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Glas (1949 - 1966) – wie eine erfolgreiche Firma verscherbelt wurde

Erstellt am 13. Januar 2020
, Leselänge 7min
Text:
Fabian Meyer
Fotos:
Josef und Daniel Reinhard 
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Archiv Reinhard / Max Pichler 
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Archiv/Werk 
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Archiv 
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Die deutsche Automarke Glas war einst eine aufstrebende deutsche Autofirma, welche ihre Ursprünge im Bau von Landmaschinen hatte. Nachdem man den Fokus auf das Automobilgeschäft gerichtet hatte, war die Firma nicht mehr zu stoppen. Erfolge im Rennsport, eine stetig wachsende internationale Bekanntheit und beliebte Automodelle für jede Zielgruppe liessen die Firma erfolgreiche Jahre verbringen. Jedoch gilt auch hier die Devise: Nichts währt ewig...

Landmaschinenfabrik Glas

In ihren Anfangszeiten war die Firma Glas auf den Bau von Landmaschinen ausgelegt. Gegründet in Bayern im Jahre 1860, beschäftigte das Unternehmen über 300 Mitarbeiter. Die Landmaschinen fanden schon in den Anfangstagen reissenden Absatz. Während dem zweiten Weltkrieg wurde die Firma gezwungen, als Rüstungslieferant für die deutsche Armee unter Adolf Hitler zu fungieren. In der Nachkriegszeit boomten die Geschäfte abermals, weshalb man bald rund 1000 Mitarbeiter beschäftigen konnte.

Umstrukturierung des Unternehmens

Um 1948 herum ging die Nachfrage für Landmaschinen jedoch merklich zurück. Doch das nächste Kerngeschäft liess nicht lange auf sich warten. Als Andreas Glas eine Landmaschinenmesse in Italien besuchte, fiel ihm auf, wie viele Motorroller auf der Strasse unterwegs waren. Darauffolgend schmiedeten Andreas Glas und Karl Dompert Pläne für die Produktion eigener Roller, da sie Deutschland als guten Abnehmer für Motorroller sahen. Bereits 1951 wurde die Produktion des "Goggo" genannten Rollers aufgenommen.

“Goggo” hat seinen Ursprung in der Familie von Glas: Der jüngste Sohn des Junior-Chefs Andreas Glas trug den Kosenamen “Goggo”. In seiner Bauzeit von 1951 bis 1957 avancierte der Goggo-Roller zum meistverkauften Roller in ganz Westdeutschland (rund 60’000 Exemplare rollten in der Gegend herum). Die Produktion von Motorrollern war zu einem Teil auch das Mittel zum Zweck: Man konnte sich finanziell und ökonomisch über Wasser halten, bis die wirtschaftliche Lage genug gefestigt war, um Automobile zu produzieren.

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Das Goggo-Mobil

1955 war der erste Kleinwagen von Glas - das Goggomobil - erhältlich.

Goggomobil (1957)
Copyright / Fotograf: Archiv/Werk

Nun war der Erfolg definitiv nicht mehr zu stoppen. Täglich wurden 170 Fahrzeuge hergestellt und in rund 36 Länder exportiert. Mit der Zeit wuchsen sowohl das Unternehmen als auch die Ansprüche der Kundschaft an die Fahrzeuge. Als Kleinstwagen konnte sich das Goggomobil mit der Zeit gegen die stetig wachsenden Konkurrenzfahrzeuge nicht mehr durchsetzen, es wurde Zeit für eine Erweiterung der Produktpalette.  

1957 wurde der Glas Isar (T600) vorgestellt. Die Produktion des Goggomobils lief parallel dazu weiter, denn nicht alle Leute konnten sich ein ausgewachsenes Auto leisten.

Goggomobil T 600 (1958) - Eleganz wird zusätzlich durch die Zweifarbenlackierung betont
Archiv Automobil Revue

Der Glas Isar (T600) konnte die Kundschaft allerdings nicht ganz überzeugen. Diesmal lag es an verschiedenen Mängeln. Unter anderem verformten sich die Karosserien auf schlechten Strassen so stark, dass im schlimmsten Falle die Frontscheibe aus dem Rahmen fiel. Die vielen Reklamationen und auch die massiv gefährdete Sicherheit der Passagiere führten dazu, dass die Firma Glas einen finanziellen Schaden erlitt und auch ihr Ruf eine Zeit lang weitestgehend dahin war.

Der Porsche des kleinen Mannes

Der Glas 1004, welcher 1961 vorgestellt wurde, verwendete einen 4-Zylindermotor mit 992cm³ und 42 PS. Der Nockenwellenantrieb erfolgte über Zahnriemen. Das Prinzip wurde zwar bereits vorher im Devin Panhard angewendet, aber Glas war der erste Automobilhersteller, welcher diesen Motor in Grossserie fertigte und kann somit als Pionier der in diesem Bereich angesehen werden. Die später lieferbaren Varianten des Glas 1004 mit 85 PS waren auf der Rennstrecke erfolgreich, was ihnen die Bezeichnung "Porsche des kleinen Mannes" einbrachte.

