Wie begegnet man einer PS-Legende, die damals mit vielen tödlichen Unfällen in Zusammenhang gebracht wurde? Mit Vorsicht …
… und mit Ehrfurcht. Schliesslich handelt es sich beim fotografierten Auto um eine 66er Cobra mit Chassisnummer CSX3300. Originale Siebenliter-Cobras werden auf dem Markt fast mit Gold aufgewogen, entstanden doch in vier Jahren nur gerade einige hundert Exemplare, von denen nur ein Teil überlebt haben dürfte.
Drehen wir also den Zündschlüssel und drücken den Startknopf. Krachend tritt der V8-Motor im Bug ins Leben. Fast ungedämpft entweichen den dünnen Auspuffenden knatternde Lautäusserungen, man spürt praktisch jeden Verbrennungsvorgang am eigenen Körper. Die ganze Karosserie schüttelt sich, wenn sich die grossen Kolben heben und senken.
Geniessen wir diesen Moment noch etwas länger und schauen über die imposante Instrumentensammlung vor uns, um zu überprüfen, dass alles in geordneten Bahnen läuft. Diese “Uhren” sind neben etwas Teppich der einzige Luxus, den Carroll Hal Shelby seinen Kunden gönnte, der Rest diente eigentlich nur dafür, den schnellsten Strassenwagen Amerikas auszuliefern.
Bulliges Drehmoment
Rund 650 Nm schüttelt der 6997 grosse V8-Motor auf die Kurbelwelle.
Da spielt die Gangwahl eigentlich keine Rolle mehr, wenn es nur um Vortrieb geht. Der erste Gang reicht in der Strassen-Untersetzung bis rund 100 km/h, kein Wunder lassen sich mit der Cobra für die Zeit einmalig tiefe Zeiten für den Spurt von 0 auf 60 Meilen oder auf 100 km/h erreichen. Im dritten Gang lässt sich praktisch jedes Tempo fahren, das die Strassengesetzgebung jenseits der Autobahn zulässt. Und dank der fetten Reifen ist die Traktion bei trockener Strasse formidabel.
Aber auch Kurven sind kein Problem für die Cobra. Mit der Zahnstangenlenkung lässt sich der offene Sportwagen zielsicher lenken, die perfekte Rundumsicht (bei offenem Wagen) macht den Sportwagen noch handlicher, als er es ob der kompakten Dimensionen (396 cm lang und unter 180 cm breit) sowieso schon ist.
Dem Grenzbereich muss man nicht einmal nahekommen, um schon sauschnell unterwegs zu sein. Ehrfurcht ist schliesslich angesichts der Preise, die heute für originale Cobras aufgerufen werden, auch angebracht. Zudem hat man ja einen Überlebensinstinkt. Und schliesslich wird auch langsam fahren belohnt, nämlich vom Strassenrand mittels bewundernden Beobachterblicken.
Und auch gemächliches Fahren ist möglich mit dem “Biest”, da tut sich die Cobra sogar deutlich leichter als mancher ihrer damaligen Supersportwagen-Konkurrenten. Aber die nächste Ortsausfahrt kommt bestimmt …
Von 90 bis fast 500 PS
Die Basis für die Cobra war der AC Ace, dessen Form wiederum von John Tojeiro dem Ferrari 166 nachempfunden hatte. Der britische Sportwagenbauer nutzte den Tojeiro-Special als Basis für den ACE, motorisiert mit vergleichsweise milden Sechszylindermotoren mit 90 bis 125 PS.
Carroll Shelby kombinierte den schlanken britischen Roadster mit einem V8-Motor von Ford und so entstand die erste Cobra. Zunächst waren es 3612 cm3 Hubraum, aber schon bald 4261 und schliesslich 4737 cm3, zur Bezeichnung Cobra 289 führend.
Weil Zora Dantov eine Siebenliter-Corvette vorbereitete, bestellte Shelby einen ebenso grossen Motor bei Ford. Nach Nascar-Manier bearbeitet leistete dieser V8 425 PS im Strassentrimm, 485 PS in der Rennversion. Renn- und Testfahrer Ken Miles schaffte es, die Cobra 427 in 13,8 Sekunden auf 100 Meilen pro Stunde zu beschleunigen und wieder zu Boden zu bremsen. Mit der richtigen Übersetzung lief diese Cobra gegen 300 km/h schnell, kürzer übersetzt hinterliess sie in fast jedem Gang schwarze Streifen auf der Strasse.
7495 amerikanische Dollar oder 2000 mehr als eine Cobra 289 waren für den Sportwagen auszulegen, aber ein schnelleres Auto konnte auch mehr Geld nicht kaufen. Ein gefährlicheres auch nicht, sollen doch einige Cobra-Käufer schon in den ersten Tagen tödlich verunfallt sein, weil sie ihren Gasfuss nicht unter Kontrolle hatten.
Natürlich hatte Shelby die Cobra fahrwerksseitig gegenüber dem ursprünglichen AC Ace deutlich verbessert. Hinten sorgten beim 427 Einzelradaufhängungen mit Schraubenfedern und Teleskopdämpfern statt der Variante mit Querblattedern für zuverlässigere Haftung, sämtliche Chassiskomponenten waren im Laufe der Zeit verstärkt und der brachialen Kraft der Achtzylindermotoren angepasst worden.
Dicke Räder hausten unter verbreiterten Radausschnitten und Scheibenbremsen rundum sorgten für die nötige Verzögerung.
Gegen 350 originale Cobra 427 sollen zwischen 1964 und 1967 gebaut worden sein, die meisten als Strassenvarianten. Die kleinere Cobra 289 schaffte es auf rund doppelt so viele Werks-Exemplare.
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Perfektioniert
Jede Shelby Cobra wurde in Handarbeit aufgebaut, Unterschiede von Auto zu Auto waren da ganz normal. Und inzwischen sind diese Autos rund 60 Jahre alt und entsprechend wurden die meisten dieser Fahrzeuge restauriert, so auch die gefahrene Cobra mit Chassisnummer CSX3300.
Im Rahmen der Arbeiten wurde manches verbessert und verfeinert, das Filetstück ist aber wohl das aufwändig konstruierte Hardtop, das aus dem Roadster ein Coupé mit Heckklappe macht.
Am meisten Spass macht das Auto aber trotzdem ohne Dach, wenn die Haare im Wind wehen und der Klang des V8 ungedämpft zu den Ohren findet.
Die für diesen Beitrag fotografierte Shelby Cobra 427 aus dem Jahr 1966 wird am 30. Mai 2026 von der Oldtimer Galerie im Rahmen der Swiss Classic World versteigert werden. Wir danken für die Gelegenheit zur Fotofahrt.
Anmerkung: Weitere Recherchen der Oldtimer Galerie haben gezeigt, dass es in Nordamerika ein zweites Fahrzeug mit derselben Chassisnummer gibt. Welches der beiden Fahrzeuge die originale Cobra ist, konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig geklärt werden.






















































































































































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