Nissan Skyline R32 GT-R - freundliches Monster aus Japan

Erstellt am 7. Dezember 2015
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Nissan / Werk 
29
Karissa Hosek - Courtesy RM/Sotheby's 
17

Mit dem Nissan Skyline R32 GT-R präsentierte der japanische Hersteller 1989 ein technologisch mit dem Porsche 959 vergleichbares Sportcoupé, das aber nur rund einen Siebtel des Sportwagens aus Zuffenhausen kostete. Leider wurde er nur mit Rechtslenkung und fast ausschliesslich für den japanischen Markt gebaut, er hätte sicherlich auch hierzulande viele Käufer gefunden. 


Nissan Skyline R32 GT-R (1989) - der Heckflügel als Unterscheidungsmerkmal
Copyright / Fotograf: Karissa Hosek - Courtesy RM/Sotheby's

Lange Ahnenreihe

Schon 1957 gab es einen Skyline, mit 60 PS hielt sich die Sportlichkeit in Grenzen. 1969 präsentierten die Japaner einige Modellreihen später den ersten Skyliner GT-R mit einem Sechszylinder und immerhin 160 PS. Ab 1981 hörte der Skyline auf die Zusatzbezeichnung R30, vier Jahre später war es R31 und 1989 erschien dann der R32, der seine Vorgänger bezüglich Rennerfolge deutlich überflügeln sollte.


Nissan Skyline R32 GT-R (1989) - in Gungrey gespritzt
Copyright / Fotograf: Nissan / Werk

Die Ahnenreihe reicht bis zum heutigen Supersportwagen Nissan GT-R, auf das “Skyline” muss jener verzichten.

Schlichtes Design

Während der Vorgänger relativ kantig dahergekommen war, glänzte der 1989 präsentierte R32 mit eleganten und sanft gebogenen Linien. Grosse Fensterflächen, eine keilförmige Front und ein hohes Heck mit eingearbeiteten je nach Modell unterschiedlichen runden oder rechteckigen Rückleuchten fügten sich zu einem gefälligen Auto mit rund 4,5 Meter Länge und mindestens 1,695 Metern Breite zusammen.


Nissan Skyline Sport Secan GTS-t Type M (1989) - als Viertürer
Copyright / Fotograf: Nissan / Werk

Der Skyline wurde mit zwei oder vier Türen gebaut, als Motoren kam eine ganze Palette von Aggregaten mit vier oder sechs Zylindern und 1,8 bis 2,6 Litern Hubraum zum Einsatz. Von 91 bis 280 PS reichte die Leistungsbandbreite, ein grosses Spektrum für eine Neuerscheinung.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mercedes-Benz 320n Spezialroadster (1937)
Lagonda LG 6 (1938)
Mercedes-Benz 320 Cabriolet A (1938)
AC Ace Bristol (1957)
+49 8036 7006
Rosenheim, Deutschland

Innovative Technologie

Der Skyline R32 strotzte nur so von Technologie-Innovationen, von denen natürlich vor allem das Spitzenmodell GT-R profitierte. Die Japaner hatten am Porsche 959 Mass genommen und sich damit eine hohe Hürde gesetzt. Angesichts der rund 56’000 Franken, die das Spitzenmodell bei der Präsentation kostete, kann man über den betriebenen Aufwand nur staunen: Fahrwerkstechnisch wurden rundum Mehrlenkerkonstruktionen eingesetzt, die es bei der Konkurrenz zu jener Zeit noch nicht überall gab. Ergänzt wurde diese aufwändige Bauweise durch ein Vierradlenkungssystem namens Super Hycas, das die Hinterräder hydraulisch mitsteuerte. Die leistungsstarken Modelle verfügten zudem über den elektronisch gesteuerten Vierradantrieb ATTESA ETS, ergänzt um eine hintere Visco-Differenzialbremse. ABS war beim GT-R serienmässig vorhanden, breite Reife der Grösse 225/60 VR 16 waren auf acht Zoll breiten 16-Zoll-Felgen montiert.


Nissan Skyline R32 GT-R (1989) - erst gegen Ende der Bauzeit gab es auch 17-Zoll-Räder
Copyright / Fotograf: Karissa Hosek - Courtesy RM/Sotheby's

Ein Motor zum Verlieben

Das Prunkstück der Baureihe R32 war aber der Motor RB26DETT mit 2,6 Litern Hubraum,  Leichtmetallzylinderkopf, zwei über Zahnriemen angetriebene obenliegende Nockenwellen, 24 Ventilen und zwei Turboladern mit Ladeluftkühlung. 280 PS leistete dieses Kraftpaket bei 6800 Umdrehungen, 353 Nm Drehmoment lagen bereits bei 4400 Umdrehungen an. Und damit war die Leistungsspitze noch keineswegs erreicht, denn Nismo-Varianten produzierten deutlich über 300 PS, im Renntrimm war der Sechszylinder für 500 PS und mehr gut.


