Alpenbrevet 2019 - auf den Spuren des Films “The Italian Job”

Erstellt am 19. August 2019
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
144
Beste Bilder
Bildergalerie Alpenbrevet 2019 - die Teilnehmerfahrzeuge

2003 organisierten Georg Dönni und sein Freund Balz Bessenich zum ersten Mal ein Alpenbrevet. Dabei handelt es sich um eine Art Oldtimer-Rallye, die allerdings nicht dem üblichen Muster dieses Genres entspricht.


Warten bis die Auffahrt aufs Lingotto freigegeben wird - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Etwas für enthusiastische Autofahrer

Beim Alpenbrevet wird damit nämlich an eine Zeit erinnert, als Passfahren noch eine Herausforderung war und als man noch stolz die Kleber der erfolgreichen “Überwindung” auf seinem Auto anbrachte. Und weil es heute selbst mit alten Autos nicht mehr so schwierig ist, klassische Alpenpässe wie den Gotthard oder den Grossglockner zu befahren, werden beim Alpenbrevet gerne weniger bekannte Alpenstrassen mit schmalen Strassen aufgesucht. Und dies gleich in grösserer Zahl. Denn eine Auszeichnung erhält, wer von einer vorgegebenen Liste an Pässen die grösste Anzahl innert einer vorgegebenen Zeitperiode (2019 standen 20 Stunden zur Verfügung) bezwingen kann.


Fiat Barchetta (1998) - am Colle del Nivolet - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Natürlich liegt der damit vorgegebene Schnitt nicht höher als 50 km/h, aber auch dies kann herausforderungsreich sein, wenn man die halbe Strecke bei Nacht absolvieren muss.

Ein ganz besonderes Alpenbrevet

Die 16. Austragung am 14. bis 18. August 2019 war einerseits Balz gewidmet, der unerwartet vor gut einem Jahr verstarb, andererseits nutzte man das 50. Jubiläum des Kultfilms “The Italian Job”, um eine ganz besondere Veranstaltung zu organisieren.


Rover Mini Cooper 1.3 (1998) - Teststrecke auf dem Dach der Lingotto-Fabrik in Turin - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Zur Erinnerung eine kurze Zusammenfassung des 1968 gedrehten und 1969 lancierten Films: Der Plan für einen Goldraub gelangt in die Hände von Charlie Crocker, als er kurz nach dem Verlassen des Gefängnisses die Witwe eines von der Mafia in seinem Lamborghini Miura ermorderten Ehemanns namens Roger Beckermann besucht. Um den Raub durchführen zu können, benötigt Crocker die Hilfe des britischen Obergangsters Mr. Bridger, der seine Geschäfte aus dem Gefängnis heraus führt. Damit er ihn sprechen kann, muss Crocker ins Gefängnis einbrechen!
Um das Gold zu rauben, organisieren Crocker und sein Team einen totalen Verkehrskollaps in Turin, dem sie dank der Wendigkeit von drei Mini-Cooper-Fluchtfahrzeugen (samt dem Gold) ausweichen und so Polizei und Gangsterkonkurrenz ausschalten können. Nachdem das Gold in einen Omnibus umgeladen wurde, die Minis entsorgt sind und eigentlich alles bestens geklappt hat, verliert der Fahrer die Kontrolle und der schwer beladene Omnibus hängt über der Klippe auf dem Nivolet-Pass.

Der Ausgang blieb offen, eine Fortsetzung war damals geplant, wurde aber nie gedreht.

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Natürlich mit einem Lamborghini Miura …

Berühmt sind nicht nur die atemberaubenden Stunteinsätze mit den Minis in Turin, sondern auch die Einleitungssequenz, in der Beckermann im Lamborghini Miura den Grossen Sankt Bernhard hochfährt, untermalt von der Stimme Matt Monros, der “On days like this …” intoniert.


Georg Dönni am Lenkrad des Lamborghini Miura, im Ohr der Film-Soundtrack "On Days like this ..." - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Es war also nur logisch, dass auch am Alpenbrevet mit Übertitel “The Italian Job” ein Lamborghini Miura dabeisein musste. Georg Dönni mietete sich kurzerhand ein entsprechendes Fahrzeug mit Rechtslenkung (!) der Fondation Renaud.


Lamborghini Miura S/SV (1968) - am Colle del Nivolet - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Zwar mutete man dem Miura die Strapazen der Vielpässefahrt vom Freitag auf den Samstag nicht zu, ansonsten aber war der Lambo die ganze Zeit dabei und absolvierte gegen 1200 km.

