Ferrari 330 GTS - Italienische Schönheit im Pininfarina-Kleid

Erstellt am 2. März 2020
, Leselänge 4min
Text:
Daniel Koch
Fotos:
Courtesy Bonhams 
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Archiv 
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Die Autos mit dem springenden Pferd, dem berühmten “Cavallino rampante”, waren schon immer etwas Besonderes, und die wohlhabenden und prominenten Kunden schmückten sich gerne mit einem dieser exklusiven Automobile aus Maranello - auch heute noch.


Ferrari 330 GTS (1967) - Zeitlose Cabriolet-Linie
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Karosserievarianten

Als Ferrari beschloss, vom Coupé 330 GTC auch eine offene Version zu bauen, wurde wie gewohnt der Hausdesigner Pininfarina beauftragt. Er zeichnete dem 330 GTS, bei dem das “S” für “Spider” steht, ein zeitlos schönes Kleid, das offen und geschlossen auch heute noch eine exzellente Figur macht.


Ferrari 330 GTC Coupé 2 Posti (1966) - schlichte Linien, grosse Eleganz bei diesem Entwurf von Pininfarina
Archiv Automobil Revue

Weltpremiere

Vorgestellt wurde die offene Variante des 330 GTS am Pariser Autosalon 1966, der porträtierte Wagen in diesem Artikel ist die Nummer 28 von rund 100 produzierten, und wurde 1967 gebaut. Der V12 Motor hatte einen Hubraum von 3967 ccm und leistete 300 PS, die bei 6600 U/min zur Verfügung standen. Das maximale Drehmoment von 325 Nm wurde bei 5000 Umdrehungen auf die Kurbelwelle gewuchtet, und drei Weber Doppelvergaser versorgten den Motor mit zündfähigem Gemisch.


Ferrari 330 GTS (1967) - Der V12-Motor mit knapp vier Liter Hubraum
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Wer den Pferden die Sporen gab, der erreichte den Sprint von null auf einhundert km/h in rund sieben Sekunden, und als Höchstgeschwindigkeit gab das Werk atemberaubende 240 km/h an, eine Geschwindigkeit, die dem Klassiker heute wohl niemand mehr zumuten würde. Diese Leistungsdaten reissen im Jahr 2020 natürlich keinen Sportwagenfahrer mehr vom Hocker, damals waren sie aber im Supersportwagen-Bereich angesiedelt, zumal ja nur rund 1200 Kilogramm bewegt werden musste.

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Modellpalette

Der 330 GTS war eng mit dem 275 GTS und dem 275/4 GTS verwandt, die von den kleineren 3.3 Liter Motoren angetrieben wurden, aber dasselbe Chassis nutzten. Auch wenn der GTS, wie die Bezeichnung schon andeutet, eher ein Grand Tourer als ein Rennwagen war, ordnete Ferrari den ersten Gang links hinten an, was den Testfahrern der Zeitschrift “Road and Track nicht besonders gefiel.


Ferrari 330 GTS (1967) - Becker Mexico Stereo-Radio mit Kassettenteil
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Die Amerikanischen Auto-Tester schrieben zum GTS: “Hat man einmal ein Gefühl für den Wagen entwickelt, dann kann man fast alles mit ihm anstellen. Die Lenkung ist leicht genug, auch ohne Servounterstützung, die bald erhältlich sein wird. Sie ist präzise, reagiert aber nicht sonderlich schnell. Das Fahrwerk verhält sich neutral, und der Motor verfügt über genügend Drehmoment, um das Heck ein bisschen ausbrechen zu lassen, wenn man das will. Dazu bieten die Dunlop SPs Reifen eine grossartige Kombination von Strassenhaftung und Fahrgefühl. Die Bremsen haben uns hingegen nicht begeistert. Ähnlich wie beim Lamborghini Miura packen sie erst zu, wenn sie warm sind, aber im kalten Zustand sind sie für den normalen Strassenverkehr ungenügend. Vielleicht fahren sich die Bremsen noch ein, unser Testfahrzeug hatte erste wenige Meilen auf dem Tacho.”


