Das Winter-Abenteuer in der Hochsteiermark - die Aflenzer Winterclassic 2013

Erstellt am 18. Februar 2013
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
56

Für Oldtimer-Enthusiasten mit grosser Abenteuerlust gibt es mittlerweile ein ansehnliches Angebot an Veranstaltungen. Nach Peking-Paris und dem Schnee-Gestöber im Vorarlbergischen muss man sicher auch die Aflenzer Winterclassic in der Hochsteiermark dazuzählen. Wie herausfordernd und gross das Abenteuer jeweils ist, lässt sich an der Schneemenge ablesen.


Porsche 911 (1976) - an der Aflenzer Winterclassic 2013
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bis zur Orientierungslosigkeit

Nicht nur das Fahren ist wegen ständig abwechselnder Fahrbahnverhältnissen und teilweise dichten Nebel (Sichtweite unter 10 Metern) extrem anspruchsvoll, nein auch für den Navigator eröffnen sich neue Möglichkeiten der Fehlnavigation bis hin zur völligen Orientierungslosigkeit.

Sogar einheimische Tankstellenangestellte fanden sich mit dem Roadbook derartig überfordert, dass sie plötzlich selber nicht mehr wussten wo sie eigentlich sind.

Akribisch werden die Roadbook-Kartenausschnitte in verschiedenen Masstäben und Himmelsrichtungen zusammengesetzt. Jede Seite muss von Neuem erkundet werden. Dazu kommen sehr einfach von Hand gezeichnete Skizzen.

Tückisches Roadbook, schwierige Strassenverhältnisse

Es gibt kaum ein Teilnehmer, der nicht mit den Tücken dieses Roadbooks zu kämpfen hat. Aber dadurch werden natürlich schon einfachste Navigationen zum Erlebnis und nicht selten kommen an einer Kreuzung Teilnehmer aus allen vier Himmelsrichtungen zusammen.

Dazu kommen schwierige Strassenverhältnisse, die die Teams oft aus dem mehr oder weniger beheizten Auto zwingen. Seien es eigene Ausrutscher, ein Hilfe benötigender Konkurrent oder die Notwendigkeit, Ketten montieren zu müssen, fast jeder Teilnehmer weiss am Ziel von Problemen, Schwierigkeiten und besonderen Erlebnissen zu erzählen. 

Vergessen sind auf einmal Zeitkontrollen, Schnitttabellen oder auch Endklassierungen. Man will plötzlich nur noch das Ziel erreichen und dies möglichst nicht alleine.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mercedes-Benz 300 S Roadster (1954)
Ford Sierra Cosworth (1988)
Citroen SM (1973)
Jaguar XK 120 DHC (1954)
0 74 43/ 1 73 47 04
Dornstetten, Deutschland

Fehlender Kameradschaftsgeist und Sinn für Fairness?

Aber auch hier im eigentlich hilfsbereiten Freundeskreis fehlt es manchmal am letzten Quentchen Kameradschaftsgeist. So helfen wir zum Beispiel mit sechs Mann einem Mercedes-Team zurück auf die Strasse und als kurz darauf ein Volvo im Schnee steckt und wir die zweifache Manneskraft der Mercedes-Mannschaft bitter nötig gehabt hätten, meint der Fahrer: „Wir können nicht schon wieder stoppen, erstens haben wir bereits zweimal Konkurrenten geholfen und zweitens haben wir eine tiefe Startnummer und sind schwer im Rückstand!“
Als ob wir nicht alle schon Minuten, wenn nicht Stunden in Verzug gewesen wären.

Auch werden Ketten völlig unorganisiert mitten auf der Fahrbahn aufgezogen, oder gar mit Wagenheber ganze Räder gewechselt. Die komplette Rallye wird blockiert, egal ob der zwölfte Wagen in der stehenden Kolonne die Ketten schon lange montiert hat oder gar ohne jegliche Fahrhilfe die Steigung überwinden könnte. Alle müssen mit anpacken oder warten, bis die Gasse endlich wieder frei ist.


