“Passione” im Italienischen scheint dem deutschen Wort “Passion” zu ähneln, doch drückt dieses kaum aus, was Passione wirklich meint, nämlich Leidenschaft.
Und leidenschaftlich muss man auch sein, wenn man wie Paolo Spalluto eine Rallye auf den Spuren von Rudolf Caracciola organisiert und Besonderes bieten will. Was er auch mit der zweiten Auflage der Gleichmässigkeitsrallye “Passione Caracciola” wieder geschafft hat, denn nicht jeden Tag kann man als Oldtimer-Fahrer seinen Wagen auf dem Bundesplatz vor dem Bundeshaus in Bern parkieren, nur ausnahmsweise kann die ehemalige Strecke des Grand Prix von Bern in Bremgarten befahren werden und nicht für jeden Klassikerpiloten öffnen Gemeindeverwaltungen einen eigentlich geschlossenen Gebirgspass.
Auf den Spuren Caracciolas
Die Rallye, die vom 15. bis 19. Juni 2016 stattfand, ist dem deutschen Rennfahrer Rudolf Caracciola gewidmet, der, meist auf Mercedes-Benz, unzählige Grosse Preise gewann, so zum Beispiel sechs Mal den GP von Deutschland. Er war ein ausserordentlich begabter Fahrer, der vor allem auf schwierigen Strecken und unter widrigen Umständen den Gegner stets eine Wagenlänge voraus war. Er war kein Raser, sondern ein überlegter Pilot, der aber, wenn es darauf ankam, 100 Prozent aus einem Wagen herausholen konnte.
Diese Eigenschaften, die Caratsch, wie er auch genannt wurde, beeindrucken auch Rennfahrer-Legenden der jüngeren Geschichte, so etwa Jochen Mass, der am Eröffnungsabend Red’ und Antwort stand. Er selber hatte mit Bergrennen angefangen und war dann in den Prototypen-Rennsport und in die Grand-Prix-Welt gelangt, hatte gegen Männer wie Niki Lauda und James Hunt um Siege gekämpft und die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. Mass selber hatte keine Vorbilder, wusste aber Leute wie Jackie Steward, Jacky Ickx oder Peter Revson wegen ihres Talents sehr zu schätzen.
Vor Ort waren auch Karl Wendlinger, der ehemalige Sauber-Fahrer, der selber zwar Oldtimer mag, aber (noch) keine besitzt und Bernd Schneider, der mehrfache DTM-Meister.
Stern-Dominanz
Viele grosse Siege verdankte Rudi Caracciola dem Mercedes-Benz SSK. Ein solches Modell war zwar bei der Passione Caracciola nicht am Start, aber dafür nahm eine Excalibur SSK Roadster von 1966, dem SSK von Mercedes nachempfunden, an der Rallye teil.
Wie das Rennfahrerleben Caracciolas war auch das Fahrzeugfeld der Gleichmässigkeitsrallye vom Stern geprägt. Rund ein Drittel der 58 startenden Fahrzeuge trugen einen Stern vor dem Bug. Im vielfältigen Teilnehmerfeld fanden sich beispielsweise fünf Mercedes-Benz 300 SL (W198), ein 300 B Adenauer Cabriolet von 1952, ein 300 SC Roadster von 1956 und natürlich eine ansehnliche Auswahl an Pagoden (230 bis 280 SL).
Einige rare Fahrzeuge, die ursprünglich angekündigt waren, waren am Start, vielleicht dem Wetter geschuldet, nicht anzutreffen. Dafür aber zeigten sich die Piloten der offenen Vorkriegs-Sportwagen wetterfest und liessen sich auch bei übelsten Bedingungen nicht davon abhalten, mit Sturmkappe oder Helm geschützt, dem Regen zu trotzen.
Am Start waren auch exklusive Italiener, angefangen beim Fiat 8V, über den Maserati 3500 GT bis zum Lancia Stratos HF.
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Wechselhafte Wetterbedingungen
“Wir können alles organisierten, nur nicht das Wetter”, meinte Paolo Spalluto vor dem Start und schaute etwas unglücklich nach oben. Tatsächlich litt der erste Tag der Rallye stark unter dem unüblich feuchten Frühsommerwetter.
Bereits bei der Anfahrt zur Rallye entgingen einige Teilnehmer nur knapp Unfällen, Aquaplaning hatte zu schwierigen Situationen auf den Schweizer Strassen geführt. Immerhin wurde das Wetter mit zunehmender Rallye-Dauer in der Tendenz besser und mancher Teilnehmer öffnete das Dach seines Wagens.
