Die Interclassics Brüssel, Schwestermesse der gleichnamigen jährlichen Traditionsveranstaltung in Maastricht, ging vom 15. bis 17. November 2019 auf einer Ausstellungsfläche von über 43'000 Quadratmetern in die nächste Runde. Für viele Liebhaber des rollenden Kulturguts in den Benelux-Ländern und im Westen Deutschlands war dies wohl die letzte Oldtimermesse des Jahres, wurde doch die Kölner Retro Classics in diesem Jahr abgesagt.
Etablierte Messe
Obwohl die Interclassics Brüssel noch vergleichsweise jung ist, kann man sie schon als Konstante einplanen, denn hier stimmen die Vielfalt und die Qualität des Angebots.
Den Besuchern wurde von 400 Ausstellern wiederum ein hochwertiges Angebot an klassischen Fahrzeugen, Ersatzteilen, Zubehör und sonstigen Automobilia offeriert. Und auch die belgischen Automobilclubs waren auf der Messe gut vertreten. Erkennbar folgten diese nicht dem Trend einiger Marktbegleiter, die Grenzen zwischen klassischen Fahrzeugen und neuwertigen "Erwartungsklassikern" zu verwischen, was der Berichterstatter als wohltuend empfand.
Zudem hat die Veranstaltung einen "französischen Einschlag", ist hier doch der Bereich automobiler Kunst deutlich stärker vertreten als anderswo.
Viel zu sehen
Die Messe hat nunmehr eine Ausdehnung, die dem Besucher eine Prioritätensetzung abverlangt, wenn er dort nur an einem Tag verweilen will. Dies auch deshalb, weil es auf der Ausstellungsfläche von autoscout24 und auf dem Auktionsareal interessante Offerten gab. Positiv ist weiterhin, dass im Schatten des Atomiums nicht nur besonders hochpreisige Automobile angeboten wurden, es fanden sich vielmehr auch attraktive Angebote am unteren Ende der Preisskala. Geht man davon aus, dass der durchschnittliche Wert von Oldtimern derzeit bei etwa EUR 20'000 liegt, so konnte man in diesem Preissegment durchaus interessante Offerten entdecken.
Beispielhaft erwähnt sei hier ein Autobianchi A 112 - ein m. E. sonst eher unterbewerteter Oldtimer - aus sizilianischem Besitz, der selbstbewusst für rund 13.000 € angeboten wurde. Und es gab sogar noch weitere, günstigere A 112 in Brüssel.
Auch wer einen "Hundeknochen"-Escort, Renault R 4 oder Citroën 2 CV suchte, konnte fündig werden. Und wann hat man schon mal einen NSU Prinz 4 im Angebot? Erwähnenswert war auch das Angebot exklusiver französischer Klassiker vom Schlage eines Delage, Talbot oder Delahaye. Ein seltener Hotchkiss 20/50 von 1951 wurde für EUR 65'000 offeriert.
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Zwei Sonderschauen
Ein besonderes Merkmal der Interclassics Brüssel sind die automobilen Sonderschauen. Auch in diesem Jahr gab es wieder zwei und schon sie allein machen den Besuch dieser Messe lohnenswert. Die erste widmete sich der britischen Traditionsmarke Bentley, deren nunmehr einhundertjährige Firmengeschichte anhand von acht Fahrzeugen verdeutlicht wurde. Das Spektrum reichte vom 3 Litre-Sportwagen mit Harrison-Karosserie von 1921 über den berühmten "Blower" und Klassiker der 1950er Jahre bis hin zum Rennwagen EXP/Speed 8 Race Car von 2003.
In der zweiten Sonderschau "Great Italian Designers" wurden 15 Exponate mit Highlights namhafter italienischer Designer gezeigt. Bis auf zwei Ausnahmen handelte es sich um Autos italienischer Marken, die von Ghia, Touring, Zagato oder Pininfarina gestaltet wurden. Die Präsentation enthielt sowohl Ikonen wie einen Lamborghini Miura oder den Ferrari 500 Superfast (einst im Besitz des Schauspielers Peter Sellers), als auch seltener gezeigte Autos wie den Pegaso Z-102 oder den Fiat 8V.
Einmal mehr zeigte sich, zu welchen gestalterischen Höchstleistungen italienische Formgestalter namentlich in den 1950er bis zu den 1970er Jahren fähig waren. Alles in allem war die diesjährige Interclassics Brüssel eine qualitativ hochwertige Messe, die man im nächsten Jahr gern wieder besucht.



















































































































































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