C'est Paris, die Stadt der Liebe, der französischen Galanterie, der Kunst und Kultur, des grossen Denkens und der Achtung für die lustvollen Momente des Lebens. All dies wird einem beim Betreten des Geländes des Parc d'Exposition an der Porte Versailles zunächst nicht so bewusst. Es begrüssen einem die letzten Reste des ursprünglichen Parks von 1923, erbaut in einer eher wilden Architektur mit Anflügen von Art Déco und einem kolonialen Baustil. So stehen die einstigen Kassahäuschen noch zur Rechten wie zur Linken, während das Publikum der 50. Rétromobile durch den Eingang dazwischen strömte. Da zeitgleich auch eine wichtige Bildungsmesse in der Halle 6 stattfand, mussten die Organisatoren gleich zum Anfang die Menschen auf den richtigen Pfad lotsen.
Für die Rétromobile hiess das, den "Tapis Roulant" zu betreten und gefühlt einen Kilometer auf dem Laufband bis ans andere Ende des Geländes zu fahren/gehen. Jeweils um 10 Uhr öffneten die Tore, und zuvor standen sich stets hunderte wenn nicht gegen tausend Besucher die Füsse platt. Wer in der Menge etwas die Ohren spitzte (und Französisch spricht) konnte etwas die Erwartungen der Besucher erfahren: Sensationen, Supersportwagen, Edelkarossen, aber auch die Befindlichkeiten bei den Clubs und Enthusiasten-Kollegen waren Themen. Gut inszeniert und auf den Sozialen Medien mit Videos schon reichlich abgefeiert, war der Transport des Bugatti Autorail vom nationalen Eisenbahnmuseum Cité des Trains in Mulhouse nach Paris bereits im Vorfeld worden. Entsprechend stand dieser bei vielen ganz zuoberst auf der Liste. Dass ausgerechnet ein Schienenfahrzeug bei den Auto-Enthusiasten soviel Aufmerksamkeit erhält, ist – pikant?
Drei Etagen und eine zweigeteilte Zusatzhalle
Der Eingang führte direkt in die Halle 7, diese verfügt über drei Stockwerke, mit der Etage im Parterre für die institutionellen Aussteller wie besagter Cité du Train und dem Musée Nationale de l'Automobile und den Clubständen. Einige dieser Clubs sind denn sehr treue Weggefährten der Rétromobile, die heuer ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Der 1969 gegründete French Jaguar Drivers Club FJDS etwa war von Anfang an dabei und durfte gleich mitfeiern, wie Vizepräsident Michel Beaurain und Präsident Hugues Lisan nicht ohne Stolz betonten.
Der Jaguar Mk 9 des Präsidenten diente als Eyecatcher in unmittelbarer Nähe des unbestrittenen Highlights der Rétromobile 2026, des Autorail, jenes Triebwagens mit nicht weniger als vier 14-Liter-Achtzylindermotoren, die einst für das Prestigeprojekt Type 41 "Royale" vorgesehen gewesen wären. Jeder rund 200 PS stark und damit eher auf Langlebigkeit denn auf Höchstleistung ausgelegt, vermochte dieser Verbund das Schienenfahrzeug dank Leichtbauweise mit seinen insgesamt 800 PS bereits bei der ersten Probefahrten auf Geschwindigkeiten jenseits von 170 km/h zu beschleunigen. 1934 reichte es einem Bugatti Autorail schliesslich auf der Strecke von Le Mans nach Connerré für 192 km/h. Man mag sich vorstellen, dass es für die ersten Passagiere ein besonderes Erlebnis gewesen sein muss, mit einem Fahrzeug des Grand-Prix-Gewinners und Luxusautoherstellers aus Molsheim unterwegs sein zu können. Zudem befindet sich der Führerstand in der Mitte des Fahrzeuges, der Wagenführer blickt über das Dach des Triebwagens. Damit ist der Blick auf die Strecke für die zuvorderst sitzenden Passagiere unbehindert.
