Weltmeister durch technischen K.O. – Eine Rennsaison mit Porsche (Buchbesprechung)

Erstellt am 9. Dezember 2013
, Leselänge 6min
Text:
Balz Schreier
Fotos:
Balz Schreier 
11
Archivbild 
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Louis Galanos 
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Petrolpics 
1
Porsche AG 
1
McKlein Publishing/Verlag Reinhard Klein 
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Archiv 
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Man schreibt das Jahr 2013, genauer gesagt Dezember 2013. In genau einem halben Jahr finden wieder die 24 Stunden von Le Mans statt. Für viele nichts Besonderes, doch wer die aktuelle Motorsport Presse mitverfolgt weiss, dass 2014 ein spezielles und historisch wichtiges Jahr im Langstreckensport sein wird: Die Marke mit den bis heute meisten Gesamtsiegen in der Sarthe kehrt nach Jahren wieder zurück und zwar um den Gesamtsieg zu holen.

Dieses Buch von Helmut Zwickl glänzt daher mit optimalem Timing, beschreibt es doch genau jenes Jahr 1969, wo Porsche im Langstreckensport so richtig ausholte und sich über Jahre hinweg konstant an die Spitze beförderte. Ob Porsche diesen Schwung für den Gesamtsieg wiederholen kann?


Weltmeister durch technischen K.O. – Eine Rennsaison mit Porsche (Beispielsseite aus dem Buch)
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

«Mission 2014 – Our Return – Coming Home»

Die Serie der 16 Gesamtsiege begann 1970, als Porsche mit dem 917 Kurzheck (Hans Hermann/Richard Atwood) über 4600 km in 24 Stunden zurücklegte und somit die goldene Trophäe für sich sicherte.


Porsche 908 (1969) beim 24 Stunden Rennen von Daytona 1969 - Aufstellung der Werksporsches 908
Copyright / Fotograf: Louis Galanos

Weitere Siege holten dann Rennwagen wie der 936, 935, die legendären und während Jahren unschlagbaren 956 und 962 und zuletzt der Porsche 911 GT1 im Jahre 1998 (die komplette Liste aller Porsche-Siege folgt am Schluss dieses Artikels). 

Nach 16 Jahren kehrt nun Porsche zurück und fordert Audi und Toyota um den Gesamtsieg heraus. Das Buch, das wir hier vorstellen, heisst "Weltmeister durch technischen K.O.", ein Werk des österreichischen Motorsport-Journalisten Helmut Zwickl (u.a. Auto Revue, Motorsport aktuell).

Warum ist das Buch spannend?

Helmut Zwickl genoss Privilegien bei Porsche, die sonst keiner so erfahren durfte. Bei einer Targa Florio Mitte der 60er Jahre sagte der damalige Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein zu Zwickl: «Zwickl, Sie kommen mir wie ein Spion vor, Sie schleichen dauernd in unserer Garage herum...». Ferdinand Piëch hörte das und sagte: «Herr von Hanstein, Herr Zwickl darf sich bei uns frei bewegen...». Seit dieser Klarstellung stand der Autor dieses Buchs quasi unter dem persönlichen Schutz von Piëch und das Buch riecht deshalb nur so von Team-internen Geschichten und Anekdoten, von Antworten auf bisher nie beantwortete Fragen.

Spannender als 560 Formel-1-Grand Prix

Aus diesen Gründen ist das Buch sehr persönlich und zu tiefst beeindruckend, es ist als ob man dauernd über Zwickls Schulter schauen würde, allen Gesprächen in der Boxengasse lauschte und bisher geheime Informationen endlich zu Ohren bekäme... vielleicht sollten die Herren von Audi und Toyota auch ein paar Passagen zu Gemüte führen, um die DNA und den Willen dieser Marke nochmals zu spüren, bevor es dann heisst: "Ladies and Gentlemen, start your engines!"

Selbst aus heutiger Sicht gesteht Zwickl, dass selbst nach über 560 Formel-1 Rennen jenes Jahr 1969 das spannendste und aufregendste seiner Karriere war, weil er den Fahrern und dem Porsche Team so nah sein konnte wie es heute kein Journalist mehr sein könne.


Weltmeister durch technischen K.O. – Eine Rennsaison mit Porsche (Beispielsseite aus dem Buch)
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

1969 - eine Rennsaison mit Porsche

Zwickl fasst die Saison 1969 so zusammen: «Porsches Ziel war hoch. Es hieß Sieg in der "Marken-Weltmeisterschaft". Der Preis spielte anscheinend keine Rolle. Computer rechneten zwar den neun Vertragspiloten (einmal waren es sogar zwölf) für jede Rennstrecke eine Optimalzeit vor, aber die Charakteren, die Fahrweise und den Ehrgeiz dieser Menschen auf einen Nenner zu bringen, hatte auch das Elektronengehirn nicht geschafft.

