Bereits am Freitag, kurz nach der Eröffnung am Mittag, füllten sich die Hallen sehr rasch. Wie jedes Jahr sind die ersten Stunden der Messe eindeutig von den Profis und «Insidern» geprägt. Heuer jedoch mag es geholfen haben, dass durch den freien Tag am Auffahrts-Donnerstag mache Besucher die arbeitsfreie Bücke zum Wochenende gemacht haben und sich bereits am Freitag zu einen Besuch entschlossen. Zu diesem Entscheid mit beigetragen haben mag auch das gute Wochenendwetter. Zudem winkten an diesem Wochenende eine ganze Reihe von weiteren Veranstaltungen für die Klassikerenthusiasten, etwa das Lakeside in Küssnacht am Rigi oder Rock this Town in Solothurn, womit der Freitag einen perfekten Einstieg in das Klassik-Wochenende bot.
Die Mischung bringts
Seit Anbeginn war die Swiss Classic World als Händler- und Profimesse ausgelegt, und so waren auch heuer die grossen Namen in der Szene vor Ort, mit ganz wenigen Ausnahmen. Dabei reichte das Spektrum von günstigen Gelegenheiten auf dem privaten Fahrzeugmarkt bis zu Hochpreis-Autos vom Schlage eines Bugatti Veyron – und vielen verlockenden Angeboten dazwischen.
Viele der angebotenen Wagen präsentierten sich restauriert oder in nahezu neuwertigen Zustand, eigentliche Patina-Queens blieben, entgegen dem Trend, eindeutig in der Unterzahl. Restaurationsobjekte zu kaufen gab es fast gar keine.
Auffällig waren auch die offen deklarierten Nach-. oder Umbauten. Gleich drei besondere Highlights unter ihnen präsentierte das Oldierama aus dem Luzernischen Littau mit mehreren – zugegeben sehr aufwändigen – Neuinterpretationen respektive «Recreations»: Da stand zum Beispiel nichts weniger als ein Mercedes 540K «Autobahnkurier» mit einem Original-540K als Basis oder ein Bugatti 35 «Pur Sang» – aus der argentinischen Provinzstadt Paranà statt aus Molsheim im Elsass.
Der äusserst attraktive Aston Martin DB4 GT Zagato hat gar einen Schweizer Ursprung, er wurde einst von Roos Engineering in Frauenkappelen bei Bern gebaut. Die Insider nahmen dies zur Kenntnis, dem Publikum hat es, wie der Andrang zeigte, trotzdem gefallen. Dasselbe lässt sich auch für den verkleinerten Elektro-Bentley bei Schmohl sagen. Wir haben die Kreation von der Little Car Company, die jetzt unter Hedley Studios firmiert, bereits probegefahren. Viele weitere interessante Angebote finden sich in unserer Bildergalerie.
Dazu gesellten sich Dienstleistungen und Zubehör, gar etwas Kunst und – charmanter Krempel. Fast mit zum Messe-Inventar gehört etwa Andrew McGeachy, der Autodesigner und Maler, der sich mit seinem kleinen Dreibein jeweils neben seine Objekte setzt, die er zu malen gedenkt und die so entstandenen Bilder direkt vor Ort verkauft.
Autobilder gab es auch in Form historischer Plakate und weiterer Gemälde, so beispielsweise bei einem Galeristen im Foyer der Messehalle. Und natürlich fand sich dazu allerlei Automobilia wie Schilder, Ölbidons und dergleichen.
Bunt unter die Angebote Gemischt, gesellten sich verschiedene Events und Veranstaltungen auf der SCW-Bühne,wo Fachspezialisten ihre Vorträge, in manchen Fällen auch Promotionen für ihre Produkte zum Besten gaben. Und begleitet wurde die Swiss Classic World wie im vergangenen Jahren von einer Rallye und heuer von zwei Ausfahrten ohne Wertung, jener für Youngtimer unter dem Titel «forever young» und einer Ausfahrt für Vorkriegswagen unter der Bezeichnung «harder than steel».
Auf diese Weise wird aus der Messe ein eigentliches Forum, kein Wunder sind auch die grösseren Automobil- und Markenclubs regelmässige Gäste in Luzern. Dabei verblüfft die Professionalität der von Amateuren geprägten Auftritte wie etwa das Display des Traction-Avant Clubs, das in Sachen Aufwand manchen Stand der Profis überflügelt hat.
