Retro Classics Bavaria 2019 – Generationenwechsel in Nürnberg

Erstellt am 9. Dezember 2019
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Schon zum vierten Mal pilgerten die Oldtimer- und Youngtimer-Liebhaber vom 6. bis 8. Dezember 2019 nach Nürnberg, um in vorweihnachtlicher Stimmung mit der Retro Classics Baravia den Jahresausklang zu feiern.


Scheunenfund/Weihnachtsinstallation beim Pagoden-Club - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Vier grosse Hallen

Wie bisher breiteten sich Händler, Spezialisten, Veranstalter, Clubs und Privatanbieter in den vier grossen Hallen (3, 3A, 4, 4A) und den Zwischengängen aus. Der Platz war gut ausgenutzt, nirgends fielen grosse Leerflächen auf. Ein Teil einer der dunkleren Hallen war abgetrennt, aber dies war schon in der Vergangenheit so.


Blick in eine der gut gefüllten Hallen - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Schon am Freitag herrschte reichlich Betrieb, einige Händler hatten allerdings das Gefühl, dass man in den vergangen Jahren mehr kaufkräftiges Publikum begrüssen konnte.

Die Rennwagen vom Norisring

Zu Nürnberg gehört auch der Norisring, eine temporäre Rennstrecke, auf der seit 1947 Rennen ausgetragen werden. Wurden zu gewissen Zeiten hauptsächlich Wettbewerbe mit Sportwagen-Prototypen organisiert, gehört der Norisring seit vielen Jahren zu einer der Stammstrecken der Deutschen Rennsport Meisterschaft. Für die Inbetriebnahme der normalerweise dem gewöhnlichen Alltagsverkehr gehörenden Strasse in einen Rundkurs sind jeweils 10’000 Arbeitsstunden nötig.


Blick in die Norisring-Sonderschau mit Rennwagen, u.a. einem Porsche Carrera 6 - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dass nun für diese Rennstrecke eine Sonderschau organisiert wurde, macht Sinn. Die Organisatoren hatten ursprünglich keine klare Vorstellung, wieviele Autos sich für die Messe organisieren lassen würden. Schliesslich hatte man soviele Zusagen, dass man beinahe eine ganze Halle hätte füllen können. Doch dies ging natürlich nicht, und so musste eine Auswahl auf einer vergleichsweise knappen Fläche präsentiert werden.


BMW M1 Procar (1979) - Schweizer Auto, das für Jeans warb - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Darunter fanden sich z.B. ein BMW M1 Procar Rennwagen, ein Alfa Romeo 33/2, ein DTM-Mercedes-Benz oder ein Porsche 917/30 CanAm Racer.


Porsche 917/30 CanAm Spyder (1973) - rund 1100 PS und 383 km/h Spitze - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Es gab viel zu sehen und zu lesen, nur für Fotografen war die Szenerie etwas ungeschickt eingezäunt und eng.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Jaguar XK 150 Estate "The Tow Car" (1959)
Cadillac Serie 62 Convertible Coupé (1941)
Fiat Giannini 650 NP (1972)
+41 31 819 48 41
Toffen, Schweiz

Dreimal Gulf

Kaum mehr Platz gab’s für die drei Gulf-Autos, die nächstes Jahr zur Sonderschau der Retro Classics in Stuttgart erwartet werden.


Ford GT40 (1968) - Chassis P1084, eingesetzt in Le Mans mit David Hobbs und Paul Hawkins, Teil der Rofgo-Sammlung - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die drei Rennwagen, ein Ford GT40 von 1968, ein Mirage M2 von 1969 und moderner Aston Martin Vantage GTE fanden Unterschlupf beim Händler Mirbach und wurden wohl vom einen oder anderen Betrachter als Teil der Verkaufsaustellung gesehen.


Mirage M2 (1969) - Chassis M2/300-02 wurde mit Jacky Ickx und Jackie Oliver am Steuer eingesetzt - Teil der Rofgo-Sammlung - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Besser wäre wohl eine Aufstellung im Eingangsbereich gewesen, eindrücklich waren vor allem der superflache Ford und der Mirage allemal.

