Bereits zum 13. Mal fand vom 1. bis 3. September 2017 das Bergrennen Arosa ClassicCar statt. Fahrerlager-Chef Noldi Heiz nennt es ein brummendes Klassentreffen und damit trifft er den Nagel sicher auf Kopf.
Es ist aber noch mehr, nämlich das einzige historische Bergrennen in der Schweiz mit einer echten Rennklasse, also einer Wertung, bei der der Schnellste gewinnt. Und damit dies möglich ist, sind umfangreichste Sicherheitsvorkehrungen nötig. Diese nützen auch den Gleichmässigkeitsfahrern, verhindern sie doch schlimme Folgen bei Unfällen.
Allerdings kann man auch mit Leitplanken und aufwändiger Schutzmassnahmen eine Bergrennstrecke nicht komplett gefahrlos machen, wie sich am Sonntag zeigte. Doch davon später.
Schwierige Wetterverhältnisse
Der Wettergott meinte es im Jahr 2017 wirklich nicht gut mit den Verantwortlichen des Bergrennens. Tiefe Temperaturen, viel Regen und sogar Schnee, da griff mancher gerne zum Glühwein oder wenigstens zum wärmenden Kaffee.
Der eine oder andere musste gar seinen Wagen am Morgen erst vom Schnee befreien, bevor er losfahren konnte. Die Strasse blieb bis in den Sonntag Nachmittag hinein nass, wenigstens setzte der Schnee nicht an.
Während sich der Eine über die rutschigen Strassenverhältnisse freute - “da kann man wenigstens gefahrlos querfahren ..” - ärgerte sich manch anderer Teilnehmer und meinte “kaum Grip mit den Semi-Slicks”.
Martina Garovi, mit dem Lotus Elan ihres Vaters zum ersten Mal am Start, liess sich die gute Laune nicht verderben. Sie sei sehr zufrieden mit dem Wagen, den sie zum ersten Mal schnell fahre. Er baue deutlich mehr Bodenhaftung auf, als sie erwartet habe, nur die Streckenkenntnis müsse sie sich zuerst noch aneignen. Tatsächlich war sie vorher noch nie nach Arosa hochgefahren, dafür konnten sich dann ihre Laufzeiten durchaus sehen lassen.
Enger Kampf an der Spitze
Natürlich waren alle gespannt auf den neuen Kampf um den Gesamtsieg in der Competition-Klasse. Letztes Jahr konnte ja bekanntlich Thomas Amweg den ersten Platz für sich herausfahren, Roger Moser musste den kürzeren ziehen.
Sogar vier Siegeskandidaten waren 2017 am Start, denn auch Bruno Staub im Ferrari 308 GTB Gruppe 4 von 1978 und Toni Seiler im Lola T70 von 1968 war zu rechnen. Am Schluss aber hatte der von seinem Vater Fredy Amweg gecoachte Thomas Amweg im BMW Mk50 03 von 1988 die Nase vorne.
Mit einem schnellen dritten Lauf in 4:52.14 machte er den Sack zu.
Auf Platz 2 fuhr Bruno Staub im Ferrari durchs Ziel, sein Abstand nach drei zählbaren Läufen betrug 3,85 Sekunden.
Platz 3 ging dann an Roger Moser aus Arosa, sein Abstand war allerdings bereits deutlich grösser. Toni Seiler musste seinen Wagen leider schon vor dem dritten Lauf abstellen, er hätte Moser wohl noch gefährden können.
Urs Beck erbte den vierten Platz im Chiquita-Porsche, seine Zeiten konnten sich sehen lassen, war er doch deutlich der Schnellste in seiner Klasse.
Wegen zahlreicher Nicht-Starts und Technik-Problemen reduzierte sich die Competition-Klasse von anfänglich 25 auf 18 Fahrzeuge.
Vielleicht die grösste Überraschung im Gesamtklassement war das Abschneiden des Lotus-11-Fahrers Markus Jörg, der den alten Wagen aus dem Jahr 1956 mitten zwischen deutlich jüngeren GT- und Rennfahrzeugen ins Ziel brachte.
Gleichmässig, aber wie!
Das Kunststück, seine besten zwei Bergfahrten in exakt derselben Zeit zu absolvieren, vollbrachte Alexander Boller. Er fuhr somit den Sieg in der Arosa Classic Trophy bereits am Samstag heim, denn am Sonntag wurde nur ein Lauf gezeitet und der endete als Streichresultat.
Nun fährt Boller aber nicht gerade einen kleinen, einfach zähmbaren Kleinwagen, sondern einen geradezu riesigen Amischlitten namens Ford Galaxie 500 von 1963. Der Wagen fuhr schon in Goodwood, gehört also zur Crème de la Crème, aber er ist weder ein typischer Wagen für Bergrennen und enge Kurven, noch als Gleichmässigkeitskönig bekannt. Nun, das ändert sich nun vielleicht, auf jeden Fall kann man nur den Hut ziehen angesichts dieser Leistung.
