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Fiat 130 Coupé - gradlinig eleganter Gran-Turismo für die grosse Besatzung

Erstellt am 12. September 2012
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
26
Archiv 
42

Wenige Autos der frühen Siebzigerjahre können es mit dem Fiat 130 Coupé an Eleganz und Zeitlosigkeit aufnehmen, die meisten Betrachter ordnen den Wagen sofort der italienischen Karosserieschule zu, obschon es grosse Ähnlichkeiten zum Ford Granada ’78 gibt, der allerdings wesentlich später kam.

Dass das Fiat 130 Coupé einen eigens für die grosse Baureihe entwickelten V6-Motor hatte und einer der besten noch bezahlbaren Gran-Turismos der Zeit war, wissen allerdings die wenigsten.

Zuerst die Limousine

Obschon Fiat vor allem mit seinen kleinen Modellen Erfolge feiern konnten, wurden immer auch grosse Limousinen und Coupés gebaut, denn auch die Direktoren wollten standesgemäss unterwegs sein. In den Sechzigerjahren spielte die Limousine 2300 diese Rolle. Da das Modell in die Jahre kam, wurde bereits für an Nachfolgern gearbeitet.

Bereits im Dezember 1963 präsentierten die Entwickler intern den ersten Mockup eines Modells mit Bezeichnung “130”, im Prinzip eine vergrösserte Version des 2300.

1965 trug das Projekt dann den Namen X1/3. Daraus entstand aber dann die 124/125-Modellreihe.

Schliesslich entschied sich Dante Giacosa, das Projekt neu aufzusetzen, Abstand vom 2300-er-Vorfahren zu nehmen. Zielgebiet war nun der Mercedes-Benz 300, als Motor musste mindestens ein Sechszylinder entwickelt werden. Aurelio Lampredi machte sich an die Arbeit und entwickelte einen V6 mit 60 Grad Winkel, der sich grundlegend vom Dino-V6-Motor unterschied. Gleichzeitig zeichnete Mario Boano eine klassische Limousinenform, die wenig aufregend aussah, aber durchaus praktische Vorzüge offerierte.

1969 wurde die neue Limousine präsentiert, sie erhielt viel Lob aber auch Tadel für die leistungsmässig knappe Bestückung. Denn der Motor leistete mit 2,9 Litern Hubraum gerade einmal 140 PS.

Erstarkung und Perfektionierung

Nicht nur die meistens ausgelieferte träge Dreigang-Automatik von Borg-Warner (alternativ konnte je nach Markt ein Fünfganggetriebe bestellt werden) nahm dem Wagen den Schnauf, mit über 1’500 kg war die ausladende Limousine (4,75 Meter x 1,805 Meter x 1,475 Meter) auch ziemlich gewichtig geworden.

Fiat steigerte die Leistung bereits 1970 auf 160 PS und rüstete den Motor dann 1971 auf 3’235 cm3 auf, was nun 165 PS und vor allem mehr Drehmoment brachte. Diese neue Leistungsstufe wurde aber zuerst nicht in der Limousine, sondern im Frühjahr 1971 in einem brandneuen Coupé in Genf präsentiert.

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Pininfarina legt vor - Eleganz und Schlichtheit

Auf der unveränderten Plattform der Limousine schufen die Designer Paolo Martin und Leonardo Fioravanti bei Pininfarina eine Meisterwerk an Schlichtheit und Eleganz. Geschickt verlängerten sie die Überhänge (plus 10 cm) und senkten die Dachkante (minus 12 cm), womit fast automatisch die Basis für ein sportliches und gleichzeitig elegantes Design gelegt wurde.

