Feuer & Flamme - über Herbert Linge und die Gründung der ONS-Rettungsstaffel

Erstellt im Jahr 2009
, Leselänge 13min
Text:
Rainer Braun
Fotos:
Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun 
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Unser Bericht stammt aus dem 3. Band von 2009 der beliebten Buchreihe “Hallo Fahrerlager“ von Rainer Braun.

Großer Preis von Holland, 29. Juli 1973. Was an diesem Tag auf dem Dünenkurs von Zandvoort passiert, geht als besonders trauriges und beschämendes Kapitel in die Formel-1-Geschichte ein. Die TV-Bilder zeigen einen halb umgestürzten March-Rennwagen, der Fahrer ist im Cockpit gefangen. Das Auto brennt. Um Roger Williamson zu befreien, bräuchte es ein paar kräftige Männer mit Feuerschutzkleidung, die den Monoposto aufrichten.


Dokument der Schande - keiner hilft David Purley bei seinem Rettungsversuch von Roger Williamson 1973 in Zandvoort
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Während zwei Streckenposten das grausige Szenario untätig betrachten und sich nicht ans Feuer trauen, stoppt Landsmann David Purley an der Unfallstelle. Er springt aus dem Auto, sprintet quer über die Fahrbahn und versucht in einem verzweifelten Kraftakt, das brennende Auto anzuheben. Aber alleine hat er keine Chance. Auch der Handfeuerlöscher, den er einem der Posten entreißt, kann die Flammen nicht ersticken. Der junge Brite verbrennt bei lebendigem Leib.

Purley wendet sich weinend ab, nicht ohne zuvor noch in einem Anfall tiefster Verzweiflung die gleichgültigen Marshalls verbal und körperlich zu attackieren.

Mehr Sicherheit ist möglich

Herbert Linge ist wütend, enttäuscht und empört zugleich, als er kurz nach dem Drama die grausamen Fernsehbilder noch einmal analysiert. „Der arme Kerl könnte noch leben, wenn die Holländer nicht so stur gewesen wären. Ich bin sicher, dass wir ihn noch rechtzeitig aus seiner brennenden Kiste geholt hätten – vorausgesetzt, die Funkverbindung zwischen Rennleitung und einem unserer Rettungswagen hätte funktioniert.“
Denn auch die war zum Unfallzeitpunkt gestört. Schlecht ausgerüstetes, ängstliches Pistenpersonal und die Arroganz von Rennleitung und Streckenbetreiber haben den Riesen-Skandal zu verantworten.

Deutsche Rettungsstaffel zu teuer für Holländer?

Dabei wäre optimaler Feuerschutz zu haben gewesen. Denn Linge, Initiator der drei Monate vorher offiziell ins Leben gerufenen deutschen Rennstrecken-Sicherungsstaffel, hatte die Dienste seiner mobilen Eingreiftruppe mit einem R-Porsche und mehreren S-Fahrzeugen für die lückenlose Absicherung des 4,2 km langen Kurses sogar noch vorher angeboten. Aber die Holländer lehnten ab, weil etwa 2000 Mark Einsatzkosten angefallen wären und man überdies sowieso eine eigene Feuerwehr habe. „Jedes meiner rund um die Strecke postierten Autos wäre in 20 Sekunden an jedem Unfallort gewesen“, ist sich Linge sicher, „ein Strahl aus dem Halon-Löschgerät hätte genügt, um das Feuer schlagartig auszublasen.“

Der ungeheuerliche Vorgang bewirkt zumindest, dass sich Bernie Ecclestone persönlich einschaltet und die Linge-Truppe danach immer öfter zu den europäischen Formel-1-Schauplätzen gerufen wird.

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Lebenswerk

Der Aufbau der mobilen Rettungsstaffel mit geschultem Personal gilt als das ganz große Lebenswerk des ehemaligen Porsche-Rennfahrers, der für sein Engagement sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird. Angefangen hat alles mit einer Eigeninitiative des Werkstatt-Meisters und Betriebsleiters in der Weissacher Porsche-Versuchsabteilung.