Dabei hätte auch Stephan Jöbstl im Jaguar C-Type gute Chancen für den Sieg gehabt, denn seine besten beiden Zeiten lagen nur zwei Hundertstel auseinander.
Auf Platz 3 reihte sich Adrian-Richard Michel im Ferrari 365 GTC ein, gefolgt von Thomas Kern im Maserati Mistral 3700. Zehn Fahrer schafften es innert einer Sekunde Differenz zu bleiben.
Riley vor Quattro
In der dritten Wertung, der Arosa Sport Trophy, standen sich auf den ersten drei Plätzen zwei Autos der Vorkriegszeit und ein Audi Quattro von 1981 gegenüber.
Gian-Pietro Rossetti siegte im Riley TT Sprite von 1936 mit 83 Hunderstel Abweichung, gefolgt von Daniel Ueberhard im Quattro von 1981 und von Ruedi Siegrist in einem weiteren Riley, allerdings mit Zwillingsbereifung hinten und dementsprechend viel Traktion gesegnet.
Das besondere Geburtstagsgeschenk
Jost Wildbolz feierte im August seinen 80. Geburtstag und er machte sich selber ein wahrlich heisses Geschenk, einen TVR Griffith 200. Gebaute wurde der Wagen Mitte der Sechzigerjahre und eigentlich war der Grantura für den Einbau von Vierzylindern konzipiert.
Ein Amerikaner namens Jack Griffith sah dies aber anders, bestellte sich komplette Fahrzeuge ohne Motor und Getriebe in Blackpool und versenkte einen V8-Ford-289-er-Motor im Bug. Das ging zwar nicht ganz ohne schweren Hammer, denn die Rohre des Rahmens waren anfänglich etwas zu eng angelegt, aber irgendwie passte der Achtzylinder hinein. Und er machte aus dem auch schon nicht langsamen Grantura einen Sportwagen, der an die fast umzähmbare Cobra erinnerte.
Damals waren es rund 270 PS, heute sind es noch einige mehr. Kein Wunder, fahren diese Griffith im historischen Rennsport oft ganz vorne mit. Und einem der schnellsten dieser Wagen sass nun der freudig lachende Jost Wildbolz in Arosa.
Dass die nasse Strasse nicht ganz das ideale Terrain für den leichtgewichtigen und mit kurzem Radstand gesegneten Griffith war, versteht sich von selber. Aber Jost brachte den hellblauen Anglo-Amerikaner sicher von Langwies nach Arosa. Und er gab mit diesem Beispiel vielen von uns ein gutes Beispiel, dass man mit 60 oder 70 Jahren noch lange nicht ans Aufhören denken muss …
Viele tête-à-queues
Die widrigen Umständen bewirkten, dass einigen Fahrern die Strasse, das Talent oder gar beides ausging. Bereits beim Training am Freitag erwischte es einige, am Samstag schlug u.a. ein BMW M3 heftig ein, am Sonntag reichte es einem Formel-Wagen nicht mehr um die Kurve und später erwischte es noch einen Ford Mustang.
Am schlimmsten allerdings krachte es dann am Sonntag Nachmittag, als ein Fahrer im Zielbereich die Kontrolle über seinen Wagen verlor und dabei auch drei Zuschauer in Mitleidenschaft zog. Die Folgen waren allerdings deutlich glimpflicher als zuerst vermutet. Weil sich aber wegen Technikdefekten und längeren Aufräumarbeiten bereits vorher grosse Verspätungen aufkumuliert hatten, entschied die Organisation das Bergrennen an jenem Punkt abzubrechen und die Zeiten des vierten Laufs zu annullieren.
Gottseidank ist insgesamt nichts Schlimmeres passiert, denn die Schweizer Bergrennszene, insbesondere die modernen Anlässe, kann im Jahr 2017 nicht gerade von einer Glückssträhne zehren.
In den zusätzlichen Bildergalerien sind die Fahrzeuge der Gleichmässigkeits-Gruppe 1 und -Gruppe 2 , sowie die Autos der Rennklasse fast komplett fotografisch wiedergegeben.






















































































































































































































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