Verteilte Raritäten

Überhaupt gab es viele seltene Autos zu bewundern, man musste einfach etwas genauer hinschauen.


Bizzarrini P538 (1966) - mit Lamborghini-V12-Motor, eingesetzt 1967 in Le Mans - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

So lief man bereits beim Eingang Ost an einem Bizzarrini P538 von 1966 vorbei, der 1967 mit einem Lamboghini-V12-Mittelmotor beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans eingesetzt wurde.


Ford Capri 2600 RS (1972) - Scheunenfund, im Jahr 1979 lief der TÜV ab - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wie ein Rennwagen sah auch der gleich in der Nähe geparkte Ford Capri RS 2600 von 1972 aus, doch verfügte dieser durchaus über eine normale Strassenzulassung. Der TÜV ist allerdings bereits 1979 abgelaufen, seither fristete der Capri ein Leben in einer Scheune.


Triumph Italia 2000 (1960) - wirbt für CEO Premium Oldtimer und Cabriolet Reisen - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ein paar Schritte später lief man dann an einem Triumph Italia 2000 vorbei, jenem eleganten Coupé, das Vignale auf der Basis des Triumph TR3 für den italienischen Importeur schneiderte. Nur noch wenige Exemplare existieren, eines stand auf dem Stand von CEO Premium Oldtimer und Cabriolet Reisen.


Fiat 1500 Vignale Coupé (1966) - sehr seltener Wagen hierzulande - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Noch seltener, aber vom selben Blechschneider, dürfte das Fiat 1500 Coupé sein, das unauffällig in einer der dunklen Halle stand. Gebaut wurde es 1966 und optisch erinnert es ein wenig an eine Mischung von BMW 700 und 1600.


Toyota Supra 3.0i Twin Turbo (1994) - deutsches Fahrzeug, angeboten mit 162'900 auf dem Tacho für EUR 89'000 - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Selten, gerade in Deutschland und auf den Oldtimermessen des Landes, sind japanische Autos. An der Bavaria gab’s gleich eine grössere Zahl zu bewundern, angefangen beim Toyota Supra 3.0i Twin Turbo, über ein Honda CRX Coupé und diverse Mitsubishi und Subaru.


Mercedes-Benz Vorkriegsklassiker - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und auch einige wenige Vorkriegsautos konnte man entdecken. Neben den zu erwartenden Mercedes-Benz und BMW stiess man etwa auf einen Wanderer vom Typ W11 aus dem Jahr 1929 oder einem Volvo PV654 von 1933.


Wanderer 10/50 Typ W11 (1929) - wirbt für das August Horch Museum - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Fast jeder Besucher dürfte in der Lage gewesen sein, irgendwo ein Auto zu finden, das er entweder noch nicht kannte oder schon wirklich lange nicht mehr gesehen hatte. Auch dafür geht man schliesslich an eine Oldtimermesse.

Deutliche Verjüngung

Nach einem kompletten Rundgang durch die vier Halle zeichnete sich ab, dass das Fahrzeugalter im Schnitt deutlich unter dem der vergangenen Jahre gelegen haben dürfte. Ein Generationenwechsel war spürbar.


Viel Interesse für die BMW der Baureihe E46 - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Soviele BMW der Baureihe E46, Mercedes der Baureihe R230 oder Audi jüngerem Datums hatte man sicherlich in Nürnberg noch nie gesehen.


Mercedes-Benz SLK mit wenig Kilometer und (noch?) günstigen Preisen im Angebot - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das Publikum schien es nicht zu stören, zumal diese Fahrzeuge ja auch eher noch erschwinglich und zudem alltagstauglich sind, wie beispielsweise mehrere BMW Z3 und Mercedes-Benz SLK bewiesen.

Sterne und Heckmotoren

Natürlich dominierten die Marken Mercedes-Benz und Porsche auch in Nürnberg das Geschehen, letztere vor allem mit den beliebten Heckmotormodellen.


