Rückspiegel Juni 1979 - Motorsport-Schlagzeilen vor 40 Jahren

Erstellt am 27. Mai 2015
, Leselänge 8min
Text:
Rainer Braun
Fotos:
Kräling 
3
Archiv Porsche, Kremer 
1
Unbekannt 
1
Privat 
1
Pitlane Sports 
1
Archiv Schnitzer 
1
Archiv Ford 
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Liebe Leserinnen und Leser,

in meinen Kommentar zum Juni 1979 möchte ich ausnahmsweise mal mit nur einem einzigen Fahrer beschäftigen. Weil es eine gute Gelegenheit ist, am Beispiel von Klaus Ludwig aufzuzeigen, wie schnell man von ganz oben nach unten purzeln und sich danach noch höher als je zuvor kämpfen kann. Le Mans-Sieg und alleinige Führung in der Rennsportmeisterschaft nach grandioser Siegerserie – alles, was noch vor zwei Jahren für den ehrgeizigen Profi aus Roisdorf bei Bonn schief lief, verkehrte sich innerhalb kurzer Zeit ins Gegenteil. Eigentlich war seine Karriere zwei Jahre zuvor nach einer Fehlentscheidung am Boden, fast schon am Ende. Blicken wir zurück: Nachdem Ludwig 1976 als Ford-Werksfahrer neben seinem DRM-Programm im Escort RS acht Formel 2-EM-Starts im March-Ford absolviert hatte, entschied er sich 1977 für eine volle Formel 2-Saison mit Renault im WKRT-Team und opferte dafür seinen sicheren Ford-Vertrag. Renault Deutschland unterstütze Ludwigs Formel 2-Karriere nach Kräften. Damit galt er jetzt als Renault-Mann, für den die Türen bei Ford und anderswo erst mal zu waren. Das F2-Abenteuer anno 1977 gestaltete sich zu einer einzigen Katastrophe, nach sechs Starts mit fünf Ausfällen zog er mitten in der Saison einen Schlussstrich und beendete das Engagement.

Auch bei Renault in Brühl war die Geduld mit dem erfolglosen Fahrer/Team-Kombination zu Ende. Ludwig ist tief frustriert und am Boden zerstört, Schuldzuweisungen wabern hin und her. Rückblickend erkannte er, dass der Schritt in die Formel 2 ein Fehler war. „Das war das schlimmste Kapitel meiner Laufbahn“, gestand Klaus in seiner Biographie, „fast wäre meine weitere Karriere daran zerbrochen.“ Mitten im Jahr stand er plötzlich ohne Auto und Engagement da und war froh, sich zum Saisonschluss mit einem glatten Sieg im Schnitzer BMW 2002 Turbo beim DRM-Finale im Super Sprint am Nürburgring mit seiner ganzen fahrerischen Klasse in Erinnerung bringen zu können.


Wertvoller Sieg - Ludwig im Schnitzer BMW 2002 Turbo beim Super Sprint 1977
Copyright / Fotograf: Archiv Schnitzer

Es folgte ein Übergangsjahr 1978 mit deutlichem Aufwärtstrend und Siegen bei Georg Loos in dessen Porsche-Team. „Ich war Loos damals sehr dankbar, dass er mir diese Chance gegeben hat“, sagte Klaus z seinerzeit, „dennoch war es für mich schwer, rein menschlich mit ihm klar zu kommen. Aber in meiner Situation konnte ich ja nicht groß auf den Tisch hauen und schon wieder alles hinwerfen. Also hab‘ ich auf die Zähne gebissen und das Beste draus gemacht.“


F2 Startunfall in Hockenheim mit Ludwig & Co
Copyright / Fotograf: Kräling

Im Winter 78/79 dann die große Wende mit dem Glücksgriff beim Kremer-Team und Loos-Konkurrenten in Köln, die mit dem Porsche 935 K3 ein wahres Überauto gebaut hatten – was zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand ahnte. Ludwig unterschrieb und erlebte 1979 eine Saison wie noch keine zuvor. Ein Sieg nach dem anderen in der Rennsport-Meisterschaft, dazu der Wahnsinns-Ritt bei den 24 Stunden von Le Mans – mehr kannst du als Rennfahrer wohl kaum erwarten. Klaus hatte um diese Zeit sicher nicht nur Freunde, aber damals gab kaum jemanden, der ihm seine Wiederauferstehung samt der Siegesserie geneidet hätte. Immerhin war er zu Ford-Zeiten mit Capri RS und Escort RS ganz oben, danach mit dem F2-Abenteuer ganz unten und plötzlich wieder noch weiter oben als jemals zuvor. „Vielleicht muss man so eine Scheiße als erfolgsverwöhnter Rennfahrer auch mal erlebt haben, um zu erkennen, was gut und weniger gut für einen ist“, hat mir Klaus irgendwann mal bei einem privaten Treffen gesagt. Das Jahr 1979 war der Beginn seiner zweiten, noch viel wichtigeren und erfolgreicheren Karriere als Top-Rennfahrer.


