Hamburg Motor Classics 2017 - Messe-Erstling in der Hafenstadt

Erstellt am 16. Oktober 2017
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
180

Von einem “Erfolg auf der ganzen Linie” spricht die Hamburger Messe in ihrer Pressemitteilung und von 18’000 Oldtimer- und Youngtimer-Fans, die der Hamburg Motor Classics zwischen dem 13. und 15. Oktober 2017 einen Besuch abgestattet hätten.


Der schöne Jaguar XK bei Kautschuk-Klassik wurde bewundert - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das tönt euphorisch und darf sich auch als gutes Ergebnis zeigen lassen. Denn manches im Vorfeld wies auf eine schwierige Ausgangslage hin. So gab es Personalwechsel im Kernteam, unzufriedene Aussteller und kurzfristige Kosteneinsparungen, denen wohl auch einige Attraktionen und Komfortmerkmale (z.B. die Teppiche in den Gängen) zum Opfer fielen. Auch bei der Standzuteilung und beim Aufstellen soll nicht immer alles wie erwartet gelaufen sein, bemängelten Standbesitzer, die sich auch teilweise über recht hohen Preise für Zusatzleistungen beklagten.

Zufriedene Besucher

Doch dem Publikum blieben diese Startschwierigkeiten offenbar weitgehend verborgen, denn von ihnen wollten - gemäss repräsentativer Umfrage der Messe - 86 Prozent den Besuch auch ihren Bekannten empfehlen und mehr als 70 Prozent der Besucher bewerteten die Messe als gut bis sehr gut. Ob diese Einschätzung auch aus Sicht Aussteller zutrifft, werden die Buchungen bei der nächsten Austragung, die für den 19. bis 21. Oktober 2017 angesagt ist, zeigen. Zumal der erste Tag, der Freitag, der aus Sicht Handel oftmals der beste ist, relativ besucherschwach ausfiel.


Dino 246 GT (1971) - noch mit den übereinandergefalteten Scheibenwischern - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dabei war die Messe mit zwei komplett bespielten Hallen und einer zusätzlichen Fahrzeugmarkt-Halle doch recht übersichtlich. Aber man sollte eben eine regionale Messe, die sich vor allem an Leuten aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen richtet, nicht mit der Techno Classica oder der Rétromobile vergleichen.

Attraktive Fahrzeuge aus der Gegend

Hamburg gehört nicht gerade zu den Zentren der deutschen Autoindustrie, immerhin aber gab es einige Hersteller, die teilweise vor vielen Jahrzehnten in der Hanse-Stadt Fahrzeuge fertigten, so etwa Tempo von Vidal & Sohn, die Lieferwagen mit drei und vier Rädern bauten.


Hamburger Autogeschichte - die Fahrzeuge namens Tempo - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Von diesen Tempo-Fahrzeugen konnten gleich mehrere in einer Sonderausstellung, aber auch auf dem Stand des Prototyp Museums bewundert werden.


Das Prototyp Museum mit deutschen Nutzfahrzeugen und italienischem Rennwagen - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Etwas versteckt konnte man ein weiteres Produkt aus Hamburger Fertigung finden, den Herbst Piccolo Kleinwagen, der von ILO-250-cm3-Motor im Heck angetrieben wurde.


Herbst Piccolo (1954) - zweisitziger Kleinwagen mit Jlo 250 cm3 Zweizylinder im Heck - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

ILO-Motoren, die nur 25 km nördlich von Hamburg in Pinneberg gebaut wurden, gab es sogar für Fahrräder, ein solches war ebenfalls zu sehen.


Rixe Fahrrad von 1949 mit Anbaumotor der ILO Werke - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Originell war auch der ebenfalls ausgesellte Wendax, eine Art Hybridfahrzeug, das vorne einem Auto, hinten einem Motorrad glich.


Wendax (1949) - von vorne ein Auto, von hinten ein Motorrad - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Maserati Quattroporte III (1983)
Cadillac Seville 4.5 (1990)
Triumph TR6 (1973)
Ford (USA) Mustang V8 (1968)
0041 44 856 11 11
Oberweningen, Schweiz

Händler-Stände mit Premium-Angeboten

Trotz des regionalen Charakters der Messe hatten einige grosse Oldtimer-Händler ihre Teilnahme zugesagt. So zeigte Thiesen eine Auswahl aus ihrem reichhaltigen Angebot, darunter einen Lamborghini Miura, aber auch einen Dino 246 GT und einen Lancia Delta Integrale.