1958 wurden die letzten Autorail aus einer Serie von 88 Stück ausrangiert, bei einem Verbrauch von 40 Litern pro Motor auf 100 Kilometer war der Energieverbrauch im Vergleich zum eher bescheidenen Platzangebot enorm. Zudem boten Dieselfahrzeuge mehr Zugkraft und dank hydraulischer oder elektrischer Kraftübertragung eine höhere Zuverlässigkeit und weniger Verschleiss. Von den Présidentiel, Double, Triple, Court, Allongées und Surallonggées hat nur der XB 1008 Présidentiel der SNCF (ex Etat) überlebt. Normalerweise ist er in Mulhouse ausgestellt.
Les Teuf Teufs in Aktion
Das französische Pendant zum deutschen Schnauferlclub, der 1935 gegründete Club des Teuf Teufs war nicht ganz leicht zu finden, zuhinterst in der Hallenecke. Doch ihre Musik spielte nicht nur in der Halle, sondern ganz besonders auf dem Platz dahinter, wo ein Alcyon von 1905, ein DeDion-Bouton aus etwa demselben Jahr, ein wunderbar patinierter, unrestaurierter Hotelbus der heute nahezu vergessenen Marke Vinot et Deguinand von 1913 und viele weitere ihre Runden drehten.
Molsheim zum Besten
Überhaupt: Bugatti – Die Marke ist und bleibt eine wichtige Grösse im französischen Klassik-Universum. Das Museum in Mulhouse brachte gleich zwei der letzten sieben Grand-Tourer-Bugatti vom Typ 101 mit nach Paris.
Dazu den Typ 32 "Tank" oder den letzten Rennwagen 251 von 1958, ebenso wie den Hoffnungsträger nach dem Zweiten Weltkrieg, den "Volksbugatti" des Typs 73A von 1947. Zwar ist keiner dieser Wagen eine Neuentdeckung, sondern steht seit langem in der Ausstellung des Musée National, der Aufmarsch auf dem gemeinsam geführten Stand der beiden Staatsmuseen – für die Schiene wie die Strasse – aber war enorm.
Doch damit war es mit Bugatti natürlich längst nicht genug. Und in besonderer Erinnerung ist der Stand mit Bugatti-Gebrauchtteilen geblieben. So erstaunlich dies vielleicht klingen mag, aber die gibt es, Edelschrott allerbester Provenienz. Und selbst wenn Zeitzeugen von damals attestieren, dass einst Vorderachsen einfach so auf dem Fabrikgelände herumlagen und vor sich hinrosteten, so ist diese Zeit längst vorbei. Das alte Lager, einst wohlsortiert, ist längst geräumt und trotzdem ist vieles, was heute in den Autos steckt, nachgefertigt. Doch wer das Original sucht, der wird (vielleicht) an der Rétromobile fündig.
Wer dafür keinen Bedarf hat, oder kein entsprechendes Budget, durfte sich wenigstens an der Ästhetik mancher Teile erfreuen. Unweit davon, auf der dritten Etage, war auch der mehr als bescheidene Stand der argentinischen Nachbaukünstler Pur Sang zu finden. Beim Anblick ihres Nachbaus des Bugatti Typ 32 "Tank" muss man sich fragen, ob in Paranà, der Stadt am Ufer des gleichnamigen Flusses wo die Firma beheimatet ist, die Arbeiter jeweils gewisse Teile nach Feierabend mit nach Hause nehmen und benutzen müssen, damit sie die richtige Patina erhalten.
Der Nachbau-Tank glänzt beispielsweise mit rostigen Schrauben, Griffspuren auf dem Lack oder richtig schön eingesessenen Sitzkissen. Man muss eingestehen, in der Disziplin des Faksimile sind die Argentinier Weltmeister.
Und wir sind gespant wann wie zum ersten Mal wieder einen "Tank" erleben dürfen, der über eine Rennstrecke fliegt, dies im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Flügelform der aerodynamischen Karosserie gereichte dem wagemutigen Auto nicht zum Erfolg, im Gegenteil, jenseits von 160 km/h tendierte der direkte Vorgänger des T35 zum Abheben…
Hübsch war das Display des Bugatti-Clubs, für einmal eine Sammlung eher früher Automobile der Marke und, sehr erfreulich, äusserst zugänglich und ohne Kordeln, Absperrungen und dergleichen.