Die Automobil Revue beschrieb das Ergebnis im März 1971 prägnant:
“Die Abmessungen des Fiat Coupé sind respektabel (Gesamtlänge etwa 4,8 Meter), ohne dass der Wagen massig wirkt. Hauptcharakteristik der Karosserie ist die gestreckte und ausgewogene, aber nicht futuristische Linienführung. Hervorstechend ist vor allem die niedrige, flache Frontpartie, bei welcher die Betonung auf einfache, gerade Linien besonders zum Ausdruck kommt. Ein relativ kleiner, rechteckiger Lufteinlass, der in der Mitte das runde Fiat-Emblem trägt, wird links und rechts von Doppelscheinwerfern flankiert. Diese befinden sich jeweils unter ebenfalls flachen, rechteckigen Deckgläsern und nehmen einen grossen Teil der niedrigen Front in Anspruch. Standlichter und Blinker sind in die flache, durchgehende Stossstange integriert. Letztere ist aus rostfreiem Stahl gefertigt; die Enden, welche um den Kotflügel herumgezogen sind, weisen als Schutz einen Kunststoffüberzug auf.
Einfach und ohne Extravaganzen ist die Flanke des Coupé; die einzigen Verzierungen sind die feinen Chromeinfassungen der Seitenfenster und eine durchgehende Zierleiste unterhalb der breiten Türe. Insbesondere von der Seite ist die Verwandtschaft mit dem früheren Lancia Flaminia Coupé, welches ebenfalls aus dem Hause Pininfarina stammte, unver-kennbar.
Das flache, breite Heck wird ebenfalls von scharfen Kanten und horizontalen Linien geprägt. Wie bei der Limousine umfassen die Schlusslichteinheiten die Ecken und ragen weit in den hinteren Kotflügel hinein. Auch bei der hinteren Stossstange schützt ein Kunststoffüberzug die Ecken vor unsanften Berührungen beim Parkieren.”

Gehobener Luxus und viel Platz

Pininfarina hatte nicht nur die Aussenhaut neu gemacht, auch innen empfing das 130 Coupé den Passagier mit luxuriösem Design, viel Holz und Velours. Erhebliche Platz-Nachteile im Innenraum im Vergleich zur Limousine gab es selbst für die Hintensitzenden nicht, wenn man einmal vom etwas beschwerlicheren Einstieg absah.

Für den Fahrer war sowieso alles im Lot, konnte er doch das Lenkrad verstellen, die Sitze in der Höhe einstellen, Fenster elektrisch bedienen und über ein umfangreich einstellbares Heiz- und Lüftungssystem verfügen.

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Schnell genug und durstig

Und wie stand es nun mit den Fahrleistungen, vor allem auch im Vergleich zur Konkurrenz? Die Automobil Revue mass alle Bauvarianten durch und schaffte mit einer handgeschalteten Limousine den Sprint von 0 bis 100 km/h in 10,3 Sekunden, das handgeschaltete Coupé war drei Zehntel langsamer. Die Automatik “kostete” ein bis zwei Sekunden zusätzlich, 12,2 Sekunden benötigte das handfrei beschleunigte Coupé im Jahr 1971.

Die Höchstgeschwindigkeit lag bei rund 195 km/h, ganz in den 200-km/h-Club reichte es also nicht. Die Konkurrenten BMW 3.0 CS/CSi oder Mercedes-Benz 350 SLC konnten das besser.

Beim Verbrauch waren keine Wunder zu erwarten, während die Zeitschrift Auto Motor und Sport einen Testverbrauch von 18,2 Litern notierte, vermeldete die Automobil Revue Verbräuche zwischen 10,5 und 17,2 Litern je nach Einsatzweise.

Überzeugende Fahreigenschaften

Nur Positives stand in den Testberichten zum Fahrverhalten. Dem Coupé wurde ein neutrales Kurvenverhalten attestiert, die ZF-Servolenkung für ihre Präzision und das gute Lenkgefühl gelobt. Auf hohem Niveau befand sich nach dem Urteil der AR-Redaktoren auch der Fahr- und Federungskomfort. Die ringsum einzeln an fortschrittlichen Aufhängungskonstruktionen aufgehängten Räder machten sich also bezahlt, genauso wie die innenbelüfteten Scheibenbremsen, die für standfeste Verzögerung sorgten.

Zu teuer?

In der Schweiz musste der Käufer im Jahr 1972 37’600 Franken für das Coupé mit Handschaltung bezahlen, die Getriebeautomatik schlug nochmals mit 1’400 Franken zu Buche. Die mit Automatik ausgerüstete Limousine kostete dagegen nur 28’450 Franken. Während das im selben Vertrieb angebotene Fiat Dino 2400 Coupé etwas teurer war, kostete ein Jaguar E-Type 2+2 V12 Coupé 450 Franken weniger, selbst ein Mercedes-Benz 350 SL mit Achtzylinder war nur wenig teurer, einen Ford Mustang Mach 1 gab es bereits für 28’930 Franken.

In Deutschland kostete das Coupé DM 31’800 und wurde serienmässig mit Automatik ausgeliefert. Damit lag der schöne Wagen im Preisbereich eines eingespritzten BMW 3.0 CSi und war gleichzeitig erheblich teuer als die Mittelklasse-Coupés von Mercedes-Benz.

