Rover 3 Litre - der Rolls Royce des armen Mannes?

Erstellt am 10. April 2014
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
23
Balz Schreier 
20
Archiv 
37

So richtig arm durfte wohl nicht sein, wer sich in den Sechzigerjahren einen Rover 3 Litre der Baureihe P5 zulegte. In Deutschland waren dafür mindestens 17’250 Mark anzulegen, in der Schweiz konnte man für 19’900 Franken Eigner der stattlichen Limousine werden.

Wer sein Konto entsprechend geleert und den Gegenwert von etwa drei VW Käfern bezahlt hatte, durfte sich in den üppig mit Holz und Leder ausgestatteten Innenraum setzen und sich fast wie im Rolls-Royce fühlen.


Rover P5 3 Litre Mark III (1967) - elegante Linienführung, die Zierleisten kamen mit dem Mark III
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Premiere im Oktober 1958

Vorgestellt wurde der neue Rover 3 Litre im Herbst 1958 in London an der Earls Court Autoausstellung. Und der Wagen kam gut an, nicht zuletzt wegen der unaufdringlich eleganten und durchaus zeitgemässen Karosserielinie, die von David Blache verantwortet wurde. Geschickt hatte er traditionelle und moderne Elemente gemischt und ein stimmiges Gesamterscheinungsbild geschaffen.


Rover 3 Litre (1958) - In ländlicher Umgebung
Archiv Automobil Revue

Auch im Innern zeigte sich der Wagen mit seinem zentralen Instrumententräger und vielen Ablageflächen den Ansprüchen der Zeit gewachsen. Und er offerierte komfortable Platzverhältnisse, bequeme (und verstellbare) Armlehnen und Windabweiser an allen Seitenfenstern.

Im Verkaufsprospekt wurde der neue denn auch unter der Überschrift “technische Vollendung im eleganten Kleid” wortreich beschrieben:
“Der neue Rover setzt die Markentradition in mancher Hinsicht unverändert fort. Sorgfältigste Konstruktion, die im Gegensatz zur heutigen Tendenz im Automobilbau kein Suchen nach billigsten Lösungen verrät, kennzeichnet auch den Rover 3-Liter. Er bildet das Spitzenmodell der Marke und zeichnet sich durch selbsttragende Ganzstahl-Bauweise aus. Der neue 3-Liter ist modern gestaltet, ohne indessen die für Rover typische behäbige und gediegen zurückhaltende Linie aufzugeben. Die Aussenflächen sind handbearbeitet und alle der Witterung ausgesetzten Teile des Aufbaus sind mit einem Dauerschutz gegen Korrosion versehen, zu dem auch eine vollständige ‘Underseal’-Behandlung der Wagenunterseite gehört. Obschon es sich um ein völlig neues Baumuster handelt, sind beim 3-Liter Rover alle bewährten Elemente beibehalten worden, welche den Rover Wagen ihren unerreichten Fahrkomfort vermitteln, verbunden mit absoluter Zuverlässigkeit und Verminderung der Wartung auf ein Minimum.“

Technische Eigenheiten

Auch technisch hatten sich die Rover-Leute einiges ausgedacht. Den Motor musste man zwar mangels produktionsreifer Alternative - ein V6 war entwickelt, aber nicht leistungsfähig genug - vom Vorgänger übernehmen. Für den Einsatz in der Oberklassenlimousine wurde der Reihensechszylinder allerdings umfangreich überarbeitet, die unübliche Ventilanordnung jedoch liess man unverändert.


Rover 3 Litre (1958) - der Hilfsrahmen für die gesamte Mechanik des Vorderwagens
Archiv Automobil Revue

Diese technische Eigenheit wurde in der Automobil Revue bei der Fahrzeugvorstellung eingehend beschrieben:
“Die Ventilanordnung mit hängendem Einlassventil und stehendem Auslassventil, eine Bauweise, die heute ausschliesslich noch bei Rover, Bentley und Rolls-Royce zu finden ist, wurde beibehalten und sogar noch etwas verfeinert und der kürzlich beim Land-Rover eingeführten Konstruktion angeglichen. Die Nocken wirken nun nicht mehr direkt auf Stoßstangen und Ventilschäfte, sondern über Nockenrollen und Winkelhebel. Dadurch wirkt an den Nocken selber nicht mehr gleitende, sondern nur noch rollende Reibung, und es soll ein schnelleres Öffnen der Ventile möglich werden.”