Mercedes 450 SLC (1979) - an der Aflenzer Winterclassic 2013
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Hilfsbereitschaft obsiegt

Aber es gibt auch die andere, extrem hilfsbereite und freundschaftliche Seite und diese ist massiv grösser als das Gegenteil. Man hilft sich wo man kann und bekommt die Hilfe kurze Zeit später doppelt zurück.

Als einem Porsche-Fahrer ein Brückengeländer entgegen kommt und er sein eigenes Auto in kalt verformtem Zustand kaum wiedererkennt, wird die geschockte Mannschaft vom nachfolgenden BMW 2002 touring ohne Wenn und Aber ins Hotel gefahren, obwohl die bayrische Truppe ihren Rallye-Tag damit aufgeben muss.

Auch die ansässigen Bauern stehen mit ihren schweren Traktoren hilfsbereit zur Stelle. Reicht die menschliche Kraft mal nicht mehr aus, um das Auto auf die Fahrbahn zurückzubringen, so kann jederzeit beim nächstliegenden Bauernhof Hilfe geholt werden.

Nichts für Concours-Fahrzeuge

Es versteht sich von selbst, dass man nicht mit einem Concours-Auto an einer derartigen Veranstaltung teilnehmen sollte. Nicht nur die vielen stark gesalzenen Strassen machen den Autos zu schaffen, nein auch der Split hinterlässt seine Spuren und natürlich kommen da und dort auch Karosserieschäden noch dazu.

Die Besatzungen wie die Fahrzeuge zeigen stündlich steigende Müdigkeitserscheinungen. Man stösst an seine eigenen Grenzen und immer mehr Fehler schleichen sich ein. Es ist keine Kaffee-Fahrt von 50 km, nein die Gesamtdistanz erstreckt sich während eineinhalb Tagen über etwas mehr als 700 km und führt durch Märchenlandschaften verschneiter Hügelzüge und tiefe Wälder, quer durch das Niemandsland der Hochsteiermark.

Leider bleibt keine Zeit, diese einzigartige Landschaft zu geniessen, da der Fahrer seine Augen konzentriert auf den Streckenverlauf gerichtet hat und der Beifahrer kaum einen Blick vom Roadbook wenden kann.

Aber genau deshalb ist es wohl eines der letzten grossen Abenteuer, an dem man mit seinem Oldie in Mitteleuropa noch zu günstigen Konditionen teilnehmen kann. Weit ab vom Fünf-Sterne Arrangement zählt hier in erster Linie das Fahren und die Freundschaft.   

Jeder ist ein Sieger

Jeder Teilnehmer kann sich am Schluss wie ein Sieger fühlen, wenn er die Strapazen heil überstanden hat. Aber natürlich gibt es auch noch die, die es ein wenig schneller geschafft haben.

Gesamtsieger und Erster der grünen Klasse werden in der Austragung 2013 Erik Skreiner / Philip Mittelbach auf VW Käfer (1959) mit einer Zeitdifferenz von: 01:58:06 Stunden. Dahinter folgen Gert Pierer / Martin Rettenbacher auf Volvo 122 S (1965) mit einer Zeitdifferenz von 02:03:42 Stunden. Im Windschatten auf den dritten Platz fahren Heiko Dlugos / Marc Dennerlein auf Fiat 128 3P (1978) mit einer Zeitdifferenz  von 02:06:01 Stunden

Die grüne Klasse bis Baujahr 1949 gewinnen Bernhard Brägger / Manfred Tragner auf Alvis DKC 731 (1936) mit einer Zeitdifferenz von 12:54:29 Stunden.