… und vielen Minis

Noch wichtiger im Film als der Lamborghini sind allerdings die Mini, eigentlich Austin/Morris Mini Cooper S der späten Sechzigerjahre.


Rover Mini Cooper 1.3 (1999) - Teststrecke auf dem Dach der Lingotto-Fabrik in Turin - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Tatsächlich fand sich ein kleines Rudel dieser kleinen Autos ein und es gelang sogar, die eine und andere Szene aus dem Film nachzustellen, insbesondere die Fahrt über das Lingotto-Oval, doch davon später.

Eine ganz besondere Autozug-Fahrt

Den Anfang des Alpenbrevet 2019 aber machte eine für viele Teilnehmer sicherlich unvergessliche Autozugfahrt von Kandersteg nach Iselle (in Italien). Alleine schon, dass dies möglich war, grenzte an ein kleines Wunder, denn offiziell werden gemäss BLS wegen Bauarbeiten keine derartigen Autozüge mehr nach Italien durchgeführt bis ins Jahr 2022.


Im Autoreisezug - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der kurze Zug bot Platz für rund 45 Fahrzeuge, die dieses besondere Vergnügen geniessen durften. Von dort ging es per Achse weiter nach Stresa, wo das erste Nachtlager (mit Seesicht auf den Lago Maggiore) aufgeschlagen wurde.

Der Prolog zum Nivolet

Am nächsten Tag stand eine Fahrt auf den Colle del Nivolet auf dem Programm. Dort wurden viele Szenen des Films, insbesondere aber das Ende gedreht. Eigentlich wäre der Pass am Feiertag “Ferragosto” geschlossen gewesen für den motorisierten Verkehr, doch eine Ausnahmegenehmigung machte den Ausflug möglich.


Rover Mini Cooper 1.3 (1999) - am Colle del Nivolet - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Für die Teilnehmer gab es nicht nur eine gut gekochte Polenta, sondern auch eine sagenhafte Aussicht zu bewundern.


Jaguar XK 120 OTS (1953) - am Colle del Nivolet - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Am Nachmittag führte die Fahrt dann nach Turin, wo ein Hotel in der ehemaligen Fiat-Fabrik Lingotto für eine dringend notwendige Schlafgelegenheit sorgte.

Harte 20 Stunden

Der dritte Tag war samt Nacht dem eigentlichen Alpenbrevet gewidmet. Es galt, zwischen mittags um 12:00 Uhr und 08:00 am nächsten Morgen möglichst viele vorgegebenen Pässe zu überwinden und die Durchfahrt mittels Fotos zu dokumentieren: Iseran, Bourg St. Maurice, Madelaine, Défilé du Maupas, Ornon, Festre, Espréaux, Garçinets, St. Jean, Allos, Cayolle, Bonette, Lombarde. Dies bedeutete eine Strecke von rund 950 km mit einem Schnitt von etwa 50 km/h abzufahren. Kein leichtes Unterfangen, zumal der Vollmond in der Nacht kaum sichtbar war und die Strassen teilweise eher in rudimentärem Zustand waren.


Georg Dönni erklärt die letzten Details vor der Abfahrt (Fahrer-Briefing) - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Beim Fahrerbriefing machte Georg Dönni den Mitstreitern klar, dass jeder für sich selber verantwortlich sei und dass natürlich die Strassenverkehrsordnung gelte. “Das ist keine geführte Schulreise für Minderjährige”, mahnte er die startbereiten Teilnehmer.

Nicht ohne Pannen

Die ersten Fahrzeuge hatten schon vor Kandersteg respektive in Stresa schlapp gemacht, die Viel-Pässefahrt aber war dann für noch mehr Autos zuviel. Ein gebrochenes Radlager, versagende Benzinpumpen, ein geplatzter Ökühler und andere Defekte zwangen das eine oder andere Team zur Aufgabe.


Reparaturen am Volvo 1800 ES, der Auspuff muss neu befestigt werden - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Zwei Teams schafften es dann sogar nur noch per Taxi zurück nach Turin, nicht ohne auf der Rückfahrt noch einen weiteren Pass “mitzunehmen”.

Auf dem Testoval der Lingotto-Fabrik

Die Belohnung am Samstag Vormittag war dann die Fahrt auf das Testoval auf der Lingrotto-Fabrik in Turin.


