Der Circuit de Monaco eignet sich aus dem aktuellem Formel-1-Kalender einfach besten für historischen Motorsport. Auf modernen Rennstrecken wirken die klassischen Rennwagen eigentlich immer deplatziet – je älter das Auto, desto deutlicher der Effekt. Von 13. bis 15. Mai 2022 fand wieder der eigentlich nur zweijährlich ausgetragene Grand Prix Monaco Historique statt. Eine uns zur Genüge bekannte Ursache hatte für die kleine Unregelmässigkeit und die Verschiebung der 2020er-Ausgabe geführt. Dieses Jahr ging alles wieder seinen gewohnten Gang, und die wohl schnellste Hafenrundfahrt der Welt durfte sich wieder an ihrer über 90-jährigen Tradition erfreuen. Das Feld der historischen Rennwagen teilte sich dabei in acht Klassen:
A1: Vorkriegs-Grand-Prix-Wagen und Voiturettes
Das zweite Rennen des Tages endete mit dem zweiten Sieg eines Amerikaners. In der "Louis Chiron Trophy" für Vorkriegs-Grand-Prix-Wagen gewann Mark Gillies mit dem ERA R3A von 1934. Von der Pole Position gestartet, wurde er jedoch in der ersten Kurve vom Engländer Nicholas Topliss im 1935er ERA R4A überholt. Der Engländer war von da an auf dem Weg zu einem sicheren Sieg, als er zwei Runden vor Schluss seinen ERA mit einem Reifenschaden links hinten, den er sich beim Überrunden des Riley von Thierry Chanoine einhandelte, am Casino parken musste. Zweiter wurde der Schweizer Anthony Sinopoli im Maserati 6CM/4CM von 1936, und dritter Patrick Blakeney-Edwards im 1935er Frazer-Nash.
A2: Frontmotor-Grand-Prix-Wagen vor 1961
Die A2-Klasse wurde von der deutschen Claudia Hürtgen im Ferrari Dino 246 S gewonnen. Sie stellte das Auto bereits im Training auf die Pole Position und fuhr einen relativ ungefährdeten Start-Ziel-Sieg heraus. Einzig Tony Woods Tec-Mec F415 vermochte das Tempo des Ferrari mitzugehen. Dritter wurde der Spanier Guillermo Fierro-Eleta im Maserati 250F. Das Rennen musste nach einem Unfall eines Lotus in der Antony-Noghès-Kurve eine Runde vor Schluss abgebrochen werden.
B: Mittelmotor-Grand-Prix-Wagen der 1500-cm3-Klasse (1961–65) und Formel-2-Wagen (1956–60)
Das Rennen war geprägt vom harten Zweikampf zwischen dem Ferrari 1512 (einst gefahren von Surtees und Bandini) von Joe Colasacco und dem Lotus 21 von Mark Shaw. Joe Colasacco übernahm beim Start mit dem Ferrari die Führung, wurde aber vom Mark Shaw sofort und heftig unter Druck gesetzt und verlor in der achten Runde die Führung an den Briten. Leider verunfallte der 1961er Lotus in der ersten Kurve der letzten Runde und ebnete so den Sieg für das rote 1964er Auto aus Maranello. Zweiter wurde der Cooper T71/73 von Christopher Drake vor dem Lotus 24 von Andrew Beaumont.
C: Frontmotor-Rennsportwagen 1952–57
Bei den Sportwagen gewann der aus der Pole Position gestartete Cooper-Jaguar T38 MKll von Frederic Wakeman vor den beiden Maserati 300S des Österreichers Lukas Halusa und des Spaniers Guillermo Fierro-Eleta. Auf den vierten Platz fuhr Lukas' Bruder Niklas Halusa im '54er Jaguar D-Type vor der fünftplatzierten Claudia Hürtgen, die nach ihrem Sieg in der Klasse A2 hier mit einem weiteren Maserati 300S brillierte.
D: Formel-1-Rennwagen 1966–72
Der McLaren M19A hatte bereits 2016 ebenfalls in den Händen von Stuart Hall in den Straßen des Fürstentums gewonnen. Er ist kein bisschen gealtert und wurde einzig in der ersten Kurve von Jordon Grogors Matra MS 120C geschlagen. Aber der in Dubai lebende Südafrikaner wurde dann mit einer Zehn-Sekunden-Strafe infolge eines Frühstarts zurückgestuft, was ihn aber nicht hinderte, als Dritter das Podium zu besteigen. Hauptnutzniesser war Michael Lyons, vierter in der Startaufstellung, der in seinem Surtees TS9 am Ende Zweiter wurde, nachdem er auch noch vom Getriebeschaden des BRM P153 von Esteban Gutierrez profitiert konnte. Der mexikanische ehemalige Formel-1-Pilot im Auto seines Vorgängers Pedro Rodriguez zeigte eine fahrerisch ausgezeichnete Leistung, wurde aber bereits im Training Opfer von Defekten.
