Viel besser hätte man es wettermässig wohl nicht treffen können, aber es ist eigentlich auch kein Wunder, denn schliesslich sind die Classic Days Schloss Dyck im Prinzip einfach ein Riesen-Picknick. Und da kann man mit Regen halt wenig anfangen. Und so hat Petrus jeweils das Einsehen, was die Organisatoren sicher freuen dürfte, vor allem, weil man ja auch das zehnte Jubiläum feierte.
Klassiker sollen bewegt werden
Ein tragendes Element der Classic Days sind die Demonstrationsrunden, die Klassiker aus den verschiedensten Epochen auf einem Rundkurs durch den Schlosspark drehen. Am schönsten sind alte Autos halt, wenn sie fauchen, krachen und sprotzeln dürfen.
Ob es sich dabei um einen Bugatti 35, einen Auto Union D-Typ, einen Audi V8 DTM-Tourenwagen oder einen Alfa Romeo TZ1 handelt, die Aufmerksamkeit ist den Raritäten sicher. Vor allem dann, wenn sie in Scharen auftreten, wie die "Bentley Boys". Und auch die Herren hinter den Lenkrädern, nur ausnahmsweise steuert eine Dame, haben sichtlich ihren Spass an den flotten Runden.
Die Helden hinter dem Volant
Wo schöne Autos fahren, sind legendäre Grand-Prix- und Tourenfahrer nicht weit.
Sir Stirling Moss war 2015 Ehrengast und verteilte eifrig Autogramme. Gesichtet werden konnten auch Frank Biela, der mehrfache Le-Mans-Sieger, Ellen Lohr, die DTM-Amazone, Strietzel Stuck, der Gaudi-Bayer, Hans Herrmann, der schnelle Schwabe, Jochen Mass, der ehemalige McLaren-Pilot, Klaus Ludwig, der mehrfache DTM-Champion, Roland Asch, der mit Ford, Mercedes, Nissan und Porsche schnell unterwegs war, oder etwa Dieter Glemser, der Tourenwagen-Europameister.
Vor Ort war aber auch Norman Dewis, der 1961 den Jaguar E-Type von England an den Genfer Autosalon zur Premiere fuhr. Sie gaben gerne Auskunft, freuten sich über das Interesse der Fans und liessen auch ab und zu einen lockeren Spruch fallen. Heile Welt im Oldtimerumfeld, in einer Zeit in der den modernen Rennfahrer der Formel 1 der Mund verboten wird.
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Freilichtmuseum
Im Schlosspark waren mehrere Sonderschauen angesiedelt, die einen in ein grosses Museum unter freiem Himmel entführen. Ob man sich nun für die französischen Luxus-Granturismos von Facel Vega oder die aerodynamisch austarierten Edelsportwagen von Bristol begeisterte, jeder Besucher fand hier interessante Autos, die man nicht alle Tage sieht. Und man konnte sie ohne den bisherigen Concours-Stress geniessen.
Dazu gehörte natürlich auch der Mercedes-Benz 540 K Stromlinienwagen, den Mercedes auf die Museums-Insel stellte.
Originalität ist Trumpf
Es fällt auf, dass neben den perfekt restaurierten Automobilen immer mehr komplett original erhaltene Fahrzeuge in Schloss Dyck einfahren. Das freut die Besucher, denn meist haben gerade diese vielleicht etwas verlebten Wagen lange Geschichten zu erzählen und zudem lässt sich die Handwerksqualität vergangener Zeitalter so viel besser verstehen.
Raritäten der anderen Art
Es gilt als letztes in Deutschland angemeldetes P3 Cabriolet dieser Art, der Ford Taunus, alias die “Badewanne”, von Eva-Maria Geutebrück. Bis nach Tunesien hat es der Wagen geschafft, bevor er in einem Garten abgestellt wurde und vor sich hin rostete. Zwei Jahre dauerte die komplette Restaurierung und nichts lässt heute noch darauf schliessen, dass einst die Eichhörnchen ihr Nest im eleganten Cabrio einrichteten.
Bereits an verschiedenen Veranstaltungen ist der Bardino aufgetaucht, der komplett durch Johannes Paulussen aufgebaut wurde. Und er offeriert eine Besonderheit, die kaum ein anderes Auto hat, das Service-Panel im Motorraum, das wie ein zweites Armaturenbrett mit verschiedenen Anzeigen den Gesundheitszustand des Motors abbildet. Sogar starten lässt sich der Porsche-Sechszylinder von dort aus. Und wenn Paulussen genügend Zeit hat, dann baut er seinen Sportwagen innert zwölf Minuten vom Stufenheck-Coupé zum Cabriolet um.
Gänzlich anderer Natur ist der rare Citroën Traction Avant 15C von 1950, der mit einen Sechszylinder mit drei Liter Hubraum und 70 PS besonders flott läuft. Aus Marseille stamme der Wagen, 42 Jahre habe er zerlegt in Warburg in einer Scheune gelegen, verrät der stolze Besitzer Georg Schepers. 1200 Stunden seien für die Komplett-Restaurierung aufgewendet worden, aber er sei nun bereits zum vierten Mal in Schloss Dyck dabei.
Und dann war da noch "Il Drago Ruggente". Wenn dieser Koloss in Gang gesetzt wurde, dann war das auf dem ganzen Gelände zu vernehmen und fast jeder reckte seinen Hals, um zu sehen, woher denn der Donner käme. Rund 750 bis 800 PS bei 2500 Umdrehungen leistet das Biest aus den Zwanzigerjahren. Eindrücklich!
Schönheit zählt, aber anders
Wer in Cernobbio (Villa d’Este) oder Pebble Beach ob all der toprestaurierten und gar allzu exklusiven Pracht ermüdet ist, ist vermutlich vom “Charme & Style” Concours begeistert. Zwar sind auch hier die Autos gepflegt und sie glänzen mit dem Schlossteich um die Wette, aber sie werden vor allem sehr stilvoll präsentiert, denn die Besatzungen haben sich in zeitgenössische Kleider geworfen.
Und richtig sympathisch wird es dann mit den Lovely Heroes, den Autos aus der Wirtschaftwunderzeit. VW Brezelkäfer, Lloyd LP 600 Combi, VW T1 Pritschenwagen oder Meadows Frisky Convertible Sport, diese Autos haben Ausstrahlung, sind Zeitzeugen einer Epoche, in denen fast alles ging. Wie gerne erinnern wir uns doch daran zurück.
Gespräche und Musse
Mit einander in Kontakt kommen, dies ist für viele der Grund, warum sie sich nach Schloss Dyck aufmachen. Club-Kollegen treffen, mit den Besitzern erträumter Klassiker ein Schwätzchen halten, Rennfahrerlegenden mit Fragen löchern, dies alles geht in der lockeren und offenen Atmosphäre der Classic Days besonders gut. Da kommt man dann vielleicht auch mit einem Porsche-Fahrer ins Gespräch, der fast lautlos in einem umgebauten 912 mit Elektromotor bis zu 250 km weit fahren kann und meint, alte Autos würden sich halt viel besser elektrifizieren lassen als die modernen Personenwagen mit ihren CAN-Bus-Systemen und der omnipräsenten Steuerungselektronik.
Jedem das Seine, mag sich der eine oder andere Beobachter unter den rund 30'000 Besuchern da denken, und genau dafür bieten halt die drei Tage auf Schloss Dyck auch viel Freiraum.





































































































































































































































































































































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