Triumph TR 7 - der Keil zum Schluss

Erstellt am 11. März 2015
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Die Triumph-TR-Sportwagen-Reihe gehört zu den beliebtesten Autokreationen Englands und insbesondere die Amerikaner konnten fast nicht genug bekommen von den knorrigen Roadstern. Doch 1975 stellte British Leyland mit dem TR 7 einen modernen Sportwagen vor, der kaum mehr etwas mit seinen Vorgängern zu tun hatte. Aber die Amerikaner liebten ihn trotzdem.


Triumph TR 7 (1980) - im Vergleich zum Vorgänger TR 6 ein deutlicher Design-Bruch
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Drei Jahrzehnte Roadster-Tradition


Triumph TR 2 (1953) - bei frühen Erprobungsfahrten
Archiv Automobil Revue

Über 32 Jahre hatte Triumph ausschliesslich Roadster- und Cabriolet-Varianten mit dem Kürzel “TR” verkauft, zuerst den TR 2, gefolgt von TR 3, TR 4, TR 5, TR 250 und TR 6. Sie alle hatten einen stabilen Rahmen als Basis, der je je nach Baumuster eine englisch-rustikale, eine italienisch-verspielte oder eine deutsch-nüchterne Karosserie trug.


Triumph TR6 (1974) - die von Karmann geprägte deutsche Linie beim Engländer
Archiv Automobil Revue

Doch was am 15. Januar 1975 in Florida vorgestellt wurde, hatte allerdings mit der TR-Tradition nichts mehr zu tun. Ein selbsttragendes Coupé mit keilförmiger Karosserie.

Der Keil von Harris Mann

Dass der Neue nicht mehr ein Roadster war, lag vor allem im Zielmarkt USA begründet, wo Sicherheitsvorschriften dem Cabriolet das Leben schwer machten. Und dass man Mitte der Siebzigerjahr nicht mehr Autos wie in den Fünfzigerjahren bauen wollte, versteht sich von selber.


Triumph TR 7 (1975) - Design-Skizzen von Harris Mann
Archiv Automobil Revue

Harris Mann, der auch den Princess gezeichnet hatte, skizzierte einen keilförmigen Sportwagen, der wie ein Mittelmotorauto aussah, obschon der Motor konventionell vorne lag. Für manchen TR-Puristen war der TR 7 ein Schock, weshalb Leyland von einem Verkauf in England und Europa vorerst Abstand nahm und dort weiterhin den beliebten TR 6 auslieferte.

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Die Technik vom Dolomite

Technisch war der TR 7 auf der Höhe der Zeit, er bezog seinen Motor vom Triumph Dolomite, was vier Zylinder, eine obenliegende Nockenwelle und dank einer kleinen Hubraumvergrösserung 1998 cm3 bedeutete. Dieser Rezept produzierte mit Stromberg-Vergasern in der amerikanischen abgasentgifteten Version rund 90 PS, die später nachgereichte europäische Variante brachte es mit zwei SU-Vergasern und 1997 cm3 auf immerhin 106 PS.


Triumph TR 7 (1976) - Durchsichtszeichnung
Zwischengas Archiv

Die Radführung übernahmen vorne Einzelradaufhängungen nach System McPherson und hinten eine an vier Längslenkern geführte Starrachse. Gebremst wurde mit Scheiben vorne und Trommeln hinten.

Nur für Amerika

Ab 1975 kamen also nur die Amerikaner in den Genuss des neuen Sportwagens, dem die Zeitschrift Road & Track gleich in zwei folgenden Ausgaben viele Seiten lieferte. Mit dem Styling wurden die Redaktoren zwar nicht ganz warm, als einen Grund, den Wagen nicht zu kaufen, sahen sie es aber auch nicht.


Triumph TR7 (1975) - auf dem Schweizer Markt noch nicht erhältlich, sondern ausschliesslich für die USA gebaut - Genfer Automobilsalon 1975
Archiv Automobil Revue

Sie lobten Innenraum und das Gefühl von Solidität. Geradezu begeistert zeigen sie sich von Fahrverhalten, Ergonomie und Komfort, auch die Bremsen überzeugten. Mit 11,3 Sekunden für den Spurt von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) war der TR 7 aber keine Rakete und auch die Höchstgeschwindigkeit von gemessenen 108 Meilen pro Stunde (173 km/h) wurde von mancher Kompaktlimousine übertroffen. Eine solche liess sich zudem auch noch sparsamer fahren, obschon 8,55 Liter pro 100 km bei normaler Fahrweise kein schlechter Wert waren damals. “Esthetics aside, we think Triumph has done a generally nice job”, lautete das Resümee, oder auf frei übersetzt auf deutsch: Wenn man vom Aussehen absieht, dann hat Triumph ganz gut gearbeitet.


Triumph TR 7 (1978) - Interieur
Zwischengas Archiv

Die Amerikaner jedenfalls kauften, die frühen Besitzer mussten allerdings unter nicht zufriedenstellender Bauqualität und Konstruktionsmängeln leiden, die rund 200 Nachbesserungen nach sich zogen.

Doch noch für Europa

Ab Sommer 1976 kamen dann auch die Europäer in den Genuss des englischen Keils, die Produktion des TR 6 wurde eingestellt. Das Warten hatte sich gelohnt, denn erstens waren viele Qualitätsmängel ausgeräumt, zweitens erhielt man diesseits des Atlantiks mehr Leistung bei weniger Gewicht. Dies war zierlicheren (aber immer noch massiven) Stosstangen, dem Verzicht auf den Airbag und anderen Modifikationen zu verdanken. 10 Sekunden prophezeite Leyland für den Standardsprint von 0 bis 100 km/h, als Spitze wurden 177 km/h versprochen. 


