Einer der bemerkenswertesten Renn-Porsche wird am 9. und 10. September beim Goodwood Revival Sale von Bonhams Cars versteigert.
Das 3-Liter-Coupé auf Basis des Porsche Carrera RS wurde im Werksteam unter dem Namen “R7" bekannt. Der Wagen belegte beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1973 einen denkwürdigen vierten Platz belegte und wurde nur von drei als Sportprototypen getarnten Formel-1-Wagen mit offenen Cockpits geschlagen. Der Klassensieger und viertplatzierte RSR wurde von dem äußerst erfahrenen und fähigen Schweizer Herbert Müller, einem kompakten Zigarrenraucher mit Bürstenhaarschnitt, und seinem liebenswürdigen niederländischen Teamkollegen Gijs van Lennep, einem ehemaligen Le-Mans-Sieger, gefahren.
Ihr optisch straßentauglicher Martini-Porsche RSR mit geschlossenem Cockpit musste sich einzig drei speziellen Sportprototypen geschlagen geben, welche alle von 12-Zylinder-3-Liter-Motoren angetrieben wurden: dem siegreichen Matra-Simca MS670B der französischen Stars Henri Pescarolo/Gerard Larrousse, einem Ferrari 312PB des Werksteams auf Platz zwei und einem weiteren Matra-Simca auf Platz drei.
Basierend auf dem Serientyp
Die Porsche RSR Coupes waren in der 73er Rennsaison wirklich das Überraschungspaket. Die schiere Investition an Arbeitskraft, Fertigungsaufwand und Kosten für die Produktion eines brandneuen Sportprototyps für die Saison 1972/73 hatte Porsche veranlasst, sich stattdessen darauf zu konzentrieren, die seit langem bestehenden Rennerfolge der getunten und weiterentwickelten Versionen des bereits verehrten Serientyps 911 Coupé zu verbessern. Eine neue Grand-Touring-Europameisterschaft sorgte für einen neuen Aufschwung der 911er, die fast vollständig in den Rennserien eingesetzt wurden. Im Herbst 1972 brachte Porsche den neuen 911 "Carrera" auf den Markt, dessen Hubraum von 2,4 auf 2,7 Liter erhöht wurde. Um die sportliche Abnahme (Homologation) der neuen Variante zu erreichen, wurde eine Serie von 500 911 in Leichtbauweise gebaut.
Drei Versionen wurden angeboten - RS (RennSport), RST (Touring) und der ultimative Renn-RSR, von dem der jetzt bei Bonhams angebotene "R7" eines von nur vier erhaltenen Werksteam-Fahrzeugen ist.
Während der RS die neueste Straßenversion war, verfügte der RST über eine luxuriöse Touring-Ausstattung und -Einrichtung, während der RSR das vollwertige Wettbewerbsmodell war - mit einem um 60 kg geringeren Gewicht als der RST.
Als Prototyp am Start
Da der neue Carrera bis zum 1. April 1973 nicht in der internationalen GT-Rennkategorie homologiert werden konnte, wurden zwei frühe RSR, die am 4. Februar zum 24-Stunden-Rennen von Daytona nach Amerika geschickt wurden, in der liberaleren Prototypen-(Sport-)Kategorie eingesetzt. Sie waren mit 3-Liter-Motoren ausgestattet, die rund 300 PS leisteten, und der privat eingesetzte neue RSR des Brumos-Teams mit den Fahrern Peter Gregg/Hurley Haywood gewann das 24-Stunden-Rennen in Floridan mit einem Vorsprung von nicht weniger als 22 Runden vor dem zweitplatzierten Ferrari 365GTB/C. Mit diesem Erfolg übernahm Porsche nach dem ersten Rennen 1973 die Führung in der Markenweltmeisterschaft.
Trotz der Einteilung in die Prototypenklasse hatten sie natülrich gegen die um 250 kg leichteren, aus der Formel 1 stammenden echten Sportprototypen von Matra, Ferrari, Alfa Romeo und Gulf-Mirage keine Chance. Aber die hart erarbeitete Tradition von Porsche, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit miteinander zu verbinden, sollte erneut triumphieren. Entwicklungen wie der Einbau von Scheibenbremsen vom Typ Porsche 917 und der Zusatz eines aerodynamischen Spoilers oder "Flügels" über die gesamte Breite am Heck - der in Anlehnung an die gestärkte mittelalterliche Halskrause, die von Maria, der Königin der Schotten, populär gemacht wurde, den Spitznamen "Mary Stuart"-Flügel erhielt - machten die Werks-RSR von Martini-Porsche extrem schnell und wendig, aber dennoch stabil in allen möglichen Kurven.
Zur Saisonmitte wurde der Martini-Porsche RSR als wahrscheinlicher Sieger des 24-Stunden-Rennens von Le Mans gehandelt, da die Zuverlässigkeit der viel schnelleren reinrassigen Sportprototypen bis dato eher schlecht war. Porsche sah das realistischer, und der vierte Platz des "R7", der nur von 12-Zylinder-Spezialgeschossen mit offenem Cockpit geschlagen wurde, war ein wirklich großartiges Ergebnis.
Überlebt
Heute ist "R7" eines der am besten erhaltenen und erstaunlich originalen von wahrscheinlich nur drei wirklich überlebenden Fahrzeugen aus der ursprünglich achtköpfigen Gruppe, von denen nur vier - Chassis "R5", "R6", "R7" und "R8" - jemals die klassische Martini-Racing-Lackierung mit ihren dunkelblauen und roten Streifen auf deutsch-silbernem Hintergrund trugen.
Nach seinem Erfolg in Le Mans nahm der jetzt zum Verkauf stehende R7" an den letzten beiden Läufen zur Markenweltmeisterschaft teil. Er belegte den neunten Platz beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Österreichring und wurde - mit einem langen Heck anstelle der Mary Stuart" - Siebter beim 6-Stunden-Rennen in Watkins Glen, USA, eingesetzt von der Brumos Porsche-Audi Corp und gefahren von Peter Gregg/Hurley Haywood.
Nach Beendigung der Saison im Martini-Porsche-Werksteam wurde der R7" an den mexikanischen Porsche-Experten Hector Rebaque verkauft, um ihn in seiner Heimat bei nationalen Rennen einzusetzen. Nachdem er dort erfolgreich in den Farben der Zigarettenmarke "Viceroy" antrat, wurde er in den diskreten Langzeitbesitz des italienischen Sammlerliebhabers Massimo Baliva verkauft. Nicht zuletzt aufgrund des Verschwindens des Wagens von der Bildfläche - Baliva behielt den Wagen im Wesentlichen für sich - gingen einige Kreise in der klassischen Porsche-Welt von seiner Zerstörung aus.
Wie so oft wurde eine Replika gebaut, und als Massimo Balivas Auto aus der Versenkung auftauchte (er verkaufte seine Sammlung aufgrund seines fortgeschrittenen Alters), kam es zum Rechtsstreit. Die Klage wurde abgewiesen und der Fall beigelegt, wobei der Nachbau als solcher anerkannt wurde. Die Echtheit des von Bonhams angebotenen Fahrzeugs wurde von dem legendären Porsche-Ingenieur Norbert Singer (Teamchef des Martini-Porsche-Teams von 1973) bestätigt, dessen forensisch detaillierte Untersuchung ergab, dass es sich tatsächlich um das Original-RSR-Teamfahrzeug "R7" von 1973 handelt.
Weitere Informationen zur Versteigerung anlässlich des Goodwood Revivals im September 2023 findet sich auf der Website von Bonhams.




































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