Hat es Sie nicht auch schon immer interessiert, wie viele Jaguar E-Type 1962 in Ghana in Verkehr gesetzt wurden? Nein? Egal. Philip Porters Buch mit dem schlichten Titel "Jaguar E-Type" – dessen deutsche Version von Halwart Schader überarbeitet wurde – verrät es Ihnen trotzdem.
Der Name des Werks ohne jeden Zusatz suggeriert auch gleich: Hier geht es nicht bloss um die Entstehungsgeschichte, die erste Serie, die Rennversionen oder sonst einen Teilaspekt der langen E-Type-Geschichte. Porters Buch behandelt die komplette Materie E-Type allumfassend vom ersten Prototyp ohne Scheinwerfer bis zum letzten V12-Roadster im September 1974, vom Lindner-Coupé bis zu Bob Tullius’ Group-44-Rennwagen.
Historische Bilder und Zeichnungen
Bebildert ist all das fast ausschliesslich mit historischen Fotos, die aber natürlich – bis auf wenige Ausnahmen aus Prospekten oder Werbemappen – meist schwarz-weiss sind.
Nur wenige der insgesamt 750 Fotografien stammen aus dem 21. Jahrhundert. Dazu kommen knapp 100 Konstruktionszeichnungen aus der Entwicklung und Weiterentwicklung des E sowie der Suche nach einem Nachfolger. Auf die verhinderten und verworfenen Prototypen geht Porter ebenso detailliert ein wie auf Sonderkarosserien aus bekanntem und unbekanntem Hause. Dass der Bertone Pirana zu Ehren kommt, ist bei so einem Buch selbstverständlich. Aber wie oft liest man, dass der Jaguar-Zulieferer Abbey Panels auch zwei Erstserien-E mit Doppelscheinwerfern ausgerüstet hat?
Den langen Weg von Malcolm Sayers erstem Prototypen bis zum Serien-Anlauf erläutert Porter anhand von Testprotokollen und schriftlich dokumentierten Änderungswünschen der Versuchsfahrer. Die im Fussraum störende Handbremse wurde so beispielsweise kurzfristig noch auf den Kardantunnel verlegt. Der zu kleine Aschenbecher blieb jedoch auch den Serienwagen erhalten.
425 E-Type 2+2 im April 1969
Aufgrund seiner hohen Informationsdichte eignet sich "Jaguar E-Type" hervorragend als Nachschlagewerk für Jaguar-Fans ohne Turnhallen-grosses Privatarchiv. Zahlreiche Tabellen informieren über die Anzahl fertiggestellter Fahrzeuge je Produktionsmonat sowie jährliche Zulassungszahlen in allen Ländern, in denen je ein E-Type immatrikuliert wurde – von Finnland bis El Salvador und natürlich jeweils für Coupé, Roadster und 2+2 getrennt.
Darüber hinaus bietet der Anhang eine Aufstellung aller Ergebnisse, die ein Jaguar E bei grösseren Sportwagenrennen erzielt hat. Wer sich auf der Suche nach einer Modelljahres-spezifischen Information nicht durch den Lauftext kämpfen möchte, findet im Anhang des Buches eine detaillierte Auflistung aller Änderungen am E-Type auf Jahr, Monat und Fahrgestellnummer genau.
Ärgerlicher Schönheitsfehler
Zu schön wäre es aber, gäbe es nichts zu kritisieren, auch wenn es sich in diesem Falle mehr um einen Schönheitsfehler handelt. Einige wenige Fotos erwecken den Eindruck, als sei versucht worden, alte Schwarz-Weiss-Bilder mit einem automatischen Kolorierungs-Programm am Computer einzufärben.
Schwarze Autos mit roten Flecken stehen so in einem grünen Matsch aus Wiese, Büschen und Bäumen (mit grünen Stämmen!), während Räder und Boden weiterhin nur in Graustufen dargestellt werden und Menschen sehr ungesunde Hauttöne angenommen haben. Die paar Seiten mit Farbfotos, Schwarz-Weiss-Bildern und diesem unglücklichen Zwischenstadium wirken dadurch leider sehr unruhig und lassen das Buch teils unprofessioneller wirken, als es tatsächlich ist.
Keine Einstiegsdroge
Freilich jammern wir hier natürlich auf einem sehr hohen Niveau. Das Jaguar-E-Type-Buch namens "Jaguar E-Type" hält, was sein schnörkelloser Name verspricht: es verrät alles, was man zu Englands grösstem Sportwagen wissen muss, sollte und kann. Für Einsteiger ist es indes nur bedingt geeignet. Wer sich hier heranwagt, sollte schon einmal etwas über den E-Type gelesen haben, um eine der zahlreichen Rand- und Hintergrundinformationen besser einordnen zu können. Wer aber den Jaguar mit der langen Haube schon ein wenig kennt, der bekommt hier ein Buch, dass wahrscheinlich alle Fragen, die er jemals zum E-Type haben wird, beantwortet.
In Ghana wurden 1962 übrigens drei E-Types eingelöst: ein Roadster und zwei Coupés – und damit einer mehr als in Uruguay.
Bibliografische Angaben
- Titel: Jaguar E-Type
- Autor: Philip Porter, Halwart Schrader
- Sprache: Deutsch
- Verlag: Motorbuch Verlag
- Auflage: 1. Auflage Oktober 2021
- Format: 245 x 280 mm
- Umfang: 448 Seiten, 864 Abbildungen
- ISBN: 978-3-613-04399-2
- Preis: EUR 99.00
- Kaufen/bestellen: Online bei amazon.com , online beim Motorbuch Verlag oder über den einschlägigen Buchhandel














































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