Hilfe naht - der R-Porsche 914-6 als erstes Rettungsstaffelauto mit LInge und dem Doktor 1972 im Einsatz am Nürburgring
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Herbert Linge konnte und wollte nicht mehr länger mit ansehen, wie Rennfahrer-Kollegen nach Unfällen hilflos in brennenden Autos sitzen und den Feuertod sterben. Als erste Sofortmaßnahme lässt er 1972 einen ausrangierten Porsche 914/6 aus der Versuchsabteilung zum schnellen Feuerwehrauto umbauen. Unter der Heckklappe wird eine 120 Kilo-Halon-Löschanlage mit acht Metern Schlauch und einem garantierten Aktionsradius von 20 Metern als Maßanfertigung der Firma „Deugra“ eingepasst. An Bord befinden sich außerdem eine hydraulische Presse, Blechscheren, Seilwinde, Säge und sonstiges Bergungswerkzeug. Und natürlich Sprechfunk.

In offizieller Mission

Linge und der legendäre Heidelberger Unfallarzt Dr. Eddie Rothenfelder (der in Feierlaune auch mal einen ganzen Blumenstrauß genüsslich verzehren konnte) bilden die Erstbesatzung des „R-Wagens“, der zunächst bei den großen Rennen in Hockenheim und am Nürburgring dem Feld in der Startrunde hinterher eilt. „Die erste Runde ist immer die gefährlichste“, weiß Linge aus eigener Erfahrung, „da passiert am meisten und schnelles Eingreifen ist hier besonders wichtig.“

Mühelos hält der frühere Porsche-Werksfahrer, GT-Meister und zwölffache Le-Mans-Teilnehmer das Tempo der letzten Startreihe, bleibt also am Feld dran. Wenn’s kracht, ist er schon nach wenigen Sekunden zur Stelle und entscheidet blitzschnell über Stopp oder Weiterfahrt. Geht die erste Runde ohne Einsatz zu Ende, wird der R-Porsche mit laufendem Motor bei Start und Ziel geparkt. Die beiden Männer, selbst wie Rennfahrer mit Helm und Overall ausgerüstet, bleiben sitzen und können sofort wieder ausrücken, wenn ein Notruf von der Strecke einläuft und das „GO“ von Rennleitung kommt.


Privat-Initiative - Herbert Linge und Rennarzt Dr. Eddie Rothenfelder (links) mit dem ersten Porsche 914/6 am Ende des Formel-2-Feldes 1972 in Hockenheim
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Widerspruchslos erteilt die ONS, also unser heutiger DMSB, ihren Segen für die noch nirgends verankerten Sonderfahrten des ockerfarbenen Porsche 914 mit dem großen R auf den Türen und am Heck. Hilfreich ist dabei sicher auch die Tatsache, dass Linge Fahrervertreter im ONS-Gremium ist und immer wieder die Notwendigkeit schneller Rettungs-Maßnahmen bei Feuerunfällen und sonstigen heiklen Zwischenfällen anmahnt.

Im damaligen ONS-Geschäftsführer Sigismund von Kahlen findet er einen überzeugten Fürsprecher und Mitkämpfer, der dem Projekt jede nur erdenkliche Unterstützung zukommen lässt. Neben der Hauptfigur Linge zählen auch der Langenfelder Motorsportclub mit seinem Präsidenten Otto-Paul Rutat und dem Radio-Reporter Ernst Harmening sowie Georg Bellof sen. (Vater von Stefan Bellof) zu den Initiatoren und Mitbegründern der segensreichen Einrichtung.

Das Inferno am Ring

Für viele Rennfahrer, eingeklemmt in brennenden oder völlig demolierten Autos, wird der Mann mit der Löschkanone in den folgenden Jahren zum Lebensretter. Gleich zu Beginn, als es nur den Porsche 914/6 in inoffizieller Mission gibt, muss die R-Wagen-Besatzung oft genug eingreifen, um das Schlimmste zu verhindern. Feuerwehrmann Linge, selbst in heikelsten Situationen extrem ruhig und erstaunlich unaufgeregt, ist überall zur Stelle, wo es brennt oder schnelle Hilfe benötigt wird.


