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Rover 10 Sportman's Coupé – britisches Sorgenkind

Erstellt im Jahr 2015
, Leselänge 4min
Text:
Jeroen Booij / Tamara Tanner
Fotos:
Archiv Jeroen Booij 
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Ab 1904 produzierte der britische Fahrrad- und Motorradhersteller Rover aus Coventry Automobile und viele Jahre später erst, genauer im Jahr 1930, wurde das bekannte Logo mit dem Vikingerkopf und dem Segel bei Rover eingeführt.

Vikingerstolz

Das Bild des Vikingers als ein "rover", zu deutsch "Vagabund", hat nichts zu tun mit der eigentlichen Bedeutung des Namens. Dieser wurde abgeleitet vom englischen Wort "to rove", was soviel bedeutet wie "umherstreichen".

Rover 10 Sportman's Coupé (1929) - der Rover Ten war der erste Rover mit der bekannten Vikinger-Plakette
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Zusammen mit dem bereits etwas älteren Rover Light 6 war der Rover 10, eingeführt im Jahr 1929, das erste Modell, welches stolz die Emaille-Plakette mit dem Vikingerkopf auf seinem Kühlergrill tragen durfte.

Rote Zahlen und unfähige Manager

Doch die Zeit, als der Rover 10 herauskam, war hart für Rover. Der Automobilhersteller litt unter der Wirtschaftskrise, welche ganz Europa belastete. Das Jahr 1931 war eines der schlimmsten in der Unternehmensgeschichte von Rover.

Neben der Wirtschaftskrise war auch das mangelhafte Management des ehemaligen Oberst der britischen Armee, Frank Searle, an der ernstlichen Lage Schuld. Dieser hatte zuvor bei Daimler gearbeitet und verliess Rover, sobald die miserable finanzielle Lage des Unternehmens an die Öffentlichkeit kam. Der Verlust im Jahr 1931 betrug nicht weniger als 80'000 Pfund, was ein enormer Betrag war zu dieser Zeit.

Nach nur zwei Jahren übernahm der ehemalige Steuerberater H. Howe Graham das Amt von Searle. Er war von Lucas und Pressed Steel, den zwei grössten Gläubigern von Rover, an die Spitze des Unternehmens gesetzt worden. Zusammen mit Rovers Vorsitzenden, den Wilks Brüdern, sollte er das Unternehmen wieder zurück in die positiven Zahlen bringen. Die Gebrüder Wilks verblieben bei Rover bis in die 60er-Jahre und hatten erreicht, dass Rover unabhängig blieb.

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Nicht gut genug für die Presse

In dieser ungewissen Zeit entstand das hier gezeigte Fahrzeug. Der Rover 10 war der Nachfolger des Rover 9. Seine offizielle Bezeichnung lautete Rover 10/25 aufgrund seiner Leistung von 25 PS (bei 3600 U/min). Den auch als Ten bekannten Rover gab es auch als Ten Special und ab 1932 ebenfalls als Family Ten mit neuer Kühlerform. Es gab ihn ausserdem in verschiedenen besonderen Karosseriausführungen (namentlich Nizam, Rajah, Rance und Mahardjah).

Rover 10 Sportman's Coupé (1929) - die Karrosserie von Weymann ist mit dunkelrotem Stoff überzogen
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Der von 1929 bis 1933 gebaute Ten besass einen vergrösserten Motor des 9/20, einen wassergekühlten 4-Zylinder-ohv-Motor, hängende Ventile mit Stösseln, eine zweifach gelagerte Kurbelwelle und ein 3-Gang-Getriebe, ab 1931 mit 4-Gang-Getriebe. Er hatte vorne und hinten halbelliptische Blattfedern und Starrachsen.

In einem grossen Montagewerk in Neuseeland wurde der 10 umfangreich getestet und stellte sich als überaus ökonomisch heraus. Trotzdem liess der Wagen bei seiner Präsentation zu wünschen übrig. Die britische Motorpresse fand ihn zu langsam und beschrieb ihn als einfallslos und langweilig.

Fünfjährige Karriere

Rover behielt den 10/25 bis 1933 im Verkaufsprogramm. Rund 15'000 Exemplare wurden insgesamt gebaut.