Quer durch die Schweiz
Nach dem Eröffnungsabend im Dolder Grand ob Zürich verschoben sich die Teilnehmer nach Regensdorf, wo der offizielle Start freigegeben wurde. Höhepunkt des ersten Tags war die Zielankunft auf dem Bundesplatz vor dem Bundeshaus, auf dem die Fahrer ihre Klassiker aufstellen durften, ein unvergesslicher Moment.
Am Tag darauf konnten die Sport- und Tourenwagen einen Teil der historischen Rennstrecke des Berner Grand Prix befahren, eine Rennstrecke, die Rudolf Caracciola Siege aber auch einen schweren Unfall im 300 SL bescherte. Dann ging es in die Alpen, wo der Grimsel- und der Furka-Pass überquert wurden, um hinterher in Andermatt die Nacht zu verbringen.
Am dritten Tag führte die die Rallye die Piloten erneut über Furka und Nufenen in den Tessin, wo auf dem Flughafen von Ambri auch einer eindrücklichen Flugshow der P3 Flyers beigewohnt werden konnte.
Anschliessend wurde in Richtung Lugano gestartet, wo die Rallye ihren Schlusspunkt hatte. In Lugano verlebte Caracciola seine letzten Jahre zusammen mit seiner Frau Alice in einer schönen Villa, bis er am 28. September 1959 verstarb.
In Lugano soll auch ein Rudolf Caracciola Museum entstehen. Dies ist ein Ziel, das sich Paolo Spalluto gesetzt hat und er wird, so scheint es, auch hier erfolgreich sein, denn die Zeichen stehen gut. Leider kann dieses Museum aber nicht in der Villa Caracciolas Eingang finden, sie steht nicht zur Verfügung.
Exklusive Veranstaltung
Die Passione Caracciola ist keine Rallye für jedermann, dafür ist sie zu exklusiv und wohl auch für den einen oder anderen Interessenten zu teuer. Doch die Teilnehmer dürfen auch in edlen Häusern übernachten, so etwa dem Chedi in Andermatt, und werden stilvoll verköstigt. Der Rallye zur Seite stehen Sponsoren, die nicht weniger exklusiv sind als die Veranstaltung, sei es der Uhrenhersteller IWC, die Privatbank Julius Bär oder die Marke Mercedes-Benz.
Dass sich Paolo Spalluto mit der Rallye eine goldene Nase verdient muss man dabei nicht argwöhnen, denn die Gewinne gehen vollumfänglich in die Stiftung, die er zu Ehren Rudi Caracciolas gegründet hat. Und da sind die Tausenden von Stunden, die Spalluto jahrein und jahraus aufwendet, noch gar nicht mitgerechnet. Wahre Leidenschaft kennt keinen Feierabend!
“Smooth driving”
Rudi Caracciola war für seinen ruhigen und unspektakulären Fahrstil bekannt. Ähnliches war auch von den Rallye-Teilnehmern gefragt, die vor allem exakt fahren mussten, wollten sie sich in die Annalen der Caracciola-Sieger einreihen.
Am besten gelang dies Marc Uwe und Anne Cathrin Fischer auf einem Porsche 356 A Convertible D aus dem Jahr 1959, die den Caracciola-Pokal entgegennehmen durften, weil sie es geschafft hatten, bei zwei Sonderprüfungen die Zeitvorgabe exakt einzuhalten.
Der Gesamtsieg ging an Giustino De Sanctis und Claudia Morbiducci auf einen Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer des Jahres 1955, die Klassensiege an Heinz und Doris Hofer im Maserati 26 M von 1928, an Ermanno Keller und Wilma Fasola auf einem Fiat 8V von 1953, an Peter Straub und Madeleine Villiger in einem Ferrari 365 GTC von 1969 und an René und Rosemarie Meier im Porsche Carrera 3.0 von 1976.
















































































































































































































































































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