Inferno - bei einer Start- Kollision des Interserie-Rennens 1972 am Nürburgring fliegt der Ferrari 512M des Schweizers Herbert Müller in die Boxengasse und explodiert in einem riesigen Feuerball
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

So auch im Oktober 1972 am Nürburgring, wo der Start-Ziel-Bereich haarscharf an einer Katastrophe vorbeischrammt. Indy-Start zum Rennen der Interserie. Der McLaren-Chevy von Franz Pesch bricht beim Beschleunigen aus, schießt quer durch Feld nach rechts, trifft den Ferrari 512 M des Schweizers Herbert Müller und fliegt in die Tankstelle. Wie durch ein Wunder bleibt die Explosion trotz umgerissener Zapfsäule aus. Der Ferrari steigt auf, überschlägt sich über die Leitplanke in die Boxengasse und landet dort mit den Rädern nach oben. Beim Aufschlag detoniert der prall gefüllte Tank und aus dem vorderen Teil der Boxenanfahrt wird sofort ein riesiges Flammenmeer.

Endlose 15 Sekunden vergehen, bevor sich Müller selbst befreien kann und als lebende Fackel davonrennt – genau vor die Füße eines zufällig dort postierten Sanitäters. Geistesgegenwärtig schnappt der sich einen Handfeuerlöscher und zielt auf den brennenden Mann. Fast gleichzeitig trifft Linge im R-Wagen ein, die Halon-Kanone erledigt den Rest. Nach eineinhalb Minuten ist auch das Riesenfeuer rund um den Ferrari gelöscht, zurück bleibt ein dampfendes Gerippe. Müller kommt mit Brandverletzungen im Gesicht davon.


Herbert Linge als Feuerwehrmann mit Löschkanone 1972 am Nürburgring, rechts das Ferrari-Wrack von Herbert Müller
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Ironie des Schicksals: Neun Jahre später stirbt der Schweizer bei einem neuerlichen Feuerunfall auf der Nordschleife. Nach einem Ausweichmanöver rammt sein offener Porsche 908-Sportwagen im schnellen Rechtsknick am Ende der Steilstrecke mit hoher Geschwindigkeit den dort abgestellten, noch nahezu voll getankten 935-Turbo von Bobby Rahal. Beide Autos gehen explosionsartig in Flammen auf. Diesmal kommt jede Hilfe für „Stumpen-Herbie“ zu spät – nach Meinung von Experten hat er schon den Aufprall nicht überlebt. „Hier hätte auch die schnellste Truppe der Welt nichts mehr zum Retten vorgefunden“, sagen die Männer aus Linges Staffel traurig. Bei beiden Feuerunfällen sitze ich als Streckensprecher am Mikrofon. Während ich 1972 den Zuschauern noch erleichtert Entwarnung verkünden kann, muss ich im Mai 1981 mit stockender Stimme das Kommuniqué der Rennleitung mit der Todesnachricht verlesen.


Praxistest - Reporter Braun dreht mit Linge im R-Porsche eine Nordschleifenrunde
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Die Nordschleife ist von Anfang an die größte Herausforderung für Linge und seine Männer. Und wegen der extremen Länge von 22 Kilometern ein echter Problemfall obendrein. Schon 1972 offenbart mir der „Firefighter“ seine Sorgen zu diesem Thema. Tag und Nacht beschäftigt er sich damit, wie man schnelle Hilfe in kürzester Zeit an jedem Punkt realisieren könnte. Dieses Problem ist inzwischen längst gelöst. Bei Nordschleifen-Veranstaltungen werden heute neun S-Wagen in eigens eingerichteten Parktaschen postiert. Jede Besatzung deckt etwa 2,5 Kilometer ab. „Wenn alles optimal läuft, ist jeder Unfallort von unseren Leuten innerhalb von 45 Sekunden erreichbar“, sagt der heutige Einsatzleiter Uwe Frumolt.

Premiere in Hockenheim

Zurück zur offiziellen Geburtsstunde des mobilen Einsatzkommandos. Im November 1972 beschließt die ONS-Sportkommission einstimmig, aus den bislang freiwilligen Einzelkämpfer-Einsätzen eine professionelle Rettungs-Truppe zu formen. Mit Hilfe der deutschen Automobil- und Zubehör-Industrie kommt innerhalb von vier Monaten ein stattlicher Fuhrpark von 14 Staffel-Autos zusammen.

