotax Werke erworben, damit war die Belieferung mit dem bestmöglichen Motor sichergestellt. Noch heute werden bei Rotax 2- und 4-Takt Motoren von Weltklasse produziert.
Joseph-Armand erinnerte sich lebhaft an seine früheren geschäftlichen Rückschläge, die ihn zur Diversifizierung zwangen. Armand verlangsamte die Beförderung der Ski-Doo-Linie, um zu verhindern, dass sie die anderen Produkte des Unternehmens dominierten. Trotzdem blieb er der absolute Leader der Schneemobil-Industrie. Die produzierten Schneemobile waren von außergewöhnlicher Qualität und Leistung und erhielten einen besseren Ruf als die spätere Konkurrenz der Marken Polaris (1956), Arctic Cat (1962), Lynx (1967) und Yamaha (1968).
Am 18. Februar 1964 starb Joseph-Armand Bombardier im Alter von nur 56 Jahren an Krebs. Er hinterließ ein florierendes Geschäft, aber auch eines, das sich auf eine Person konzentrierte. Armand beherrschte sein Unternehmen und überwachte alle Bereiche des Betriebes. Er kontrollierte die kleine Forschungsabteilung und machte alle Zeichnungen selbst. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte der Umsatz des Unternehmens 160 Millionen erreicht. Die jüngere Generation übernahm die Leitung, angeführt von Armands Söhnen und Schwiegersöhnen. Im gleichen Jahr wie der Börsengang von Bombardier Limited 1969 war, fand auch das erste Showmobil Rennen in San Bernardino unterhalb des Hotel Bellevue statt und ein Jahr später wurde bereits, wie beim diesjährige Revival um den wunderschönen Lagh Doss gefahren.
Das Revival
Wie kam es fast 50 Jahre später zum Revival am San Bernardino? Wie so oft führte eine Verkettung verschiedener Umstände dazu die alten Motorschlitten wieder am Lagh Doss rennen zu lassen. Der Vater des Organisators Mike Zweifel war Antiquitätenhändler und daher oft auf damals noch intakten Autofriedhöfen unterwegs, um Ersatzteile für seine Kundschaft zu organisieren. Oft lagen da auch verschiedene halbverrostete Snowmobile herum, dessen Anblick den damals 5 jährigen meist an Autoscooter erinnerte. Da Vater Zweifel dafür keine Verwendung sah, blieben sie jahrelang in der Erinnerung von Sohnemann Mike. Der erste Versuch unter dem Namen Alpenknattern, einen Event für historische Motorschlitten zu organisieren begann in Films. Mike Zweifel organisierte auch eine Sonderausstellung im Verkehrshaus der Schweiz, wo das Schneethema bis anhin überhaupt nicht präsent war. Im Februar 2015 war es dann endlich soweit und die erste historische Snowmobil Veranstaltung wurde in Films durchgeführt. Da am San Bernardino 1969 das erste offizielle Rennen der Schweiz stattfand, war es naheliegend an diese Stätte zurückzukehren. 2017 war der Erste und 2018 folgte dann bereits der zweite Event.
Das Leben von Mike Zweifel hat sich insofern verändert, dass er sich zwischenzeitlich wohl die grösste Motorschlitten-Sammlung Europas aufgebaut hat und diese im Team, der "Scuderia Alpenknattern" nicht nur fährt, sondern auch repariert und restauriert und dazu einen Kauf- und Verkaufshandel betreibt.
Weitere Informationen gibt es auf der Website .






































































































































































































































































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