Es gibt Autobücher über die ganze Geschichte des Automobils, solche über eine Marke, eine Epoche, eine Fahrzeugart oder einen bestimmten Fahrzeugtyp, aber es gibt auch Bücher, die sich gerade einmal mit einem einzelnen Auto, also einer einzelnen Chassisnummer beschäftigen. Wir haben vor vielen Jahren eine (nicht vollständige und nicht ganz konsequent nachgeführte) Übersicht über solche Bücher erstellt.
Das Buch “Die Legende kehrt zurück - Entdeckung und Wiederaufbau des Porsche 911 2.5 S/T von 1971” gehört in diese letzte Kategorie, denn im Zentrum des 272 Seiten starken Werks steht der 911 2.5 S/T mit Fahrgestellnummer 911 230 0041, der 1972 mit Gérard Larrousse am Steuer immerhin den zweiten Platz bei der 41. Rallye Monte Carlo erreichte.
Kein Werkswagen, aber fast
Die Initiative für den Einsatz bei der Winterrallye in Monaco ging von Larrousse, denn Porsche hatte keine Absichten, dort selber an den Start zu gehen. Also organisierte Larrousse Sponsoren (SEB und Shell) und liess zwei Wagen für sich und Björn Waldegaard vorbereiten.
Als Basis wurde ein Serienwagen ohne Motor und Getriebe bestellt, die Versuchsabteilung von Porsche ergänzte den Wagen dann nach den Wünschen von Larrousse und nutzte den für 1972 angekündigten 2,5-Liter-Sechszylindermotor.
Im Buch ist der gesamte Aufbau umfangreich mit Originaldokumenten, Schwarzweiss-Fotos und ergänzenden Erklärungen dokumentiert. 1052 kg schwer war das Einsatzfahrzeug, ohne Zusatzausstattungen wurden 934,5 kg gewogen, das Auto war gemäss Reglement also sogar untergewichtig. Der Motor leistete rund 265 PS.
Bei der Rallye Monte Carlo, die am 25. Januar 1972 begann, wurden die beiden Porsche dann von der Porsche-Service-Mannschaft unterstützt.
Beinahe hätte Larrousse die Rallye gewonnen, aber er hatte zuviele Strafpunkte gesammelt und fuhr schliesslich hinter dem Lancia Fulvia von Sandro Munari auf den zweiten Platz.
Der ganze Verlauf der Rallye wird im Buch mit vielen Notizen und Bildern dokumentiert.
Der Rest der Perioden-Renngeschichte ist kurz, zwei Seiten reichen im Buch für deren Dokumentation: Start beim 1000-km-Langstreckenrennen auf dem Nürburgring 1972 und beim “Criterium des Cévennes” im selben Jahr, Einsatz als Versuchswagen und dann Verkauf an einen Privatmann, der kaum ahnen konnte, was er da genau gekauft hatte.
Rund ein Drittel des Buchs ist dem geschichtlichen Hintergrund des Wagens Nummer 0041 und seiner Gattung gewidmet.
Die zweite Karriere von 0041
Der ganze zweite Teil des Buchs gehört dann, eingeleitet durch ein Kapitel über den heutigen Besitzer Michael Stoschek, der Neuzeit ab den Neunzigerjahren. Die FIA hatte 1993 bestimmt, dass die Bewerber bei einer Historischen Meisterschaft mit Original-Fahrzeugen anzutreten hätten.
Der ex-Larrousse-Wagen war 1993 beim auf Porsche-Ersatzteile spezialisierten Dietmar Zinser gelangt, der als erstes nach vielen Jahren erkannte, welche Vergangenheit die geschundene Karosserie aufwies. Eigentlich wollte Zinser den Wagen für sich aufbauen, doch erwies sich das Unterfangen bald als zu gross, weshalb der 911er 1998 an Michael Stoschek verkauft wurde. Dieser suchte die Unterstützung des Werks und baute mit seinen Leuten den Wagen innert zweier Jahre neu auf. Das Werk unterstützte die Arbeiten mit Kontakten und vielen Dokumenten.
