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Bild (1/1): Maserati 3500 GT (1961) Italsuisse von Pietro Frua - Die aktuelle Farbe steht dem Wagen gut (© Erik Fuller - Courtesy RM Auctions, 2014)
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    Der ganz besondere Maserati 3500 GTI Italsuisse von Pietro Frua

    17. Juli 2014
    Text:
    Stefan Dierkes / Bruno von Rotz
    Fotos:
    Erik Fuller - Courtesy RM Auctions 
    (27)
    Pietro Frua, Turin (I) Archiv: Roberto Rigoli (Familie Frua) 
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    Der 1957 erstmals in der Öffentlichkeit gezeigte Maserati 3500 GT eignete sich sehr gut für den Aufbau von Sonderkarosserien, da er dank Rohrrahmenkonstruktion nicht nach dem selbsttragenden Prinzip konstruiert war. So nutzten denn eine ganze Reihe von Karosserieschneidern diese Plattform, einer von ihnen war Pietro Frua.

    Maserati 3500 GTI (1961) Italsuisse von Pietro Frua - Die Front des Wagens erinnert stark an den später erschienenen Sebring
    © Copyright / Fotograf: Erik Fuller - Courtesy RM Auctions

    Klassische Sportwagenkonstruktion

    Beim Maserati 3500 GT hatten Maseratis Chefingenieur Giulio Alfieri alle Register gezogen. Die klassischen Rennmotoren von Maserati standen bei der Entwicklung des Reihensechszylinders Pate. Zwei obenliegende Nockenwellen steuerten schräghängende Ventile. Die drei Doppelvergaser von Weber waren seitlich rechts angebracht, um die Bauhöhe des Aggregates zu senken. Eindrückliche 66 PS pro Liter Hubraum lieferte das mit einer Marelli-Doppelzündung ausgerüstete Aggregat. Ein Vierganggetriebe (später war auch ein ZF-Fünfganggetriebe lieferbar) sorgte für die Übertragung der Kraft auf die Hinterachse. Anstelle der Vergaser gab es ab Juni 1961 im dann als 3500 GTI bezeichneten Modell eine Lucas-Benzineinspritzung.

    Maserati 3500 GTI Coupé Touring (1963) - das Coupé wirkt etwas altmodischer als die Vignale-Cabriolet-Version
    © Zwischengas Archiv

    Die Räder waren vorne an Trapez-Dreieckslenkern, hinten an einer Starrachse aufgehängt. Trommelbremsen und in späteren Baujahren Scheibenbremsen verzögerten den schnellen Sportwagen.

    Viele Sonderkarosserien

    Ein ganze Reihe von Sonderaufbauten entstanden auf dem Chassis des Maserati 3500 GT. So wurden bei Allemano vier Coupés, bei Bertone ein Coupé, bei Boneschi zwei Coupés, bei Moretti ein Coupé, bei Touring fünf Cabriolets und bei Vignale der Spider-Prototyp.

    Maserati 3500 GTIS Sebring (1963) - das Vignale-Coupé auf einer arg körnigen Aufnahme von damals
    © Zwischengas Archiv

    Pietro Frua baute 1959 einen Spider und 1961 eine Coupé-Designstudie für das spätere Sebring-Coupé, von der später noch drei weitere Exemplare für private Kunden entstanden.

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    Die vier Coupés von Pietro Frua

    Pietro Frua (1913–1983) versuchte 1961 wieder an die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Maserati anzuknüpfen. Der verbesserte Maserati 3500 GTI sollte auch eine modernere Karosserie erhalten und so entstand ein stattlicher 2+2-Sitzer, der sich vom Werks-Coupé mit Touring-Karosserie formal deutlich absetzte.

    Die Front zeigte nun Doppelscheinwerfer, der Dachbereich war akzentuierter, das Heck kantiger. Tatsächlich sah das Frua-Coupé dem ein Jahr später in Genf vorgestellten Sebring durchaus ähnlich. Möglicherweise hatte Maserati nicht nur ein Vorserien GTI-Chassis zur Verfügung gestellt sondern auch entsprechende Design-Vorgaben gemacht.

    Maserati 3500 GT (1961) Italsuisse von Pietro Frua - Das Heck unterscheidet sich deutlich vom Serien-3500 GT
    © Copyright / Fotograf: Erik Fuller - Courtesy RM Auctions

    Der Karosserieaufbau wurde aus Aluminium gefertigt, im Innenraum griff Frua auf Maserati-Teile zurück, liess aber natürlich seinen Sattler die Feinausstattung erarbeiten.