Doch wir sind etwas vorausgeeilt, denn dieser hatte den dritten Stock ausgewählt. Darum nochmals zurück auf Etage 1. Auffällig ist, dass es offenbar an der Rétromobile keine Preise für den besten Clubstand zu gewinnen gibt, folglich bleiben einem die bemühten Scheunenfunde mit Strohballen und Plastikhuhn auf den Autos erspart.
Die Auftritte sind vielmehr sachlich, meist mit einigen wenigen, aussagekräftigen Autos begleitet und ganz wichtig: Wein, Wurst, Käse und Baguette. Wer mittags durch die Clubstände schlenderte, tat dies am besten bereits gesättigt, die entsprechenden Düfte waren zu verlockend.
Rallye-Sonderausstellung
Eine wirklich hübsche Ecke hat 2026 die Rétromobile dem Goldenen Zeitalter des Rallyesports gewidmet. In "L'age d'Or du Rallye" präsentierten sich die Rallye-Perlen aus den Firmenmuseen und von Privatleuten, alles Originale wie die Lancia Stratos, 037 oder Delta S4, die Peugeot 205 Turbo 16 aber auch einer jener Minis, welcher bei der Monte 1966 unter fadenscheinigen Vorwänden disqualifiziert worden war.
Wo die Organisatoren derweil das goldene Rallyezeitalter sahen, wurde schnell klar: Zwischen der Zeit, als sich das Rallyefahren vom gepflegten Sport für kravattierte Herrenfahrer weg zu einer Veranstaltung für Linksbremser, Driftkünstlern und Haudegen entwickelte – und der Epoche der Gruppe B und der Zeit unmittelbar danach: Mit Toyota Celicas, dem Lancia Delta HF Integrale und weiteren. Damit kann man einig gehen.
Rétro statt Salon d'Auto?
So richtig Luft im Salon d'Automobile in Paris steckt ja auch keine mehr, bei der letzten Austragung 2024 waren – am selben Ort wie die Rétromobile abgehalten – etwa 40 Marken anwesend, davon viele Chinesen. So wirkliche Lust ist da kaum aufgekommen. Ganz anders sieht es da auf dem Stock der grossen Marken an der Rétromobile aus. Von Alfa Romeo bis Volkswagen haben zahlreiche Hersteller keinen Aufwand gescheut, dem Publikum der grössten Klassikmesse Frankreichs zu beweisen, wie sie mit ihrer Vergangenheit verbunden sind, um ihre Zukunft zu gestalten.
Volkswagen, vertreten durch den französischen Importeur, feierte die 50 Jahre des Golf GTI mit einem Exemplar jeder Generation und einer Premiere, dem noch getarnten Nachfolger des ID.3, dem vollelektrischen ID Polo, wiederum als GTI. Das unsägliche Kürzel GTX wird wieder in der Versenkung verschwinden, was wohl kaum jemand bedauern wird.
Erfreulich war, dass die Verantwortlichen des VW-Auftritts nicht einfach auf den Fundus der Werks in Wolfsburg zurückgegriffen haben, sondern unter den Kunden ihres Vertreternetzwerks entsprechende Autos gesucht.
So standen in Paris nicht kaum benutzte, feingeleckte Showfahrzeuge, sondern authentische, mit einigen Gebrauchsspuren versehene Liebhaberstücke. Durch einen QR Code liessen sich die Geschichten, von den Besitzern selbst erzählt, in Form von Videos anschauen.
Wer also sich zunächst gewundert hat, warum der Golf I GTI ein Modell der 2. Serie von 1981 war und nicht ganz perfekt, erhielt in einem Video vom Besitzer folgendes erzählt: Seit 25 Jahren fährt François sein Auto, von dem er seit seiner Kindheit träumte. Der GTI, das war für ihn schon immer der Golf – Punkt!