Da der Wagen in der historischen Rallye-Meisterschaft eingesetzt werden sollte, musste er den damals aktuellen FIA-Vorschriften entsprechen. Interessant sind daher die Fotovergleiche, die den 911 S/T des Jahres 1972 mit demselben Wagen 28 Jahre später zeigen.
Stoschek gewann mit dem Coupé dann die historische Rallye-Europameisterschaft 2006. Zu diesem Zwecke trat er sogar in seiner Firma (Brose) kurz, um sich voll auf das Rallye-Fahren zu konzentrieren. Verschiedene Beifahrer und Mentoren, vielen davon ist ein eigenes Kapitel gewidmet, unterstützten ihn dabei.
Besonders interessant sind auch die Erinnerungen seiner Mechaniker-Truppe, wie sie die Einsätze begleiteten und was dabei alles zu tun war.
Im Jahr 2015 fand er 911 S/T dann an die Rallye Monte Carlo zurück, an die historische Ausgabe natürlich. Ein Sieg war wegen Reifenproblemen und anderen Ereignissen nicht möglich, aber der Vergleich zwischen dem Originalauto, aufgenommen im Jahr 1972, und dem restaurierten Wagen im Jahr 2015 an jeweils derselben Stelle, ist eindrücklich.
Nicht für alle
Sollte Stoschek seinen Porsche 911 S/T dereinst verkaufen, dürfte das vorliegende Buch eine perfekte Ergänzung und Dokumentation dazu sein. Aber wer sollte das Werk darüber hinaus noch kaufen? Mit rund 2/3 der Seiten, die sich mit Stoschek und dem restaurierten Auto befassen, ist das Buch für Historiker weniger interessant als Werke, die sich nur der Geschichte von Fahrzeugen widmen und dazu vielleicht auch einen breiteren Überblick bieten.
Aber man sollte nicht voreilig urteilen. Tatsächlich ist es hochinteressant, zu erfahren, was es bedeutet, wenn man an der Spitze von historischen Meisterschaften mitfahren will. Leider verzichten die Autoren Lewandowski und Stoscheck weitgehend auf Aufwands-Zahlen, dabei wäre es doch hochinteressant gewesen zu lesen, wieviele Stunden und Deutsche Mark in die Restaurierung flossen, wieviel Geld und Manpower in eine Rennsaison gesteckt wurde und was die Vorbereitungen für den Monte-Carlo-Einsatz 2015 kostete. Dass es grosse Zahlen gewesen sein dürften, das kriegt der Leser aber auch so mit.
Liebevoll und sehr umfangreich geriet die Illustrierung des Buchs, zumal die Fotos zusätzlich auch noch englischsprachige Bildunterschriften erhielten.
Langweilig ist das Buch jedenfalls nicht, ein bisschen ungewöhnlich aber vielleicht schon, weil es den heutigen Besitzer und Fahrer des historischen 911 S/T so stark ins Zentrum rückt.
Die geforderten EUR 49.90 werden wohl niemanden reich machen, der Käufer erhält aber ein spannendes Werk, das viele Aspekte des historischen Rennsports aufzeigt und die Geschichte eines sicherlich interessanten Rennsportwagens dokumentiert.
Bibliografischen Angaben
- Titel: Die Legende kehrt zurück: Entdeckung und Wiederaufbau des Porsche 911 2.5 S/T von 1971
- Autoren: Jürgen Lewandowski / Michael Stoscheck
- Sprache: Deutsch (Bildunterschriften zusätzlich in Englisch)
- Verlag: Delius Klasing
- Auflage: 1. Auflage November 2025
- Format: Gebunden, 24 x 27,2 cm
- Umfang: 272 Seiten, rund 250 Abbildungen
- ISBN: 978-3-667-13078-5
- Preis: EUR 49.90
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