Glas 1004 (1964) - mit sportlichem Einschlag dank Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle - Genfer Automobilsalon 1964
Archiv Automobil Revue

Mit der Zeit wollte die Kundschaft neben den Fahrleistungen auch noch vier vollwertige Sitze haben, womit die Modellreihe noch familienfreundlicher wurde. 1963 wurde der Glas 1204 als Limousine vorgestellt. Weitere Varianten (Coupé und Cabriolet) wurden nachgeschoben. Um die Sportlichkeit trotz des höheren Gewichtes beizubehalten, wurde die Motorleistung vergrössert. Der Hubraum wuchs dabei von 992 cm3 auf 1189 cm3.

Im Jahre 1966 kamen die Kombivarianten "CL" auf den Markt. Deren Schrägheck und die ungewohnt grosse Heckklappe waren auf dem deutschen Markt damals noch nicht verbreitet. Dieser "Pionierstatus" führte allerdings nicht zum gewünschten Erfolg. Aufgrund der engen Platzverhältnisse im Innenraum konnte sich die Kundschaft nicht für die Kombivariante begeistern.

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1300 GT / 1700 GT - ernsthafte Konkurrenten von Porsche

1963 wurde der Glas 1300 GT vorgestellt. Dessen Blechkleid wurde von Frua entworfen und in Maggiora hergestellt. Die entsprechenden Rohkarossen stammten aus Deutschland. Dessen auf 1290 cm³ aufgebohrte Motor griff, wie auch der bereits früher erschienene Glas 1004, auf einen Nockenwellenantrieb durch Zahnriemen zurück. 1965 wurde der 1700 GT mit einem 1,7-Liter-Motor angeboten, welcher rund 100 PS leistete. Damit waren dann echte 180 km/h Spitze möglich.

Glas 1300 GT (1965) - nach dem hübschen, von Frua gezeichneten Coupé, folgt jetzt die nicht weniger schöne Cabriolet-Variante - Genfer Automobilsalon 1965
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Die beiden sportlichen Automobile von Glas konnten es im Rennsport auch problemlos mit einem Porsche aufnehmen. Doch sie waren nicht nur auf der Rennstrecke ernsthafte Konkurrenten von Porsche, sondern sie konnten auch preislich punkten. Im Jahre 1966 kostete ein Glas 1700 GT (Coupé, zweisitzig) DM 13'850, ein Porsche 912 (Coupé, zweitürig) schlug mit rund DM 17'950 zu Buche. Der daraus entstehende Preisunterschied von rund DM 3740 machte damals einen entscheidenden Unterschied für den Geldbeutel des Kunden. Der Glas 1300 GT kostete (Coupé, zweisitzig) sogar nur 12'450 DM und war somit sogar rund 5140 DM billiger.

Glas 1700 GT (1965) - das schnellere Modell unterschied sich optisch nicht vom kleineren Bruder
Archiv Automobil Revue

Erfolge im Rennsport

Die grössten Erfolge im Rennsport erreichte Glas mit den Modellen 1004 TS und 1204 TS, die auf stärkere Motoren als die Vorgänger zurückgreifen konnten. Sie erreichten eine Geschwindigkeit von etwa 160 km/h und kämpften erfolgreich gegen die Touren- und Sportwagen jener Zeit.

Der 1204 TS gewann unter anderem 1964 mit Gerhard Bodmer am Steuer beim 500-km-Rennen auf dem Nürburgring die Klasse der Tourenwagen bis 1300 cm³ mit einem Schnitt von 112,2 km/h. Ausserdem konnte er unter anderem auch in Spa-Francorchamps (ebenfalls 1964) Erfolge verbuchen. Bodmer/Schmidt belegten beim 24 Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps den achten Platz (Schnitt 143,791 km/h) in der Gesamtwertung und lagen damit deutlich vor Lambrechts/Mombaerts, welche ebenfalls einen Glas 1204 TS fuhren, aber nur den 12. Platz in der Gesamtwertung belegen konnten.

Glas 1204 (1964) - der moderne Motor mit der Nockenwellensteuerung über Zahnriemen (Durchsichtszeichnung)
Archiv Automobil Revue

Das Spitzenmodell der Baureihe erreichte eine Geschwindigkeit von rund 168 km/h. Dieses Modell nannte sich 1304 TS und zog seine Leistung aus dem durch den Glas 1300 GT bekannten 1290-cm³-Motor. Vorgestellt wurde der 1304 TS im März 1965. Im September gleichen Jahres wurden ausserdem auch die Modelle 1304 und S 1304 präsentiert.

