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Rover 100 P4 - das langlebige britische Tantchen

Erstellt am 20. März 2019
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
39
Archiv 
24

Die Entwicklungen begannen kurz nach dem Krieg, vorgestellt wurde der Rover P4 Ende 1949, gebaut wurde er bis 1964. Und er war damit die Grundstein für den Nachkriegserfolg der Traditionsmarke Rover.

Rover 100 P4 (1959) - wirkt wegen der Höhe kompakter als er ist
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Fast eine Neukonstruktion

Treffender hätte man die Worte wohl kaum wählen können, als die Automobil Revue anlässlich der Vorstellung Ende 1949:
“Der neue Rover «75» wird zur Zeit, im Interesse einer möglichst weitgehenden Rationalisierung der Produktion, nur in einer einzigen Ausführung als 5/6-plätzige Limousine hergestellt. Diese stellt wohl mit ihrer modernen Pontonform, nicht aber in der Sorgfalt der Fertigung und der Verwendung ausgewählter Rohmaterialien, eine völlige Abkehr von der bisherigen Tradition der Rover-Werke dar. Der Rover «75» wendet sich, wie die früheren Typen dieser Marke, an den Liebhaber von qualitativ hochwertigen Wagen mittlerer Grosse mit höchstem Fahrkomfort und überdurchschnittlichem Finish.”

Rover 60 (1953) - robustes P4-Chassis
Archiv Automobil Revue

Zwar hatte man bei Rover eigentlich weitgehend am für die Nachkriegszeit aufgefrischten Rover P3 aufsetzen wollen, doch es zeigte sich schnell, dass umfangreiche Anpassungen an die deutlich modernere Karosserie nötig waren.

Rover P4 (1950) - zeitgenössische Werbung
Archiv Automobil Revue

Immerhin konnte der Reihensechszylinder-Motor mit seiner besonderen Ventilanordnung vom Vorgänger übernommen werden. Auch die Vorderachse wurde vererbt. Das massiv dimensionierte Chassis, das fast an eine Lastwagenkonstruktion erinnerte, aber war neu. Der Passagierraum wurde komplett zwischen die Achsen vorverlegt und im Heck Platz für einen 320 Liter grossen Kofferraum geschaffen. Hinten sorgte eine Starrachse mit Halbelliptikfedern für die Radführung. Vier Gänge, wovon zwei synchronisiert waren, mussten beim Rover 75 genügen.

Moderne Pontonform

Komplett neu gestaltet war die Karosserie, bei deren Design man sich an den damaligen Studebaker-Modellen orientierte.

Studebaker 1948

Man ging sogar so weit, zwei Autos zu kaufen. Eine der Studebaker-Karosserien verbarg bei Prototypentestfahrten sogar die neue Technik.

Rover 75 (1954) - für das neue Modelljahr mit modifziertem Heck
Archiv Automobil Revue

Mit einer Länge von 4,58 Metern, einer Breite von 1,67 Metern und einer Höhe von 1,61 Metern war der Rover P4 ein stattliches Automobil, das über gegenläufig öffnende Türen verfügte. Fast 1,5 Tonnen Leergewicht (inkl. Flüssigkeiten) belegten die stabile Konstruktion, zumal bei der Karosserie teilweise auch Leichtmetall zum Einsatz kam. Ein besonderes Erkennungszeichen war der Zentralscheinwerfer vorne.

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Ausgewogen

Der neue Rover kam gut an. Britische Fachzeitschriften berichteten vollmundig von der überragenden Konstruktion: “Es handelt sich hier um einen Typ von Wagen, den zu verlieren Großbritannien sich nie wird leisten können, weil er ein Beispiel bester britischer Werksmannarbeit darstellt.”

Die Automobil Revue unterzog den Rover 75 einem Langstreckentest über rund 1600 Kilometer. Von 0 bis 100 beschleunigte der 76 PS starke Viertürer in 29,4 Sekunden, als Spitzengeschwindigkeit wurden 129 km/h notiert. Auf 100 km mussten je nach Fahrweise 9,5 bis 15,9 Liter Benzin nachgefüllt werden.

Das Resümee der Automobil Revue lobte den Rover 75:
“Als geschmeidiger, dabei behender Familienwagen von unaufdringlichem Wesen, einer in der Preisklasse einzigartigen Fertigung und Ausstattung und einer sanften und ruhigen Fahrweise ist er das Ergebnis eines besonders hohen Aufwandes an fabrikatorischer Sorgfalt. Soweit sich aus den Ergebnissen einer verhältnismässig kurzen Prüfung ableiten lässt, dürfte er die Voraussetzungen für eine hohe Lebensdauer bei recht bescheidenem Aufwand an Pflege und Instandstellung besitzen.”

Stufenweise Verbesserung

1106 britische Pfund kostete der Rover 75 zu Beginn, in der Schweiz waren es 13’500 Franken. Doch nicht jeder kam sofort in den Genuss des neuen Wagens, selbst wenn er das Geld hatte. Wegen Materialengpässen und Nachkriegswirren mussten einige Käufer bis ins Jahr warten, bis sie ihr Auto erhielten.

Rover begnügte sich mit dem initialen Wurf in bester Ingenieurstradition nicht. Bereits 1950 wurden vollhydraulische Bremsen eingeführt, Rundinstrumente montiert. 1952 fiel der Zentralscheinwerfer weg. 1953 wanderte der Schalthebel vom Lenkrad zum Kardantunnel. Im gleichen Jahr wurde auch eine Vierzylinderversion (Rover 60) eingeführt. Mit dem Modell 90 wurden Hubraum und Leistung angehoben. 1954 gab es stilistische Modifikationen, die zu einem grösseren Kofferraum und einer besseren Rundumsicht führten.