Drei Generationen Porsche 911 - welche fehlt? Der 993 ... - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Auch BMW war gut vertreten, Audi mit einem eher jungen Angebot. Volkswagen wurde durch viele Käfer und frühe VW-Busse vertreten, aber auch durch den einen oder anderen Karmann-Ghia.


Wie damals, als das Auto und die Insassen noch etwas jünger waren - Ford 17M - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Eher dünn war im Vergleich dazu das Angebot an Opel-Fahrzeugen, auch vom deutschen Ford-Bestand waren ausserhalb von Clubständen nur wenige Autos zu entdecken.

Klein und Gross

Die Durchmischung im Angebot war trotzdem gross. Sie reichte von Kabinenrollern wie Messerschmitt oder BMW Isetta bis zu Luxusfahrzeugen wie dem Mercedes-Benz 300 oder amerikanischen Cadillac und Buick.


Gegensätze - seltener Alfa Romeo Junior Zagato und VW Käfer - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Sportliches stand neben Gemächlichen, Altes neben Neuem. Gegensätze sind spannend und wurden an der Bavaria auch geboten.

Clubs mit Bildungsauftrag

Einmal mehr strengten sich auch die Clubs an, Besonderes zu bieten.


NSU Prinzen in Reih' und Glied - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Aufgefallen ist zum Beispiel die NSU-Phalanx, die vom Prinz 2 bis zum TT reichte.

Für neugierige Blicke sorgte auch die Installation des Pagoden-Clubs, der einen Scheunenfund-Mercedes SL sozusagen unter einen Weihnachtsbau drapierte.


Fiat X 1/9 auf dem Clubstand, als schöner Klassiker und Restaurierungsobjekt - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Beim Isetta-Club, beim Glas Club und bei den X1/9-Freunden konnte man Restaurierungsobjekte in unterschiedlichem Zustand examinieren.

Viele preiswerte Angebote

Das Preisniveau hielt sich in den meisten Fällen in vernünftigen und marktgängigen Grössenordnungen. Viele Autos wurden (wie vor Jahren) zu vierstelligen Summen angeboten.


VW Polo GT (1986) - mit 75 PS Aus 1272 cm3, angeboten für EUR 8500 mit 72'000 km auf der Uhr - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ein heute sicherlich bereits rares VW Polo GT Coupé von 1986 etwa war mit EUR 8500 angeschrieben, einen Opel Rekord A 1700 konnte man für EUR 6900 erstehen.


Opel Rekord A 1700 (vermutlich 1964) - erst 1969 erstmals eingelöst, angeboten für EUR 6900 - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Auch ein VW Käfer für ca. EUR 15’000 geht in Ordnung, genauso wie der bereits erwähnte Honda CRX aus dem Jahr 1989 für EUR 4990. Wer weiss, vielleicht werden wir uns schon in fünf oder zehn Jahren ärgern, dass wir “damals an der Bavaria” nicht zugegriffen haben.


VW Käfer Typ 1 "Ovali" (1956) - angeboten für EUR 15'990 - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wie sich die Zeiten geändert haben, dokumentierte auch ein MG TD von 1954, der für EUR 19’900 angeschrieben war.


MG TD (1954) - angeboten für EUR 19'900 - Retro Classics Bavaria 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Retro Classics Bavaria scheint sich regional gut etabliert zu haben und man darf hoffen, dass sie mit dem verjüngten Angebot auch ein sich verjüngendes Publikum empfangen darf in Zukunft.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ma******
27.12.2019 (23:52)
Antworten
Wer kam eigentlich auf die Idee, diese Messe mitten in FRANKEN ausgerechnet "Bavaria" zu nennen ???
Glaube nicht, dass das in Nürnberg so gut ankommt :-(
von ju******
17.12.2019 (15:21)
Antworten
An sich eine schöne und übersichtliche Messe, aber , wie bereits von meinen Vorschreibern erwähnt, zu viele Neufahrzeuge und ein für die Größe der Messe zu hoher Eintrittspreis!!! Trotzdem ein Gewinn für die Region.
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