Solitude Revival 2019 - vor Porsches Haustüre

Erstellt am 30. Juli 2019
, Leselänge 4min
Text:
Kai Gattermann
Fotos:
Kai Gattermann 
243

Am 18. Juli 1965 fand das letzte Rennen auf der Solitude statt. Heute existieren zwar die meisten Streckenfragmente noch, doch sie dienen primär der Versorgung des Wohngebiets und sind mit meist niedrigen Höchstgeschwindigkeiten ausgeschildert. Ruhe und Rücksicht sind das ganze Jahr über gefragt.


Idylle beim Glemseck - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Doch einmal, alle zwei Jahre ändert sich der Ton auf den 11,7 Kilometern im Südwesten Stuttgarts.


McLaren M1B (1965) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Dann brüllen Zwölfzylinder, kreischen Zweitakter und donnern brachiale Vierzylinder mit 14 Litern Hubraum. Das Solitude Revival bringt nicht nur Erinnerungen zurück, sondern auch die Autos und Motorräder von damals.

Grosses Interesse

Der Anlass ist beliebt, am Wochenende des 20. und 21. Juli 2019 fanden sich rund 12’000 Besucher ein, um dem Treiben auf der wiedererweckten Rennstrecke zu frönen.


Das grüne Pace Car bremst die schnellen Motorräder ein - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Dass die Rennwagen hinter einem Pacecar herfahren mussten, meist nur gerade zwei Runden im 20-Minuten-Slot absolvieren durften und die Tempo im Vergleich zur Vergangenheit meist bescheiden blieben, das schien die begeisterten Zuschauer an der Strecke nicht zu stören.

Die Tradition im Blick

Nicht nur die Strecke konnte beinahe unverändert befahren werden konnte, auch die Gebäulichkeiten und das Fahrerlager erinnerten an die guten alten Zeiten.


ONS-Streckensicherung beim historischen Renngebäude - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Statt wie beim modernen Rennsport nur von weit weg etwas zu erhaschen, konnten die Besucher richtig ran an die Buletten und mit den “Rennfahrern” sprechen, die Wagen von Nahem bewundern.

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Zwei, drei und vier Räder

Gefahren wurde mit allem, was schon damals auf der Solitude unterwegs war und mit einigem mehr, das wohl erst in den Folgejahren gebaut wurde. Motorräder, Seitenwagen-Gespanne, Autos mit verschalten und freistehenden Rädern, es war alles da, selbst die Vorkriegsfraktion war mit einem breiten Fahrzeugangebot angetreten.


Bugatti Type 51 (1932) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Wer sich für Alfa Romeo interessierte, wurde genauso fündig wie die Fans des Trabants oder der Volkswagen Formel V.

Porsche-Festival

Nur wenige Kilometer von der Solitude entfernt liegt Zuffenhausen, das Heim der Porsche-Sportfahrzeuge. Kein Wunder, war die Präsenz des schwäbischen Autobauers sofort spürbar. Mit eigenem Zelt und einer Ausstellung von Museumsfahrzeugen erklärte man dem interessierten Publikum die Renngeschichte der Marke.


Porsche 917 KH (1970) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Auch auf der Strecke waren wichtige Meilensteine des Porsche-Wirkens zu bewundern, darunter natürlich der Porsche 917, der 2019 bekanntlich seinen 50. Geburtstag feiert.


Porsche 917/30 (1971) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Zu sehen waren auch die brachialen Porsche 917/10 und 917/30 sowie die zierlichen Porsche 550 Spyder, Porsche 718 und die Abarth-Version des Porsche 356 Carrera.


Porsche 718 RS 60 Spyder (1960) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Am Steuer sassen damalige und heutige Porsche-Piloten von Hans Joachim Stuck bis Neel Jani.

Die Gegner von damals - Porsche 804 und Ferrari 156

Etwas Besonderes war auch die Präsenz der Porsche-Einsitzer der frühen Sechzigerjahre. Sowohl der 804 als auch der 718 F2, mit dem John Surtees damals den zweiten Platz errungen hatte, konnten bewundert werden.


Porsche 804 F1 (1962) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Begleitet wurden sie passenderweise von zwei Ferrari 156 Sharknose Monoposti aus derselben Zeit.


Ferrari Tipo 156 Sharknose (1961) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Von den originalen Wagen hat keiner überlebt, in Stuttgart standen zwei überaus gelungene Kopien am Start.

