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Bild (1/1): Invicta 4.5 Litre S-Type "Low Chassis" - Wer die angriffige Front im Rückspiegel sah, der war in Gefahr (© Courtesy Bonhams, 2019)
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    Invicta 4.5-Litre S-Type “Low Chassis” - ein gefährlicher Gegner von Bentley & Co

    Erstellt am 25. September 2019
    Text:
    Daniel Koch
    Fotos:
    Courtesy Bonhams 
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    Die Engländer Noel Macklin und Oliver Lyle gründeten 1925 die Firma "Invicta" in Cobham und finanzierten sie vorerst mit Geld des Zucker-Verarbeiters Tate & Lyle PLC. Obwohl der Autohersteller nur bis 1936 existierte (und danach noch zwei mal kurz wiederbelebt wurde), ist die Marke bis heute unvergessen durch die vielen Erfolge im Rennsport.

    Vom 2.5 zum 4.5 Liter Motor im S-Type

    Invicta hatte nicht die Ressourcen, selber einen Motor zu entwickeln und bezog sie daher vom Hersteller Meadows. Der 2.5 Liter Reihen-Sechszylinder Motor wurde 1926 auf 3 Liter und 1928 auf 4.5 Liter vergrössert, der S-Type erhielt die letzte und grösste Ausbaustufe.

    Invicta 4.5 Litre S-Type "Low Chassis" - Ob die Hunde auf den Beifahrersitz passen?
    © Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

    Der Motor war mit zwei SU Vergasern bestückt und leistete immerhin 115 PS. Den Spurt auf 96 km/h (60 Meilen) erledigte der Invicta S-Type in rund 15 Sekunden und wer noch etwas mehr Zeit hatte (und den Mut dazu), der konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h abrufen.

    Invicta 4.5 Litre S-Type "Low Chassis" - Aufgeräumter Motor mit den zwei SU-Vergasern
    © Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

    S-Type mit neuem Chassis

    Der S-Type wurde 1930 an der London Motor Show vorgestellt. Mit dem “Low Chassis” wurde ein tief liegender Schwerpunkt erreicht, was im Kampf um Sekunden auf der Rennstrecke erhebliche Vorteile gegenüber der Konkurrenten ergab.

    Invicta 4.5 Litre S-Type "Low Chassis" - Typische Tourenwagen-Form der 30er Jahre
    © Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

    Zudem machte die geduckte Erscheinung der Karosserie mit den kleinen Brooklands-Scheiben den S-Type zu einem der schönsten Sportwagen der Vorkriegszeit.

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    Gewusst, wie

    Die Startprozedur war nicht ganz einfach, die Zündung musste mit einem Hebel am Lenkrad eingestellt werden und der Motor wurde durch ziehen am Hupknopf gestartet. Wer diese Prozedur erfolgreich schaffte, wurde mit einem herrlichen Bollern aus dem Auspuff belohnt.

    Invicta 4.5 Litre S-Type "Low Chassis" - Die Rundinstrumenten zeigen dem Fahrer die Befindlichkeit des Motors an
    © Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

    Mehrere Rekordfahrten

    Um die Zuverlässigkeit ihrer Fahrzeuge zu unterstreichen nahm Violett Cordery, Noel Macklins Schwägerin, erfolgreich an Autorennen teil. Im März 1926 war sie zudem Teil eines Team von sechs Piloten, welches mehrere Rekorde auf Langstrecken-Distanzen einfahren konnte.

    In Monza legte das Team 10’000 Meilen (16'093 km) mit einem Schnitt von 56.47 Meilen pro Stunde (knapp 91 km/h) zurück. In einem zweiten Rekordlauf waren sie über 15’000 Meilen (24’140 km) mit einer  Durchschnittsgeschwindigkeit von 55.76 Meilen (knapp 90 km/h) fast ebenso schnell. Vor fast 90 Jahren war das eine beeindruckende Leistung!

