Der “kurze” erste “S” – Porsche 911 S

Erstellt am 8. April 2020
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Als der Porsche 901 1963 vorgestellt wurde, war er gewiss kein langsames Auto, denn 130 PS waren damals durchaus eine Hausnummer, zumal das Gewicht tief lag und die Silhouette kompakt. Trotzdem kam der Wunsch nach mehr Leistung beim einen oder anderen Porsche-Fahrer auf und die Firma in Zuffenhausen nutzte ihre Erfahrungen aus dem Rennsport. “S” hiess die neue Variante, was für Super oder vermutlich eher Sport stand.


Porsche 911 S (1967) - klassischer Ur-Elfer
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Vorstellung im Sommer 1966

Präsentiert wurde der 911 S im Juli 1966 zur Einleitung des Baujahrs 1967. Während sich an der Karosserie kaum etwas geändert hatte, rotierte im Heck ein umfangreich modifizierter Boxermotor. Von aussen konnte man den “S” an den serienmässigen Fuchs-Felgen in Silber erkennen.

Umfangreiche Verbesserungen

Der überarbeitete Sechszylinder leistete nun 160 PS bei 6600 Umdrehungen, drehte bis 7200 Umdrehungen. Dafür wurden die Pleuel weichnitriert, die Kolben geschmiedet, die Ein- und Auslassventile vergrössert und die Steuerzeiten angepasst. Anstatt im Verhältnis 9:1 wurde das Gemisch nun mit 9,8:1 verdichtet. Weiterhin sorgten zwei Weber-Dreifachvergaser mit nun in der Grösse angepassten Düsen für die Zuführung des Luft-Benzin-Gemisches.


Porsche 911 S (1966) - eine Form für Jahrzehnte
Archiv Automobil Revue

1090 kg (gemäss Werk 1030 kg) schwer wog der 911 S, also ein bisschen mehr als der Ur-901, die zusätzlichen 30 PS und das auf 18,2 mkg gestiegene Drehmoment (bei 5200 Umdrehungen) entschädigten problemlos dafür. Das serienmässige Fünfganggetriebe mit relativ langem obersten Gang sorgte für die Kraftübertragung an die Hinterachse.


Porsche 911 S (1966) - 160 PS aus 1977 cm3 mit Vergasern
Archiv Automobil Revue

Auch das Fahrwerk mit einzeln aufgehängten Rädern rundum wurde angepasst, Koni-Dämpfer sorgten zusammen mit Stabilisatoren vorne und hinten für eine sichere Strassenlage. Die Scheibenbremsen waren innenbelüftet. Die Zahnstangenlenkung konnte unverändert beibehalten werden, das Lenkrad aber war lederummantelt.

Einzig die Felgen wirkten mit 4,5 Zoll Breite etwas schmal und auch die Reifengrösse von 165 HR 15 zeugte noch von schwäbischer Sparsamkeit.

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In der obersten Liga

DM 24’480 oder CHF 31’750 kostete der 911 S im Jahr 1966, das war schon eine Menge Holz, denn  für den normalen 911 waren beispielsweise satte 3500 DM weniger fällig. Einen Opel Kadett gab es damals ab DM 5440, einen VW Käfer 1200 für DM 4485. Der teuerste BMW, die 2000 tilux-Limousine, kostete halb so viel wie der schnelle Porsche. Da musste schon einiges geboten werden.

Für den überzeugten Sportfahrer

Tatsächlich fehlte es dem Porsche 911 S nicht an Talent. Im Test von “auto motor und sport” im Jahr 1966 beschleunigte das Coupé in 7,6 Sekunden von 0 bis 100 km/h, nach 26,6 Sekunden waren schon 180 km/h erreicht und erst bei 222 km/h ging dem Wagen die Puste aus.


Porsche 911 S (1966) - bei Testfahrten
Archiv Automobil Revue

Den Testfahrern gefielen diese sportlichen Eigenschaften. Reinhart Seiffert schrieb:
“Es läßt sich wohl kaum etwas Eindrucksvolleres vorstellen, als wenn man auf einem verkehrsfreien Autobahnabschnitt bei 150 km/h in den IV. Gang zurückschaltet und dann bis über 180 km/h hochbeschleunigt, ohne daß irgendeine Vibration oder Lenkunruhen diesen Vorgang stören.”

Weniger überzeugten die Fahreigenschaften. Zwar könne man mit einem 911 S in Kurven auch sehr schnell sein, ohne dass an den Rädern fühlbarer Schlupf auftrete, doch wenn die Haftungsgrenze überschritten werde, dann sei Vorsicht angebracht, schrieben die damaligen Testfahrer.

