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Countach und LM 002: der V12 von Lamborghini zeigt sich als wahrer Alleskönner

Erstellt am 1. August 2022
, Leselänge 6min
Text:
Lamborghini / Werk
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Lamborghini Countach LP500 (1971) - neben einem Fluss
Lamborghini Countach LP 500 GT (1971) - Der Prototyp von Meister Berone wirkt auf dem Genfer Autosalon elegant und stimmig
Lamborghini Countach (1971) - die nach vorne und oben öffnenden Türen waren von Anfang an vorgesehen
Lamborghini Countach LP500 (1971) - wiederentstanden, weil der originale Prototyp bei einem Crashtest zerstört wurde - Rétromobile Paris 2022
Lamborghini Countach LP 400 (1976) - ein Keil mit Flügeltüren
Lamborghini Countach LP 400 (1976) - keilförmiger war keiner

2022 feiert Lamborghini seinen V12. Der legendäre Zwölfzylindermotor hat fast 60 Jahre lang die schnellsten und besondersten Modelle des Autobauers aus Sant’Agata Bolognese geziert. Ende 2022 wird er in seiner letzten Entwicklungsstufe als reiner Verbrennungsmotor im Aventador Ultimae vom Band laufen.
Zu diesen Modellen zählt der Countach, eines der ikonischsten Modelle der Automobilgeschichte. Er wurde 1971 präsentiert und in 1999 (+1) von 1973 bis 1990 produziert.

Aber auch der LM 002, der als erster massengefertigter Hochleistungsgeländewagen in die Geschichte einging, zählt dazu. Das von 1986 bis 1993 in 300 Exemplaren gefertigte Fahrzeug hat es geschafft, die Leistung und den Fahrspaß eines Gran Turismo auch abseits der Straße zu bieten.

Countach, eine automobile Legende, die es weltweit auf Poster geschafft hat

Schon vor seiner offiziellen Präsentation auf dem Genfer Autosalon im März 1971 begeisterte der LP 500 die Welt mit seinem extremen, futuristischen Auftritt. Tatsächlich wurde der aus dem piemontesischen Dialekt stammende Ausruf „Countach“, mit dem die Außergewöhnlichkeit des soeben Gesehenen betont wird, erst wenige Tage vor der offiziellen Präsentation Teil des Modellnamens. Ein Techniker von Carrozzeria Bertone äußerte ihn, nachdem er das Fahrzeug in der Produktion gesehen hatte und sein Erstaunen über die außergewöhnliche Optik nicht zurückhalten konnte.

Bild Lamborghini Countach LP500 (1971) - neben einem Fluss
Lamborghini Countach LP500 (1971) - neben einem Fluss

Das Modell wurde als „Idea Car“ präsentiert, um herauszufinden, ob die Öffentlichkeit an einem derart fortschrittlichen und extremen Fahrzeug Interesse hat. Es war mit dem 60-Grad-V12-Motor ausgestattet, der bereits in den Lamborghini-Vorgängermodellen mit quer eingebautem Mittelmotor eine glänzende Figur abgegeben hatte. Diesmal wurde der Motor jedoch längs in Mittelposition eingebaut – eine neue technische Lösung von Lamborghini. Indes wurde der Hubraum von den gewohnten vier Litern auf etwa fünf Liter (4971 cm3) vergrößert, um eine Leistung von 440 PS zu erreichen.

Bild Lamborghini Countach LP 500 GT (1971) - Der Prototyp von Meister Berone wirkt auf dem Genfer Autosalon elegant und stimmig
Lamborghini Countach LP 500 GT (1971) - Der Prototyp von Meister Berone wirkt auf dem Genfer Autosalon elegant und stimmig

Der LP 500 war so erfolgreich, dass sich Ferruccio Lamborghini noch vor Ende des Autosalons dazu entschieden hatte, das Modell in Serie zu produzieren. Er blieb ein Unikat, das im Rahmen der materialaufreibenden, von Testfahrer Bob Wallace durchgeführten Straßentests in den nächsten drei Jahren mehrmals modifiziert wurde. Anschließend wurde er bei den für die Typenzulassung erforderlichen Crashtests am 21. März 1974 zerstört.

Der erste Serien-Countach

Aus den Erkenntnissen des LP 500 entstand schließlich der LP 400 mit 375 PS und 8000 U/min, der Ende 1973 in Produktion ging und mit dem traditionellen Vierlitermotor ausgestattet war. Aufgrund des Tunnels in der Dachpartie, der zur Verbesserung der Sicht über den Rückspiegel diente, ist das Modell heute unter dem Beinamen „Periscopio“ bekannt.

