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Bild (1/3): Mercedes Grand Prix 4,5 Liter (1914) - der Grandprix-Wagen an der Techno Classica 2014 (© Daniel Reinhard, 2014)
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    Die lange Rennkarriere des Mercedes GP-Rennwagens von 1914

    Erstellt am 21. April 2014
    Text:
    Werner Bartholai
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (13)
    Daimler AG 
    (22)
    Mercedes Benz Classic 
    (5)
    Copyright Daimler AG 
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    Bruno von Rotz 
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    Man stelle sich einmal vor, Lewis Hamilton würde beim Grand Prix von Monaco am 25. Mai 2014 im McLaren-Mercedes MP4-16, gebaut für die Saison 2001, an den Start gehen. Und gewinnen!

    Undenkbar? Ja, stimmt, aber nicht ungewöhnlich vor 100 Jahren, denn der Mercedes GP-Rennwagen von 1914 fuhr bis 1927 Siege heraus und die Autotechnik entwickelte sich damals nicht unbedingt langsamer vorwärts als heute.

    Sonst wäre mit Carl-Friedrich Benz im Jahre 1920 wohl auch nicht mit folgendem Spruch verewigt worden: “Das Auto ist fertig entwickelt. Was kann noch kommen?”

    Mercedes Grand Prix 4,5 Liter (1914) - so leicht wie möglich gebaut
    © Copyright / Fotograf: Mercedes Benz Classic

    Neues Reglement, neue Lösungen

    Im Jahr 1914 aber wurde noch eifrig entwickelt und dies aus gutem Grunde. Das Reglement für den französischen Grand Prix begrenzte das Gewicht eines Rennwagens auf 1100 kg und gleichzeitig den Hubraum des Motors auf 4,5 Liter, während in den früheren Jahren Motoren mit teilweise über 10 Litern Hubraum eingesetzt worden waren. Mercedes hatte nichts passendes im Regal und musste den Motor komplett neu konstruieren.

    Mercedes Grand Prix 4,5 Liter (1914) - vier separate Zylinder mit jeweils zwei Einlass- und Auslassventilen
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Paul Daimler und seine Spezialisten entschieden sich für einen Vierzylinder und auf vier Ventile pro Zylinder, damals keine exotische Bauweise. Die Ventile wurden von einer obenliegenden Nockenwelle via Kipphebel betätigt. Die Nockenwelle selber wurde von einer Königswelle angetrieben. Drei Kerzen pro Einzel-Zylinder sorgten für die Verbrennung, zwei Bosch-Magneten für die Erzeugung des Zündfunkens.

    Um die für die damalige Zeit astronomische Drehzahl von 3’500 U/min auch länger erreichen zu können, wurde die Kurbelwelle fünffach gelagert und aus speziell hartem Stahl gefertigt. Das Ergebnis waren 105 PS bei 3’100 Umdrehungen pro Minute, also eine Literleistung von knapp über 23 PS.  

    Mercedes Grand Prix 4,5 Liter (1914) - Schnittzeichnung durch den GP-Wagen zeigt die Technik
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Beim Fahrgestell nahm man gegenüber dem Vorgängermodell ebenfalls einige Modifikationen vor. So wurde die Kraft via Kardanwellen statt Ketten auf die Hinterräder übertragen und die Hinterachse wurde vom Serien-Fahrzeug übernommen. Der Pressstahlrahmen wurde so umgestaltet, dass der gesamte Wagen insgesamt tiefer lag. Die Karosserie glich weitestgehend jener des Vorjahres.

    Dreifachsieg beim Grossen Preis in Frankreich

    Gestartet wurde bei Lyon am 4. Juli um 08:00 und zwar paarweise alle 30 Sekunden, weil ein Massenstart zu gefährlich gewesen wäre. 300’000 Zuschauer verfolgten den Grossen Preis von Frankreich und konnten den Triumph-Zug der Mercedes-Rennwagen miterleben. Sie gewannen dank der überlegenen Motorleistung, mit der sie die Vierradbremsen, über die Delage, Peugeot und Fiat bereits verfügten, kompensieren konnten. Es war ein epochaler Triumph.

