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SwissClassics Nr 71
Bild (1/3): Fiat 508 C 1100 Sport CarGem (1937) - die Front ist sehr hübsch gestaltet und beinahe zeitlos (© Daniel Reinhard, 2013)
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    Fiat 508 C 1100 Sport CarGem - Mille-Miglia-Teilnehmer aus dem Nachkriegsitalien

    3. November 2013
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    Fiat Group 
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    Wer in den Nachkriegsjahren Motorsport betreiben wollte, konnte oft nicht auf neue Modelle zurückgreifen, schlicht weil sie noch gar nicht produziert wurden, nicht erhältlich oder nicht zu bezahlen waren. So griff manch einer dann zu einem Vorkriegsfahrgestell und setzte eine moderne Karosserie darauf. So entstanden auch viele Sportwagen auf der Basis des in den Dreissigerjahren sehr populären Fiat 508 Balilla.

    1947 starteten die beiden Italiener Carlo Grisoni und Aldo Conconi auf einem von der Firma CarGem umgebauten Fiat 508 C 1100 von 1937 damit an der Mille Miglia!

    Fiat 508 C 1100 Sport CarGem (1937) - die Blinker kamen erst später dazu
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Das italienische Erfolgsfahrzeug Fiat 508

    1932 stellte Fiat als indirekten Nachfolger des beliebten Modells 509 den 508 Balilla vor. Es handelte sich dabei um ein einfach und zweckmässig, aber nicht ohne Finesse konstruiertes Modell mit einem seitengesteuerten 1-Liter-Motor und anfänglich 20 PS, die über ein Dreigang-Getriebe auf die Hinterachse geleitet wurden.

    Fiat 508 Balilla (1933) - als zweitürige Limousine
    © Copyright / Fotograf: Fiat Group

    Trotz vorderer und hinterer Starrachse wies der vergleichsweise kleine Wagen gute Fahreigenschaften und dank niedrigem Gewicht auch gute Fahrleistungen auf. Am meisten verkauft wurde die zweitürige Limousine.

    Leistungsgesteigerte Varianten

    Schon 1933 präsentierte Fiat den Balilla Sport, offiziell 508 S genannt. Der immer unter einem Liter grosse Motor leistete durch diverse Tuningmassnahmen jetzt 30 PS, was dem mit rund 600 kg leichten Sportwagen zu sehr konkurrenzfähigen Fahrleistungen verhalf. Bereits für die Mille Miglia 1933 wurde vom Werk ein OHV-Zylinderkopf eingesetzt, der bereits 38 PS leistete. Im Modell 1934 war dann dieser Motor auch für den “normalen” Autokäufer erhältlich und leistete in der Serienversion 36 PS auf 650 kg Fahrzeuggewicht im Sportzweisitzer. 115 km/h Spitze waren damit möglich. Auch ein Vierganggetriebe spendierte man dem kleinen, hübschen Sportwagen.

    Fiat 508 Balilla Sport (1933) - elegante und sportliche Formgebung
    © Copyright / Fotograf: Fiat Group

    Der Journalist Stefan von Szenasy jedenfalls zeigte sich in seinem Bericht in der Zeitschrift “Motor und Sport” im Juni 1934 begeistert:
    “Der Balilla-Sport ist jedenfalls ein Fahrzeug, das dem Sportfahrer viel Freude macht und dessen hervvoragende Leistung auch den verwöhnten Automobilisten befriedigen muss. Neben den reinen Fahreigeschaften sind außerdem die sorgfältige Ausarbeitung, insbesondere der Karosserie, die nichts behelfsmäßiges an sich hat, hervorzuheben.” Und die Redaktion der Zeitschrift doppelte in derselben Ausgabe nach:
    “Mit der vorliegenden Erprobung des Fiat 508 S ist der Beweis erbracht, dass sich auch in verhältnismäßig billigen Grenzen ein kleines leistungsfähiges Sportfahrzeug schaffen läßt.”

    Zumindest die deutsche Presse wünschte sich nun ein vergleichbares Fahrzeug auch von den einheimischen Herstellern.