H. U. Wieselmann, der 1959 für Auto Motor und Sport den Rover fuhr, meinte trocken: “Die Vorteile dieser Bauweise sind nicht einzusehen”.

117 SAE-PS wurden als Motorleistung bei der Präsentation angegeben, 105 DIN-PS schätzte Wieselmann. Der Langhuber musste für diesen nicht eben üppigen Output gerade einmal 4’250 Umdrehungen pro Minute ertragen. Geschaltet wurde über ein Vierganggetriebe mit optionalem Laycock-de-Normanville-Schnellgang oder eine Dreigangautomatik.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mercedes-Benz 600 (1967)
Mercedes-Benz 300 SL (1961)
Mercedes-Benz 320 Cabriolet A (1938)
Jaguar E-Type Serie 1 1/2 Roadster (1967)
+49 8036 7006
Rosenheim, Deutschland

Gewichtige Qualität

Der Rover 3 Litre war der erste Wagen der Firma mit selbsttragender Karosserie. Allerdings war man sich der Nachteile der modernen Bauweise bewusst und sorgte mit einem zusätzlichen Hilfsrahmen im Bug, auf den Motor, Getriebe und Aufhängungen montiert wurden, für zusätzliche Stabilität und erhöhten Geräuschkomfort.


Rover 3 Litre (1961) - Fahrgestell und vollständige Limousine am Genfer Autosalon 1961
Archiv Automobil Revue

Dass diese Bauweise zusammen mit dem ebenfalls schweren Motor nicht gerade für günstiges Leergewicht sorgten konnte, versteht sich da von selbst. Trotzdem überraschen die 1655 kg, die ein vollgetankter Rover 3 Litre bei 4,74 Metern Länge und 1,78 Metern Breite auf die Waage brachte.

Um diese Masse zu federn baute man vorne auf Dreiecks- und Querlenker sowie Torsionsblattfedern, was gemäss der damaligen Berichterstattung zu komfortablen Fahreigenschaften bei vergleichsweise geringer Federlänge führen sollte. Hinten ging es konventioneller zu, eine Starrachse mit Blattfedern stellte die erwarteten Gleitqualitäten sicher.

Überschaubare Fahrleistungen

Dass man mit über 1,6 Tonnen und gerade einmal knapp über 100 PS keine Bäume ausreissen konnte, vor allem nicht im Vergleich zum 1959 vorgestellten Jaguar Mark 2, ist leicht nachvollziehbar. 17,6 Sekunden nahm sich der Wagen im Langstreckentest der Automobil Revue im Jahr 1960 Zeit für den Sprint von 0 bis 100 km/h, bei 152 km/h setzte die sicher nicht besonders berauschende Aerodynamik dem Vortrieb ein Ende.


Rover 3 Litre (1960) - Testwagen im in der Rechtskurve
Archiv Automobil Revue

Wer statt Vierganggetriebe auf den Borg-Warner-Wandlerautomat mit drei Gängen setzte, konnte 100 km/h in 20,3 Sekunden erreichen und mit maximal 153 km/h vorwärtsgleiten, dabei aber noch lockerer aus dem Auto schauen, weil ihm die Automatik die gesamte Arbeit abnahm.

Stetige Verbesserungen

Bereits im zweiten Produktionsjahre führte man vordere Scheibenbremsen ein, im Jahr 1960 kam die Servolenkung dazu, 1961 vordere Ausstellfenster und 1962 stieg dann die Motorleistung auf 123 DIN-PS bei 4’800 U/min. Folgerichtig hiess der Wagen ab 1962 auch Mark II.
Und 1965 folgte dann der Mark III, der Verbesserungen im Interieur und minimale Anpassungen bei der Optik brachte.

Das erste viertürige Coupé

Eine Besonderheit aber war bereits 1962 vorgestellt worden, das Coupé.


Rover 3 Litre (1963) - Coupé und Saloon Mark II
Archiv Automobil Revue

Bei diesem wurden nicht etwa wie üblich zwei Türen weggelassen, sondern einfach das Dach um rund 7 cm abgesenkt und die Heckscheibe flacher gestellt. Was wir heute bei Mercedes Benz CLS, Audi A7 oder VW Passat CC also als Innovation vermarktet sehen, gab es schon vor 50 Jahren.

Der Sprung zum V8

Der grosse Technologiesprung aber kam nicht durch modifizierte Karosserien, sondern durch die Transplantation eines amerikanischen V8 in den Bug der englischen Limousine. Bei Buick hatte Rover nämlich die Produktionsrechte für einen kleinen Aluminium-V8 mit 3,5 Litern Hubraum erworben und genügend Platz im Rover-Motorraum gefunden, um den sogar noch leichteren V8 einzubauen, der ausschliesslich mit der Getriebeautomatik verbunden wurde.