Bei Peugeot dürfte man dies etwas anders sehen, denn die Mannschaft aus Sochaux brachte die gesamte Modellpalette ihrer eigenen Interpretationen eines GTIs mit nach Paris, angefangen – natürlich – bei der "Sacré Numéro", dem 205 GTI. Der Anlass dazu war allerdings keineswegs, um den Wolfsburgern zu zeigen, dass man auch in Frankreich auf hervorragende Weise "GTI" kann und konnte, sondern um dem heimischen Publikum den neuen 208 GTI zu präsentieren.
Dies schein bestens geklappt zu haben, der Stand war stets dicht besucht. Das mag allerdings bei der durchs Band eher älteren, männlichen Besucherschaft der Tage 1 und 2 der Rétromobile an dem Erinnerungseffekt an ihre eigene Jugend liegen, als ein 205 GTI das höchste der Gefühle war.
Auch Renault widmete ihr Stand einer "Citadine", wie die Franzosen sagen, einem Kompaktwagen. Dies ist 2026, in Brüssel erstmals vorgestellt, natürlich der neue Clio, der traditionelle Verbrenner im Verbund der rein elektrischen Renault 5 und 4. Auch hier durfte jede Modellgeneration vor dem Neuling auf dem Drehteller Spalier stehen. Zudem brachte Renault ihr ganzes Arsenal an Mechandise mit. Und auch das Klassikprogramm "Renault - The Originals", das letztes Jahr vorgestellt worden war, erfuhr einen weiteren Ausbau mit Teilen und Support. Dies in Form von weiteren Betrieben aus dem Händlernetzwerk, die sich für Service und Reparaturen an älteren Renault-Modellen zur Verfügung stellen.
Neuerdings verlinkt Renault auch Websites freier Händler und Teilespezialisten. Statt wie andere Hersteller, auf Lizenzen und verquere Markenrechtsfragen zu pochen, führt einem Renault direkt zu den Quellen, selbst wenn diese von anderswo sprudeln. Offenbar hat man erkannt, dass jedes Auto, das mit dem Rombus am Kühler fährt, als ein weiterer Zeitzeuge für die eigene Markengeschichte spricht – egal ob es von einem Konzessionär oder einem unabhängigen Garagisten gewartet oder restauriert wurde.
Auch Honda nutze die Gunst der Rétromobile, um mit einem Verweis auf die Vergangenheit einen Neuwagen auszustellen: Den wiederauferstandenen Prélude. Immerhin scheint man sich bewusst, dass die Verwendung eines historischen Namens eine gewisse Verpflichtung ist, sich um die eigene Vergangenheit zu kümmern. Und im Vergleich mit anderen Herstellern hat Honda den alten Namen für ein Auto wiederverwendet, das tatsächlich in der Tradition seiner Vorgänger steht. Da könnte sich ein Kölner Hersteller mit amerikanischem Hintergrund ein Beispiel daran nehmen.
Mazda wiederum brachte das Familiensilber mit an die Rétromobile. Das Thema hier war – kaum erstaunlich – der Kreiskolbenmotor! Wenn einst die Marke aus Hiroshima als gar exotisch angesehen wurde, so zeigt sich, wie vorbehaltlos positiv sich die Japaner heute in die Fülle der Klassiker eingliedern lassen.
Der Mazda-Cosmo-Sport geniesst beispielsweise eine Aufmerksamkeit, die sich unter den Sportwagen der 1960er-Jahre sehen lässt. Vergleicht man gar die geringe Verbreitung des Autos mit dessen grosser Bekanntheit, dann liegt der Pionier des Zweischeiben-Wankelmotors gar in den Spitzenrängen.
Bei Citroën lag der Fokus auf den einstigen Stars der Automessen, die Concept-Cars gaben hier den Ton an. Und neben dem TPV, dem 2CV-Vorgänger aus dem Bureau d'Etudes standen da auch die (oder der) Karin, der Cactus oder der C10 von 1956. Diese Skurilität vom Zeichenbrett des Chefentwicklers André Lefébvre sollte als Leichtfahrzeug vier Personen und Gepäck mit rund 100 km/h transportieren.