Ferrari 330 GTS (1967) - Beim Design hat Pininfarina Hand angelegt
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Technisch modern

Der 330 GTS war aber nicht nur schön und schnell, er war auch sehr fortschrittlich. Die Verzögerung übernahm schon damals ein servounterstütztes Zweikreis-Bremssystem mit Scheibenbremsen an allen vier Rädern, die zwar im erwähnten Testbericht nicht für Begeisterung sorgten, aber immerhin musste man nicht mit Trommelbremsen vorliebnehmen. Für die guten Fahreigenschaften sorgte an allen vier Rädern die Einzelradaufhängung an Trapezdreiecksquerlenkern mit Schraubenfedern und Teleskopstossdämpfern. Im Cockpit informierten eine schöne Sammlung von Veglia-Uhren über de Befindlichkeit des Motors. Als Komfortausstattung waren serienmässig elektrische Fensterheber an Bord, und als Option war sogar eine Klimaanlage erhältlich.


Ferrari 330 GTS (1967) - Aufgeräumtes Cockpit
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

Direkt vor dem Fahrer wurden die Anzeigen für den Öldruck, die Öl- und Wassertemperatur, sowie Drehzahl und Geschwindigkeit platziert. Daneben, über der Mittelkonsole, informierte ein Instrument über den Tankinhalt. desweiteren gab es eine Uhr, und ein Ampèremeter.

Autotester überzeugt

Die Fachpresse beschied dem neuen Ferrari denn auch einwandfreie Fahreigenschaften und hohen Reisekomfort bei überzeugenden Fahrleistungen. Die amerikanische Zeitschrift “road & track” war sogar der Meinung, der 4.32 Meter kurze Roadster könne durchaus auch als Alltagsfahrzeug genutzt werden.


Ferrari 330 GTS (1967) - Der Grand Tourer wog nur rund 1200 Kilogramm
Copyright / Fotograf: Courtesy Bonhams

In den USA kostete der Ferrari 330 GTS USD 16'426, in der Schweiz CHF 54'000, notabene gleich viel wie das Coupé 330 GTC.

Seltenes Modell

Da nur rund 100 Stück des offenen 330 – dazu kamen einige weitere als 365 GTS mit grösserem Motor – gebaut wurde, war er damals schon eine Rarität, und auch heute ist der Wagen so exklusiv, dass er an Auktionen zu siebenstelligen Beträgen gehandelt wird. Das porträtierte Fahrzeug verfügt über “matching numbers”, und wurde von Bonhams am 5. März 2020 an der Amelia Island Auction etwas unter den Erwartungen für USD 1'475'000 (inkl. Aupreis/Premium) versteigert.

Weitere Informationen

  • Road & Track August 1968, Seite 30: Test Ferrari 330 GTS

 

 

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von giuse
10.03.2020 (07:09)
Antworten
ein wesentlicher grund für das erstklassige fahrverhalten ist die anordnung des getriebes im heck, verblockt mit dem differential.
dies ergibt eine optimale gewichtsverteilung vorn / hinten und hält als weiteren vorteil die lenkkräfte unter kontrolle. im gegensatz zu den amerikanischen testern beurteile ich die lenkung als präzise und schnell reagierend. diese beurteilung gilt für den 275 gts, welcher wegen des kleineren und leichteren motors einen vorteil hat. der 275 gts ist fahrerisch ein absolutes traumauto.
einziger mangel: die bremsen. wie der e type jaguar ist der 275 gts und vermutlich auch der 330 gts mit dunlop bremszangen ausgerüstet, welche einen schlechten wirkungsgrad aufweisen. das kann heute verbessert werden, eine firma aus dem uk offeriert vierkolben zangen für die vorderachse und verbesserte bremszylinder für die hinterräder.
Antwort vom Zwischengas Team (Daniel Koch)
10.03.2020 (08:09)
Besten Dank für die differenzierte Ergänzung!
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