Triumph TR 7 (1977) - Klappscheinwerfer als Zugeständnis an die tiefe Schnauze
Archiv Automobil Revue

Während Auto Motor und Sport nach einer Probefahrt im Jahr 1976 befand, dass der Fahrkomfort zu wünschen übrig lasse, ordnete die Automobil Revue den TR 7 als vorzügliches und angenehmes Reisefahrzeug ein, da der Wagen dank gekonnter Feder-Dämpfer-Abstimmung deutlich mehr auf der komfortablen Seite aus auf der sportlichen Seite einzuordnen sei.


Triumph TR 7 (1975) - sportlich unterwegs
Archiv Automobil Revue

“Ob sich der Neue aus Liverpool auch auf dem anspruchsvollen deutschen Markt, wo er DM 16’990 kostet, durchsetzen wird, darf nach der ersten Bekanntschaft bezweifelt werden”, schloss Götz Leyrer seinen Test ab, während die Automobil Revue - in der Schweiz kostete der TR 7 CHF 17’500 - ihren kurzen Fahrbericht mit einem Appell an Leyland beendete: “Auch der TR 7 wird sicherlich wiederum seine Liebhaber finden, obschon wir mit der Forderung nach einer Cabriolet-Ausführung glauben, im Namen vieler Interessenten zu sprechen”.

Aber auch als Cabriolet

Und tatsächlich erschien Ende 1978 das “Drophead Coupé”, also ein Cabriolet mit Faltverdeck. Und wiederum waren es die Amerikaner, die das neue Modell zuerst kaufen durften. Die Designanpassungen für die offene Version waren Giovanni Michelotti zu verdanken und er hatte ganze Arbeit geleistet, denn die Cabriolet-Variante wirkte gelungen und stimmig. Die Automobil Revue schrieb nach ihrem Test im Jahr 1980: “Mit geöffnetem Dach wirkt das Cabriolet aus fast allen Blickwinkeln ausgesprochen attraktiv”.


Triumph TR 7 (1981) - das Cabriolet sah auch mit verschlossenem Verdeck gut aus
Archiv Automobil Revue

180 km/h lief das rund 30 kg schwerer gewordene Cabriolet, von 0 bis 100 km/h nahm es sich 11,3 Sekunden, der Verbrauch pendelte sich im Test bei 10,1 Litern pro 100 km ein. Sympathisch, bequem und leicht zu handhaben sei das neue Cabriolet, fanden die AR-Tester.

Leider kein Sprint

Eine andere Version, die sich mancher TR-7-Anhänger sehnlichst gewünscht hätte, nahm leider nie Einzug in die Serienversion. Die “Sprint” genannte Variante mit dem 16-Ventil-Motor des Dolomite Sprint und rund 127 PS hätte die Fahrleistungen auf ein deutlich sportlicheres Niveau gehoben, doch bereits nach rund 60 Vorserien-Fahrzeugen wurde die Baureihenerweiterung 1977 wegen Problemen mit der Arbeiterschaft aufgegeben.

Und schliesslich noch mit V8

Statt der Sprint-Version kam dann aber eine andere erstarkte TR-Version auf den Markt, die sinngemäss TR 8 hiess und einen Rover V8 Motor unter der Haube hatte. Rund 135 PS, aber vor allem der volle Achtzylinder-Sound konnten auch gehobene Ansprüche befriedigen.

Trotzdem wurde im Oktober 1981 die Produktion von TR 7/8 ohne Nachfolger eingestellt.  Rund 115’000 Fahrzeuge, darunter 28’864 Cabriolets und 2800 TR-8-Versionen, waren gebaut worden, insgesamt also mehr als von allen TR-Baureihen zuvor.

Fast ein Neuwagen

Rund 40 Jahre sind vergangen, seit der Triumph TR 7 präsentiert wurde. Vor uns steht ein weisses Coupé, wie es die Fabrik verlassen hat, mit rund 1300 km auf dem Tacho, ein Neuwagen sozusagen, und doch schon seit Jahren ein Oldtimer.


Triumph TR 7 (1980) - schön gezeichnete Armaturen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Sitze im eleganten Schottenmuster sind bequem, das Interieur unterscheidet sich wenig von anderen der Siebzigerjahre. Als Fahrer erhält man über sechs Rundinstrumente ein komplettes Informationsangebot.


Triumph TR 7 (1980) - viel Kunststoff im Interieur
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Fahrt im TR 7 verläuft kaum anders als in einer Limousine jener Zeit, der Wagen taugt auch für Führerschein-Neulinge. Das exakt schaltbare Fünfganggetriebe und das sympathisch, wenn auch unspektakuläre Motorgeräusch machen die Fahrt zum Vergnügen, die Übersichtlichkeit könnte allerdings besser sein.

Aus Fahrersicht eckt der Wagen also nicht an, wenn dann ist es sein Aussehen, das polarisiert. Aber dies muss jeder selber entscheiden. Und wer Gefallen findet, sollte jetzt zuschlagen, denn noch werden die keilförmigen TR-Modelle preislich deutlich unter ihren traditionelleren Vorgängern gehandelt.


Triumph TR 7 (1980) - deutchlich beschriftet
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen , die den Triumph TR 7 aus dem Jahr 1980 am 25. April 2015 ohne Mindestgebot anbietet, für die Gelegenheit zur Probefahrt.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von be******
06.04.2020 (18:34)
Antworten
Abmacht
von be******
06.04.2020 (18:33)
Antworten
Hallo weiss jemand wie man das Verdeck vom Tr7 anmacht?
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