Um dies mit der Antriebseinheit des 2CV AZ mit 425 cm3 Hubraum und 12 PS zu erreichen, sollte der Wagen eine optimale, aerodynamische Form haben. Kurz darauf, der C10 war der letzte Prototyp des Projekts "C", entschied man sich am Quai du Javel jedoch für den Wagen, aus dem 1961 der AMI 6 werden sollte. Der einzige überlebende Prototyp wanderte in die Werkssammlung, das Conservatiore Citroën, von wo er bereits 2014 schon einmal an die Rétromobile gebracht und öffentlich gezeigt wurde.
Porsche gab sich 2026 relativ bescheiden, die ausgestellten Wagen – darf man das so sagen – waren eher von zweitklassiger Bedeutung. Am meisten Sexappeal brachte da jedoch der 924 GTR Rennwagen von 1982.
Bei Mercedes lag der Fokus auf der Mille Miglia, dass dazu ein 300 SLR notwendig ist, versteht sich von selbst. Eine hübsche Gegenüberstelltung bildete dazu der 220 S, der ebenfalls Mille-tauglich ist.
Geklotzt, statt gekleckert hat derweil die generische Marke DS Automobiles, die sich als Hüterin des Erbes der legendären DS und SM sieht. Das Thema dieses Jahr waren die Wagen der französischen Präsidenten, von De Gaulle bis Macron.
Star hier war sicher die DS Présidentielle, das Riesenauto von Karossier Chapron für den General – das dieser hasste weil sich die Trennscheibe nicht senken liess – und der verlängerte, offene SM für Georges Pompidou, der auch seinen Nachfolgern Giscard d'Estaing und Mitterand für repräsentative Zwecke gedient hat.
Im Zentrum der Ausstellung aber stand die aktuelle Wahl des Amtsinhabers Emmanuel Macron, ein DS Automobiles DS No8 Électrique – eine "bagnole écolo", wie mancher Besucher der Rétromobile es nannte. Wir schweigen uns dazu, neutral wie wir sind, aus.
Motorsport, auch das ein Grund zum Feiern
Auch Skoda beehrte die Rétromobile, hier mit dem vollen Werkssupport und einigen Highlights aus der Sammlung wie dem hochdrehenden, roten Renner der 1950er-Jahre, dem Škoda 1101 OHC von 1957. Der Elfhunderter leistet über 90 PS. Wäre dieses Auto im Westen entwickelt und gebaut worden, wäre Skoda heute vielleicht eine ausgeprägte Sportwagenmarke. So oder so aber feiern die Tschechen aus Mladà Boleslav heuer 125 Jahre Motorsport – angefangen mit einem Sieg bei einem Motorradrennen 1901 mit einer Laurin & Klement. Grund genug, dies an der Rétromobile in den Mittelpunkt zu stellen.
Sehr passend zum Charakter der Rétromobile war auch der Auftritt von BMW. Ohne viele Nebenbotschaften, Neuwagenbegleitungen und andere ablenkenden Elemente brachten die Bayern ihre Art-Cars nach Paris.
Jedes von ihnen ist beileibe nicht unbekannt, kaum eine andere Sammlung bunter Autos hatte seit der Lancierung der Serie vor 50 Jahren eine so hohe Medienpräsenz. Doch die Wagen für einmal eins-zu-eins betrachten zu dürfen, hatte definitiv seinen Reiz.
Das gilt ganz besonders für den M1 von Andy Warhol, dem mit Abstand wohl teuersten Auto der ganzen Rétromobile – allerdings nicht auf dem Oldtimer-, sondern auf dem Kunstmarkt wo dieser BMW M1 auf weit über 100 Millionen Euro geschätzt wird.