Porsche ersetzt den alten 914/6 durch einen neuen Porsche 911 für Linge und den Doc, die restliche Flotte der sogenannten S-Wagen kommt als Leihgabe oder Spende von allen möglichen Herstellern. Beim Formel-2-EM-Lauf in Hockenheim im April 1973 präsentiert die Sportbehörde ihre „ONS-Rennstrecken-Sicherungsstaffel“ offiziell der Presse, den Veranstaltern und den Fahrern. Ein Schrottvehikel wird angezündet und muss für die Demo-Übung herhalten.


Zwei Retter - Formel-1-Arzt Dr. Grajales-Robles und Herbert Linge 1977 beim GP Deutschland in Hockenheim
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Jedes Einsatz-Auto ist mit zwei Mann besetzt und notwenigem Arbeitsgerät ausgestattet. Alle Staffel-Mitglieder sind ehemalige oder noch aktive Motorsportler, die sich an den Wochenenden ohne Vergütung in den Dienst der guten Sache stellen und oft sogar Urlaubstage opfern. Für ihre verantwortungsvolle Aufgabe werden sie von Staffel-Kapitän Linge in speziellen Lehrgängen geschult.

Ernstfall auf dem Nürburgring kurz nach dem ersten Einsatz

Kaum einen Monat nach der Präsentation tritt schon wieder der Ernstfall ein. Am Nürburgring absolviert die Formel-Super-V im Vorprogramm des 1000-km-Rennens einen Lauf zum Europa-Cup. In der Startrunde gibt es im schnellen Streckenabschnitt „Flugplatz“ einen schlimmen Massenunfall mit einem halben Dutzend beteiligter Fahrzeuge.


Im Einsatz- Linge beim Formel Super V-Crash am Nürburgring auf dem Flugplatz 1973, Arnulf Schießer ist verunfallt
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Die Fahrbahn ist ein Trümmerfeld, der Rennwagen von Arnulf Schießer brennt, auch sein Overall hat Feuer gefangen. Geistesgegenwärtig zieht der ebenfalls havarierte Lola-Fahrer Knut Lehmann seinen Kollegen aus dem Cockpit.

Linge plus Doktor erreichen im R-Wagen gerade noch im rechten Moment die Unfallstelle, um den brennenden Rennfahrer mit einem Halon-Strahl abzulöschen. Schießer kommt dank des schnellen Eingreifens noch einigermaßen glimpflich davon, seine Brandwunden sind hauptsächlich auf geschmolzenes Material des Overalls zurückzuführen.

Überhaupt der flammenabweisende Overall, dessen tatsächliche Feuerfestigkeit Herbert Linge schon lange Kopfzerbrechen bereitet. „Das ist ein besonders trübes Kapitel, entweder ist das Material minderwertig oder die Kerle haben nur normale T-Shirts drunter, die bei einem Feuer sofort schmelzen und sich wunderbar in die Haut brennen. Ganz schlimm wird’s, wenn gar nichts unter dem Overall getragen wird.“

Sicherheits-Apostel Linge ist um diese Zeit ja schon froh, dass wenigstens die importierten, aus Jacke und Hose bestehenden blauen Einheits-Overalls immer seltener getragen werden. Die Dinger brennen wie Zunder, wie auch mein alter Freund Erich Bitter am eigenen Leib erfahren muss. Als Importeur der „blauen Ware“ hat er mal zu einer Vorführung an den Nürburgring geladen, um der Fachpresse die Qualitäten des Produkts im Praxistest zu demonstrieren.


Angebrannt - beim Versuch, die Feuerfestigkeit des Rennoveralls zu demonstrieren, gerät Nomex-Importeur Erich Bitter in größere Not ...
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Das Experiment mit dem angeblich feuersicheren Overall endete damit, dass der gute Mann plötzlich selbst in Flammen stand und gelöscht werden musste. Heute sagt er dazu nur: „Dass ist eine peinliche Geschichte, über die ich nicht so gerne rede.“