Doch so richtig vergleichbar waren die Konkurrenzangebote eigentlich nur bedingt, denn keine der Alternativen bot derart moderne Linien und gleichzeitig genügend Platz für vier bis fünf Personen.

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Beinahe eine Produktfamilie

Auf der Basis des Fiat 130 Coupés entstanden 1974 noch zwei Prototypen, die beide durchaus das Zeug gehabt hätten, den Markt anzukurbeln. Die viertürige Limousine “Opera” war im Prinzip ein im Passagierbereich angepasstes Coupé mit vier Türen, sah hinreissend aus und hätte der serienmässigen 130-er-Limousine sicher das Wasser abgegraben.

Die Modellvariante “Maremma” war ein Sportkombi mit Heckklappe im Stil des Volvo P 1800 ES oder des Scimitar GTE. Beide Modelle blieben Einzelstücke.

Nach 4’491 Exemplaren ohne Nachfolger eingestellt

Bereits 1976 stoppte Fiat die Produktion der erfolglosen Limousine ein, das Coupé liess man bei Pininfarina noch ein Jahr länger produzieren, nach 4’491 Exemplaren war aber auch damit Schluss. Interessanterweise wurden rund ein Viertel aller 130 Coupés rechtsgelenkt ausgeliefert, die Engländer konnten mit dem schönen Italiener also durchaus etwas anfangen. Die Suez-Krise und generell fehlende Nachfrage machten dem Coupé den Garaus.

Noch immer elegant

Stellt man sich heute vor das Auto, versteht man sofort, wieso die Leute, die mit Käfer, Opel Rekord oder Ford Taunus aufgewachsen waren, die minimalistische Eleganz des Wagens bewunderten. Heute empfindet man die glattflächige und gradlinige Form beinahe etwas übertrieben, die riesigen Glasflächen weichen stark vom aktuellen Baustil ab. Trotzdem wirkt das Coupé richtig proportioniert, überzeugt auch den Ästheten.

Innen laden die Veloursitze zum Lümmeln ein, die schön gezeichneten Instrumente und der gerippte Dachhimmel ziehen die Blicke an. Nur das Kunststoff-Lenkrad, das aus einem Konzeptfahrzeug zu stammen scheint, eckt an.

Ein komfortabler Gran Turismo

Als Reise-Sportwagen überzeugt das Fiat 130 Coupé. Man spürt zwar Grösse und Gewicht, aber der herrlich tönende V6-Motor und der hohe Fahr- und Sitzkomfort lassen die Besatzung auch vor längeren Tagesetappen nicht zurückschrecken. Um die Kurven zu räubern ziemt sich nicht im eleganten Coupé, den Fiat besteigt man im Brioni-Anzug und nicht im Rennoverall.

Heisser Investitionstip?

Trotz ihrer Seltenheit sind die Fiat 130 Coupés günstig geblieben. Der Marktbeobachter Classic Data notiert aktuell knapp Euro 14’000 für ein Exemplar im Zustand 2. Limousinen sind gut ein Drittel günstiger, damit ist der Abstand zur Limousine gewahrt, der auch schon beim Neupreis vorhanden war.

Man erhält richtig viel Auto für wenig Geld und die Technik ist durchaus nicht kapriziös. Günstige Unterhaltskosten sollte man trotzdem nicht erwarten, dazu sind gewisse Teile zu rar und die Konstruktion zu aufwändig.

Gut angezogen ist man mit dem Fiat 130 Coupé aber allemal, denn das Fahrzeug darf sicher zu den bestgelungenen Entwürfen Pininfarinas in jener Zeit gezählt werden.

Das für diesen Bericht portraitierte weisse Coupé mit Jahrgang 1974 wurde uns dankenswerterweise von der Oldtimer Galerie in Toffen für diesen Bericht zur Verfügung gestellt. 

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von di******
03.05.2015 (12:51)
Antworten
Für mich als FIAT/Lancia Fan der schönste FIAT aller Zeiten. Nur schade, dass er als Schaltwagen
(Automatik bloss nicht!) so selten ist!
Ebenfalls schade, dass der Autor mit " Heisser Investitionstip?" sich auf die Seite der Boni-Banker und ähnlicher schlägt, die gar nicht mehr wissen, wohin mit ihrem vielem Geld! Solche Autos gehören von Liebhabern geliebt und gefahren und nicht als
Investitionsobjekt missbraucht!
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