Gut, teuer, edel
Dass Autos und Uhren gut zusammenpassen, ist kein Geheimnis, dass manche Uhrenmarken eine besondere Beziehung zum klassischen Automobil pflegen, auch nicht. So zeigte Chopard eine neue Uhr, die in Zusammenarbeit mit Zagato entstanden ist. Das Thema war: Leichtbau.
Und quasi im Vorgarten des eindrücklichen Standes, präsentierten sich Automobile des Karosserieschneiders aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Auch Richard Mille liess sich nicht lumpen und zeigte ausschliesslich Rennwagen des Hauses Ferrari, darunter auch den 250 LM, der im vergangenen Jahr an der RM Sotheby's Paris-Auktion als Lot 262 aus dem Fundus des Museums von Indianapolis wieder unter die Leute gebracht worden war.
Allzu weit brauchte das Haus in Les Breuleux im Schweizer Jura die Fühler nicht auszustrecken, das Auto mit Chassisnummer 5893 von 1964 hat sich für 34'880'000 Euro Philippe Guenat gegönnt, der Geschäftspartner von Richard Mille. Erfreulich unberührt, gehörte der Siegerwagen von Le Mans 1965 (Masten Gregory/Jochen Rindt) ganz gewiss zu einem der Highlights der Rétromobile.
Ganz gross mit klassischen Ferrari trumpfte auch Girardo & Co auf, vor lauter Edelfahrzeugen hätte auch der Eindruck entstehen können, Wagen wie diese stünden im richtigen Leben an jeder Strassenecke. Über die Versicherungssummen mag man sich gar keine Gedanken machen, dafür wurde hier wirklich etwas geboten für des Eintrittsgeld – falls man auf diesem Stand überhaupt über solche Profanitäten wie Geld hat sprechen dürfen.
Ob die Behauptung von Simon Kidston stimmte, er habe grössere Mengen Originalsand für das Display seines Aston Martin DBS Vantage aus dem Bond-Film: "Im Geheimdienst ihrer Majestät" herangeschafft, wollten und konnten wir nicht kontrollieren. Eindrücklich war sein Stand, wie jedes Jahr, alleweil. Zudem feiert der von Genf aus operierende Händler, der sich auch schon mit den Worten: "Hi, my Name is Simon Kidston, I can sell you a Ferrari 250 GTO", vorgestellt hat, sein 20-jähriges Geschäftsjubiläum.
Angenehm bescheidener, aber sicher nicht schlechter sortiert und flächenmässig eindeutig grösser, war der Gemeinschaftsstand von Niki Hasler und Lukas Hüni, dem Basler und dem Zürcher Händler exklusiver Klassiker. Hier hatten wir Gelegenheit für ein kurzes Wort mit Peter Schetty, dem ehemaligen Rennfahrer, Europameister und Ferrari-Testfahrer und Rennleiter.
Nicht unerwähnt lassen darf man die drei prächtigen Talbot-Lago T26 Grand Sport auf dem Stand von Axel Schuette. Dass die drei Coupés, karossiert von Figoni et Falaschi, Saoutchik und Antem, so zusammenstanden, gehört wirklich zu den Höhepunkten dieser Rétromobile.
Womit uns nebst der Fülle an höchstklassigen Autos auch eine weitere Eigenheit der Rétromobile wieder bewusst wurde: Sie ist einer der wichtigen Treffpunkte für die Hauptprotagonisten der Klassik-Welt. Damit ist es auch kein Zufall, wenn einem hier Richard Hammond (ex Top Gear) oder dort Jacky Ickx begegnen. Die Rétromobile ist damit einer der "Places-to-be" in Europa.
In Minderwertigkeitskomplexe braucht derweil niemand zu verfallen. Klar, manche Frage nach dem Preis kann man sich zwar sparen, im Wissen darum, dass hier teilweise in einer anderen Liga gespielt wird. Aber für all jene, die für Lohn arbeiten und tatsächlich in der Absicht nach Paris gekommen sind, mit weniger Geld, dafür einer Ergänzung ihrer Sammlung – Auto, Teile, Automobilia, Modell oder Kunst – nach Hausse zu kommen, gab es Hoffnung in Form der Halle 4.