Feuerfeste Schutzanzüge setzen sich durch

Wirklich gute Schutzanzüge, die wenigstens 30 bis 40 Sekunden einem Feuer ohne jeden Schaden für den Träger trotzen, kommen erst später ins Spiel. Gemeinsam mit der Sportbehörde bemüht sich Linge darum, dass die Normen strenger und statt irgendwelcher hellblauer dünner Fetzen wenigstens doppelwandige Rennoveralls samt geeigneter Unterwäsche zur Pflicht gemacht werden. Das unsägliche Mundtuch weicht im Zuge der Optimierung einer ebenfalls flammfesten Kopfhaube. Gleiches gilt für den offenen Helm, den immer mehr Fahrer aus freien Stücken gegen eine Vollvisier-Ausführung tauschen. Und dass man Helme und Overalls keine zehn Jahre oder gar noch länger im Rennbetrieb nutzt, wird im Laufe der Zeit durch entsprechende Bestimmungen und Zertifizierungsmerkmale unterbunden. Die heute gültigen, strengen Sicherheitsvorgaben zum Thema Helm und Overall setzte ich mal als bestens bekannt voraus.


Bescheidener Fuhrpark - bis in die späten Siebzigerjahre war der Staffel-Fuhrpark noch überschaubar
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Linge geht, Frumolt kommt

Erfolg und Wachstum der Rettungsstaffel sind nicht mehr aufzuhalten. Schon sechs Jahre nach der Präsentation beträgt allein der reine Fahrzeugwert der Staffel rund eine Million Mark. Personal und Fuhrpark wachsen im Gleichschritt. Bald schreibt die ONS allen Veranstaltern von Rundstrecken- und Bergrennen den Einsatz eines Staffel-Kontingents als Pflichtprogramm vor. Aber da haben alle sowieso schon eingesehen, dass es ohne die schnelle Eingreiftruppe nicht mehr geht. Das Sicherheitsdenken wird bewusster, der Staffel-Einsatz so normal wie die Siegerzeremonie nach jedem Rennen.


Stolze Flotte - 15 Jahre nach der Gründung sind Mannschaft und Material bereits kräftig gewachsen
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Im April 2008 kann die Rettungs-Staffel bereits ihr 35. Jubiläum feiern. Schon 20 Jahre zuvor hat Initiator Herbert Linge aus Altersgründen die Geschicke seines Lebenswerks in andere Hände gelegt. Mit der Berufung des Schwaben Uwe Frumolt zum neuen Leiter wird aus der bislang ehrenamtlichen Aufgabe zugleich auch ein hauptberuflicher Fulltime-Job, den der neue Chef als Auftragnehmer der ONS beziehungsweise des DMSB erledigt. Frumolt gehört übrigens mit Jürgen Ditzinger, Bruno Ehret und Safety Car-Fahrer Peter Lux zu jenen vier wackeren Männern, die seit dem offiziellen Start 1973 durchgängig an Bord sind bzw. waren.


Linges Nachfolger - Uwe Frumolt ist seit 1988 verantwortlicher Leiter der Rettungs-Truppe. Der Schwabe ist vom ersten Tag an dabei
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Bis zu 100 Mal rückt die „DMSB-Staffel“ pro Saison aus und wird inzwischen aus vier festen Depots in Hockenheim, Nürburgring, Oschersleben und Euro-Speedway Lausitz je nach regionalem Einsatzgebiet mit Autos und Fachpersonal gespeist. Nach der jüngsten Bestandsaufnahme kann Staffelleiter Frumolt dank der großzügigen Industrie-Partner auf insgesamt sechs schnelle R-Wagen und 28 S-Fahrzeuge zurückgreifen, dazu sechs Ärzte und 100 Mann Personal. „Das liest sich zwar gut, reicht aber nicht aus“, stellt der Chef klar, „wir bräuchten vor allem noch mehr Mediziner und Helfer“. Allein der reine Materialwert der Rettungs-Flotte wird aktuell auf mehrere Millionen Euro taxiert.

Lob von allen Seiten

Wenn jemand auf das prächtig gediehene „Ziehkind Rettungsstaffel“ ganz besonders stolz sein kann, dann ist es vor allem Herbert Linge. Mit seinem Lebenswerk hat sich der stille und bescheidene Mann aus Weissach ein bleibendes Denkmal gesetzt. Ganze Generationen von Rennfahrern müssten ihm eigentlich auf ewig dankbar sein. Denn seit der ehemalige Versuchs-Ingenieur mit der Gründung der Rennstrecken-Sicherheitsstaffel dem Feuertod den Kampf angesagt hat, gingen Feuerunfälle mit tödlichem Ausgang vor allem auf deutschen Rennstrecken merklich zurück. Im Gleichschritt wurde auch die schnelle und sachgerechte Bergung und Versorgung eingeklemmter oder verletzter Piloten von Jahr zu Jahr perfektioniert. Über eine zentrale Leitstelle, wo die Staffelexperten auf großen Monitorwänden jeden Streckenabschnitt im Blick haben, erhalten die rundum postierten Rettungsfahrzeuge ihre Marschbefehle. „Uns entgeht garantiert nichts“, sagt Frumolt stolz, „mit dem Zoom sehen wir sogar den kleinsten Fremdkörper auf der Fahrbahn.“


