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Chrysler Flight Sweep I und II Ghia - Idea Cars machen bei Chrysler die Heckflosse salonfähig

Erstellt am 24. April 2012
, Leselänge 4min
Text:
Stefan Fritschi
Fotos:
Archiv 
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Wie kaum ein anderer vor ihm beeinflusste Virgil Exner mit seinen zukunftsweisenden Ideen das US-Automobildesign - und dieses wiederum stand nur allzu häufig europäischen Designern Pate.

Allerdings war es in den 50er Jahren genau umgekehrt. Chrysler-Boss K. T. Keller erlaubte der Stylingabteilung, unabhängig und weit weg vom Detroiter Entwicklungsalltag, bei Ghia Turin sogenannte „Idea Cars“ zu bauen. Diese waren stark von den Italienern beeinflusst, obwohl immer wieder betont wurde, dass die Entwürfe im Detroiter Studio entstanden waren und als Gipsmodell im 3/8-Massstab nach Europa verschifft wurden. Die Ergebnisse waren so oder so sehr beeindruckend und brachten ganz neue Impulse ins Chrysler-Design

Weiterentwicklung des “Pure Automobile” zum „Forward Look“: Flight Sweep I und II 1955

1955 wurde aus der Serie der Chrysler-Konzeptfahrzeuge die Modelle Flight Sweep I als Cabrio und die Hardtop-Version als Flight Sweep II der Öffentlichkeit präsentiert. Als Basis diente ein DeSoto-Serienfahrzeug, die Karosserie und das Interieur waren aber ganz neu. Während die vorangegangenen Studien unter dem Oberbegriff „Pure Automobile“ liefen, wurde für Flight Sweep der „Forward Look“ kreiert.

Das Besondere daran waren folgende wichtige Charakteristika: einerseits die sehr gestreckte, leichte Linienführung, die fast ein Vorläufer der Trapezform der 60er Jahre sein könnte. Das Blech wurde vorne und hinten unter den Stossfängern unter dem Fahrzeug optisch weitergeführt.

Andererseits achtete man darauf, dass die Karosserieteile fugenlos und ohne sichtbare Befestigungsmittel direkt auf das Fahrgestell geschweisst wurden. So ergab sich eine ruhige Linienführung ohne Unterbrüche und störende Fugen. Ein riesiger Schritt im Vergleich zu den schwerfälligen und ornamentbepackten Chrysler-Serienfahrzeugen.

Heckflossen auch bei Chrysler

Das Highlight waren aber die Heckflossen, die erstmals auf einem Chrysler-Produkt auftauchten. Es gab sie bereits seit den 30er Jahren in diversen Variationen, und Cadillac hatte sie schon seit 1948 im Programm. Somit folgte nun auch Exner dieser beginnenden Modeströmung, und seine „reine“ Formsprache entwickelte sich ins Verspielte weiter. Exner versuchte, die Flossen technisch zu begründen und machte Tests im Windkanal der Universität Michigan, um den Nutzen solch aerodynamischer Hilfsmittel zu unterstreichen. Allerdings wissen wir heute, dass Heckflossen für eine gute Aerodynamik entbehrlich sind und sie sich später zu veritablen Auswüchsen verselbständigten.

Als Chrysler später schliesslich beim New Yorker des Modelljahres 1962 die Flossen des Vorjahresmodells zu Stummeln stutzte, sprach Exner von einem „gerupften Huhn“. So sehr waren ihm die Flossen als Stilmittel ans Herz gewachsen.

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Viersitziges Cabrio in weiss/rot

Der Flight Sweep I war ein viersitziges Cabrio mit der durchaus vernünftigen Länge von 4,6 Metern. Die Front wies einen harmonischen, abgerundeten Grill auf, der für die Ghia-Exner-Studien typisch wurde. Die Amerikaner nannten ihn „egg crate“, also Eierverpackung. Aus ihm heraus wuchsen zweigeteilte Stossfänger, die sich auch im Heck in ähnlicher Form wiederfanden. Interessant waren über die Scheinwerfer gezogene „Augenlieder“, die für einen aggressiven Blick sorgten und deren Unterkante in einer pfeilgeraden Linie in die Heckflossen führte. Diese waren in der Seitenansicht nur grafisch dargestellt und kaum überhöht. Es war vielmehr der Kofferraumdeckel, der abgesenkt war und die dreidimensionale Wirkung verursachte. In ihm thronte mittig der erwartete „Toilettendeckel“, ein imaginärer Abdruck des Reserverades.

Unter den beiden Teilen der Heckstossfänger sassen links und rechts sehr flache, wegen ihrer Unterteilung an Mundharmonikas erinnernde, Auspuffrohre. Die gebogene Panorama-Frontscheibe hatte einen kräftigen Chromrand, und die Seitenansicht war auch mit geschlossenem (weissem) Verdeck sehr harmonisch und elegant. Ansonsten lebte Flight Sweep I von seiner Schlichtheit und der starken grafischen Wirkung der rot/weissen Lackierung.

Hardtop-Coupé in schwarz/türkis

Die Cabrio-Basis war auch bei Flight Sweep II, dem viersitzigen Hardtop-Coupé, nicht zu übersehen. Die Panoramascheibe wurde hinten wiederholt. Allerdings war sie im Heck dreiteilig. Die Dachsäulen waren alle sehr schlank. Das Ausstellfenster der Türe wurde Trapezförmig ausgeführt. Dadurch hatten alle Säulen und Fensterabschlüsse fast die gleiche Schräge wie die vordere Panoramascheibe, welche so geformt war, dass sie keine rückwärts geneigten Dachpfosten erzeugte. Der Dachaufbau wirkte somit harmonisch, leicht und schlicht. Dies war erneut eine komplette Abkehr von den schweren, rundlichen Dächern der Serien-Chrysler, die sich noch an Vorkriegsmustern festhielten. Die zweifarbige Lackierung betonte immer noch die Länge des Wagens und unterstrich die Heckflossen, war jetzt aber schwarz/türkisgrün.

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Ungewöhnlich voluminöse Mittelkonsole

Die Rundinstrumente waren in einer Reihe quasi schwebend oder zumindest sehr weit vorstehend angeordnet und durch eine Chromleiste miteinander verbunden. Der Grundkörper des Armaturenbrettes wirkte sehr schlicht und gradlinig, das Dreispeichenlenkrad extrem filigran. Das konnte man von dem extrem breiten und hohen Mitteltunnel nicht sagen, der bei amerikanischen Autos unüblich war. Er trennte Fahrer und Beifahrer und nahm das Radio, Heizung/Lüftung, den Schalthebel des Automatikgetriebes und weitere Bedienelemente auf.

Unter der Motorhaube tat sich nichts Aufregendes. Die gesamte technische Basis war aus dem Chrysler-Serienregal übernommen worden: V8-Motor mit 3-Gang-Powerflite-Automatikgetriebe und Heckantrieb. Die Fahrzeuge waren demnach sehr seriennah, wurden auch in Werbefilmen gefahren und auf Messen in den Jahren 1955 und 1956 gezeigt. 

Die gestreckte Linienführung von Flight Sweep I und II löste die rundlichen Formen ab, und Flossen waren ab 1957 bei den verschiedenen Marken des Chrysler-Konzerns serienmässig bis in die 60er Jahre.

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