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    Stetige Weiterentwicklung

    Bereits 1934 gab es nach fast 44’400 gebauten Exemplaren der ersten Serie dann auch die Limousine mit dem Vierganggetriebe und zudem längerem Radstand und eleganterer Formgebung. Im als zwei- oder viertürige Limousine, Spider, Torpedo oder Lieferwagen angebotenen Modell standen nun 24 PS bei 3’800 U/min zur Verfügung. Fast 72’000 Exemplare wurden verkauft

    Fiat 508 C Balilla 1100 Berlina (1948) - die Türen öffneten gegenläufig ohne B-Säule
    © Zwischengas Archiv

    Es folgte der 508 C, auch Balilla 1100 und Super-Balilla genannt. Der obengesteuerte Motor war auf knapp 1090 cm3 vergrössert worden und leistete jetzt 32/30 PS je nach Ausführung. Vor allem erhielt der 508 aber über vordere Einzelradaufhängungen und sein Aussehen nahm noch aerodynamischere Züge an. 111.5 km/h Höchstgeschwindigkeit mass die Zeitschrift “Motor und Sport” für die viertürige (ohne B-Säule auskommende) Limousine. “Für einen 1,1-Liter immerhin allerhand!”, meinte Testfahrer von Szenasy und fasste zusammen: “Man kann dem Wagen nur ein sehr günstiges Urteil aussprechen”.

    Wie seine Vorgänger verfügte der 508 C über ein Chassis in Form eines Profilrahmens mit X-Traversen. Die Stahlprofile waren zur Gewichterleichterung (wie beim Topolino) gelocht, der Motor war weit vorne eingebaut und mit dem Getriebe verblockt.

    Dieses Fahrgestell konnte man auch ohne Karosserie erwerben, es kostete rund 2/3 der fahrfertigen Limousine, in der Schweiz im Jahr 1938 exakt 3’300 Franken, während der Hersteller für die viertürige Limousine 4’950, und das Spider-Cabriolet “Viotti” sogar 6’500 Franken verlangte.

    Erfolge im Rennsport

    Das Fiat-Chassis stellte sich als gute Basis für Rennsportmodelle heraus. Zagato, Viotti, Siata und Touring bauten nebst anderen Rennsportfahrzeuge auf Basis des 508 C, nichtsdestotrotz aber war es das Werksteam, das 1938 mit einem aerodynamisch optimierten 508 C den Klassensieg an der Mille Miglia herausfuhr, das verbesserte Modell schaffte es 1939 dann auf den zweiten Klassenrang. Der vielleicht grösste Sieg für den Balilla erreignete sich unter fremder Flagge bei den 24 Stunden von Le Mans. Der Lizenznachbau Simca belegte den ersten Platz in der 1,1-Liter-Kategorie.

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    Sergio und Emilio Carnevalli

    Vater und Sohn Carnevalli betrieben in Gemoni, einer Gemeinde in der Provinz Varese, eine Werkstatt namens CarGem. Vater Sergio war ein begeisterter Rennfahrer und er hatte seit Mitte der Zwanzigerjahre an vielen Wettbewerben, darunter die Mille Miglia in den Jahren 1930 und 1931, am Lenkrad ausländischer Hersteller wie Rally, Amilcar und Austin teilgenommen.

    Obschon sich die Werkstatt auf Feinmechanik und die Herstellung von speziellen Ersatzteilen für Automobile oder die Rollen für Angelruten fokussierte, entschlossen sich die beiden in den Nachkriegsjahren einen eigenen Sportwagen zu bauen.

    Fiat 508 C 1100 CarGem (1937) - an einem Rennen in Italien, um 1947 herum
    © Copyright / Fotograf: Archiv Fahrzeugbesitzer / Oldtimer Galerie Toffen

    Rohmaterial und neue Chassis waren in jener Zeit kaum aufzutreiben, also nahm man ein verfügbares Fiat-508-Fahrgestell von 1937 und setzte eine nach eigenen Vorstellungen gestaltete Barchetta-Karosserie darauf. Dabei konnte man sich sogar die Mithilfe des Ingenieurs Gioachino Colombo sichern.

    Fiat 508 C 1100 CarGem (1937) - an einer italienischen Rennveranstaltung, vermutlich in den Vierzigerjahren
    © Copyright / Fotograf: Archiv Fahrzeugbesitzer / Oldtimer Galerie Toffen

    Der Wagen wurde 1946 fertiggestelllt und an verschiedenen Veranstaltungen gezeigt, unter anderem in Piacenza und in Lecco Ballabio. Der vermutlich wichtigste Einsatz aber erfolgte an der Mille Miglia 1947, bei der Carlo Grisoni und Aldo Conconi mit Startnummer 126 starteten.