Au bon Marché in der billig-Halle?
Zumindest am Mittwoch war der Unterschied allzu augenfällig zwischen der glamourösen, bestens ausgeleuchteten Halle 7 und der Budget-orientierten Halle 4. Das Licht war etwas gar schummrig am ersten, vollen Messetag. Danach wurde vermutlich vom Putzlicht auch in der 4 auf die volle Beleuchtung umgestellt. Autos unter 30'000 Euro versprachen die Organisatoren, und so gab sich das Angebot hier denn auch wesentlich volkstümlicher. Persönliches Highlight der beiden anwesenden Zischengas-Redaktoren war ein nahezu perfekter Renault 14 für etwas über 8000 Euro.
Der Wagen war, in einem einzigen Exemplar gezeigt, zudem exklusiver als – sagen wir: ein Ferrari 250LM! – der in Paris in doppelter Zahl zu finden war.
Schnäppchen aber macht man an der Rétromobile kaum, diese Chance lag bei den nicht weniger als vier im Umfeld der Messe stattfindenden Auktionen wesentlich höher. Dazu später.
Von Kraut und Rüben lokaler Teilemärkte weit entfernt, zeigte sich das Gros der angebotenen Klassiker mit einer selbstbewussten bis kühnen Preisvorstellung. Und wer auf die immer zu verdächtigenden 2CV, 4CV, Dauphine, 4L, DS, Traction, 203, 403, Frégate oder auch Dyna, Dyna Z oder 17PL, Aronde oder Ariane gesetzt hat, wurde in gewisser Hinsicht enttäuscht.
Die französischen Standardklassiker der späten 1940er, der 1950er und 1960er-Jahre sind auf dem Rückzug. Interesse findet ein Renault 25 Baccara, ein Peugeot 205 und dergleichen. Aufgefallen ist aber auch ein unrestaurierter Vignale Samantha – in der Halle 4 definitiv einer der Exoten.
Die Show in der Show – Ultimate Supercar Garage
Wer es durch diese Halle hindurch geschafft hat, landete in einer Grauzone, deren Missinterpretation leicht in Konfusion hätte enden können. Denn einerseits führte an der Stirnseite ein Ausgang in die benachbarte Ausstellung, der "Ultimate Supercar Garage", andererseits war auch der Ausgang hier zu finden.
Und dieser war endgültig. Bei einem Eintrittspreis von über 20 Euro ist es etwas fragwürdig, dass kein Stempel oder dergleichen angeboten wird, so dass man zum etwas Luft holen oder für ein ruhigeres Mittagessen, das Gelände hätte verlassen können. Noch irritierender aber war, dass eine Halle, die vollständig von Neuwagenanbietern besetzt war, eben jene der Supercars, nicht im Eintritt der Rétromobile mit integriert wurde.
Weitere 21 Euro waren fällig, wenn sich jemand zum bereits gekauften Réro-Billet auch noch ein Supercar-Ticket hat kaufen wollen. Sei es drum, die gezeigten Wagen, auch einige, bei denen erstmal ein Griff zum Handy nötig war und eine Recherche bei Google, um überhaupt eine Übersicht zu gewinnen, um was es sich da genau handelt, waren ihr Geld definitiv wert. Und sie wurden in einem grosszügigen Setup gezeigt, dass an die einstigen beliebten Autosalons erinnerte. Und gewiss ist, dass das Gastronomieangebot hier wesentlich weniger überlaufen war, als drüben in der Halle 7. Und immerhin liessen einem die Türsteher von hier auch wieder unbehelligt in den Hallen der Rétromobile wechseln, besonders dann, wenn einem vor lauter PS und Endgeschwindigkeit die Ohren wackelten und die Knie zitterten.
Grosse Rochade bei den Versteigerungen
Vier Versteigerungen rund um die Rétromobile fanden 2026 statt – mit komplett neu gemischten Karten. Artcurial wurde ausgebootet, und erstmals trat Gooding Christie's als offizielles Auktionshaus der Rétromobile an. Dies scheint sich gelohnt zu haben, mit einer Verkaufsquote von 80 Prozent konnte David Gooding sicherlich zufrieden sein.
