Mit der Planai-Classic hat das Oldtimer-Jahr 2014 endgültig begonnen. Kurz nach dem Jahreswechsel traf man sich am 4. Januar bereits zum 18. Mal im Ennstal. Trotz tiefem Winter, zumindest nach Kalender, herrschten beim Start verhältnismässig milde Temperaturen. Von Schnee war keine Rede. Die Trabrennbahn war weder gefroren, noch mit Schnee bedeckt. Man hätte den ersten Tag locker mit Sommerreifen fahren können.
Aber alle Autos waren für Winterverhältnisse gerüstet und das war auch gut so, denn kaum einer konnte sich vorstellen, wie extrem sich die Strassenverhältnisse innert weniger Stunden ändern sollten.
Quester mit Problemen
Dieter Quester, der im letzten Moment aus Wien gekommen war, nahm in einem Volvo P 1800S Platz. Für manchen war dies ein komplett ungewohntes Bild, denn den Dieter kennt man vor allem als BMW-Fahrer.
Gut, lange hielt die austro-schwedische Ehe nicht, da der Volvo den Quastl nicht mal nach Schladming bringen konnte. Schwere technische Probleme liessen die Paarung Querster-Glöckner in den äusserst geräumigen Porsche 912 eines hilfreichen Konkurrenten umsteigen.
Am Ziel des ersten Tages im Schloss Pichlarn musste man die beiden mit einem Schuhlöffel von der Rückbank des "Stuttgarter Kleinbusses" befreien.
Aaltonen in Siegeslaune
Rauno Aaltonen, extra aus Finnland angereist, übernahm, wie es die Tradition fast befielt, den dunkelblauen Mini Cooper.
Beim Finnen lief es besser als bei Quester, viel besser sogar, denn er meisterte alle Schwierigkeiten absolut souverän und gewann schlussendlich die Rallye mit dem "grossen" Mini. Auf die Frage, wie er damals eigentlich auf den Mini gekommen sei, antwortete Aaltonen: "Ich habe damals einen Mini parken sehen, das war ein halbes Jahr, bevor die ersten bei Rallyes an den Start gingen, und habe mir sofort gedacht, dass dies das ideale Rallyeauto ist." Und er fuhr fort: „Man kann von aussen sehen, ob ein Auto sportlich und schnell fahrbar ist. Voraussetzung dafür ist ein kurzer Überhang vorne und ein mittelmäßiger bis kein Überhang hinten, die Räder müssen weit außen stehen. Außerdem muss der Wagen möglichst leicht und klein sein. Der Mini war zudem damals der einzige Wagen mit quer eingebauten Motor, der die Möglichkeit schaffte, ein Auto mit kurzen Überhang vorne zu konstruieren.“
Angesprochen auf das Geheimnis der damaligen Mini-Rallye-Erfolge meinte Rauno: „Ich war damals Werksfahrer, zusammen mit Pat Moss. Unsere erste Rallye war die Monte Carlo 1962. Ich blieb bis 1968, also bis zur Schließung. Es war ein super Team, wir hatten die besten Mechaniker und auch die Führung war ausgezeichnet. Steward Turner war ein ausgezeichneter Manager, es hat einfach alles gepasst.“
Nach zwei dritten Plätzen in den vergangenen Jahren konnte er genau 57 Jahre nach seinem ersten Rallye-Erfolg zum ersten Mal die Planai-Classic gewinnen.
Wo andere Teilnehmer fremden Spuren folgten und ins Nirwana fuhren, hielten sich Rauno und Copilot Helmut Artacker strikte an das Roadbook und liessen sich nicht verwirren. Auf die Frage ob er wusste wo es in dem Serpentinen-Abschnitt der 13. Sonderprüfung entlangging, meinte er lachend: "Ja das war eine 60 zu 40 Situation".
Verwirrende Streckenführung
Die Strecke war in der Tat nicht einfach zu erkennen, denn die Serpentinen führten um die Spitzkehre weiter in die Bergwelt, während auf der Sonderprüfung aber zu Beginn der Haarnadel geradeaus weitergefahren werden musste. Dort gab es, wie vom Organisator geplant, ein paar wenige Meter Schneefahrbahn mit verwirrenden Spuren.
Viele kassierten hier Strafpunkte ohne Ende und waren damit für den Gesamtsieg weg vom Fenster.
Schnee am Tag 2
War die Sonderprüfung auf dem Flugplatz Niederöblarn am Sonntag Morgen noch verregnet, so kündigte sich pünktlich für die drei Planai-Bergprüfungen die lang ersehnte weisse Pracht an.