Welchen Aufwand aber auch diese mitunter treiben, bewies der Auftritt der Classic Car Garage aus Brunnen, die ihre gesamte Rückwand in Holz gebaut, mit handgemalten, patinierten Panelen schmückte.
Auffällig hier wie dort waren die Bemühungen, ein jüngeres Publikum abzuholen. Einige versuchten dies mit knalligen Custom-Cars oder gar Hot-Rods, so etwa der Veteran Car Club Suisse Romand VCCSR im Hallenfoyer.
Oder mit Interaktion wie am Stand des ACS, wo die Gelegenheit bestand, mit Simulatoren Rennen zu fahren.
Generell wurde deutlich, dass überall dort, wo man das «breite» Publikum zu erreichen gedachte, die extrovertierten, knallbunten Klassiker – entweder mit eingebautem Jö-Effekt oder ausgeprägtem Show-Charakter – dominierten.
Publikumsattraktionen
Von einer nur für Hardcore-Fans gedachten Messe ist die Swiss Classic World somit weiter entfernt denn je.
Dies entspricht auch ganz den Zielen von Veranstalter Bernd Link. Laut eigenen Vorgaben möchte er dereinst die 20'000er Besuchermarke sprengen.
Dieses Ziel verlangt nach Laufpublikum, nach grundsätzlich Interessierten und sogar nach Familienpublikum – nicht «nur» nach den ausgewiesenen Kennern. Weit von dieser Zahl entfernt ist man davon in Luzern derweil nicht mehr. Laut offiziellen Angaben waren es dieses Jahr 17'000 Besucher an der Messe. Wie jedes Jahr seit der Corona-Pause verzeichnet die SCW damit jährlich einen wachsenden Zulauf. Der Strom der Besucher ist in den Hallen zu gewissen Momenten zwar beträchtlich, aber nie so, dass er aufgrund der Dichte die Besuchsqualität beeinträchtigt hätte.
Seitens der Aussteller wurde konstatiert, dass die Disziplin der Besucher im Allgemeinen gut war. Selbst hochpreisige Autos kommen in Luzern ohne Abschrankungen aus, einzig einige Jungs mit Microrollern brachten etwas Unruhe ins Nervenkostüm einiger Aussteller. Fahrzeuge wie diese sollten künftig zu den Öffnungszeiten draussen bleiben müssen. Generell aber erhält auch ein Laie an der Messe breitwillig und fundiert eine ganze Menge hilfreicher Informationen, jeder gibt gerne Auskunft und legt damit die Hemmschwelle auch für Neulinge tief. Diese Messe funktioniert damit definitiv auch hervorragend als Türöffnerin.
Apropos Jugend: Ungewöhnlich viele Modellhändler waren heuer in der Halle 4 zugegen, ein alteingesessener Modellauto-Händler und Messeteilnehmer der ersten Stunde nahm es gelassen, in Punkto Miniaturen blieben kaum Wünsche offen. Auffällig war hier die grosse Spannbreite in Sachen Preise, bei wenigen Händlern ist es jedoch nur schwer nachvollziehbar, wieso sie seit Jahren dieselbe Ware zu den immer gleichen – offenbar zu hohen – Preisen mit nach Luzern bringen, um sie mit 99.9-prozentiger Wahrscheinlichkeit wieder nach Hause zu schleppen.
Im Kleinen wie im Grossen funktioniert die Swiss Classic World als Indikator, wie es in Etwa um den Schweizer Klassikmarkt steht. Dies galt heuer auch ganz besonders mit der sehr zufriedenstellenden Auktion der Swiss Auctioneers aus Toffen, der wir einen eigenen Artikel gewidmet haben.
Mit dem Auto in die Messe
Eine besondere Attraktion für die Teilnehmenden der Swiss Classic World Rallye war sicherlich der Start in die Halle 2 über die Rampe – mit dem eigenen Auto in der Messe sozusagen. Damit wurde jedes Team «nobilitiert» und erfuhr – frei nach Andy Warhol – seine «15 Minutes of Fame» – oder zumindest einige Minuten.