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    Weltumrundung mit zwei Frauen am Steuer

    Zwischen Februar und Juli 1937 umrundeten Violett Cordery und Eleanor Simpson die Welt in einem Invicta 3 Litre. Sie wurden dabei von einem Beobachter des Royal Automobil Clubs (RAC), einem Mechaniker und einer Krankenschwester begleitet. Ihre Reise führte sie durch Afrika, Europa, Indien, Australien, die Vereinigten Staaten und Kanada. Dabei legten sie mit der beachtlichen Durchschnittsgeschwindigket von 24.6 Meilen (knapp 40 km/h) insgeamt 16'521 Kilometern zurück.

    Ausser einer gebrochenen Antriebswelle bei der Durchquerung Australiens verlief die Fahrt pannenfrei, wie der RAC Beobachter bestätigte. Invicta beschloss, dass mit den Langstrecken-Erfolgen ausreichend Beweise erbracht worden wurden, wie stabil, zuverlässig und schnell die Fahrzeuge waren und verzichtete fortan auf Rekordfahrten. Ein kleines Werksteam blieb dennoch bestehen und setzte Fahrzeuge im Motorsport ein.

    Berühmter Gewinner

    Invicta war im Rennsport immer ganz vorne mit dabei, 1931 siegte gar Donald Healey bei der Rallye Monte Carlo.

    Rallye Monte Carlo 1931 - Der Sieger von 1931, Donald Healey, fährt ohne Beifahrer in einem Invicta S
    © Zwischengas Archiv

    Healey war damals ein bekannter und erfolgreicher Rennfahrer und schrieb noch Jahrzehnte danach Geschichte im Automobil-Design und -Bau, unter anderem mit dem legendären Austin Healey und später mit dem etwas glücklosen Jensen Healey.

    Invicta 4.5 Litre S-Type "Low Chassis" - schöne Patina am Motor
    © Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

    Vielseitig einsetzbar

    Der S-Type konnte auf der Rennstrecke ebenso eingesetzt werden wie für die Reise auf öffentlichen Strassen. Er stand in direkter Konkurrenz zu den damaligen Bentley, denn die Leistung und der Preis der beiden Fabrikate hielten sich etwa die Waage. Heute ist der Invicta seltener und unbekannter als der Bentley und ein gern gesehener Gast an Oldtimer-Veranstaltungen und im historischen Rennsport.

    Invicta 4.5 Litre S-Type "Low Chassis" - Superleggera Karosserie aus Aluminium mit Vanden Plas Kotflügeln
    © Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams
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    Karosserie nach Mass

    Wie damals üblich konnte man beim Fahrzeughersteller das Chassis mit Motor bestellen und die Karosserie nach eigenen Wünschen bei einem Spezialisten ordern. Der hier abgebildete Invicta mit der Chassis Nr. S80 erhielt ein Blechkleid von Vanden Plas und die Geschichte lässt auf acht bekannte Vorbesitzer schliessen. 1978 liess der damalige Besitzer Bill Symons eine leichtere “Superleggera” Aluminium-Karosserie auf das Fahrgestell setzen, womit sich das Gewicht von 1473 auf rund 1300 Kilogramm reduzierte. Heute sind neben der Superleggera-Karosserie die Vanden Plas Kotflügel montiert, was dem Erscheinungsbild jedoch keinen Abbruch tut.

    Invicta 4.5 Litre S-Type "Low Chassis" - Sitzposition knapp vor der Hinterachse
    © Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

    Schwierige Zeiten

    Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise anfangs der Dreissigerjahre bedeuteten schliesslich den schnellen Untergang der Firma. Am Freitag, den13. Oktober 1933 verliess der letzte Invicta die Fertigungshalle. Im Service Depot wurden zwischen 1934 und 1936 noch eine Handvoll Fahrzeuge aus Ersatzteilen zusammengebaut, die Zahl der ingesamt hergestellten Fahrzeuge zwischen 1925 und 1936 wird auf rund 1000 Stück geschätzt.

    Seltene Gelegenheit

    An der Bonhams Zoute Auktion am 11. Oktober 2019 wird der abgebildete Invicta S-Type Low Chassis von 1931 versteigert. Der Schätzpreis beträgt CHF 980’000-1’200'000.

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