    Fiat 508 C 1100 CarGem (1937) - Meldung Mille Miglia 1947
    © Copyright / Fotograf: Archiv Fahrzeugbesitzer / Oldtimer Galerie Toffen

    Leider kamen die beiden nicht ins Ziel, ein guter Rang wäre aber Anbetracht der leichtgewichtigen Aluminium-Karosserie sicher im Bereich des Möglichen gelegen.

    Zwölf Fahrzeuge hergestellt

    CarGem baute nach dem ersten Sportwagen noch 11 weitere, auf einem davon nahmen Vater und Sohn Carnevalli an der Mille Miglia 1951 teil.
    Bestechend an der CarGem-Konstruktion war die tiefe Gürtellinie und der Fokus auf ein möglichst geringes Gewicht. Selbst die Sitze bestanden aus Aluminium, obschon das Material in jener Zeit sehr schwer erhältlich war.

    Fiat 508 C 1100 Sport CarGem (1937) - die rundlichen Türen sind Luxus, einsteigen kann man auch von oben
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Die Form erinnert von vorne ein wenig an den Jaguar C-Type, der aber erst Jahre später erschien. Das längliche Heck beherbergt einen kleine Stauraum, vor allem aber den Tank und das Reserverad. Die Technik entsprach dem Fiat 508 C, der Motor wurde um 1949 ausgetauscht.

    Flaches Leichtgewicht

    Fiat 508 C 1100 Sport CarGem (1937/1946) - definitiv etwas für Frischluft-Freunde
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Man kann sich kaum vorstellen, von weniger Karosserie umgeben zu sein im Fiat 508 C 100 CarGem. Die Türen, die an sich unnötig sind, sind weit nach unten ausgeschnitten, die Gürtellinie verläuft fast auf Höhe der Radhäuser, eine Windschutzscheibe gibt es nur in Ansätzen und ein Dach schon gar nicht. Für introvertierte Fahrer und Leute, die die Öffentlichkeit meiden wollen ist das also nichts. Also genau das richtige Auto für die Mille Miglia, wo man ungehindert winken und strahlen kann.

    SwissClassics Nr 71

    Flott und sportlich

    Gestartet wird nach dem Einstecken des Schlüssels über einen Seilzug und sofort ertönt der wohlklingende Vierzylinder mit einem Räuspern aus dem Auspuff. Das Schaltschema folgt dem üblichen “H”, die Kupplung lässt sich kräfteschonend lösen und los gehts. Flott ist man unterwegs, wobei man sich meist schneller vorkommt als man tatsächlich ist. Die tiefe Sitzposition, der Wind im Gesicht und die immer präsente Geräuschkulisse machen auch tiefe Geschwindigkeiten unterhaltsam.

    Fiat 508 C 1100 Sport CarGem (1937) - das Heck ist relativ langgezogen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Aber Aufmerksamkeit ist schon erforderlich. Beim Schalten will das Getriebe mit Zwischenkuppeln und Zwischengas bei Laune gehalten werden. Auch Kurven erfordern Konzentration, selbst wenn sich der Wagen recht gutwillig verhält. Aber genau darin liegt ja auch das Faszinierende eines fast 80-jährigen Automobils, es spricht alle Sinne an und fordert den Piloten.

    Der für diesen Bericht portraitierte Fiat 508 C 1100 Sport CarGem von 1937/1946 wird am 30. November 2013 in der Versteigerung der Oldtimergalerie in Toffen unter den Hammer kommen.

    Weitere Informationen

    • Motor und Sport Ausgabe 24/1934, ab Seite 17: Prüfungsbericht Fiat 508 S
    • Motor und Sport Ausgabe 19/1938, ab Seite 17: Prüfungsbericht Fiat 508 C
    • Oldtimer Markt Heft 3/2001, ab Seite 190: Fiat Balilla
    • Oldtimer Markt Heft 11/1992, ab Seite 252: Fiat Balilla (Historie)
    • Motor Klassik Heft 2/1984, ab Seite 126: Über den Fiat 508 Balilla Spider
    • Zuckerfabrik24.de: Informationen über den Fiat 508 C

    Alle 65 Bilder zu diesem Artikel

    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    de******:
    19.11.2016 (01:09)
    Klasse Fahrzeug zu dieser Zeit.
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