Rover 3,5 Litre (1970) - der Aluminium-Motor von Buick
Archiv Automobil Revue

Die Höchstgeschwindigkeit stieg mit dem 151 PS starken Aggregat auf immerhin rund 180 km/h. Damit war man wieder einige Jahre schnell genug, um weiterhin Standardausrüster für nicht zu reiche Lords im englischen Kabinett zu sein.

Lange Bauzeit

Bis 1973 wurde der P5B, wie er nun wegen des Buick-Motors hiess, gebaut, am Schluss konnten der 15 Jahre umfassenden Verkaufsstatistik 52’000 Limousinen und über 17’000 Coupés entnommen werden. Nur wenige Ende der Fünfzigerjahre präsentierten Automobile hatten ein längeres Leben.

An Bord des Mark III

Man fühlt sich schon ein wenig wie ein Kapitän, wenn man im Cockpit des Rover Mark III Platz nimmt. Das Markenlogo mit dem Schiff hat also seine Berechtigung.


Rover P5 3 Litre Mark III (1967) - das Rover-Markenzeichen stolz auf dem Bug
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Viel Holz, weiches Leder, Clubsessel und eine herrschaftliche Sitzposition erinnern ständig an den grösseren Bruder aus Crewe.

Der Motor wird ganz modern mit Zündschlüssel gestartet und das Schaltschema entspricht dem üblichen “H”. Weich eingekuppelt schiebt sich der Rover nach vorne, verlangt kaum nach Drehzahlen und gibt sich mustergültig leise. Die Hektik des Alltags bleibt da ganz von alleine draussen.


Rover P5 3 Litre Mark III (1967) - Clubsessel und bequeme Armauflagen
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Strassenunebenheiten werden komfortabel weggefedert, die Servolenkung minimiert die körperliche Arbeit auf ein erträgliches Niveau, man möchte ja auch nicht verschwitzt ankommen, wenn man dem eleganten Engländer entsteigt.

Auch auf den Hintersitzen fühlen sich Passagiere pudelwohl, der Single Malt steht griffbereit auf dem kleinen Tischchen, und fast fühlt man sich bemüssigt, wartende Fussgänger am Strassenrand majestätisch zuzuwinken.


Rover P5 3 Litre Mark III (1967) - Cupholder schon vor 50 Jahren
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Der Rover vermittelt Sicherheit, Gelassenheit und Ruhe - man versteht, warum viele mit Automatik ausgeliefert wurden, obschon das Wechseln der Gänge keine Mühe macht. Und man kann nachvollziehen, warum die Engländer gerne zum Rover griffen, wenn ihnen ein Dienstwagen angeboten wurde, trotz der Konkurrenz von Jaguar.

Der für diesen Bericht portraitierte Rover 3 Litre Mark III mit Baujahr 1967 wird am 26. April 2014 von der Oldtimer Galerie Toffen versteigert . 

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ma******
19.04.2017 (13:58)
Antworten
Ich hatte ca. 5 Jahre ein 3.5lt Coupe. Werde diese Zeit nie vergessen, ein toller Wagen¨Nur der JensenFF/2 konnte dieses Fahrgefühl übertreffen. Jetzt bin ich leider zu alt um mir nochmals so ein Fahrzeug zuzulegen, aber diese zeit war super. MW
von cb******
02.08.2016 (18:32)
Antworten
Jede Fahrt mit meinem Rover 3 Liter 1960 ist eine Zeitreise. Schon sein Geruch versetzt mich zurück in meine Kindheit und zu den täglichen Fahrten im Heck des Rovers meiner Eltern.
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Originaldokumente / Faksimile

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Limousine, viertürig, 115 PS, 2995 cm3
Coupé, 134 PS, 2995 cm3
Limousine, viertürig, 134 PS, 2995 cm3
Limousine, viertürig, 115 PS, 2995 cm3
Coupé, 134 PS, 2995 cm3
Limousine, viertürig, 134 PS, 2995 cm3
Limousine, viertürig, 184 PS, 3528 cm3
Geländewagen, 77 PS, 2286 cm3
Geländewagen, 62 PS, 2286 cm3
Cabriolet, 60 PS, 2147 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Oberriet SG, Schweiz

017/755 24 76

Spezialisiert auf Jaguar, Daimler, ...

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.