Bild Lamborghini Countach LP 400 (1975) - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2012 - Kategorie 'G - La Dolce Vita'
Lamborghini Countach LP 400 (1975) - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2012 - Kategorie 'G - La Dolce Vita'

Nach 152 produzierten Exemplaren wurde der Countach LP 400 1978 vom LP 400 S abgelöst und erhielt die ausgereiftere Form, die ihn in den nächsten zwölf Jahren charakterisierte. Der „S“ brachte Modifikationen an Rahmen und Fahrwerk für die optimale Funktion der damals brandneuen Pirelli-P7-Niederquerschnittsreifen sowie einige optische Änderungen mit sich. Um die neuen, größeren Bremsen und die breiteren Reifen aufzunehmen, wurden Radlaufblenden nötig, während die höhere Leistung einen aerodynamischeren Frontspoiler erforderlich machte. Manche Enthusiasten fügten dann auch einen Heckflügel hinzu, um das Aerodynamikpaket abzurunden.

Auf dem Highway ist die Hölle los

Just ein LP 400 S von 1979 feierte 1981 als Hauptdarsteller im Film „Auf dem Highway ist die Hölle los“ sein Debüt auf der Großleinwand. Ab diesem Zeitpunkt hielt der Countach Einzug in die Zimmer von Jugendlichen weltweit und zierte als Lieblingsposter einer ganzen Generation die Wände.

Die Countach-Modelle mit Fünflitermotor

Nach 235 produzierten Exemplaren wurde der 400 S im Jahr 1982 vom LP 5000 S abgelöst. Dieser war nach wie vor mit dem legendären V12 ausgestattet, der aber auf 4,8 Liter (4754 cm3) vergrößert wurde und 375 PS bei 7000 U/min leistete.

Nach 323 bis 1984 produzierten Exemplaren folgte der Quattrovalvole, der für viele die gelungenste Kombination aus Ästhetik, Leistung, Zuverlässigkeit und Komfort darstellt. Der V12 wurde nicht nur mit vier Ventilen pro Zylinder ausgestattet; auch sein Hubraum wurde auf 5,1 Liter (5167 cm3) für eine maximale Leistung von 455 PS bei 7000 U/min erweitert.

Bild Lamborghini Countach 5000 Quattrovalvole (1985) - kein Kind der Flower-Power-Generation
Lamborghini Countach 5000 Quattrovalvole (1985) - kein Kind der Flower-Power-Generation

Der Quattrovalvole war die erste Version, die in den USA offiziell zugelassen und importiert wurde, wobei jedoch die Vergaser durch eine elektronische Einspritzanlage ersetzt wurden. Die Erschließung dieses neuen Marktes ermöglichte neue Absatzvolumina.

Bild Lamborghini Countach 5000 Quattrovalvole (1985) - Scherentüren als Attraktion
Lamborghini Countach 5000 Quattrovalvole (1985) - Scherentüren als Attraktion

Der Quattrovalvole wurde bis 1988 in 631 Einheiten produziert, bevor er vom Countach 25 Anniversario abgelöst wurde, der seinen Namen zur Feier des 25-jährigen Jubiläums der Gründung von Automobili Lamborghini trägt.

Bild Lamborghini Countach 25 Annviersario (1990) - der letztgebaute dieses Typs
Lamborghini Countach 25 Annviersario (1990) - der letztgebaute dieses Typs

Der 25 Anniversario behielt die Mechanik des Quattrovalvole bei, zeichnete sich aber durch eine verbesserte Aerodynamik, einige Karosserieteile aus Verbundmaterial sowie ein luxuriöseres Interieur aus. Erstaunlicherweise war der 25 Anniversario mit 658 Exemplaren die meistproduzierte Serie – ein Beweis für die Exzellenz des Countach-Designs, das selbst nach 17 Produktionsjahren noch innovativ war.

Der letzte Countach in Grigio Metallizzato (Metallic-Grau) mit grauem Interieur lief am 4. Juli 1990 vom Band und wanderte direkt ins MUDETEC, das Museum des Autobauers aus Sant’Agata Bolognese.

Die Magie der 1999 + 1

Falls Sie sich immer noch wundern, warum 1999 + 1 Exemplare produziert wurden, ist die Antwort einfach: Der erste von Bertone gefertigte LP 500 hatte keine Fahrgestellnummer von Lamborghini, sondern eine von Bertone. Offiziell ist daher der 1973 produzierte LP 400 mit Fahrgestellnummer 1120001 der erste Countach. Er wurde erst rot und anschließend neu in Grün lackiert und wies mehrere ästhetische Unterschiede zu den nachfolgenden Fahrzeugen auf.