Klaus Ludwig 1978
Copyright / Fotograf: Archiv Ford

Mehr habe ich zum Juni 1979 eigentlich gar nicht zu sagen – die Geschichte der wundersamen Wiederauferstehung von Klaus Ludwig mag vielleicht auch heutzutage dem einen oder anderen aktiven Rennfahrer Mut machen, wenn er glaubt, dass alles festgefahren ist und nichts mehr weitergeht.

Herzlichst


Le Mans: Klaus Ludwig und Kremer auf dem Gipfel


Krönung in Le Mans - Ludwig im 935 K3 auf dem Weg zum Sieg
Copyright / Fotograf: Archiv Porsche, Kremer

Nach der Siegerserie in der Rennsportmeisterschaft erreichen Klaus Ludwig und das Porsche-Team Kremer (935 K3-Turbo) mit dem Gewinn der 24 Stunden von Le Mans ihren bisher größten gemeinsamen Triumph. Die Kölner Equipe siegt mit dem Trio Ludwig und den US-Brüdern Don und Bill Whittington mit sieben Runden Vorsprung. Auch auf Platz zwei läuft mit Rolf Stommelen, Filmstar Paul Newman und Team-Eigner Dick Barbour (Porsche 935-Turbo) ein deutsch-amerikanisches Fahrer-Trio ein. Die beiden Werks-Porsche 936-Turbo mit Ickx/Redman und Wollek/Haywood verlieren ihre Siegchancen durch technische Probleme schon in der ersten Rennhälfte. Die Jungfernfahrt des Werks-BMW M1 beenden Manfred Winkelhock und die beiden Franzosen Poulain und Mignot auf einem viel beachteten sechsten Gesamtrang.

Formel 1: Hunt-Rücktritt und Depailler-Bruchlandung mit Drachensegler


Rücktritt - Wolf F1-Pilot James Hunt 1979
Copyright / Fotograf: Unbekannt

Obwohl im Juni kein GP auf dem Kalender steht, wird die Formel 1-Szene von zwei Schock-Nachrichten aufgeschreckt. James Hunt hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt bekannt gegeben und eine sportive Luftfahrt von Patrick Depailler mit einem Drachen-Segler endet nach einem Crash mit mehreren Knochenbrüchen. Mit Hunt verliert die Formel 1 eine ihrer schillerndsten Figuren. Der Ex-Weltmeister begründet seinen überraschenden Abschied so: „Das Risiko ist mir zu groß geworden, ich will überleben.“


Lange Pause - Patrick Depailler mit Bruchlandung beim Drachenfliegen
Copyright / Fotograf: Pitlane Sports

In das frei gewordene Wolf WR 7-Cockpit steigt ab dem nächsten GP in Frankreich Keke Rosberg. Bis zur Genesung von Depailler springt bei Ligier Jacky Ickx ein. Die Knochenbrüche (Handgelenk, Oberschenkel, Fuß) von Depailler sind kompliziert und setzen den Franzosen für mindestens zwei bis drei Monate außer Gefecht.

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Formel 2-EM: Surer bleibt mit Glück an der Spitze


Aufwärtstrend - Höttinger 1979 im F2-EM March-BMW
Copyright / Fotograf: Kräling

Eddie Cheever (USA, Osella-BMW) und Stephen South (GB, March-BMW) heißen die Gewinner der EM-Läufe sieben und acht in Pau/F und Hockenheim. Mit den Positionen drei und fünf kann March-BMW-Pilot Marc Surer seine Tabellenführung mit viel Glück knapp vor Brian Henton (Ralt-Hart) verteidigen. Österreichs Supertalent Markus Höttinger (March-BMW) schrammt mit Platz sieben in Hockenheim an seinem ersten EM-Punkt vorbei. Wenig Erfreuliches aus deutscher Sicht: Wolfgang Locher (March-Hart) bricht sich bei einem Unfall im verregneten Pau-Rennen ein Bein, Armin Hahne im Maurer MM 1-BMW bleibt in Pau schon in der Qualifikation hängen und auch in Hockenheim nach der schlechtesten Trainingszeit ohne greifbares Resultat.