Jaguar XK 140 DHC (1955) - Teststrecke auf dem Dach der Lingotto-Fabrik in Turin - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Gruppenweise wurden die Fahrzeuge via den noch intakten Schneckengang auf das Dach geführt.


Jaguar MK VII (1955) - Teststrecke auf dem Dach der Lingotto-Fabrik in Turin - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dort konnten sie die renovierten drei Viertel der ehemaligen Einfahrstrecke auf dem Dach befahren, inklusive der einen Steilwandkurve. Es war für alle ein unvergessliches Erlebnis und man erfuhr bei dieser Gelegenheit auch, dass die Lingotto-Fabrik, gebaut zwischen 1916 und 1923, nicht nur ein architektonisches Meisterwerk ist, sondern auch die damals grösste Autofabrik der Welt war.


Monteverdi Safari (1979) - Teststrecke auf dem Dach der Lingotto-Fabrik in Turin - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Inspiriert von den Autowerken in Detroit wollte Agnelli eine ähnliche Produktion hochfahren. Weil er nicht soviel Platz hatte wie die Amerikaner legte er die Autoherstellung auf mehreren Stockwerken an. Unten wurde der Stahl und das Rohmaterial per Zug herangefahren, von dort an nahmen die Autos, unter anderem der Topolino, Gestalt an, bis sie auf dem Dach getestet und eingefahren werden konnten.


Austin Mini Cooper S (1967) - Teststrecke auf dem Dach der Lingotto-Fabrik in Turin - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Drei der sechs Minis schafften es bis aufs Lingotto-Dach und fuhren in Formation durch die Steilwandkurve, fast wie im Film.

Noch mehr “italian job”

Nach einem kurzen Erholungsnickerchen wurde am Samstag Abend die Stadt Turin erkundet. Eine überaus motivierte Dame erklärte in charmantem italienisch geprägten Englisch verschiedene Drehorte des Films “The Italian Job” und wies auf die kulturellen Highlights der geometrisch ausgerichteten Stadt Turin hin.


Diesen Fluss durchfuhren die Mini im Film "The Italian Job" - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

So konnte man aus dem Doppeldecker-Bus auch einen Blick auf das Wasserwehr erhaschen, über das die Minis im Film fuhren. Und natürlich gehörten auch die Arkaden, durch die die Minis rasten und die Einkaufsgalerie zur Tour.


Durch derartige Arkaden donnerten die Minis im Film "The Italian Job" - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und ganz beiläufig erzählte die resolute Dame dann auch noch, dass ihr Vater einst bei Bertone arbeitete und am Miura-Prototypen mitwirke!

Bei einem gemütlichen Abendessen bestätigte Georg Dönni in Form vom goldenen, silbernen oder bronze-farbenen Plaketten auf der Bergkristall-Trophäe die Passsammelleistung.

Am nächsten Morgen reisen die Teilnehmer individuell nachhause, die meisten mit ihrem Klassiker, einige Unglückliche per Zug, Flugzeug oder Mietwagen.

Fast wie im Film

Für den Autoren dieser Zeilen nahm die Rückfahrt wieder Bezug zum Film. Er durfte nämlich den Lamborghini Miura auf den Spuren von Roger Beckermann über den Grossen Sankt Bernhard fahren. Allerdings war vor 50 Jahren wohl weder eine durchgehende 50-km/h-Beschränkung noch eine beinahe über die ganze Strecke bis zur Passhöhe führende Sicherheitslinie vorhanden …


Lamborghini Miura S/SV (1968) - am Colle del Nivolet - Alpenbrevet 2019
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nicht nur der Schreiberling, sondern alle Teilnehmer waren vom grössten bisherigen Alpenbrevet 2019 begeistert. Das nächste Mal allerdings soll es wieder weniger aufwändig werden, meinte Georg Dönni bei der Verabschiedung …

Für weitere Fotos wurde eine zusätzlcihe Bildergalerie mit allen Bilder der Teilnehmerfahrzeuge angelegt.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von pi******
21.08.2019 (17:00)
Antworten
Hallo zusammen, guter Beitrag. Gibt es eine Karte von "den harten 20 Stunden Strecke", habe nicht alles gefunden. Vielen Dank LG Pietro
von bo******
20.08.2019 (12:04)
Antworten
Great story.!!!
Antwort vom Zwischengas Team (fa******)
22.08.2019 (16:48)
Thank you!
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