Mercedes-Benz 300 SL (1956) - Flügeltürer bei Thiesen - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Springbok stellte als Attraktion drei weisse Mittelmotorsportwagen auf den Stand, zwei von Ferrari, einen von Lotus.


Lotus Esprit S1 (1977) - komplett restauriert für EUR 57'000, jetzt für EUR 68'500 angeboten - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Bei Kautschuk Klassik gab es elegante Mercedes-Benz, aber auch andere Fabrikate zu bewundern.


Kautschuk Klassik mit Jaguar- und Mercedes-Benz-Raritäten - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Axel Schuette, der sich wohl relativ spät für eine Teilnahme entschieden hatte, zeigte vier ältere Klassiker, darunter ein Packard und ein Darracq


Packard 645 Deluxe Eight Dietrich Dual Cowl Sport Phaeton (1929) - gezeigt von Axel Schuette - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Andere Händler präsentierten verschiedene Rolls-Royce-, Porsche- und immer wieder Mercedes-Benz-Modelle.


Rolls-Royce Phantom I (1930) - Springfield-Auslieferung als Ascot Phaeton Tourer mit Brewster Karosserie - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Zusätzlich gab es einen Privat-Markt, in dem viele Amerikaner auf Käufer warten, in der es aber auch einen Opel Kadett A Caravan, einen Autobianchi A112 Abarth oder einen Alfa Romeo Montreal zu kaufen gab.


Opel Kadett A (1964) - viel Interesse für den Caravan (EUR 12'800) - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Insgesamt wurden so wohl rund 200 bis 300 Fahrzeuge angeboten, eine Auswahl, die jedes Interesse abdeckt, konnte man da natürlich nicht erwarten. Die angeschriebenen Preise drückten zumeist viel Selbstvertrauen der Verkäufer aus.

Club-Präsentationen mit Höhepunkten

Besondere Autos gab es aber nicht nur bei den Händlern sondern vor allem auch bei den Clubs. Gleich vier De Lorean DMC-12 fanden sich auf einem Stand, auf dem die Freunde dieser Marke auch ein Film-Auto aus “Zurück in die Zukunft” eindrücklich präsentierten.


Mächtig ins Zeug legten sich die De-Lorean-Fans - sie stellten gleich mehrere der raren Flügeltürenautos auf ihren Stand - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die ganze Audi-Ur-Quattro-Geschichte zeigte der Bayrische Ur-Quattro-Club mit sechs (!) Fahrzeugen.


... bis zum letzten Baujahr (Audi Quattro) - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Bei den Spitfire-Club Deutschland hatte gleich vier Renn-Spitfires auf dem Stand.


Gleich vier Renn-Spitties auf dem Stand der Triumph-Spitfire-Clubs Deutschland - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Verschiedene Regionalclubs zeigten Strassen- und Rennklassiker, so etwa den Audi Quattro Pikes Peak, den Walter Röhrl 1987 in Rekordzeit auf den Berg in den USA trieb, oder den Opel Ascona B, mit dem Jochi Kleint Rallye-Europameister wurde.


Audi Quattro S1 Pikes Peak (1987) - 7 Sekunden Vorsprung fuhr Walter Röhrl 1987 am Pikes Peak heraus - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die beiden Herren waren übrigens auch vor Ort und verteilten eifrig Autogramme und redeten über die guten alten Zeiten.

Seminare mit Mehrwert

Als zusätzliche Attraktion hatten sich die Hamburger Messemacher eine Seminarbühne ausgedacht, auf der Leute aus der Oldtimer-Szene über spannende Themen sprachen.


Helmut Horn sprach im Rahmen einer Vortragsserie über Uhrkundenfälschung beim historischen Automobil - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

So konnte man etwa Helmut Horn zuhören, wie er über Identitäts-Fälschung mit alten Automobilen referierte oder vom bekannten “Oldtimer-Fahrlehrer” Martin Henze Kniffs und Tricks im Umgang mit dem historischen Automobil erfahren. Dazwischen gab es Musik, was sich durchaus positiv auf die Atmosphäre in den doch recht dunklen Hallen auswirkte.


OCC kündige eine neue Reparaturversicherung an und zeigte einen Ford Mustang - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wer etwas über Oldtimer lernen wollte, konnte sich auch an die zahlreichen Dienstleister erkundigen. Der Assekuranzkontor OCC stellte beispielsweise eine neuartige Reparaturkostenversicherung für alte Autos vor, Restaurierer präsentierten Halbfertigprodukte, die einen Einblick in ihre Arbeitsweise zuliessen.

