VW K 70 im (historischen) Test – Der VW für den Fiat-Fahrer
Zusammenfassung
Dank einer Fremdentwicklung war bei Volkswagen plötzlich die Moderne angebrochen. Das wassergekühlte und frontgetriebene NSU-Stiefkind liess alle Wolfsburger Eigenentwicklungen noch veralteter aussehen, als sie es 1970 ohnehin schon waren. Der VW K 70 war nicht nur modern und geräumig, sondern begeisterte obendrein mit einem Fahrverhalten, das man sonst eher von Fabrikaten südlich der Alpen her erwartet hätte. Schon als Vorserienfahrzeug wusste der Ex-NSU zu überzeugen, wie dieser historische Testbericht ausführlich zeigt.
Dieser Artikel enthält folgende Kapitel
- Raum
- Gepäck
- Einsteigen, Aussteigen
- Ausstattung
- Bedienung
- Fahren
- Fahrwerk, Federung
- Reifen, Bremsen, Sicherheit
- Lüftung, Heizung
- Geräusche
- mot-Gesamturteil
- Pluspunkte
- Minuspunkte
Geschätzte Lesedauer: 13min
Leseprobe (Beginn des Artikels)
Gegenüber der NSU-Originalkarosserie hat das VW-Werk beim K 70 äußerlich nur Kleinigkeiten geändert: schwarzer Kunststoffgrill mit VW-Zeichen, rechts am Heck der typische VW-Schriftzug. Der K 70 ist keine Autoschönheit im üblichen Sinn. Fast strenge Linien, kastenförmig auf möglichst großen Nutzraum und gute Übersichtlichkeit angelegt, vorn und hinten nahezu senkrecht abgeschnitten, kaum seitliche Ausbauchung. Der K70 entspricht einer Übertragung der NSU-Ro-80-Karosserie ins Praktische. Zwar nicht so gut in der aerodynamischen Formgebung, aber besser zu übersehen und viel kompakter. Der K 70 bietet praktisch den gleichen Innen- und sogar deutlich mehr Gepäckraum als der Ro 80, der außen um 36 cm länger ist.
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Im K70 gab es Platz satt, selbst das Handschuhfach ist XXL. Wenn ich mich richtig erinnere war der K70 als er uns 1980 verließ noch gut Schuss, ohne Rost jedenfalls, wie sonst üblich.
Heute weiß ich, wie sehr so eine frühe Wahrnehmung das ganze Leben beeinflusst. Marketing fängt bei den Kids an. Nie habe ich mich später auch ansatzweise für einen Opel, Fords, Renault oder so interessiert. OK, einen MB GLK hatte ich mal, sonst war ich aber immer lieber mit Exoten unterwegs.
Der K70 jedenfalls war in seiner klaren Erscheinung, ähnlich wie der RO 80, dem Zeitgeschmack voraus. Schade - oder gut für Individualisten, die es mögen, wenn ihr Gefährt nicht an jeder Ecke steht;-)
Nach Einstellung der Produktion gab es den neuen Auspuff aber im Werksverkauf für 10 DM/Stück.

Freilich muss man sich auch fragen, wer hier der Geisterfahrer ist. Den ersten 900 GL habe ich 1988 zum Spottpreis und neuwertig gekauft. Ich fand in toll, war damit aber fast allein;-)
Weiter war der K70 VW-intern immer ein Stiefkind, hatte nie eine Lobby. Die Chancen, die das Auto am Markt gehabt hätte, wurden nicht genutzt (Variant s. oben). Man hatte bereits die kommende Generation neuer Fahrzeuge wie Passat, Scirocco, Golf im Blick.
Aus Designersicht war die Karosserie für "VW-Augen" vielleicht einen Hauch zu modern geraten, die ähnlich gestalteten, aber weit konservativeren Audi 80 oder 100 aus der gleichen Epoche waren erfolgreicher. Und es fehlte – ich wiederhole mich – ein K70 Variant, der mit seinem gigantischen Kofferraum bei Gewerbetreibenden und Familien sicher sehr beliebt gewesen wäre.
Von solchen Tugenden sind wir heute weit entfernt.



































































































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