E: Formel-1-Rennwagen 1973–76
Der zweite Tagessieg von Stuart Hall folgte nur wenige Stunden später im McLaren M23 von Jody Scheckter, womit er den dreifachen deutschen Le-Mans-Sieger Marco Werner im Lotus 76 von Ronnie Peterson auf den zweiten Platz verwies. Roberto Moreno im Embassy-Hill-Lola T370 von 1974 wurde infolge einer Zehn-Sekunden-Strafe wegen Frühstarts vom Podium verdrängt. Marco Werner: "Ich hatte mit dem Lotus keine Chance gegen den McLaren. Beim Test konnte ich nur wenige Runden mit vier Jahre alten Reifen fahren. Zudem hatte schon damals Ronnie Peterson Probleme, wechselte zurück zum Typ 72 und gewann damit den Grossen Preis von Monaco 1974. Unter diesen Umständen ist der zweite Platz mehr als in Ordnung!"
F: Formel-1-Rennwagen 1977–80
Michael Lyons hat sich mit einem weiteren ersten Platz als siebenfacher Historic-Monaco-Sieger ein Denkmal im Fürstentum gesetzt. Mit dem Hesketh 308E von Rupert Keegan in den Farben des Penthouse-Magazins hatte er bereits 2012, 2014 und 2021 gewonnen. Geholfen hat ihm dabei sicher Pole-Mann Miles Griffiths, der seinen gelben Fittipaldi mit technischen Problemen schon nach der Formationsrunde in der Box parken musste.
G: Formel-1-Rennwagen 1981–85
Das letzte Rennen der Dreiliter-Wagen der Jahre 1981–85 lag ganz in Deutsch-britischen Händen. Marco Werner im Lotus 87 von 1982 gewann vor Michael Lyons im 1983er Lotus Typ 92 und Nick Padmore im 1981er Lotus 88B. Der 88B, der nie zu einem Formel-1-Rennen startete, war ebenso radikales und innovatives wie sein Designer. Das ganze Wochenende stand unter der Ehrung des Lotus-Gründers und -Chefdesigners Colin Chapman. Er muss sich wohl wie im Paradies der Teamchefs gefühlt haben, als am Ende des 13. Grand Prix Monaco Historique ein Dreifach-Erfolg seiner Autos gefeiert werden konnte. Überhaupt waren vermutlich noch nie so viele Lotus-Rennwagen an einer Stätte zu bewundern wie am vergangenen Wochenende im Fürstentum.
Der Pechvogel von Monaco
Zur tragischen Figur wurde Formel-1-Pilot Charles Leclerc. Der momentan führende in der aktuellen Formel-1-Saison, hatte bisher einfach kein Glück auf seiner Heimstrecke. Bei allen drei bisherigen Auftritten in der Königsklasse schaffte es der Lokalmatador nicht ein einziges Mal bis ins Ziel. Nun wurde er auch ausserhalb seiner "Dienstfahrten" vom Pech eingeholt. Leclerc hatte dieses Jahr die Ehre, ein paar Demorunden in einem Ferrari 312 B3 – dem ehemaligen Einsatzwagen von Niki Lauda aus der Saison 1974 – zu drehen. Doch sein Schaulauf endete wieder nicht ganz nach Plan, als ein Bruch der Bremsscheibe vorne links zu einem Dreher und einem rückwärtigen Einschlag in die Leitplanken der Rascasse-Kurve führte. Laut eigener Aussage träumt Leclerc seit er vier Jahre alt war davon, den Grossen Preis von Monaco zu gewinnen. Seine nächste Chance dazu bekommt er in gut einer Woche. Dann wieder im modernen Ferrari.




























































































































































































































































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