Keine Hersteller

Die grossen deutschen Autohersteller blieben der regionalen Messe in Hamburg fern. Dies ist eigentlich schade, denn Wolfsburg beispielsweise wäre ja keine 200 Auto-Kilometer von der Binnenhafen-Stadt entfernt.


VW Käfer (1951) - früher Volkswagen aus der Sammlung Autostadt - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Immerhin stellte die Autostadt einen Käfer zur Verfügung, welcher dann beim Porsche-Club zwischen einem Porsche Diesel-Traktor und einem 356 zu stehen kam.

Für die Männer

Als ob mit den vielen Autos, Ersatzteilangeboten und Dienstleisterpräsentationen nicht schon genug Männer-Thema serviert worden wären, gab es auch noch die “Man’s World”, in der sich “Mann” seinen Bart stutzen, sich mit Massschuhen eindecken oder ein Motorrad kaufen konnte.


Ausstellungsteil "A Men's World" - da konnte man sich auch den Bart stutzen lassen ... - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Besucher als Aussteller

Sehr gut gelegen war der Oldtimer-Parkplatz für die Besucher. Er befand sich nämlich gleich zwischen den beiden Haupthallen der Messe. Bei meist schönem Wetter und Temperaturen bis 22 Grad gehörte das Schlendern durch die geparkten Autos zu den angenehmen Beschäftigungen auf der Hamburger Messe.


Zufälliges Treffen? Verschiedene Datsun-Z-Generationen zusammen - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und manche Rarität gab es sogar nur draussen zu sehen, etwa vier Datsun Z verschiedener Baureihen, einen Ford Capri Turbo-May oder auch einen Citroën 2 CV Pickup.

Das besondere Projekt

Es nennt sich “Cuno Bistram-Projekt” und es ist einem Mann uns seinen kleinen “Rennwagen” gewidmet. An der Messe in Hamburg standen sie  alle wieder da, die kleinen Renner, die Cuno Birstram in den Vierzigerjahren gebaut hatte und die von 1948 bis 1972 das grosse Erlebnis für die Besucher im Tierpark Hagenbeck waren.


Von 1948 bis 1972 durften die Besucher des Tierparks Hagenbeck mit diesen "Rennwagen" von Cuno Bistram (1923-1973) fahren - Hamburg Motor Classics 2017
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dazu kam der einzige etwas grössere Rennwagen, der einst eine Strassenzulassung besass und mit bis zu 60 km/h durch die britische Zone zockelte.

Um Technik und Handwerk wieder an die Schulen zu bringen und minderprivilegierten Jugendlichen eine handwerkliche Ausbildung zu bieten, die in Zukunft gefragt sein wird, wurde mit “yourmove” ein Projekt um diese Cuno Bistram Autos aus der Taufe gehoben. Und an der Hamburger Messe wurde die Arbeit und das Projekt den Besuchern vorgestellt.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Coupé, 125 PS, 2195 cm3
Targa, 125 PS, 2195 cm3
Coupé, 155 PS, 2195 cm3
Targa, 155 PS, 2195 cm3
Coupé, 180 PS, 2195 cm3
Targa, 180 PS, 2195 cm3
Coupé, 130 PS, 2341 cm3
Targa, 130 PS, 2341 cm3
Coupé, 140 PS, 2341 cm3
Coupé, 165 PS, 2341 cm3
Targa, 165 PS, 2341 cm3
Coupé, 190 PS, 2341 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Schlieren, Schweiz

0443059904

Spezialisiert auf Porsche

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

Spezialist

Mönchsdeggingen, Deutschland

09088920315

Spezialisiert auf Ford, Chevrolet, ...

Spezialist

Amtserdam, Niederlande

Spezialisiert auf Ford, Jaguar, ...

Spezialist

Undenheim, Deutschland

+49 6737 31698 50

Spezialisiert auf Mercedes, Jaguar, ...

Spezialist

Aarberg, Schweiz

0041 79 733 17 28

Spezialisiert auf Mercedes-Benz, Mercedes, ...

Spezialist

Schoten, Belgien

+32 475 42 27 90

Spezialisiert auf Lola, De Tomaso, ...

Spezialist

St. Margrethen, Schweiz

071 450 01 11

Spezialisiert auf Mercedes Benz, VW, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

St. Margrethen, Schweiz

+41 (0)71 450 01 11

Spezialisiert auf Mercedes Benz, VW, ...

Spezialist

Toffen, Schweiz

+41 31 819 48 41

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 566 13 70

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.