    Mercedes Grand Prix Wagen (1914) - Otto Salzer wird auf dem fortschrittlichen Mercedes mit 4,5 Litern Hubraum, vier Ventilen pro Zylinder und über Königswelle angetriebene obenliegende Nockenwelle Zweiter
    © Copyright / Fotograf: Copyright Daimler AG

    Bei dieser Fahrt leisteten die Fahrer Schwerstarbeit! 6 Stunden und knapp über 26 Minuten dauerte die Fahrt des Siegers. Ohne Servolenkung und mit kräftezehrenden Schalt- und Bremsmanövern. Wie dies die Fahrer damals überstanden, kann man sich heute kaum ausmalen, denn die meisten der Draufgänger waren schmächtige Gestalten und einen persönlichen Fitnesstrainer hatten sie auch noch nicht ... Und sie mussten auch alle Wartungsarbeiten während der sechs Stunden selber ausführen!

    Mercedes Grand Prix 4,5 Liter (1914) - nur Fahrer Louis Wagner und sein Beifahrer dürfen beim Grand Prix von Frankreich Arbeiten am Auto ausführen, dies wird streng überprüft
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG
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    Weltkriegszäsur

    Während des ersten Weltkriegs ruhten die Rennaktivitäten in Europa, doch die Mercedes-Grand-Prix-Wagen fuhren weiter und zwar in den USA, wo zum Beispiel die 500 Meilen von Indianapolis im Jahr 1915 gewonnen werden konnten.

    Nach Kriegsende kamen die Wagen auch in Europa wieder zum Einsatz. So trat Graf Giulio Masetti 1921 und 1922 mit dem Mercedes an und war unter anderem bei der Targa Florio im April 1922 siegreich.

    Mercedes Grand Prix 4,5 Liter (1914) - Graf Giulio Masetti gewinnt die Targa Florio im Jahr 1922 auf dem bereits achtjährigen GP-Wagen
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Im Jahr 1924 wurde der Vierventilmotor in einen Targa-Fliorio-Rennwagen eingebaut und zwar dieses Mal mit einem Kompressor bestückt. Denselben Wagen fuhr Otto Salzer bei Sprint und Bergrennen, unter anderem am Semmering.

    Und noch zwei Jahre später konnte Rudolf Caracciola genau dieses Fahrzeug nochmals zum Sieg beim Semmeringrennen fahren.

    Mercedes Grand Prix 4,5 Liter (1914) - Rudolf Caracciola mit dem 4,5-Liter und Kompressor beim internationalen Semmeringrennen vom 12. September 1926 - er siegt in der Rennwagenklasse bis 5 Liter
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Bis 1930 dauerte die aktive Rennzeit der inzwischen 16-jährigen Konstruktion, Alfred Rosenberger fuhr damit im August 1927 auch noch eine Rekordzeit beim Klausenpassrennen.

    Inspiration für Flugzeugmotor

    Der erfolgreiche Vierventilmotor erfreute sich aber noch einer weiteren Karriere. Nach Kriegsausbruch war der Motor eines Grand-Prix-Rennwagens, der sich zu Werbezecken in England befunden hatte, zu Rolls-Royce gelangt, wo er erprobt und zerlegt wurde. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse flossen direkt in die Rolls-Royce-Produktion ein und so kann man mit Fug und Recht behaupten, dass der Mercedes-Vierventiler alle Rolls-Royce-Flugmotoren des Ersten Weltkriegs konstruktiv beeinflusste.

    Mercedes Grand Prix 4,5 Liter (1914) - zwei Reserveräder - die Reifen waren einer der schwachen Punkte dieser Wagen
    © Copyright / Fotograf: Mercedes Benz Classic

    Wer einen der überlebenden Mercedes Grandprix-Wagen aus dem Jahr 1914 im Massstab 1:1 sehen möchte, der erhält an der Swiss Classic World in Luzern zwischen dem 24. Mai und 25. Mai 2014 dazu Gelegenheit und eigentlich lohnt alleine schon diese innovative Rarität eine Reise in die Innerschweiz.

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