Formel 3-EM: Alain Prost marschiert in Richtung Titel

Fünfter Sieg im sechsten Lauf – Alain Prost und sein Martini MK 27-Renault sind einfach nicht zu packen. Der neue Franzosen-Supermann gewinnt in Zandvoort vor Mauro Baldi (I, March-Toyota) und Piercarlo Ghinzani (I, March-Alfa). Prost hat den Titel schon bei Halbzeit des Championats so gut wie sicher in der Tasche. Sein Vorsprung auf den Schweden Slim Borgudd als ersten Verfolger beträgt stattliche 36 Punkte, was umgerechnet vier Siegen entspricht.

DRM: Ludwig löst sich von den Verfolgern

Nach den Rennsportmeisterschafts-Läufen fünf (Mainz-Finthen) und sechs (Norisring) haben sich Klaus Ludwig (Porsche 935-Turbo) und Hans Heyer (Capri-Turbo) bereits deutlich von allen Verfolgern abgesetzt. In der großen Division über 2 Liter regiert „König Ludwig“ weiterhin als Dauersieger, während Ford-Speerspitze Heyer in der Division 2 bis 2 Liter Hubraum gleich von zwei Seiten Druck verspürt und den einen oder anderen Punktverlust hinnehmen muss. Da drängelt zum einen ausgerechnet Teamkollege Harald Ertl, der keine Titelchance mehr hat, aber in Mainz-Finthen Heyer besiegt. Und zum anderen wird die BMW-Turbo-Konkurrenz mit Manfred Winkelhock und Markus Höttinger immer schneller und gefährlicher – so gewinnt Winkelhock am Norisring erstmals nach dem Ausfall gleich beider Turbo-Capri. Das alles nutzt Klaus Ludwig mit weiteren Siegen in der großen Division für einen erfolgreichen Ausreißversuch – er hat sich schon um 15 Punkte von seinem ärgsten Titel-Rivalen Heyer abgesetzt.

Sportwagen-Marken-WM: Spannung bis zum Schluss


Offizielles Plakat zum 1000 km-Rennen 1979
Copyright / Fotograf: Privat

Ganze 11,7 Sekunden trennen die verfeindeten Porsche-Teams Loos und Kremer bei der Zieldurchfahrt des 1000 km-Rennens auf der Nordschleife des Nürburgrings. Für Loos siegen Schurti/Fitzpatrick/Wollek im 935-Turbo, für Kremer erkämpfen Ludwig/Plankenhorn trotz eines zum Schluss angeschlagenen Kremer 935 K3 den zweiten Rang. Den bestplatzierten Gruppe 5-Tourenwagen nach DRM-Spezifikation, einen BMW 320-Sauger des GS-Teams, steuern Bürger/Schimpf im Feld der Sportwagen und Prototypen auf einen sensationellen sechsten Gesamtrang – vor ihnen liegen ausschließlich Porsche 935.

In aller Kürze

Waldegaard/ Thorszelius (SWE, Ford Escort RS) siegen bei der Rallye Akropolis und bleiben klare WM-Spitzenreiter +++ Warmbold/Liddon (Toyota Celica) gewinnen die zur EM zählende Hessen-Rallye, Kleint/Wanger (Opel Ascona) erreichen Rang zwei und verteidigen damit ihre EM_Führung+++ Louis Chiron, populärer Monaco-Rennleiter und 32-facher GP-Sieger, ist im Alter von 80 Jahren in seiner Heimatstadt Monte-Carlo gestorben +++ Kennerth Persson (SWE), John Nielsen (DAN) und Günther Gebhard (GER) liefern sich zur Halbzeit der der Formel Super V-EM einen erbitterten Dreikampf um die Tabellenspitze +++ Edgar Dören und Wolfgang Boller sind punktgleich Spitzenreiter in der Deutschen Rennsport-Trophäe für GT-Fahrzeuge nach Gruppe 4 und Tourenwagen nach Gr. 2

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Rainer B.
25.06.2019 (07:02)
Antworten
Sorry, da hab ich gepennt. Im Text falsch, in der Bildunterschrift richtig. Wird korrigiert, werde mich bessern...
von ge******
18.06.2019 (07:15)
Antworten
Im Bild ist ein 2002 Turbo zu sehen
Im Bericht wird ein 320 Turbo erwähnt
Was ist nun zutreffend?
Antwort von za******
18.06.2019 (11:02)
Es ist ein Schnitzer-BMW 2002 Turbo (~1428 cm³, ~380 PS bei 9000 U/min, ~810 kg). Schnitzer setzte beim Supersprint 1977 keine 320er ein. Eigentlich sollte Walter Röhrl, ebenfalls auf einem Rodenstock-Schnitzer 2002 Turbo, auch beim 77er Supersprint teilnehmen; der Einsatz fand jedoch nicht statt.
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