Denn mit 94 Teams galt es, recht speditiv über die Bühne zu fahren. Gewonnen wurde die Rallye vom Team Erath/Erath auf einem Porsche 944 von 1990 mit nur gerade 170 Strafpunkten vor Pajic/Pajic im Lotus Elan Sprint 1971 mit 260 Punkten und Klemke/Jauch auf einem BMW 3.0 CSi von 1973 auf Rang drei mit 295 Strafpunkten.
Ganz ohne Klassement trafen nach Samstag-Mittag auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Youngtimer-Ausfahrt «forever young» in Luzern ein.
«Old Cars» für zwei weitere «Young People»
Das Projekt «Old Cars for Young People», das vom Verkehrshaus der Schweiz getragen und von der Swiss Classic World und weiteren Sponsoren tatkräftig unterstützt wird, geht heuer in die zweite Runde. Die beiden Wagen aus dem Museumsfundus haben an der SCW nach einem Bewerbungsverfahren zwei neue Hüter für ein Jahr gefunden – oder präziser: Der rote Porsche 944 hat einen neuen Hüter, der weisse VW Käfer eine neue Hüterin. Die beiden Youngsters dürfen nun für ein Jahr mit den Klassiker unterwegs sein und erste Erfahrungen an Ausfahrten und Treffenn sammeln oder ihre Autos bei Gelegenheiten nach eigenem Gutdünken geniessen.
Wie die zwei ersten Glücklichen, Tom mit dem VW Käfer und Julien mit dem Porsche 944, auf der Bühne deutlich zum Ausdruck gebracht haben, fiel ihnen der Abschied nicht leicht. Sie freuen sich jedoch für ihre Nachfolger Alizée Brunet aus dem Seetal, die den Käfer für ein Jahr zur Verfügung haben wird, und Manuel Furrer aus Kriens, der das Vergnügen mit dem Porsche 944 haben wird.
Plattform ging online
Überhaupt die Jugend… mit der Vorstellung von Young4Vintage, primär einer Webplattform, will der Dachverband SHVF in Zusammenhang mit verschiedenen Sponsoren den Austausch unter Jungen und der älteren Generation fördern. Zudem sollen darauf die 162 Mitgliederclubs des SHVF zu finden sein. Das Ganze kann man sich wie eine Social-Media-Plattform, aber spezifisch für Klassiker und deren Besitzer vorstellen. Ob dieses Vorhaben gelingen wird, ist zu hoffen. Von verschiedenen Seiten her wurde bemerkt, dass die Sache trotz integriertem Clubauftritt womöglich etwas gar weit weg von den Clubs aufgezogen wurde.
Mindestens so interessant wie eine digitale Parallelwelt, die am Freitag-Morgen vor der SCW-Eröffnung live ging, sind die geplanten Lehrgänge für Junge zur Fahrzeugpflege, wie Klassiker zu fahren sind und auch zur Pflege der Geschichte und Bewahrung ihrer Historie, die ebenso unter dem Label «young4vintage» geführt werden, jedoch direkt von Mitgliedern und Zugewandten des SHVF organisiert werden sollen. Erste Termine sind bereits bekannt, allerdings ist zu den Details noch nicht allzuviel in Erfahrung zu bringen. Fest steht, dass das «Learn to Drive» im Zusammenhang mit dem Old Wheels in Biel seine erste Auflage erfahren wird.
Die Swiss Classic World 2025 ging in einer rundum zufriedenen Stimmung am Sonntagabend zu Ende. Viele Anekdoten und Geschichten wurden wieder aufgefrischt, der neuste Klatsch zum Besten gegeben und die Messe hat damit eine weitere, wichtige Funktion auch heuer bestens erfüllt: Die Szene zusammen zu bringen!


























































































































































































































































































































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