Die Wettergötter verhiessen nichts Gutes, Schnee bis in die Niederungen war angesagt. So heiss (oder kalt), wie es gekocht wurde, musste das Wetter dann nicht gegessen (oder genossen) werden. Während der drei Renntage verbesserten sich die Verhältnisse zunehmend, aber der Samstag verlangte noch einmal einiges an Stehvermögen von den Fans, denn die Temperaturen waren kühl und leichter Regen trübte Sicht und Vergnügen. So gesehen bedeuten wohl die rund 15'000 gezählten Zuschauer ein gutes Ergebnis.
Wieder kein Weltrekord
Dieses Jahr sollte es gelingen, so lautete die Ansage. 949 Oldtimer hätten eine Runde auf dem Hockenheimring unter die Räder nehmen sollen. 723 Fahrzeuge waren es schliesslich am Samstag Abend geworden, angesichts des bescheidenen Wetters durchaus ein achtbares Ergebnis.
Die Organisatoren dankten denn auch den Teilnehmern, dass sie trotz widrigen Umständen teilweise lange Anfahrtswege auf sich genommen hatten und ihre mit viel Liebe gepflegten Autos ins Badische gebracht hatten.
Zwerge wiederum die Grössten
Dass es sich beim Kampf der Zwerge um eine Gleichmässigkeitsveranstaltung handelt, hätte ein unbedarfter Zuschauer wohl kaum erraten. Es sah eher nach verbissenen Zweikämpfen aus und da ging auch schon mal etwas in die Brüche. So etwa im zweiten Rennen am Sonntag, als sich Wahl auf NSU TT und Kühnel auf Austin Mini Cooper in der Parabolika schon in der ersten Runde nicht ganz einig waren, was mit einem fliegenden Rückspiegel und drei arg ondulierten Fahrzeugen endete. Drei waren es, weil auch der Austin Cooper S von Edouard von den in Schieflage geratenen Wahl und Kühnel in die Streckenbegrenzung gedrängt wurde. Lautstark schmiss Edouard die Handschuhe weg und fluchte minutenlang ob des Missgeschicks. Dass er auch noch den Helm auf das Dach des kleinen Briten knallte, schadete jenem wohl mehr als dem bereits arg verbeulten Cooper.
Wie immer erwiesen sich die Zwerge als unterhaltsames Rudel. Rund fünfzig Fahrzeuge aus drei Rennserien, darunter Mini Cooper, NSU TT, DKW F11, Steyr-Puch 650TR, Abarth OT und TC, Autobianchi A-112 und Fiat 127, zogen ihre Runden mit viel Getöse und legten dabei durchaus beeindruckende Rundenzeiten um knapp über zwei Minuten hin.
Sieger in der Coppa Abarth Mille Trophy wurde im ersten Lauf Manfred Beckers, im zweiten Joop Schouten. In der British Car Trophy war Sven-Olaf Homann zweimal der Gleichmässigste, während bei den NSUs einmal Heinz Fleischauer und einmal Roland Müller zuoberst im Gleichmässigkeitsklassement auftauchte.
Dies interessierte das Publikum aber weit weniger als die interessanten Positionskämpfe, die sich auch zwischen unterschiedlichen Fahrzeugen entwickelten. So lieferten sich Hubert Nagl auf Fiat Abarth 1000 TC Olaf Schley auf Simca Rallye 2 einen spannenden Zweikampf, was für das Publikum beste Unterhaltung bedeutete.
Enges Rennen bei den Junioren
Die Trainingszeiten bei den Formel-Junior-Monoposti im Rahmen der FIA Lurani Trophy liessen auf ein spannendes Rennen hoffen. John Fyda hatte auf seinem Lotus 22 Pierre Tonetti auf dem Brabham BT6 gerade einmal um 1,5 Zehntel distanziert, wenige Zehntel dahinter folgte der Routinier Urs Eberhardt auf dem Lotus 27.
Im Rennen wendete sich dann das Blatt, denn Eberhardt konnte beide Läufe für sich entscheiden, während im ersten Rennen Fyda und Gelmini folgten, während sich im zweiten Lauf Amez-Droz auf den zweiten Platz vor Gelmini vorarbeiten konnte. In beiden Rennen lagen die ersten Drei innert 2,5 Sekunden, was zeigt, wie ausgeglichen hier gefahren wurde.
Lautstarke Sportwagen
Während im ersten Rennen um den Petronas Pokal der SuperSports noch die kleinen Osella-Sportwagen von Kalb und Frenz die Nase vorne hatten, schlug im Sonntagsrennen die Stunde der PS-starken McLaren M8F mit 8,4 Litern Hubraum. Peter Hoffmann fuhr den Sieg vor Michiel Campagne im wahrsten Sinne des Wortes ins Trockene.
Im Feld fanden sich teilweise auch recht unorthodoxe Fahrzeuge, so zum Beispiel eine Ginetta G12, die im ersten Lauf das gesamte Heckteil verlor und trotzdem weiterfahren konnte.
Historische Sportwagen und Limousinen im Mehrkampf
Optisch ein Highlight waren die Rennwagen mit Jahrgängen zwischen 1947 und 1965, die im Rahmen der NK HTGT gegeneinander fuhren. Bereits im Training hatte sich eine beeindruckende Dominanz des Ford GT40 von Georg Stummeyer gezeigt, die jener dann auch im ersten Rennen in einen klaren Sieg mit fast 15 Sekunden Vorsprung auf die Chevrolet Corvette Grand Sport von Michiel Campagne, der einer der Mehrfachstarter war, zeigen konnte.
Im Sonntagsrennen wendete sich dann das Blatt, als sich Stummeyer in der Mercedes-Kurve vor der Corvette drehte und das Rennen aufgeben musste. Campagne übernahm damit die Spitze und fuhr sich einen beruhigenden Vorsprung auf den Zweiten Michael Ehrlich auf dem Bizzarrini GT 5300 heraus, welcher sich des Jaguar E-Types Vorköpers und des Shelby Mustangs Waaijenbergs erwehren konnte.