Den Gegner zu umzingeln, ihn zu walzen und mit Hilfe der hauseigenen Technik zu schlagen war das Ziel. Von den zehn Läufen Marken-WM gewann Porsche sieben, sechs davon durch "technischen K.O.".

Dreimal schlug man sich selbst K.O., und bevor die Zeit auch diese Siege glorifiziert und die Niederlagen aus dem Gedächtnis gestrichen hatte, möchte ich den Film der Langstreckenrennen 1969 noch einmal abrollen lassen unretuschiert und im Originalton, so wie ich ihn erlebte.»

Und so begleitet man Helmut Zwickl ab dem Jahr 1968 in Le Mans, folgt 1969 seinen Recherchen in Daytona, Monza und Sebring, erfährt sehr persönliche Gedanken über Piëch, feiert gedanklich nochmals den Sieg bei der Targa Florio mit, begleitet Jo Siffert in der Boxengasse vom Österreichring und ist beim 24 Stunden Rennen von Le Mans nochmals "live" dabei, hautnah und unverfälscht. 

Fantastische Fotos

Das Buch ist voll von aufregenden Fotos, nicht nur aus dem Jahre 1969. Die meisten Fotos stammen von Ferdi Kräling und aus dem Porsche Archiv. Man findet aber auch einzelne Fotos aus dem McKlein Archiv und von Louis Galanos.


Weltmeister durch technischen K.O. – Eine Rennsaison mit Porsche (Beispielsseite aus dem Buch)
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Alle Porsche Gesamtsiege in Le Mans

Jahr Fahrzeug Team & Fahrer Bemerkungen
1970 Porsche 917K Porsche KG Salzburg:
Hans Herrmann
Richard Attwood
Dreifacher Sieg!
1971 Porsche 917K Martini Racing Team:
Helmut Marko
Gijs van Lennep
Ausführlicher Bericht des Doppel-Siegs
1976 Porsche 936 Martini Racing Porsche System:
Jacky Ickx, Gijs van Lennep
 
1977 Porsche 936/77 Martini Racing Porsche System:
Jacky Ickx
Hurley Haywood, Jürgen Barth

1979 Porsche 935 K3 Porsche Kremer Racing:
Klaus Ludwig
Bill Whittington, Don Whittington
 
1981 Porsche 936 Porsche System:
Jacky Ickx,Derek Bell
Ausführlicher Bericht
1982 Porsche 956 Rothmans Porsche System:
Jacky Ickx, Derek Bell
Ausführlicher Bericht mit knapp 100 historischen Fotos!
1983 Porsche 956 Rothmans Porsche:
Jacky Ickx, Derek Bell
Ausführlicher Bericht des dominanten Achtfachsiegs!
1984 Porsche 956 Joest Racing:
Klaus Ludwig, Henri Pescarolo
 
1985 Porsche 956 Joest Racing:
Klaus Ludwig, Paolo Barilla, John Winter
 
1986 Porsche 962C  Rothmans Porsche AG:
Derek Bell, Hans-Joachim Stuck, Al Holbert
 
1987 Porsche 962C Rothmans Porsche AG:
Derek Bell, Hans-Joachim Stuck, Al Holbert
 
1994 Dauer 962 LM Le Mans Porsche Team:
Hurley Haywood, Yannick Dalmas, Mauro Baldi
Auf Basis eines 962C baute die Dauer Motorsport GmbH diesen Rennwagen, der offiziell als Start von Porsche gezählt werden darf 
1996 TWR Porsche WSC-95 Joest Racing:
Manuel Reuter, Davy Jones, Alexander Wurz
 
1997 TWR Porsche WSC-95 Joest Racing:
Michele Alboreto, Stefan Johansson, Tom Kristensen
Der erste Gesamtsieg von "Mr. Le Mans" Tom Kristensen
1998 Porsche 911 GT1/98 Porsche AG:
Laurent Aïello, Allan McNish, Stéphane Ortelli
 

 

Informationen zum Buch

  • Bestellen direkt bei Petrolpics oder bei Amazon
  • Preis 69€
  • 227 Seiten
  • komplett in Deutsch
  • ca. 250 Fotos (hauptsächlich B/W)
  • Herausgegeben von Petrolpics
  • Dies ist eine erweiterte Neuauflage des 1969 eschienenen Buchs von Helmut Zwickl
  • ISBN-10: 3940306258
  • ISBN-13: 978-3940306258
  • 25 x 30 cm (BxH) in Kartonschuber

 

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