Andreas Glas musste erkennen, dass er im Bereich der Massenautomobile schlechte Karten gegenüber den etablierten Konkurrenten hatte. Mehr und mehr fokussierte er auf Nischenprodukte, die durch Design- und Technik-Spezialitäten Chancen bei anspruchsvollen Käufern hatten.

Glaserati und das Ende des Unternehmens

Auf der IAA 1965 stellte Glas ein komplett neues Modell vor: Den Glas V8. Die Karosserie wurde vom italienischen Designer Pietro Frua gezeichnet und brachte dem Auto den Spitznamen “Glaserati” ein, da sein Aussehen stark dem eines Frua-Maserati Quattroporte glich.

Glas 2600 V8 (1967) - elegante Kreation von Pietro Frua
Archiv Automobil Revue

Beide Autos haben eine ähnliche Frontpartie. Die Formgebung der beiden Kühlergrille und die Positionierung der vorderen Blinker und Scheinwerfer weisen starke Gemeinsamkeiten auf. Auch das Seitenprofil zeigt starke Parallelen auf: Trotz der unterschiedlichen Anzahl Türen wirkt die Gestaltung des Bereichs zwischen Gürtel- und Dachlinie des Quattroporte nahezu identisch.

Maserati Quattroporte (1964) - das Karosseriedesign stammt von Pietro Frua - am Genfer Autosalon 1964
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Er war bis dahin der modernste V8, der in Deutschland gebaut wurde. Bereits BMW versuchte sich in der Nachkriegszeit auch am Bau eines V8. Dies misslang jedoch und drängte die Firma beinahe in den Ruin. Während BMW "fein raus" war, traf Glas dasselbe Schicksal mit voller Wucht. Der Glas V8 brachte Glas an die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten.

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Übernahme durch BMW

1966 wurde Glas von BMW übernommen. So kamen die Bayerische Motoren Werke abermals in den Besitz eines V8 - wenn auch unfreiwillig. Die Produktion wurde noch bis 1969 als Modell "BMW 1600 GT" am Laufen gehalten, bevor sie endgültig eingestellt wurde. Parallel dazu lief auch die Produktion eines BMW Glas 300 V8 mit vergrösserten Hubraum und einer höheren Leistung weiter. 1968 wurde dessen Produktion eingestellt. Der Glaserati mit dem BMW-Logo war der letzte "kleine" V8, welcher in Deutschland gebaut wurde. Bis 1969 wurde auch das Goggomobil hergestellt.

BMW 1600 GT (1967) - aus dem Glas wurde ein BMW - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1967
Archiv Automobil Revue

Heute erfreut sich Glas grosser Beliebtheit bei Oldtimer-Enthusiasten. Der Glas Automobilclub International betreut die Besitzer von Glas-Fahrzeugen auf der gesamten Welt, indem er sie beispielsweise mit Ersatzteilen beliefert. Glas ist zwar nicht mehr in der Automobilbranche aktiv, aber vergessen ist das Unternehmen noch lange nicht.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von sp******
10.02.2020 (09:46)
Antworten
Kein Wort davon, das der GLAS 1700 als BMW 1800/2000 SA in gewaltigen Stückzahlen in Südafrika produziert wurde und die Grundlage für das dortige BMW-Werk schuf. Auch das BMW-Werk Dingolfing wäre ohne das GLAS-Werk nicht entstanden, wie auch die "Ableger" in Landshut und Regensburg.
Bei BMW ist immer Alles "vom Himmel gefallen", siehe Umgang mit Dixi, Wartburg, GLAS, Rover und und und ...
Eine selten arrogante Firma, bekennt sich doch z.B. Audi gern zu den "aufgekauften" und integrierten Firmen, NSU, Lambo usw.
von cl******
18.01.2020 (14:25)
Antworten
:-) LOL Das ist mal etwas für das "Fundstück der Woche" im Internet.
Lob zunächst, dass ein Lesebrief beantwortet/kommentiert wird! Wenn der Leserbrief aber Kritik an der Rechtschreibung übt, dann sollte man die Antwort vielleicht doch Korrektur lesen (lassen) ;-) "Den ausgerschriebenen Namen"...
Immerhin hat es Unterhaltungswert. Wer in meinem Beitrag Fehler findet, darf sie gern behalten:-)

Um aber einmal eine sachliche Anmerkung zum ursprünglichen Bericht anzubringen:
Ganz grundsätzlich habe ich ein Problem mit den (kann man das so sagen?) Hauptbesitzern von BMW! Man darf sicherlich auch einmal hinterfragen, wo die Geldmittel herkamen, die damals primär von Herbert Quandt eingesetzt wurden um BMW zu "retten" und man darf und sollte auch der journalistischen Pflicht nachkommen, zu erwähnen, wie die heutigen Erben mit der Familienvergangenheit umgehen! Einen BMW kaufen und diese assoziale Familie unterstützen? Sicher nicht! Schade um die Firma Glas übrigens, oder auch Rover...
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