Aus Weltanschauung wird einer von vielen - VW 1200 Standard im (historischen) Test
Zusammenfassung
Der VW 1200 Standard war sozusagen der Inbegriff des Alltagsautos. Zwar hinkte er in Sachen Komfort oder Leistung seinen Konkurrenten und auch Brüdern hinterher, doch punktete er durch einfache, aber robuste Technik und einer sehr hohen Wartungsfreundlichkeit. Dieser Artikel gibt einen Test von 1963 im Originalwortlaut wieder und zeigt den Käfer von damals (meist allerdings als De Luxe) auf vielen historischen BIldern.
Dieser Artikel enthält folgende Kapitel
- „Auto-Meter”
- 800 Mark gespart
- Auch heute noch konstruktiv originell
- VW neu entdeckt
- Was ist beim Standard anders?
- Technische und Testdaten
Geschätzte Lesedauer: 14min
Leseprobe (Beginn des Artikels)
Der Tankwart an unserer Haustankstelle konnte es gar nicht fassen. „Einen VW testet ihr jetzt, na so was!” Und er war nicht der Einzige, der dies absonderlich fand. Man kennt - oder glaubt es wenigstens - den VW ganz einfach. Für viele Leute ist er das Auto schlechthin, er ist eine Art von nationaler Institution oder auch ein Stück Allgemeinbildung. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, daß so viele Menschen der Versuchung erliegen, diesen Wagen als VW und nicht als irgendein Auto zu betrachten - und zu testen. Bislang war diese Art der Beurteilung sogar ganz berechtigt. Denn hatte der „Käfer" auch Konkurrenten, so fehlte es doch bis auf einige Ausnahmen an seinesgleichen.
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Und schon da stellte sich mir die Frage: würde ich, auch wenn ich diverse Käfer verschiedener Baujahre selbst gefahren bin, mit einem Standardkäfer klarkommen? Ich denke nicht.
Die im Artikel aufgeführte Liste der Mängel ist schon haarsträubend ich hatte auch mit diversen 1964+ - Käfern häufig alle Hände voll zu tun.
800.- weniger sind zwar beachtliche 20%: aber ich glaube schon, dass viele Käufer nach einem Besuch im VW-Autohaus dann doch einen Exportkäfer kauften.
Dass der Käfer lahm, laut, eng und unübersichtlich war, war zwar allgemein bekannt. Eigentlich galt er deshalb auch gar nicht wirklich als Auto; er war halt ein "VW": eine eigene - mindere! - Fahrzeugkategorie. Man verzieh ihm nur deshalb zähneknirschend seine notorischen Schwächen, weil er aus etwas dickerem Blech gemacht war, das erst nach durchschnittlich 8 Jahren statt wie damals bei den meisten Konkurrenten nach 6 Jahren durchrostete, weil keine Wasserkühlung spezielle Aufmerksamkeit erforderte (mit der viele, unbedarfte Autofahrer damals überfordert waren), weil man überall spottbillig (notfalls gebrauchte) Ersatzteile kriegte und fast jede dörfliche Hinterhofwerkstatt für'n Appel und'n Ei damit zurechtkam. Auch den - in Relation zu den mageren Fahrleistungen - hohen Benzinverbrauch konnte man bei Spritpreisen von 50 bis 60 Pfennigen noch verschmerzen. Nicht mehr tolerierbar waren selbst für mich als armer Student dann aber diverse Modell- und Baujahr-typische Macken: wenn man diesen Käfer im Sommer mit warmgefahrenem Motor abstellte, ließ er sich anschließend wegen Blasenbildung im Vergaser eine halbe Stunde lang nicht mehr starten; man mußte erst abwarten, bis der Motor weitgehend abgekühlt war. Die Werkstätten kannten das Problem nur allzu gut, aber Abhilfe zu vertretbaren Kosten war auch 10 Jahre nach Produktion dieser Charge immer noch nicht möglich... Und die Heizung pustete statt Warmluft ein nicht nur nach Abgasen stinkendes, sondern auch noch die Frontscheibe von innen vernebelndes Dampfgemisch in den Innenraum, weil die Türschweller (durch die die Heizungsluft nach vorne geführt wurde) durchgerostet waren und das Dreckwasser von der Straße darin herumschwappte.
Noch gar nicht ins Kalkül zogen wir damals - dem Zeitgeist entsprechend - die Fahrsicherheit eines Autos. Man dachte einfach nicht darüber nach, und angesichts der exportwirtschaftlichen Bedeutung des Käfers durfte man auch - selbst viele Jahre später noch - nicht darüber reden oder schreiben, dass der Käfer sicherheitstechnisch selbst für damalige Verhältnisse eine einzige Katastrophe war: sowohl die heimtückischen Fahreigenschaften (Zweigelenk-Pendelachse in Verbindung mit Hecklastigkeit und schmaler Spur) als auch der grottenschlechte Insassenschutz (kaum schützender Vorbau, Benzintank über den Knien der Frontinsassen) sorgten dafür, dass damals wohl ein sehr erheblicher Anteil des horrenden Blutzolls (über 20.000 Verkehrstote pro Jahr!) auf das Konto der Käfer-Monokultur ging. Dass VW dann mit auf dem amerikanischen Markt allmählich aufkommendem Sicherheitsdenken als erster Hersteller eine geteilte Lenksäule ("Pralltopf") einführte, war keineswegs einem besonderen Sicherheitsbewußtsein des Herstellers geschuldet: der Käfer hatte das wegen seines wenig stabilen Vorbaus schlicht nötiger als die allermeisten Konkurrenten. Selbst mit dieser Neuerung war er für die Insassen immer noch weit gefährlicher als die meisten, anderen Autos.
Wirklich als Auto (nicht mehr bloß als "VW") gelten konnte der Käfer erst viele Jahre später, in Form des 1303: endlich mit passablen Fahreigenschaften (Schräglenkerachse), halbwegs nutzbarem Frontkofferraum, verbessertem Innenraum (gewölbte Frontscheibe) und auch mit systematisch verbesserter Crash-Sicherheit. Aber ein echtes Auto (und somit schutzlos dem Vergleich mit anderen Autos ausgesetzt) durfte ein Käfer wohl nicht sein: kaum war der 1303 auf dem Markt, wurde auch schon die Produktion eingestellt. Der 1303 war zu gut, um für sich noch den Nicht-Auto-Sonderstatus eines Käfers beanspruchen zu können - aber gleichzeitig immer noch viel zu schlecht, um mit den anderen, wirklichen Autos seiner Zeit ernsthaft konkurrieren zu können.
Mein zweites Auto und Nachfolger des VW 1200 war damals ein Opel Kadett A, Baujahr 1965: viel mehr Platz und noch viel mehr Kofferraum trotz geringerer Aussenabmessungen, viel bessere Sicht und Übersichtlichkeit, viel flottere Fahrleistungen bei deutlich weniger Benzinverbrauch, viel leiserer Motor, viel bessere, gutmütigere Fahreigenschaften, eine anständige Heizung und viel bessere Überlebenschancen bei einem (Gottseidank nie passierten) Crash. Okay - man mußte sich gelegentlich um die Wasserkühlung kümmern, und das dünnere Blech rostete zwei Jahre früher durch. Aber bis dahin war's immerhin schon ein Auto - nicht bloß ein VW.





















































































































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