Am Sonntag, dem 10. Juni 2018, heulten in Gernsbach einmal mehr die Motoren bei der Gleichmäßigkeitsprüfung des AC Eberstein am Schloßberg.
Kulinarik aus Küche und Brennräumen
Wer heute von Gernsbach oder Baden-Baden aus zum Schloß Eberstein fährt, um dort im Hotel zu nächtigen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen, ahnt nichts von den wilden Tagen auf dem Kurvengeschlängel. Himmlische Ruhe und frische Waldluft laden zum Verweilen ein. Nur die Bäume in der Schloßkurve säuseln leise und träumen Jahr für Jahr von dem Tag, an dem ihre Äste zittern und sie mit den dröhnenden Maschinen vibrieren dürfen. Dann erfüllen die Gerüche von gegartem Superplus und Reifengummi den Wald und überlagern den Odeur der Gourmetkreationen aus der Schloßküche.
Vier Jahrzehnte Tradition am Berg
Von 1970 bis 1989 rief der AC Eberstein zum Bergrennen aus dem Murgtal den Schloßberg hoch. Bis auf 1985, als das Prädikat zur deutschen Bergtrophäe lockte, kämpften die Fahrer um regionale Meisterschaftspunkte.
Dann fiel 1989 der Hammer. Der sich ausbreitende Unwille der Genehmigungsbehörden, Bergrennen zuzulassen, traf auch die Ebersteiner.
Doch dem rührigen Automobilclub gelang es im Jahr 2004, die Tradition fortzusetzen und dem Schloßberg wieder Leben einzuhauchen, mit Gleichmäßigkeitsprüfungen anlässlich der Schlossberg Historic. Fahrtleiter Johann Steinberger und sein Team lassen hoffentlich auch in Zukunft den Schlossberg beben.
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Teilnehmer von regional bis international
Die Kontinuität der Veranstaltung über nunmehr 15 Jahre lockt immer mehr Bergenthusiasten jährlich ins Murgtal, so dass die Startplätze regelmäßig weit vor Nennungsschluss vergeben sind. Kein Wunder, das Flair im Fahrerlager auf der Murginsel, die 3,5 Kilometer lange mit Kurven gespickte Bergstrecke und die professionelle und doch auch familiäre Organisation können nur begeistern.
Aus der Historie der regionalen Rennveranstaltungen heraus bilden die Teilnehmer aus Deutschlands Südwesten die Mehrzahl. Andererseits zählen auch Fahrer von weiter her zu den wiederholt antretenden Wettbewerbern.
Jahr für Jahr mischen sich dann zwischen das mehrheitlich badische und schwäbische Stimmengewirr im Fahrerlager auf der Murginsel elsässische, holländische und schweizerdeutsche Laute.
Bunte Mischung von Old- und Youngtimern
Zur Übersicht ein paar Zahlen: Die Einteilung der Fahrzeuge erfolgte in die ersten sieben Klassen Old- und Youngtimer bis Baujahr 1993. Für jüngere Sportwagen wurde die Klasse 8 geschaffen und die Klasse 9 besetzten historische Formelrennwagen, insgesamt ein Starterfeld von fast 120 Bergstürmern. Davon stammte das Gros aus den 70er und 80er Jahren. Nur ganze zwei Vorkriegsklassiker standen am Start, bei beiden handelte es sich um rare Lagonda Rapier.
Zu den Publikumslieblingen gehörten früher die ein- und zweisitzigen offenen Rennwagen und das ist auch heute noch so. Drei Formelrenner kreischten ins Murgtal und fünf Zweisitzige stimmten ein, darunter sogar zwei Lotus Eleven Le Mans.
David trifft Goliath und Urgroßväter die Enkel. Das Starterfeld bot eine weit gespreizte Bandbreite. Welch ein Unterschied zwischen Schnuckelchen Fiat 126 A und Bollermann Ford GT 40 oder dem Lagonda von 1936 und dem Caterham Super Seven von 2002. Haben doch die beiden letzteren trotz des Altersunterschiedes von 82 Jahren frappierende Ähnlichkeiten, freistehende Räder, luftig offen, keine Fahrhilfen und ohne Filter.
Aber halt, der Caterham repräsentiert kaum den automobilen Zeitgeist der Jahrtausendwende. Da nehmen wir doch eher den Mitsubishi Lancer Evo 7 mit den zeitgenössischen technischen Helferlein als jüngsten Vertreter der Enkel.
Kampf um Ehre und Pokale
Die Gleichmäßigkeitsprüfung egalisiert alle Standesunterschiede. Ob 30 oder 300 PS, ob 500 oder 1500 kg Kampfgewicht, es zählt nur die Präzision: Steyr Puch und Alpine A110 sind somit absolut chancengleich.
Doch egal, die Zuschauer erlebten die gute alte Bergrennzeit neu, fühlten sich um Jahrzehnte zurückversetzt. Streckensprecher Hannes Martin kommentierte wie früher, diesmal unterstützt vom jungen Ralf Kuhlmann, mit lexikalischem Autowissen jeden Bergrenner.
Bei Kaiserwetter hing am Start das Gespür für baldiges Vollgas in der wabernden Abgasluft. Minute für Minute wurden Boliden losgelassen und stürmten vehement auf dem kurvigen Asphaltband voran. Da ballerten die Lagondas, bollerten die Ford V8, kreischten die Lotus, Porsche, TTS und Käfer. Jeder Renner trug mit seiner Stimme zum beeindruckendem Motorenkonzert bei, eine wahrlich metallene Kulinarik.
Im Ziel dann die bangen Gedanken, war ich in der Zeit, war ich zu langsam oder doch zu schnell? Fast wie damals.
Nach den Läufen hingen die Fahrer in Trauben an den Aushängen der gefahrenen Zeiten mit freudigen oder betretenen Gesichtern. Trost spendeten die würzigen Bratwürste und leckeren Kuchen vom Festzeltbuffet.
Am Ende des Tages fuhr mancher zufrieden mit einem Pokal nach Hause, die anderen mit dem guten Gefühl, einen schönen Tag unter Autoenthusiasten erlebt zu haben.
Die Bäume an der Schloßkurve säuselten wieder leise im Wind und der Duft aus der Schlossküche gewann langsam erneut die Oberhand.
Startliste und Ergebnisse können auf der Internetseite des Veranstalters nachgelesen werden.
































































































































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