Artcurial indes musste ins Hotel Peninsula ausweichen und verkaufte hier 60 Prozent der angebotenen Autos. Der unrestaurierte, schwarze Mercedes-Benz 300 SL war aber eines der Highlights dieses Jahr in Paris.
RM Sotheby's gastierte wiederum im Louvre und konnte wie Gooding ebenfalls mit einer Verkaufsquote von 80 Prozent aufwarten.
Und Bonhams schliesslich bot im Polo de Paris 67 Fahrzeuge, insbesondere aber Autos aus der schlafenden Strinati-Sammlung an und konnte sogar 82 Prozent der Lots an den Mann oder die Frau bringen.
Ein halbes Jahrhundert klassische Automobile
Mit der Jubiläumsausgabe der Rétromobile zeigten sich doch recht deutlich, wie sich die französische Klassikszene an jene Europas angepasst hat. Von einem französischen Schwerpunkt bei den Automobilen und Marken ist man in Paris längst abgekommen und gibt sich international. Das gilt besonders für die hochpreisigen Wagen.
Dennoch ist ihr ein kaum zu beschreibender Charme geblieben. Dazu gehört vielleicht auch ein gewisses Chaos, das jeweils nonchalant hingenommen wird, etwa die seltsame Handhabe der Eintritte oder das Gefühl, angesichts der herrschenden Bauarbeiten auf dem Gelände, dass man durch einen Nebeneingang in die Hallen geführt wurde. Das Gewirr von Absperrgittern vor und zwischen den Hallen half da auch nicht weiter.
Einmal in den Hallen angekommen aber, machte sich auch 2026 diese Ruhe breit, trotz allen Gewusels der vielen Besucherinnen und Besucher. Wie die Messeorganisation verlautbaren liess, haben 181'500 Personen die Jubiläums-Rétromobile besucht. Das ist ein neuer Rekord. Dennoch hatte man nirgendwo den Eindruck, dass einem etwas durch die Lappen gehe, dass man etwas verpasse. Von allem gab es genug, und wenn einem hier die Sicht gerade versperrt blieb, war gewiss gleich daneben ein anderes Highlight zu sehen. Allerdings sind die Organisatoren bemüht, gewisse Änderungen bezüglich den Zugängen und der Wegführung zu machen: "Un plan d'actions est d'ores et déjà à l'étude pour vous accueillir dans les meilleures conditions l'année prochaine." Ein Aktionsplan sei bereits in Ausarbeitung, damit man das nächste Jahr die Besucher unter den allerbesten Bedingungen empfangen könne.
Und wer sich für Modelle, Automobilia oder Kunst interessierte, fand immer etwas Zeit von den Händlern. Wer hingegen auf jemanden traf, der gerade in einem Gespräch vertieft war, ging einfach einige Schritte weiter und wartete. Dies im Wissen, dass man ihm, sobald er an der Reihe war, ähnlich viel Zeit und Aufmerksamkeit schenken würde.
Stichwort Aufmerksamkeit: Gewiss sind sie auch in Paris mittlerweile in grosser Zahl anwesend, die Influencer und Youtuber. Aber gemessen an der Menge von Enthusiasten, wahren Liebhabern und ernsthaft Interessierten sind sie noch immer eine Marginalie. Und so kommt es, dass selbst in dichtem Gedränge jemand kurz innehält und den Platz freihält, wenn man ein Bild eines Autos oder Objekts schiessen will. Aber vielleicht ist das auch nur die gute, alte Schule, die an der Rétromobile noch besonders gepflegt wird.
P.S. Wer es nicht schaffte, nach Paris zu fahren, kann sich mit den über 400 Fotos in der umfassenden Bildergalerie auf einen virtuellen Messebesuch begeben.








































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































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