Rover 75 (1952) - neues Gesicht und Detailverbesserungen an der Karosserie, links daneben die Gasturbine
Archiv Automobil Revue

Mit dem Rover 105 R wurde 1956 eine Halbautomatik eingeführt, während der 105 S mit nun 108 PS für sportlichere Fahrleistungen und serienmässigem Overdrive lockte.

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Spitzname “Auntie”

Zu seinem Spitznamen “Tantchen” kam der Rover P4 nach einer umfangreichen Langstreckenfahrt der britischen Autojournalisten Dennis Jenkinson, Ted Eves und Jesse Alexander, die von der Produktionsstätte Sollihull nach Gibraltar, Casablanca, Turin und wieder zurückfuhren, ohne jegliche technische Probleme zu haben. Die Drei besuchten dabei u.a. den Grand Prix von Marocco und den Autosalon von Turin. Ausser etwas Öl und Wasser sowie einem tüchtigen Schluck Benzin brauchte der Rover 90 keine Zuwendung.

Jenkinson meinte am Ende der Fahrt, dass dieser Rover die strapazenbehaftete Fahrt so problemlos und gemütlich verkraftet habe, als wäre man bei “Auntie” zum Besuch gewesen. Und weil “Auntie” halt auch noch ähnlich wie “Ninety”, die englische Aussprache von 90 klang, blieb der Spitzname haften.

Der Rover 100

Im Spätsommer 1959 erschien eine weitere Version namens Rover 100. Als Motor kam nun eine leicht verkleinerte Variante des Sechszylinders aus dem P5 3 Litre zum Einsatz. Im Rover 100 betrug der Hubraum 2625 cm3, die Leistung 105 PS bei 4750 Umdrehungen. Girling-Scheibenbremsen waren nun genauso Serienausstattung wie der Laycock-De-Normanville-Overdrive, zuschaltbar zum vierten Gang. Bei 100 km/h musste der Motor nur 2700 drehen, ein Vollgasstoss (Kick-Down) reichte zum “Zurückschalten” in den nicht verlängerten vierten Gang. Normalerweise wurde der Overdrive aber über den Schalter am Lenkrad elektrisch zu- und ausgeschaltet.

Rover 100 (1959) - modernisierte Version auf dern London Motor Show 1959
Archiv Automobil Revue

Inzwischen kostete der optisch doch bereits ein wenig in die Jahre gekommene Rover CHF 17’500 und konkurrierte damit preislich direkt mit einem Mercedes-Benz 220 S (CHF 17’900) oder einem Opel Kapitän (CHF 13’950). Preisgünstig war er also nur bedingt, dafür aber halt ein kleiner Rolls-Royce für Aufsteiger.

Fast wie ein SUV?

Mit über 1,6 Metern Höhe lässt sich der Rover 100 entern wie ein heutiger SUV, jedenfalls steigt man nicht hinunter. Überraschend weit rechts ist die Sitzposition, man fühlt sich, als sässe man zwischen den rechtsliegenden Rädern. Der Schalthebel hat beeindruckende Ausmasse, führt dafür aber direkt ins Getriebe.

Rover 100 P4 (1959) - guter Einstieg nach vorne und nach hinten
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der erste Gang ist auch beim 59-er-Rover 100 noch unsynchronisiert, während die übrigen Gänge auch ohne Zwischengas geschaltet werden können. Die leichtgängige Kupplung und die exakte Schaltung machen einem den Gangwechsel leicht, während das Lenken durchaus in Arbeit ausarten kann.

Rover 100 P4 (1959) - kein Drehzahlmesser, aber ansonsten grosszügig instrumentiert
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Platzverhältnisse sind formidabel, auch hinten. Die Rundumsicht ist gut, aber nicht überragend, dazu sind vor allem die Seitenscheiben etwas zu klein geraten. Dank dem komfortablen Fahrwerk gleitet man elegant über die Kieszufahrt zum eigenen Anwesen, wenn man denn eines hat.

Rover 100 P4 (1959) - die Heckpartie wurde 1954 zugusten von mehr Kofferraum modifiziert
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Überhaupt fühlt man sich gut im Rover 100. Das Interieur mit etwas Holz und viel Leder sowie umfangreicher Teppichausstattung wirkt sympathisch und urenglisch. Dazu tragen auch die schlicht gezeichneten Rundinstrumente und das grosse Lenkrad mit Signalring ihren Teil bei.
Man kann gut verstehen, dass dieser Wagen Vielfahrenden damals fast 18’000 Franken wert war.

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Noch weitere fünf Jahre

AM 27. Mai 1964 wurde der letzte Rover P4 gebaut, ein Rover 110 mit inzwischen 125 PS. Insgesamt verliessen 130’342 Exemplare die Produktionsstätte in Solihull, 16’621 trugen den Rover-100-Schriftzug. Der P4 war ein wichtiger Wagen für Rover, denn er sicherte die Nachkriegsexistenz der Traditionsmarke.

Wir danken der Oldtimer Galerie für die Gelegenheit zur Probefahrt. Der Rover 100 wird am 30. März 2019 in Toffen versteigert.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von wo******
22.03.2019 (11:11)
Antworten
Guter Bericht, aber Ihr habt den Wagen 92 cm länger gemacht. Nach meinen Quellen beträgt die Wagenlänge 4,53m und nicht 5,45m.
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
22.03.2019 (11:30)
Ui, allerdings ist er deutlich kürzer als 5,45 Meter. Die Länge varierte ein wenig über die Zeit, aber am Anfang wurde sich mit 4,58 Metern angegeben. Wir haben das korrigiert. Danke für den Hinweis.
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