Einmal mehr beeindruckend waren die leichten Lotus Elan, die es trotz Leistungsmanko bis in die vordersten Positionen schafften. Überhaupt boten die beiden Läufe der NK HTGT ein Bild, wie es auch in den Sechzigerjahren in einer nationalen Meisterschaft gang und gäbe war. Limousinen kämpften gegen Grossseriensportwagen, vorne zogen spezialisierte Rennwagen davon.
Youngtimer als Publikumslieblinge
Einmal mehr für viele Farbtupfer sorgten die Fahrzeuge in der Youngtimer Touring Car Challenge, in der sich Fahrzeuge der Siebzigerjahre für packenden Rennsport verantwortlich zeigten. Gleich ein halbes Dutzend BMW M1 verstärkte dieses Jahr das Feld und auch die Franzosen waren mit ihren exotischen Fahrzeugen, darunter der hübsche Jide 1600 von 1973, wieder dabei.
Mit einer Qualifikationszeit von 1:48 hatte Daniel Schrey auf Porsche 935 K3 bereits im Training gezeigt, dass an ihm kein Weg vorbeiführen würde und er gewann denn auch beide Läufe sicher. Während im ersten Lauf noch Jan Bot im BMW March M1 IMSA-Fahrzeug den zweiten Platz ins Trockene fuhr, liess sich Franck Metzger im gut liegenden Cesca Grac Sportwagen die zweithöchste Treppenstufe auf dem Siegerpodest im Sonntagsrennen nicht mehr streitig machen.
Unvergessen dürften beim Publikum die zwar hart, aber weitgehend berührungslos geführten Zweikämpfe bleiben - zum Beispiel zwischen den eigentlich sehr unterschiedlichen Ford Falcon (Marc Louail) und BMW M 635 CSI (Mathijs Bakker) - die teilweise über viele Runden führten.
Zu Ehren Jim Clarks - Formel 2 Demonstrationslauf
Einen besonderen Moment bot ein Rudel von fast 20 historischen Formel-2-Fahrzeugen, die zu Ehren des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters Jim Clark, der vor 45 Jahren bei einem Formel 2-Rennen am Hockenheimring zu Tode kam, den Hockenheimring umrundeten. Die Fahrzeuge erinnerten auch an ihre damaligen Fahrer, darunter Jackie Stewart, Ronnie Peterson, Tim Schenken, Reine Wisell, Rolf Stommelen, Silvio Moser, Gerry Birel, J.P. Jassaud, Xavier Perrot, Edy Cheever, Klaus Ludwig, Stefan Bellof und Edi Taveri. Schön zu sehen war auch, dass Jo Vonlanthen seinen eigenen F2 von anno dazumals um den Rundkurs bewegte.
Renngeschichte in Bewegung
Wiederum liess auch die Gruppierung “Race History on Track” die alten Zeiten aufleben. Herrliche Formel-Fahrzeuge entführten die Zuschauer lautstark in die Vergangenheit, als Formel-1-Fahrzeuge noch mit zwölf Zylindern oder monströsen Flügelwerken experimentierten.
Ein Fahrzeug aus dieser Demonstrationsklasse, der Embassy Hill GH2 Formel 1 von Franz Guggemos wurde dann auch durch Prof. James Kelly und 20 seiner Studenten als schönstes Exponat der Formel-Klasse prämiert, während der McLaren M6b von Dr. Alexander Lienau und der BMW M1 Procar von Dimitri Cuyvers die Auszeichnung für den schönsten Sportwagen, respektive GT erhielten.
Viel Betrieb im Fahrerlager
Zu den geliebten Besonderheiten des historischen Motorsports gehört das offene Fahrerlager. Schon am frühen Samstag Morgen waren Boxengasse und Fahrerlager gut besucht, obwohl die meisten Fahrzeuge noch abgedeckt oder noch gar nicht da waren...
Trotz winterlichen Temperaturen lockte die Rennluft viele Besucher an. Sobald ein Motor losheulte, bildete sich sofort eine Traube von Besuchern um die Mechaniker, Fotoapparate wurden gezückt und in die Höhe gestreckt, um einen Schnappschuss mit nach Hause nehmen zu können.
Und die Zukunft?
Während Georg Seiler, der Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH mit der Veranstaltung sehr zufrieden war und Vielfalt sowie Publikumsnähe des Jim Clark Revivals hervorhob, mag sich der eine oder andere Zuschauer vielleicht doch noch etwas Abwechslung innerhalb des Wochenendes, aber vor allem auch von Jahr zu Jahr wünschen.
Wo sind denn die Vorkriegsautos geblieben? Wie wäre es mit dem Wiederauflebenlassen der früheren Markenpokale (Alfasud, R5 oder VW Golf), wo sind die historischen Formel 1 Renner geblieben? Oder warum nicht einmal die Gruppe-C-Sportwagen nach Hockenheim holen? Die eine oder andere Neuerung würde vielleicht dafür sorgen, dass 2014 noch mehr Leute ins Badische pilgern ...


















































































































































































































































































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