Die berühmte Modellbezeichnung 300 SL ist das Leitthema von Mercedes-Benz Classic auf der Rétromobile in Paris in Pavillon 1 / Stand Nr. J062. Ein Highlight der Fachmesse ist der selten gezeigte 300 SL Rennsportprototyp (W 194/11) aus der Fahrzeugsammlung des Unternehmens.
"Hobel" nennen die Ingenieure das Einzelstück aufgrund seiner kantigen Front. Sie entwickeln das Fahrzeug für das Motorsportjahr 1953 auf Basis des 300 SL Rennsportwagens, der in der Saison 1952 außerordentlich erfolgreich war. Doch der "Hobel" kommt nie zum Einsatz, weil sich Mercedes-Benz auf den Einstieg in die Formel 1 ab 1954 konzentriert.
Drei Roadster und der "Hobel" an der Rétromobile
Mercedes-Benz Classic bietet gleich drei Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198) auf der Rétromobile in Paris an. Der Supersportwagen ist die offene Ausführung und Nachfolger des 1954 vorgestellten 300 SL Coupé mit seinen berühmten Flügeltüren. Von 1957 bis 1963 fertigte das Werk Sindelfingen lediglich 1858 Exemplare des Roadsters. Zwei der drei Verkaufsfahrzeuge sind von den Fachleuten des Mercedes-Benz Classic Centers restauriert worden. Der dritte Roadster begeistert mit seinem unrestaurierten Zustand und kompletter, originaler Technik. Er ist ein künftiges Restaurierungsprojekt.
Folgende Fahrzeuge werden von Mercedes-Benz Classic auf der Rétromobile 2024 zu sehen sein.
Mercedes-Benz 300 SL Rennsportprototyp "Hobel" (W 194/11), Baujahr 1952 – Ausstellungsfahrzeug
Mit dem Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen (W 194) stieg die Marke im Jahr 1952 äußerst erfolgreich wieder in den internationalen Motorsport ein. Zehn Fahrzeuge werden gebaut. Zu den großen Triumphen gehören Doppelsiege bei den 24 Stunden von Le Mans und der Carrera Panamericana. Ein elftes Fahrzeug der Baureihe W 194 entsteht 1952 als Rennsportprototyp für das Jahr 1953. Im Vergleich zum 300 SL Rennsportwagen ist er in vielen Punkten optimiert. So leistet der Motor dank Benzindirekteinspritzung 158 kW (215 PS). Das sind gut 29 kW (40 PS) mehr als in der ursprünglichen Vergaserversion. Zudem ist das Getriebe an der Hinterachse eingebaut, erstmals eine Eingelenk-Pendelachse eingesetzt, die Kühlluftführung geändert, das Fahrzeuggewicht reduziert sowie das Fahrwerk überarbeitet.
Die geänderte Frontgestaltung mit verringerter Stirnfläche bringt dem Rennsportwagen den Spitznamen "Hobel" ein. Das Einzelstück wird Anfang 1953 fertiggestellt. Doch das Unternehmen beschließt, ab 1954 wieder im Grand-Prix-Sport anzutreten. Diesem Ziel werden alle anderen Motorsportaktivitäten untergeordnet, sodass der "Hobel" nie im Wettbewerb eingesetzt wird. Er liefert aber wichtige Erkenntnisse für den neuen Formel-1-Rennwagen W 196 und ist mit seinem Einspritzmotor eine wichtige Hinführung zum Seriensportwagen 300 SL Coupé (W 198), der ab 1954 gebaut wird.
Der Reihensechszylindermotor des "Hobels" hat übrigens einen Hubraum von 2996 cm3 und leistet 215 PS (158 kW) bei 5800 Umdrehungen. Das reicht für 260 km/h Spitze.
Mercedes-Benz 300 SL Roadster von 1957 sucht neuen Besitzer
Dieser 300 SL Roadster wurde im November 1957 gebaut – zugleich das Premierenjahr dieses offenen Mercedes-Benz Supersportwagens. Er ist graphitgrau (DB 190) lackiert. Diese Farbe ordern über die komplette Produktionszeit des 300 SL Roadsters von 1957 bis 1963 hinweg insgesamt 125 Kunden. Herausragend ist an diesem Fahrzeug die Kombination mit der luxuriösen Innenausstattung aus cremefarbenem Leder. Den Roadster mit höchster Originalität und in vorzüglichem Zustand erwirbt Mercedes-Benz Classic im Jahr 2006. Bis 2017 wird der Sportwagen regelmäßig bei hochrangigen Events und Kundenveranstaltungen eingesetzt.
Im Jahr 2017 beginnt das Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach mit einer umfassenden Werksrestaurierung, die 2023 abgeschlossen wird. Das Fahrzeug befindet sich nun wieder im Auslieferungszustand wie im Jahr 1957.
Mercedes-Benz 300 SL Roadster von 1958 im Angebot
Dieser 300 SL Roadster hat eine außergewöhnliche Historie. Seine Erstbesitzerin bestellte den Wagen in New York. Er besticht durch eine besondere Farbkombination: Die Kundin wählt eine feuerwehrrote Lackierung (DB 543), eine elfenbeinfarbene Lederpolsterung und ein schwarzes Stoffverdeck. Sie fährt den Roadster fast vier Jahrzehnte lang. 1997 geht er in den Besitz ihrer Enkeltochter über.
Die weitere Historie des 300 SL führt über verschiedene Kontinente und Besitzer bis ins Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach bei Stuttgart. Dort erhält er von 2012 bis 2020 eine Werksrestaurierung nach den strengen Maßstäben von Mercedes-Benz Classic. Die rund 3500 Stunden dauernde Restaurierung legt den Schwerpunkt auf den Erhalt der Originalkomponenten. Das Fahrzeug mit "Matching Numbers" befindet sich heute wieder im Zustand von 1958, als die Erstbesitzerin den feuerwehrroten Supersportwagen in New York übernommen hat.
Noch ein Mercedes-Benz 300 SL Roadster zu verkaufen
Diesen im Oktober 1962 produzierten Mercedes-Benz 300 SL übernimmt sein amerikanischer Erstbesitzer im Jahr 1963 persönlich in Sindelfingen. Später gehört der Roadster einem Halter aus Arizona, bevor ihn ein Arzt aus Oklahoma City Anfang der 1970er-Jahre erwirbt. Der neue Besitzer lässt die Karosserie silberfarben lackieren und den Motor komplett überholen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1987 fährt er den Roadster regelmäßig. Anschließend wird der 300 SL sorgfältig aufbewahrt. Mit Unterstützung des Mercedes-Benz Classic Centers Long Beach ist dieses lediglich optisch aufbereitete Fahrzeug nun zum Erwerb verfügbar. Ein Gutachten von Mercedes-Benz Classic belegt, dass sich die technischen Komponenten im Originalzustand befinden: eine ideale Voraussetzung für eine Werksrestaurierung.
Weitere Informationen zu Ausstellung, finden sie auf der Webseite der Rétromobile Paris.















































Kommentare