Nissan Skyline R32 GT-R (1989) - Technologie-Paket im Bug
Copyright / Fotograf: Karissa Hosek - Courtesy RM/Sotheby's

Aber bereits in der käuflichen Strassenversion war der R32 GT-R ein Überflieger. Die Nürburgringrunde meisterte er vor rund 25 Jahren in 8:20. Und dies, obschon der Wagen wegen des durchschnittlichen cw-Werts von ca. 0.40  “nur” rund 250 km/h schnell lief und mit 1430 kg auch nicht sonderlich leicht war.

Teil einer Familie

Das Spitzenmodell GT-R, den man in neuen Farben (Rot-, Grau-, Silber- und Blautöne, sowie Schwarz) bestellen konnte, war Teil einer ganzen Skyline-Familie, die bei rund 18’000 Franken und einem braven Vierzylindermodell mit vier Türen und fünf Sitzen begann. Die verschiedenen Modelle hörten auf Kürzel wie GXi, GTE, GTS, GTS-25, GTS-t oder GTS-4, ein Aussenstehender konnte ohne eingehendes Prospektstudium wenig damit anfangen.

Für den Rennsport geboren

Das Topmodell GT-R war in Hinblick auf den Rennsport konzipiert worden. Die Nissan-Ingenieure nahmen das Gruppe-A-Reglement als Basis und entsprechend mussten für die Homologation 5000 Fahrzeuge gebaut werden, was bereits per Januar 1990 gelang.

Der GT-R räumte ab! Bei 29 Starts in der japanischen Tourenwagen-Meisterschaft siegte er 29 mal. In Australien beendete der die Siegerserie des Ford Sierra Cosworth, in dem er beim ersten Start in Bathurst im Jahr 1991 sofort siegte. Diesen Sieg wiederholte er im Jahr darauf, die Australier nannten den schnellen Rennwagen in der Folge “Godzilla”, sozusagen das Monster aus Japan.

Breit gesät

Insgesamt wurden imposante 43’934 Skyline R32 GT-R Varianten gebaut, wovon 560 die Nismo-, 1453 die V-Spec-, 1303 die V-Spec-II- und 228 die N1-Spezifikation aufwiesen.


Nissan Skyline R32 GT-R V-Spec II (1994) - in Weiss
Copyright / Fotograf: Nissan / Werk

Das Gros aber waren die “normalen” GT-R-Versionen, die sich in der knapp vierjährigen Bauzeit kaum veränderten. Es blieb also auch beim GT-R beim relativ nüchternen Interieur mit viel Kunststoff, gut ablesbaren, aber wenig aufregenden Instrumenten und sportlichen Sitzen. V-Spec- und Nismo-Versionen boten einige zusätzliche goodies.

Zum Klassiker gereift

Für den Käufer eines Serien-Skyline GT-R verlor das Coupé aber schnell seinen Schrecken, das Monster verhielt sich im Alltag lammfromm. Man hätte von einem japanischen Hersteller auch nichts anderes erwartet und anders wären wohl auch fast 44’000 verkaufte Fahrzeuge eine reine Illusion gewesen.


Nissan Skyline R32 GT-R (1989) - das Interieur orientierte sich an den übrigen Skyline-Modellen, die Sitze waren besonders sportlich
Copyright / Fotograf: Karissa Hosek - Courtesy RM/Sotheby's

Inzwischen haben die überlebenden GT-Rs natürlich schon lange Klassikerstatus und vor allem die Amerikaner, die den Wagen seit August 2014 ohne Anpassungen an die lokale Gesetzgebung importieren dürfen, sind grosse Fans des schnellen Nissans.


Nissan Skyline R32 GT-R (1989) - gegenüber späteren GT-R wirkt der R32 fast unauffällig
Copyright / Fotograf: Karissa Hosek - Courtesy RM/Sotheby's

Das hier portraitierte Fahrzeug (Fahrgestell BNR32-000591, Motor RB26DETT-2568) aus dem Jahr 1989 wird im Januar von RM/Sotheby’s in Arizona versteigert. Gebote im oberen fünfstelligen Bereich sind recht wahrscheinlich. 

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Limousine, dreitürig, 110 PS, 1585 cm3
Coupé, 130 PS, 2393 cm3
Limousine, zweitürig, 45 PS, 981 cm3
Limousine, zweitürig, 52 PS, 1164 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.