In der roten Klasse ab Baujahr 1979 siegen Oliver Schramm / Robert Zschocke auf Alfasud (1980) mit einer Zeitdifferenz von 04:07:20 Stunden

Gesamtergebnisse

Pos StrNr Gruppe Fahrzeug Baujahr Mannschaft Kommentar
1 39 2 VW Käfer 1959 Skreiner Erik / Mittel bach Philipp Gruppensieger
2 35 2 Volvo 122S 1965 Pierer Gert / Rettenbacher Martin  
3 16 2 Fiat 128 3P 1978 Dlugos Heiko / Dennerlein Marc  
4 6 2 Ford 1300 GT 1970 Peherstorfer Kurt / Baier Christian  
5 38 2 Porsche 911 1965 Haberl Michael / Haberl Sebastian  
6 19 2 Porsche 924 Turbo 1979 Schott Karl Heinz / Wohlenberg Karsten  
7 25 2 Porsche 924 1979 Patsch Peter / Irger Manfred  
8 24 2 Volvo 1800 E 1970 Neugebauer Klauspeter / Howacker Florian  
9 28 2 VW 1303 S 1973 Bauder Franz / May rhofer Robert  
10 20 2 Maserati Mistral 1966 Schorno Edy / Betschart Christoph  
11 13 3 Alfa Romeo Alfasud 1980 Schramm Oliver / Zschocke Robert Gruppensieger
12 23 2 Opel Kadett GT/E C 1976 Jodl Alfred / Jodl Christoph  
13 8 2 Mercedes 450 SLC 1979 Pan Peter / Krisam Martin  
14 17 2 Rover 3500S 1972 Perger Gerhard / Gottschlich Roman  
15 37 2 Lancia Zagato 1600 1973 Baldini Emilio / Sicher Philipp  
16 31 3 Porsche 924 1980 Gesslbauer Johann / Gesslbauer Uli  
17 22 2 Saab 96 1967 Fojtik Andreas / Operschal Michael  
18 2 2 Opel Mama B 1976 Kunz Gerhard / Kunz Susanne  
19 29 2 Fiat 132/2000 1978 Huber Robert / Förster Stefan  
20 34 2 Alfa Romeo GT Bertone 1975 Hürlimann Bruno / Kaufmann Rainer  
21 5 2 Ford Cortina 1969 Gailhofer Jakob / Zeisberger Oliver  
22 11 2 Porsche 911 1976 Bachner Martin / Karion Fritz  
23 15 2 Austin A 30 1956 Rohrmoser Michael / Fuchs Georg  
24 33 2 Porsche 924 1979 Haunschmid / Höbarth  
25 18 2 Volvo 122S 1969 Stranzinger Herbert / Stranzinger Josef  
26 1 3 Audi sport quatro 859 1984 Stoschek Michael / Walz Rüdiger  
27 27 2 VW 1303 1972 Weckerle Pius / Schlager Otmar  
28 21 2 Triumph TR 5 Rallye 1968 Dravec Chris / Stoll Silvia  
29 3 2 VW Typ ll 1957 Schwarz Hermann / May rhofer Joschi  
30 40 2 Alfa Romeo GTV 1978 Auer Stephan / Jansen Jens  
31 32 2 Porsche 356 B 1960 Maszynski Stefan / Marek Thomas  
32 7 1 Alvis DKC 731 1936 Bräqqer Bernhard / Tragner Manfred Gruppensieger
33 30 2 BMW 2000 1971 Hess Felix / Hess Philip  
34 36 3 Porsche 928 1980 Grosina Herwig / Baier Rudolf  
35 9 3 Triumph TR 7 1981 Staudt Rainer / Krieg Jürgen  
36 41 3 Porsche 944 1982 Noser Werner / Brägger Annie  
37 10 3 Audi quatro 1981 Brückner Toni / Brückner Gabi  
38 26 3 Renault Alpine 5 1981 Zuhnemer Andreas / ReinersJörg  
39 12 2 VW-Käfer 1302S 1970 Peters Wilfried / Kronberger Gernot  
40 14 3 Porsche 944 1984 Greub Stefan / Vonow Alex  
41 4 3 Porsche 944 1982 Hauser Thomas / Reinhard Thomas  

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von go******
20.02.2013 (11:32)
Antworten
war wie letztes jahr eine tolle veranstaltung bei der man RICHTIG AUTOFAHREN kann und muss! die navigation ging heuer schon besser als voriges jahr, jedoch gabs wieder kleinere technische probleme.... 2. aflenzer in folge ohne schneeketten auflegen! - bei uns zumindest... ;-)
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