Und konkret meinte Seiffert in AMS:
“Die hohen Sicherheitsreserven dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wagen im Grenzbereich von seinem bis dahin leicht untersteuernden Verhalten zum Übersteuern übergeht und dann durch Gegenlenken unter Kontrolle gehalten werden muß. Diese Tatsache muß man sich als Fahrer dieses Wagens bewußt sein; es sind immer Fahrsituationen denkbar, in denen ein solches Gegenlenken notwendig wird. Besonders auf nasser Straße muß man damit rechnen, denn der Wagen geht bei Nässe plötzlicher hinten weg als auf trockener Straße.”

Zwar waren diese Tendenzen mit dem zusätzlichen hinteren Querstabilisator gemildert worden, aber wegen der gestiegenen Leistung hiess es wachsam zu blieben.

Nicht ohne Nachteile

Obwohl der Porsche als hinreichend komfortabel taxiert wurde und auch nichts gegen einen Alltagseinsatz sprach, endete der AMS-Test von 1966 trotzdem mit einer Warnung:
“Der Preis von fast 25’000 Mark stuft den Porsche 911 S unter die Sonderklasse-Autos ein, die nur in kleiner Zahl hergestellt werden. Er ist aber dennoch alles andere als ein Luxus-Automobil; wer hin nur wegen des äußeren Eindrucks und des hohen Preises kauft, ohne die entsprechen den fahrerischen Voraussetzungen und Interessen mitzubringen, wird schwerlich damit glücklich werden.”

Nur zwei Jahre in dieser Form

Gebaut wurde der erste Porsche 911 S bis zu den Sommerferien des Jahres 1968. Schon vorher hatte man Details geändert und beispielsweise die Felgenbreite auf 5,5 Zoll erhöht.


Porsche 911 S (1969) - bis 1972 mit Stossstangenhörner vorne
Archiv Automobil Revue

Ab August 1968 aber wuchs der Radstand um 57 mm auf 2268 mm, ohne dass die Gesamtlänge gewachsen wäre. Entsprechend spricht man vor dieser Änderung von SWB-Modellen, also Exemplaren mit kurzem Radstand. Neu gab es auch ein Komfortpaket und die Leistung des S-Modells stieg auf 170 PS. Abgelöst wurde der 2.0-Liter-911er dann vom 2,2-Liter, der ab Sommer 1969 ausgeliefert wurde.


Porsche 911 S (1967) - noch ist nicht alles mattschwarz
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Rarität

Der 911-er-Gesamtausstoss mass sich in jenen Jahren in vierstelligen Zahlen. Vom ersten 911-S-Baujahr wurden 1823 Exemplare gebaut, ingesamt liefen 6445 911-Modelle vom Band. Zwar ist die Überlebensquote hoch, wie bei allen Porsche, trotzdem dürften sich nur selten zwei 911-S-Kurzradstandmodelle ausserhalb von Clubtreffen begegnen.


Porsche 911 S (1967) - klassisches Porsche-Cockpit, Armaturenbrett teilweise mit Kunstleder überzogen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Es ging noch schneller

Auch die 160 PS waren einigen PS-Tüftlern damals übrigens nicht genug. Gerhard Mitter aus Böblingen, ein bekannter Porsche-Werksfahrer, hauchte dem 911 S bereits 1967 noch 20 Zusatz-PS ein, was es dem so modifizierten Wagen erlaubte, in unter sieben Sekunden auf 100 km/h zu stürmen und locker 230 km/h schnell zu laufen.

Überschaubare 2500 Mark kostete dieses Zusatzvergnügen, das den Wagen noch nicht einmal weniger komfortabel und auch nicht viel durstiger machte. Dem Ferrari 330 GTC jedenfalls, immerhin rund DM 30’000 teurer, konnte man im leistungsgesteigerten Porsche jedenfalls locker folgen.  Und das war ja doch eine Ansage!

Wir danken der AMAG in Schinznach, die uns die Gelegenheit bot, den schönen Porsche 911 S zu fotografieren.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von gr******
14.04.2020 (20:26)
Antworten
Ich habe genau dieses Modell und es handelt sich um Bahmagelb ab Werk.
von ajf*****
14.04.2020 (08:37)
Antworten
Der 2.2 Liter Version kam nach den Sommerferien 1969 (und nicht 1989). Herzlichen Dank für den guten Bericht. Da werden alte Erinnerungen wach :-))))
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
14.04.2020 (08:53)
Uiii, Tippfehler. Danke für Ihre Mitteilung, das haben wir natürlich sofort korrigiert!
Antwort von gr******
14.04.2020 (20:31)
ist es möglich diesen tollen Bericht als PDF zu bekommen, ich würde es gerne zu der Dokumentation meines Wagens abheften?
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