Ab Mittag begann der Schneefall und nahm kein Ende. In nur gut vier Stunden fielen auf 1750 m Höhe gute 25 cm Neuschnee. Die Fahrbahnsituation änderte sich von Prüfung zu Prüfung. Viel Neuschnee und immer rutschigere Verhältnisse zwangen viele Beifahrer in den Kofferraum. Gewicht auf der Hinterachse war das "A und O" der heckgetriebenen Fahrzeuge.
Die heimlichen Sieger im Vorkriegsrennwagen
Ein Teilnehmer, der schon so oft viele Konkurrenten erstaunte, übertraf sich wohl selbst. Mit Wärmebeuteln in den Handschuhen und mit hochgebirgstauglichen Regenanzügen sowie Helmen ausgerüstet, trieben Christian und Margit Baier das älteste Fahrzeug im Feld, den Lea Francis aus dem Jahre 1927, auf den erstaunlichen sechsten Gesamtrang.
Eine Winter-Rallye im Vorkriegsauto ist und bleibt nichts für Warmduscher, denn hier braucht es nicht nur Härte im Nehmen, sondern auch viel akribischeVorbereitung und nachträgliche Pflege am Auto.
Man kann nur den Hut heben vor soviel Einsatz und Durchsetzungsvermögen.
Ergebnisse der 18. Planai-Classic (Gesamtklassement)
1. Rauno Aaltonen/Helmut Artacker auf Mini Cooper (1972) (Fin/A)
2. Werner Fessl/Peter Schöggl auf Fiat 124 Coupé Abarth (1972) (A)
3. Günter Schwarzbauer/Erich Hemmelmayer auf Datsun 240Z (1972) (A)
4. Erich Laderl/Gilbert Raowsky auf Volvo 123 GT (1968) (CH)
5. Ingrid Corsmann/Thomas Voglar auf VW 1302 S (1972) (A)
6. Christian Baier/Margot Baier auf Lea Francis P-Type (1927) (A) - Sieger Klasse 1
7. Thomas Matzelberger/Martin Rettenbacher auf MG A Coupé (1957) (A) - Sieger Klasse 2
8. Franz Brachinger/Peter Rech auf BMW 2002 Tii (1972) (A)
9. Michael Haberl/Therea Moser auf Porsche 911 (1965) (A)
10. Wilfried Peters/Christian Mitterdorfer auf VW 1302S (1972) (A)
Auffallend ist, dass sich unter den ersten zehn Gesamtplatzierten alle üblichen Antriebskonzepte und alle drei Rallye-Klassen finden. Front- und Heckantrieb sind genauso vertreten wir Front- und Heckmotor. Nur die Mittelmotorfraktion, im Feld mit zwei Porsche 914 vertreten, schaffte es nicht in die Top Ten, dafür gleich zwei traktionsstarke Käfer.
Kombinationswettbewerb Auto-Ski
Wie jedes Jahr fand das „Grand Finale“ der Planai-Classic auf dem Zielhang der Planai-Abfahrt statt. Ski-Legenden und die besten Teams der Automobil-Wertung hielten dabei einen Kombinationsbewerb ab.
Wo vor knapp einem Jahr die Ski-WM über die Bühne ging, zeigten an der Planai-Classic 2014 legendäre Skirennläufer wie Johann Kirchgasser, Reinhard Tritscher Ernst Riedelsperger und Thomas Schroll ihr Können.
Gefahren wurden zwei Läufe, die mit möglichst identischer Zeit zu absolvieren waren. Die Top-Drei schafften es, die Strecke mit einer Differenz von lediglich 0,04 Sekunden zu bewältigen.
Die glücklichen Sieger der Kombiwertung waren das Volkswagen-Team Ingrid Corsmann und Thomas Vogler mit Ski-Legende Johann Kirchgasser. Platz zwei ging an Günter Schwarzbauer und Erich Hemmelmayer, unterstützt von Ski-Legende Didi Queissner. Der dritte Platz ging an Rauno Aaltonen und Helmut Artacker mit Ski-Legende Ernst Riedlsperger.





























































































































































































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