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Chrysler C-200 und D’Elegance von 1952 – die verpasste Chance, gegen Thunderbird und Corvette anzutreten

Erstellt am 8. Mai 2012
, Leselänge 5min
Text:
Stefan Fritschi
Fotos:
Darin Schnabel / RM Auctions 2011 
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RM Auction Darin Schnabel 
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Archiv 
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Chrysler D'Elegance (1952) - verkauft an der RM Auction von Monterey 2011 - unverdeckte Räder waren eine Charakteristik Exers Entwürfe
Chrysler D'Elegance (1952) - verkauft an der RM Auction von Monterey 2011 - Blaupause für den Karmann-Ghia
Chrysler D'Elegance (1952) - verkauft an der RM Auction von Monterey 2011 - elegant gezeichnete Front
Chrysler D'Elegance (1952) - angeboten an der RM Auktion von Monterey vom 19. und 20. August 2011
Chrysler D'Elegance (1952) - angeboten an der RM Auktion von Monterey vom 19. und 20. August 2011
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Virgil Exner war einer der einflussreichsten Automobildesigner seiner Zeit, weil er nicht nur zukunftsweisende Entwürfe auf die Räder brachte, sondern auch die Organisation innerhalb von Chrysler umkrempelte. Er hatte mit Hilfe von Chrysler-Boss K. T. Keller der Stylingabteilung innerhalb der Hierarchie eine Sonderstellung verschaffen können. Eine Machtposition, die dazu führte, dass der Einfluss der Kostenkontrolleure und Produktionsingenieure zugunsten des Designers beschnitten wurde. Er war jetzt gleichberechtigter Partner in der Entwicklung - ein wichtiger Meilenstein in der Industriegeschichte.

Weiterentwicklung des “Pure Automobile” - der C-200 Convertible

Exner’s “Ideenfahrzeug” K-310 erwies sich als voller Erfolg bei vielen Präsentationen, weil es einerseits eine völlige Abkehr vom traditionellen Design darstellte, andererseits aber sehr greifbar und realitätsnah war. Also kein weit entferntes Dream-Car, sondern ein durchaus produktionsfähiges Autokonzept, welches den späteren Sportwagen-Ikonen Ford Thunderbird und Chevrolet Corvette vorauseilte.

Virgil Exner meinte dazu: „Die grosse Verantwortung des Autodesigners liegt nicht darin, vorauszusagen, wie das Auto in vielen Jahren mal aussehen wird, sondern die eigentlichen Probleme des Modells für nächstes Jahr zu lösen.“

Und das tat man denn auch mit der Weiterentwicklung der K-310. Weil die bordeauxrote Coupé-Studie ein aufgesetztes und sehr leicht wirkendes Metalldach hatte, das auch noch schwarz lackiert war, erinnerte sie stark an ein geschlossenes Cabrio. Deshalb bot es sich an, eine offene Version zu entwerfen, entsprechend wurde der C(onvertible)-200 vom K-310 abgeleitet.

Verpasste Chance gegen Thunderbird und Corvette

Und um es gleich vorwegzunehmen: Da es später nie zu einer Serienproduktion kam, verpasste man die gigantische Chance, ein ebenbürtiges Projekt à la Thunderbird oder Corvette auf die Strasse zu bringen. Der C-200 hätte das Zeug dazu gehabt.

Er hatte all die gelungenen Attribute vom K-310 Coupé übernommen, die funktionale und ausserordentlich hübsche Form war praktisch unangetastet. Auch hier sah man  die an einen britischen oder italienischen Sportwagen erinnernden Proportionen mit grossen Rädern, kurzem vorderem und langem hinterem Überhang. Auf Ornamente und schwülstige Formen wurde auf den 5,60 Metern Wagenlänge fast ganz verzichtet. Der Kühlergrill in seiner charakteristischen, abgerundeten Form war sauber eingebettet, die kräftigen Kotflügel unterstrichen die Wichtigkeit der 17“-Chromspeichen-Räder mit Weisswand-Reifen. Niemals wäre es Exner in den Sinn gekommen, diese abzudecken. Radabdeckungen waren damals ein oft verwendetes Stylingelement um mehr Eleganz zu erzeugen.

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Ersatzrad als Stylingelement

Im Heck waren wieder der beliebte „Toilettendeckel“ als Abdruck des Reserverades zwischen den frei hängenden Heckleuchten zu sehen. Bei einer Reifenpanne wurde das Reserverad hydraulisch per Knopfdruck aus dem Kofferraum gehoben und das defekte Rad nach dem Wechsel wieder automatisch verstaut. Der Kofferdeckel konnte dank Gegengewichten in beliebiger Höhe arretiert werden. Es gab kein sichtbares, aussenliegendes Schloss. Dieses war im Fond des Wagens versteckt. Auch die versenkten Türgriffe waren beim C-200 wieder an Bord.