Zu Ehren Linges und Mitters

Vielen Helden der Vergangenheit wurde gehuldigt, auch dem vor 50 Jahren bei einem Rennunfall verstorbenen Gerhard Mitter. Ein Mitter-DKW konnte sogar auf der Rennstrecke verfolgt werden.


Mitter-DKW Formel Junior (1960) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Ein Sonderlauf zu Ehren Herbert Linges erinnerte an seine Leistungen als Rennfahrer, aber auch als Entwickler bei Porsche.
Und auch zu Eberhard Mahles Siege 1959 gingen die Gedanken zurück, der Mann hatte es geschafft damals zwei von drei Rennen zu gewinnen.

Vielfarbiges Treiben

Auf der Strecke wechselten sich derweil die verschiedenen Felder ab. Voraus fuhr meist ein grüner Porsche als Pacecar, manche Piloten hätten ihn wohl gerne überholt.


BMW Schnitzer 3.0 CSL (1971) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

So aber mussten sie deutlich langsamer fahren, als es Jim Redman auf seiner Honda vor über 50 Jahren geschafft hatte, als er mit 160,614 km/h die schnellste je auf der Solitude gefahrene Motorrad-Rennrunde registrieren liess.

Noch heute schwelgt “Gentleman Jim” von den guten alten Zeiten, im Interview liess er auch die Revival-Besucher an seinen Erinnerungen teilhaben.

430 Fahrzeuge

Mit über 400 Fahrzeugen war das 2019-er Solitude Revival gut aufgestellt.


Porsche 914/6 (1970) - Solitude Revival 2019
Copyright / Fotograf: Kai Gattermann

Allerdings fiel schon auf, dass die damals jeweils so zahlreich vertretenen Messerschmitt und FMR Tiger genauso fehlten, wie offizielle Delegationen von Mercedes-Benz oder BMW. Wie schön wäre doch ein Lauf mit einem Feld von BMW 700 gewesen …

Gelungene Veranstaltung

Im Ganzen überzeugend war das 2019-er Revival, im Prinzip war für jeden etwas dabei. Aber  lassen wir Hans-Peter Koch, den Vorsitzenden des Solitude Revival e.V. das Schlusswort “sprechen”: „Wir sind begeistert von dem, was an diesem Wochenende auf der Solitude geboten wurde. Ganz herzlich bedanken möchten wir uns bei den Sponsoren und bei allen Teilnehmern, die mit ihren historischen Fahrzeugen auf der Strecke waren. Bei den Besucherinnen und Besuchern, die hier für eine einzigartige Atmosphäre gesorgt haben. Und nicht zuletzt bei allen Helferinnen und Helfern, ohne die diese Veranstaltung niemals möglich gewesen wäre.“

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von me******
10.08.2019 (10:08)
Antworten
Stimmt , aber ich find das sollte dann nicht REVIVAL nennen sondern Concour d elegance ;) .
Denn mit Rennsport hat das nicht viel zu tun.
von Dr******
31.07.2019 (21:50)
Antworten
Ich finde es traurig, dass Rennwagen auf der Solitude hinter einem Pacecar hinterherzockeln müssen! Schlimm genug, dass sie in den letzten Jahren einen 50-kmh-Schnitt einhalten mussten. Jetzt dürfen sie nicht einmal das! Und das wird auch noch gelobt!! Ein Schaulaufen, das man als Schau-Humpeln bezeichnen muss, interessiert niemand. Höchstens Leute, die vom Motorsport keine Ahnung haben. Wenigstens konnte man Gerhard Mitter jun. Die Hand schütteln, als er den großartigen Mitter-DKW um den einst grandiosen Kurs pilotierte. Insgesamt leider eine Schande.
Antwort von c2******
02.08.2019 (12:05)
Das sehe ich nun nicht so (und ich war im Fahrerlager Vorkriegs als Depunty mit dabei) - selbst die American-LaFrance-Monster aus den früher 1920er Jahren sind auf den Graden rund 130 km/h gefahren, andere Gruppen konnten bis 160 km/h gehen. Normalerweise ist auf der Streck im Verker noch 60 km/h erlaubt.
Es handelt sich auch ausdrücklich nicht um ein Rennen, sondern um Schauläufe; ansonsten würde die Veranstaltung auch ninmals genehmigt werden. Das man heute auf der Strecke keine 200 oder 250 mehr fahren darf, wie das bei den letzten Rennen der Fall war, halte ich für sinnvoll. Ein größerer Unfall und wir können dieVeranstaltung für alle Zeiten vergessen.
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