Rover 10 Sportman's Coupé (1929) - dieses Exemplar wechselte schon viele Male den Besitzer
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Die Limousinen erinnerten sehr an den Hillman Minx - kein Wunder wenn man bedenkt, dass verwandtschaftliche Verbindungen bestehen und beide Firmen denselben Karosseriezulieferer haben.

Die Sportcoupés sahen jedoch etwas anders aus. Sie wurden nach System Weymann mit festem Stoff überzogen, in diesem Fall in dunkelrot. Ausserdem besassen sie ein offenes Dach und einen aufklappbaren Kofferraumdeckel.

Rover 10 Sportman's Coupé (1929) - den Kofferraum kann man nach oben aufklappen
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Das Coupé bekam man damals für 189 Pfund. Wer noch Speichenräder dazu bestellte, wie beim fotografierten Exemplar, bezahlte 5 Pfund mehr. Diese speziellen Räder waren als R.O. Räder bekannt, benannt nach dem Hersteller Rubery Owen.

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In England ausgeliefert

Mit der Chassis-Nummer 72129 wurde dieser Wagen das erste Mal am 28. Dezember 1931 registriert. Ausgeliefert worden war er von Gordon Armstrong, einem Flugzeug-Enthusiasten der eine Garage in Beverley, Yorkshire betrieb.

Rover 10 Sportman's Coupé (1929) - mit der Chassis-Nummer 72129 wurde dieser Wagen das erste Mal am 28. Dezember 1931 registriert
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Auf einem Blechschild auf dem Armaturenbrett steht: "Ausgeliefert von Gordon Armstrong (Beverly) Ltd.. Geben Sie beim Bestellen von Ersatzteilen die Nummer 552 an. Wir führen Aufzeichnungen über alle verkauften Fahrzeuge".

Rover 10 Sportman's Coupé (1929) - dieses Schild gibt an, wo der Wagen ausgeliefert wurde (bei Gordon Armstrong)
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Verschleierte Vorgeschichte

Über die ersten 50 Jahre des Autos ist nicht viel bekannt. Aus den ältesten "TÜV"-Dokumenten geht hervor, dass der Wagen bis 1978 vier oder fünf verschiedene Eigentümer hatte.

Der letzte britische Eigentümer war ein Mann namens Edward Ian Hill of Altrincham, der das Auto 1989 von der "The Wolf Garage", einer auf Aston Martin spezialisierten Garage in Cheshire, kaufte. Die vorhandenen Unterlagen zeigen, dass er sehr viel in den Wagen investierte. Ein neuer Kühler wurde gefertigt und der Zylinderkopf repariert.

In belgischen Sammler-Händen

Der nächste Eigentümer war ein Rover-Sammler aus Belgien, welcher den Wagen zusammen mit vielen weiteren Rover in eine Lagerhalle stellte. Dort blieb er dann für die nächsten zehn Jahre stehen, ohne auch nur einmal bewegt zu werden und bis der Belgier verstarb.

Die 14 Rover aus der Sammlung wurden an den nächsten Rover-Sammler in der Niederlande verkauft. Der neue Eigentümer entschied, das Sportcoupé zu behalten und stattdessen einen anderen Rover Ten aus der Sammlung, eine Limousine von 1928, zu verkaufen.

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Motoren-Tausch

Allerdings lief der Motor der Limousine nicht, und so wurde entschieden, die Motoren der beiden Fahrzeuge auszutauschen. Die Limousine mit dem verbauten Sportcoupé-Motor wurde dann nach Slovenien verkauft und der kaputte Motor wurde komplett überholt und daraufhin in das Sportcoupé eingebaut.

Rover 10 Sportman's Coupé (1929) - dieser Motor stammt aus einer Rover 10 Limousine
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

In sehr gutem Zustand

Die Karosserie des Rover war nach dieser langen Stehzeit in einem bemerkenswert guten Zustand und abgesehen von der Revision der Bremsen und den neuen Reifen war nicht mehr viel Arbeit nötig. Die einzigen Änderungen die noch gemacht wurden, waren eine neue elektrische Wasserpumpe und es mussten noch Blinker angebracht werden.

Rover 10 Sportman's Coupé (1929) - die Speichenräder von Rubery Owen kosteten damals 5 zusätzliche Pfund
Copyright / Fotograf: Archiv Jeroen Booij

Auch das originale 81-jährige Benutzerhandbuch gibt es noch und es ist jetzt zusammen mit dem Fahrzeug in den Händen des nächsten Rover-Enthusiasten.

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