Ehrengäste - der 81-jährige Herbert Linge und seine Frau Lieselotte als Gäste beim letzten Solitude-Revival
Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun

Dass seine Idee von damals im Laufe der Jahrzehnte einen so hohen Standard erreicht hat und auch gerne von anderen Ländern übernommen wurde, freut den inzwischen 81-jährigen Gründervater Herbert Linge zu Hause in Weissach ganz besonders. So leistet sich heute fast jede Motorsport-Nation eine eigene, mobile Rettungs-Einheit nach deutschem Vorbild. Und was die Rennfahrer-Prominenz vom Standard der deutschen Sicherheits-Truppe hält, ist in der Jubiläumsbroschüre des DMSB verewigt. Ob Michael Schumacher oder sein Bruder Ralf, ob Gerhard Berger, Bernd Schneider oder Walter Röhrl – sie alle attestieren den Profis der DMSB-Staffel höchstes Lob. „Danke, dass es Euch gibt und dass Ihr Eure Freizeit für unsere Sicherheit opfert“, schreiben Superstars wie Hobby-Piloten unisono in ihren Grußbotschaften. Schlusswort Herbert Linge: „Ich habe damals nur gemacht, was gemacht werden musste. Schön zu sehen, was daraus geworden ist.“   

Diese Geschichte stammt aus Band 3 (2009) der dreiteiligen Buchreihe "Hallo Fahrerlager" von Rainer Braun. Derzeit sind noch Restbestände der Bände 1, 2 und 3 als Paket im Schuber verfügbar, solange der Vorrat reicht. Aktuell ist die Sonderedition „Hallo Fahrerlager Classic“ im Großformat mit 300 Seiten und vielen neuen Episoden im Handel. Weitere Infos dazu und Bestellungen auf der Website von “Hallo Fahrerlager” oder dem Racing-Webshop .

Weitere Beiträge von Rainer Braun sind im Themenkanal "Hallo Fahrerlager" zu finden.

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Quelle:
von go******
25.10.2016 (18:38)
Antworten
1974 hatte ich beim Renault 5-Elf-Pokal auf der Avus einen Motorschaden. Da ich per Achse zum Rennen gefahren war und am nächsten Tag wieder meinen Dienst im Krankenhaus aufnehmen musste, wusste ich nicht, wie ich rechtzeitig nach Hause in Bückeburg kommen sollte. Ernst Harmening, gebürtig aus Bückeburg, ließ sich überreden, meinen Wagen am Seil durch die DDR zu schleppen. In Helmstedt heile angekommen, stellte sich heraus, saß es auch für den restlichen Weg keine Transportmöglichkeit gab und so wurde ich von Willibald ( seinen Nachnamen weiß ich nicht mehr ) gefragt, wie schnell er denn fahren dürfte. Es war dunkel, regnete leicht und meine Batterie hatte nicht mehr viel Saft für die Beleuchtung. Ich antwortete: nicht schneller als 140 km/h ! Und genau mit 140 km/h ging es dann hinter dem Capri RS bis zur Autobahnabfahrt nahe Bückeburg. Die letzten Kilometer hat mich dann Ernst Harmening abgeschleppt! Bis heute bin ich heilfroh und der Staffel zutiefst dankbar für ihre Hilfsbereitschaft! PS: der Rückweg hat nicht so lange gedauert wie die Hinfahrt auf eigener Achse!!!
von we******
11.10.2016 (10:04)
Antworten
schreibt doch bitte mal was zu der Rettungsstaffel im osteuropäischen Raum
Die hatten Tatras PKW's (Most,Brünn Sachsenring Polen usw.)

Danke
Grüße
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