    Maserati 3500 GTI Italsuisse Coupé (AM 101.1494 von 1961) - elegantes Coupé, von Pietro Frua für Italsuisse gezeichnet
    © Zwischengas Archiv

    Erstmals gezeigt wurde der Frua Maserati 3500 GTI (Chassis 101.1494) am Genfer Autosalon 1961 auf dem Italsuisse-Stand. Italsuisse war ein kleiner Betrieb im Genfer Vorort Carouge und dessen Inhaber Adriano Guglielmetti suchte nach Möglichkeiten, in die Kleinserienfertigung von Spitzenklassenfahrzeugen einzusteigen. Dazu arbeitete er eng mit Pietro Frua zusammen, den er noch aus seiner Zeit bei Ghia Aigle kannte.

    Die Berichterstattung der Automobil Revue sah gerade in diesem himmelblau lackierten Fahrzeug einen Lichtblick:

    “Im Karosseriebau stellt man eine Entwicklung fest, die sich auch auf anderen Gebieten, in denen die Form eine Rolle spielt, bemerkbar macht. Ausschmückungen und gesuchte For- men verschwinden um so rascher, je kleiner ihre funktionelle Bedeutung ist, und sogar wenn sie sich nachträglich als durchaus geschmackvoll erweisen. Heute herrscht die einfache Form vor, die meist als schön emp- funden wird und die nur dann kalt und nüchtern scheint, wenn die Proportionen nicht glücklich gewählt wurden. Immerhin wäre es doch sehr leichtfertig, von dieser Feststellung zum Schluss überzugehen, dass alles schön sein muss, was funktionell richtig ist.
    Wenn man die Grenzen des Masses und des guten Geschmacks nicht verlassen will, so ist es recht schwierig, originelle Karosseriedetails oder -linien zu finden.
    Originell ist die vom Turiner Zeichner Pietro Frua geschaffene und von Italsuisse gebaute Karosserie für einen Maserati 3500 GT, obschon sie die erwähnten Grenzen keineswegs verletzt und angenehm zu betrachten ist.”

    Maserati war aber offenbar nicht zufrieden, baute den 3500 GTI ab Juni 1961 mit der alten Touring-Karosserie und entschied sich beim Modell Sebring päter für einen Entwurf von Giovanni Michelotti, den dieser für Vignale zeichnete und der im März 1962 in Genf präsentiert wurde.

    Weitere drei Exemplare des Frua 3500 GTI, die zwischen 1961 und 1962 entstanden, unterschieden sich nur in Details und natürlich in der Farbgebung vom leider verschollenen Genfer-Salon-Fahrzeug. Alle wurden an Privatleute verkauft und existieren heute noch.

    Das bunte Leben des zweiten Frua 3500 GT

    Maserati 3500 GT (1961) Italsuisse von Pietro Frua auf dem Werksgelände der Officine Maserati in der Viale Ciro Menotti 322 in Modena
    © Copyright / Fotograf: Pietro Frua, Turin (I) Archiv: Roberto Rigoli (Familie Frua)

    Chassis AM101.1496 wurde neu in roter Lackierung und mit hellbrauem Interieur (italienische Bezeichnung „cinghiale“ = Wildschwein) über den Maserati Importeur Martinelli & Sonvico an den Schweizer Jacques Bordier in Veyrier/Genf ausgeliefert. Dieser verkaufte den Wagen vermutlich nach Amerika, denn 1976 konnte man in den Hemmings Motor News eine Verkaufsannonce für eben diesen Wagen finden, der in Chicago für 3500 Dollar angeboten wurde.

    In den Siebziger- bis Neunzigerjahren wechselte der immer noch rot lackierte Wagen mehrfach den Besitzer und landete über Florida, Washington und Connecticut schliesslich in Houston/Texas. Die Restaurierung des Wagens wurde dort bei dem bekannten Maserati-Sammler John Bookout begonnen und die Karosserie zunächst wiederum rot gespritzt. 2002 wurde der Wagen dann jedoch in Blau metallic umlackiert, wohl in der falschen Annahme, dass es sich um das Genfer-Salon-Auto handle.

    Maserati 3500 GT (1961) Italsuisse von Pietro Frua - Edel ausgestattetes interieur
    © Copyright / Fotograf: Erik Fuller - Courtesy RM Auctions

    Eine weitere Neulackierung in derselben Farbe wurde beim nächsten Besitzer Keith Duly in Connecticut 2010 durchgeführt, der die begonnene Restaurierung fertig stellte und einen normalen 3500 GT Vergasermotor einbauen liess.

    Der restaurierte Wagen debütierte schließlich 2011 beim Amelia Island Concours. 2012 verkaufte Gooding & Company den sonderkarossierten Maserati an der Scottsdale-Versteigerung für USD 302’500. Der neue Besitzer hält dem schönen Wagen jedoch offensichtlich nicht allzu lange die Treue, denn am 15./16. August 2014 wird dieser erneut unter den Hammer kommen an der RM Versteigerung von Monterey .

    Man darf gespannt sein, zu welchem Preis das hübsche Coupé diesmal den Besitzer wechselt. Mit einem Schätzpreis von USD 525'000 bis 725'000 wurde die Latte auf jeden Fall hoch gelegt.

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