LM 002, der Lamborghini (nicht nur) fürs Gelände

Während der „Countach-Jahre“ erkannte die Geschäftsleitung das Marktpotenzial eines leistungsstarken Geländewagens mit Luxusausstattung. Der LM 002 nutzt die Mechanik des Countach-Motors in der 5,2-Liter-Version mit um 20 PS reduzierter Leistung, um Probleme bei der Nutzung weniger raffinierten Kraftstoffs zu vermeiden. Der Motor wurde um 180 Grad gedreht längs in der Front verbaut. Anschließend kam eine Allrad-Kraftübertragung mit Zentraldifferenzial und Untersetzungsgetriebe hinzu.

Bild Lamborghini Countach 25 Annviersario (1990) - zwei Autos, ein Motor - links der LM002
Lamborghini Countach 25 Annviersario (1990) - zwei Autos, ein Motor - links der LM002

Wie der Countach baute der LM 002 auf einem Rohrrahmen auf, was ein völliges Novum für einen Geländewagen darstellte – normalerweise waren diese Rennfahrzeugen oder den ausgefeiltesten Sportwagen vorbehalten. So wurde ein außergewöhnliches Auto geboren, das es auf der Autobahn mit einer Sportlimousine aufnehmen und selbst in anspruchsvollstem Gelände bestehen konnte.

Bild Lamborghini LM002 (1988) - Eleganz war hier nicht gefragt
Lamborghini LM002 (1988) - Eleganz war hier nicht gefragt

Damit ist der LM 002 das Fahrzeug, welches den Weg für den Sport-SUV-Markt ebnete, und der – zumindest geistige – Urvater des heutigen Lamborghini Urus. Er wurde in nahezu gleicher Stückzahl zuerst mit Vergasern und anschließend mit Einspritzung produziert, die man leicht anhand des „Höckers“ auf der Motorhaube unterscheiden konnte: Bei den Vergasermodellen fällt er deutlich ausgeprägter aus.

LM 002 und jede Menge Kuriositäten

Ein Exemplar des LM 002 wurde mit einem 700 PS starken V12-Motor mit 7,2 Litern Hubraum ausgestattet, der normalerweise in Hochseeschiffen eingesetzt wurde. Ein anderes wurde unter der technischen Aufsicht des ehemaligen Rallye-Weltmeisters Sandro Munari auf Langstreckenrennen in der Wüste ausgelegt.

Um den LM 002 ranken sich zahlreiche Legenden, wie etwa seine Fähigkeit, einen Leopard-Panzer oder einen Anhänger mit dem Miura eines glücklichen Sammlers an Bord abzuschleppen. Seinen gängigen Spitznamen „Rambo-Lambo“ verdankt er seinem muskulösen Äußeren und der Tatsache, dass der US-amerikanische Schauspieler Sylvester Stallone seinerzeit einen besaß.

Die beste Definition des LM 002 stammt allerdings aus der Feder eines italienischen Journalisten, der nach einer Testfahrt schrieb: „Bei 200 km/h durchschneidet der LM 002 nicht die Luft. Er ohrfeigt sie mit Stolz.“

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von af******
02.08.2022 (09:03)
Antworten
Mein Chef hatte diesen LM 002 in schwarz. Wenn es draußen kälter war mussten wir das Auto in der beheizten Halle vorwärmen, da die 6 Doppelweber Vergaser keine Kaltstartvorichtung hatten. Einmal bin ich zum tanken gefahren und hatte bei 280 Liter unters Auto geschaut ob da was undicht ist, aber der Tank fast wirklich fast 300Liter. Das machte ein Aktionsradius von 500km. Wenn die Reifen runter waren mussten die bei Pirelli bestellt werden. Nur diese 365er Reifen waren für das Auto entwickelt und zugelassen. Dort wurden dann die Reifen nachprodoziert. Abnahme mind.5Satz. Was der Satz gekostet hat weiß ich leider nicht mehr aber es waren schon ein paar Tausend pro Satz.
von ma******
01.08.2022 (22:23)
Antworten
September 1987 auf der Rückfahrt von der IAA Frankfurt mit 160 auf dem Tacho plötzlich ein riesiger Koloss im Rückspiegel und gewaltiger Donner. Der erste und sofort beste eindruck!
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