Die Stahlkarosserie wurde von Ghia in Turin auf ein serienmässiges Saratoga-Fahrgestell aufgebaut und in einer Zweifarbenlackierung gefinished. Der Grundkörper war jetzt hellgrün, und die Motorhaube war schwarz und lief grafisch via Fensterbrüstung in das Stoffverdeck über, welches auch geschlossen eine gute Figur machte.

Das Interieur des Sechssitzers wurde farblich angepasst. Das Cockpit war formal sehr schlicht, aber die Instrumente und Schalter waren liebevoll und detailliert gestaltet. Das weisse Lenkrad hatte drei gelochte und verchromte Speichen und einen verchromten Hupring.

Angetrieben wurde C-200 von einem modifizierten Hemi-V8. Nach acht Monaten Bauzeit wurde die Studie am 2. April 1952 im Walldorf Astoria in New York präsentiert.

D’Elegance (1952) als Blaupause für den VW Karmann Ghia

Die PR-Abteilung in Detroit wurde damals nicht müde zu erklären, dass die Ghia-Studien komplett im Detoiter Stylingstudio Highland Park entworfen worden sind. Die Gipsmodelle im 3/8-Massstab (ca. 38% der Originalgrösse) wurden dann zur Weiterentwicklung nach Turin verfrachtet. Allerdings sind die gegenseitige Einflussnahme und das Teamwork unübersehbar.

Ein Beispiel liefert der Chrysler D’Elegance. Hierbei handelte es sich um die Weiterentwicklung des K-310 Coupés und des C-200 Cabriolets für den Pariser Salon 1952. Man überarbeitete das Coupé-Dach komplett. Es war jetzt voluminöser und fliessend mit dem Grundkörper verbunden. Die hintere Panoramascheibe mit der filigranen Dachsäule verschwand. Es kam ein zusätzliches Seitenfenster hinzu, welches zusammen mit dem Türfenster eine harmonische und verrundete Seitenscheibengrafik bildete.

Auf die Zweifarblackierung wurde verzichtet. So war das Auto jetzt bulliger und mehr aus einem Guss. Das interessanteste Feature war aber eine feine Lichtkante im unteren Drittel der Seitenflanken, die in die angedeuteten hinteren Kotflügel überging. Diese Art der Gliederung stellte eine gelungene Mischung aus Klassik und Moderne dar und diente als Vorlage für den VW Karmann-Ghia Typ 14 von 1955 - ein Entwurf des Ghia-Designers Luigi Segre. Es ist naheliegend, dass Segre und Co. auch massgeblich an den Chrysler-Entwürfen mitgewirkt und Exner stilistisch unter die Arme gegriffen haben.

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Zweisitzer auf verkürztem New Yorker-Fahgestell

Als Basis diente ein um 25 cm verkürztes New Yorker-Chassis mit der Nummer 321953. Der D’Elegance mutierte deshalb vom Fünf- zum Zweisitzer. Im Cockpit waren jetzt die wichtigsten Informationen in sechs Rundinstrumenten in einem hervorstehenden Panel zusammengefasst.

Geschaltet wurde das Automatikgetriebe links vom Lenkrad, rechts davon repräsentierte ein Push-Button-Radio den aktuellen Stand der Radiotechnik. Den Antrieb besorgte ein Hemi-Firepower-V8 mit 354 cu in (5800 cm³) und ca. 280 SAE-PS. Die Kraft wurde mittels 3-Gang-Automatikgetriebe auf die blattgefederte Hinterachse übertragen.

Gebremst wurde anfangs rundum mit hydraulischen Trommelbremsen, später wurden Scheibenbremsen nachgerüstet.

Chrysler D’Elegance heute rund eine Million Dollar wert

Auch der Chrysler D’Elegance blieb leider ein Einzelstück. Wenigstens hat das einzige Exemplar überlebt, während die Prototypen K-310 und C-200 wohl nicht mehr existieren.

Der Chrysler D’Elegance gab auch den Startschuss für (je nach Quelle) ca. 25 bis 40 weitere handgebaute Chrysler-Ghia-Specials, die in Turin für betuchte Kunden in unterschiedlichsten Ausführungen gebaut wurden. Geplant war eine Serie von 400 Fahrzeugen. Diese kam aber nie zustande.

Der Chrysler D’Elegance wurde in jüngster Zeit zweimal versteigert: 2006 für 1‘188‘000 und 2011 von RM bei der Monterey-Auktion für 946‘000 Dollar.

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Bild Chrysler D'Elegance (1952) - verkauft an der RM Auction von Monterey 2011 - schön gestaltetes Armaturenbrett
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Quelle:
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